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Schwangerschaft



Als Schwangerschaft (med. Gravidität) bezeichnet man den Zeitraum in dem eine befruchtete Eizelle im Körper einer Frau zu einem Kind heranreift.

Im Folgendem wird nur die Schwangerschaft bei Menschen behandelt. Bei anderen lebend gebärenden Säugetieren spricht man auch von Trächtigkeit und die Dauer der Schwangerschaft wird als Tragzeit bezeichnet.

Table of contents
1 Schwangerschaftsdauer
2 Verlauf einer Schwangerschaft
3 Störungen der Schwangerschaft
4 Schwangerschaftstests
5 Weblink

Schwangerschaftsdauer

Die Schwangerschaft dauert von der Befruchtung bis zur Geburt durchschnittlich 267 Tage. Die letzte Menstruation vor der Befruchtung liegt durchschnittlich 14 Tage vor der Befruchtung, von diesem Zeitpunkt wird jedoch die Schwangerschaft aus medizinischer Sicht gerechnet und dauert dann 40 Wochen (280 Tage, 9.2 Monate). (1 Monat = 30,4167 Tage bei einem 365Tage-Jahr)

Der Menstruations-Zyklus kann tatsächlich zwischen 21 und 35 Tagen betragen. Dadurch ergeben sich je nach Dauer des Zyklus, während dem die Befruchtung statt fand, Abweichungen zwischen dem gerechneten und der tatsächlichen Fortschritt der Schwangerschaft von bis zu sieben Tagen. Diese Abweichung wird bei der medizinischen Begleitung der Schwangerschaft durch Ärzte und etwa bei Entscheidungen über den Geburtsmodus (natürliche Geburt, eventuell medikamentös eingeleitet, oder Kaiserschnitt) in der Regel nicht beachtet.

Der Geburtstermin wird vom Arzt anhand der Ultraschalluntersuchung bestimmt; er lässt sich aber auch über die Naegele'sche Regel errechnen. Zum berechneten Termin kommen jedoch nur vier Prozent der Kinder zur Welt, innerhalb von einer Woche um den errechneten Geburtstermin herum 26 Prozent und innerhalb von drei Wochen um den errechneten Geburtstermin 66 Prozent.

Bei einer Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche, spricht man von einer Frühgeburt.

Verlauf einer Schwangerschaft

Befruchtung und Implantation

Die beim
Geschlechtsverkehr in die Vagina ausgestossenen Spermien wandern durch die Gebärmutter (Uterus) bis in die Ampulle des Eileiters. Dort treffen sie auf die nach der Ovulation vom Fimbrientrichter aufgenommene Eizelle. Nach dem Eindringen (Imprägnation) kommt es zur zweiten Reifeteilung mit Verlust eines Polkörperchens. Die beiden Chromosomensätze von Eizelle und Spermium verschmelzen miteinander (Konjugation) und bilden nun eine entwicklungsfähige Zelle (Zygote), die nun innerhalb von drei Tagen unter hormoneller Steuuerung in die Gebärmutter wandert. In dieser Zeit erfolgen die Zellteilungen über die Morula zur Blastozyste, die sich am 6. Tag nach dem Eisprung in der Uteruswand einnistet. Die Blastozyste teilt sich in einen Trophoblastenanteil aus dem sich die Plazenta und einem Embryoblastanteil aus dem sich der Embryo entwickelt. Das die beiden Anteile verbindende Gewebe wird zur Nabelschnur.

1. Trimenon

Nach Feststellung der Schwangerschaft und Bestätigung durch Ultraschallkontrolle erfolgt in Deutschland zunächst die Ausstellung eines Mutterpasses sowie die Abnahme einer Blutprobe für diverse Routineunteruchungen. Dazu gehören die Feststellung der Blutgruppe, serologische Untersuchungen auf Chlamydieon und die Bestimmung des Röteln-Titers. Der berechnete Entbindungstermin wird in den Pass eingetragen und in der Regel wird ein Folsäurepräparat verschrieben.

Viele Schwangerschaften verlaufen komplikationsfrei.

Schon im ersten Monat können aber auch Übelkeit, Brechreiz und Schwangerschaftserbrechen auftreten. Ab der dritten Woche kann die Empfindlichkeit der Brust zunehmen, meist einhergehend mit einem Spannungsgefühl. Auch über wechselnde Heißhungerattacken und Launen wird berichtet. Das erste Fruchtwasser beginnt sich zu bilden.

Im zweiten Monat kann die Morgenübelkeit noch mehr zunehmen, die Ernährung für die Schwangere wird schwierig. Darüberhinaus können Verdauungsbeschwerden auuftreten, die sich in Blähungen, Verstopfung und vermehrtem Harndrang einhergeht. Die Brüste fühlen sich schwerer und voll an. Das Auftreten von blauen Äderchen um die Brüste oder Krampfadern ist möglich. Nach der achten Woche ist die Anlagenbildung der Organe während der Embryonalentwicklung abgeschlossen; der Herzschlag und die Nabelschnur kann im Ultraschall beobachtet werden. Die Embronalperiode wird nun von der Fetogenese abgelöst. Finger und Zehen sind beim Feten deutlich zu sehen

Der dritte Monat ist von einem zunehmenden Appetit mit erhöhtem Speichelfluss gekennzeichnet. Persistierende Verstopfungen und gelegentlich auftretende Kopfschmerzen mit Schwindelgefühl stellen gelegentlich eine Belastung für die Schwangere dar. Zur Freude der Eltern lassem sich in der ersten routinemässigen Ultraschallkontrolle Bewegungen des nun etwa 2 cm großen Feten beobachten. Augen und Lider sind ausgebildet.

2. Trimenon

Mit dem zweiten Trimenon lässt die Übelkeit, sofern sie da war, in der Regel nach. Das Wachstum der Brüste nimmt weiter zu, auch kommt es zu einer leichten Schwellung der Arme und Beine. Zum Ende des 4. Monats hin können manche Frauen die die ersten Kindsbewegungen spüren. Die Finger und Zehen sind jetzt deutlich voneinander zu unterscheiden, in der Regel sind jetzt alle Organe entwickelt, die Nieren produzieren den ersten Urin. Ab diesem Zeitpunkt ist das Geschlecht im Ultraschallbild erkennbar. Der Fetus ist jetzt knapp 6 cm gross und wiegt um die 100 g.

Mit zunehmender Rundung des Bauches können rötliche oder bräunliche Schwangerschaftststreifen aufgrund der Dehnung des Bindegewebes auftreten. Gelegentlich wird über eine verstopfte Nase und Nasenbluten oder Zahnfleischbluten bereichtet.

Ab dem fünften Monat macht sich ein verstärkter weisser vaginaler Ausfluß (Leukokorese) bemerkbar. Schwindel und selten Ohnmachtsanfälle, einhergehend mit gesteigerter Müdigkeit und Veränderungen der Sehschärfe können auftreten. Die Dehnung der Mutterbänder um den Uterus, sowie Rückenschmerzen und selten auftretende Krämpfe in den Beinen sind Zeichen eines zunehmenden Größenwachstums der Gebärmutter. Der Spass am Sex nimmt wieder zu.

Beim Feten beginnt sich das Unterhautfettgewebe zu vermehren. Die Haut selber wird von einer schützenden Wachsschicht (Vernix) überzogen. Die Haare beginnen zu wachsen und die ersten Verknöcherungen des Skelettes zeigen sich. Er reagiert nun auf akustische und optische Reize von außen.

Im sechsten Monat sind die Kindesbewegungen am deutlichsten spürbar. Schläft der Fetus zunächst noch 15-20 Stunden am Tag, bilden sich langsam Wach- und Schlafperioden heraus. Das Wachstum der Brüste hält unvermindert an. Der Appetit der Mutter normalisiert sich wieder. Die Stimmungsschwankungen neutralisieren sich, leichte Vergesslichkeit kann auftreten. Beim etwa 700 g schweren Fetus entwickelt sich das Nervensystem weiter

3. Trimenon

Das zunehmende Gewicht kann im letzten Trimenon Rücken- und Fußschmerzen verursachen. Die Wassereinlagerungen in Armen und Beinen nimmt aufgrund des hohen Austauschbedarfes an frischem Fruchtwasser zu. Der sich ausbreitende Uterus drückt auf die Verdauung und die Lunge, die Folge ist Kurzatmigkeit der Schwangeren und die Gefahr von Hämorrhoiden. Der Ausfluss aus den Brüsten (Kolostrum) kann einsetzen. Eine weitere Ultraschallkontrolle schliesst sich an. Der Fötus hat sein Gewicht verdoppelt und wiegt dann um 1 kg und misst 34 cm. Mit etwa 28 Wochen ist es als Frühgeburt lebensfähig, da die Lungen und das Zentralnervensystem genügend ausgebildet sind.

Spätestens im achten Monat beginnt die Geburtsvorbereitung. In speziellen Kursen informieren Schwangere und ihr Partner über die Möglichkeiten der Schmerzmittel und Anästhesietechniken und stellen einen Geburtsplan auf. Die zunehmende Blasenschwäche kann durchaus lästig werden und erfordert ein gewisses Training des Schließmuskels. Die verstärkte Kurzatmigkeit, wird erst nach dem Auftreten der Senkwehen (2-4 Wochen vor der Geburt) besser. Auf dem juckenden Bauch steht der Nabel deutlich hervor. Es können schmerzlose Kontraktionen des Bauches auftreten. Dieser wird für eine Minute hart und entspannt sich dann wieder.

Im neunten Monat verändern sich die Kindsbewegungen, welches sich aufgrund des geringen Platzes nun mehr dreht als tritt. Einige Tage vor der Geburt tritt das so genannte "Zeichnen" als Folge des sich lösenden Muttermundes auf, der Ausfluss ist leicht blutig. Der Blasensprung, also das Platzen der Fruchtblase, ist in der Regel ein Zeichen dafür, dass die Geburt innerhalb der nächsten 24 Stunden stattfinden wird. Spätestens jetzt wird es Zeit, die Klinik aufzusuchen oder die Hebamme anzurufen. Mit Einsetzen der richtigen Wehen (rhytmische Kontraktionen der Gebärmutter) wird der Geburtsvorgang eingeleitet. Liegt die Plazenta vor dem Muttermund, muss ein Kaiserschnitt durchgeführt werden.

Störungen der Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft kann es zu Störungen bzw. Beeinträchtigungen kommen, die im schlimmsten Fall das Leben des ungeborenen Kindes und/oder der Mutter gefährden. Dazu gehören z.B. Präeklampsie und HELLP-Syndrom. Röteln während der Schwangerschaft können zu einer Fruchtschädigung führen.

Auch Alkohol-Konsum und rauchen sind schädlich. Laut Weltgesundheitsorganisation würden Zwei Drittel aller plötzlichen Kindstode nicht auftreten, wenn beide Eltern nicht rauchen [1]. Das Risiko das das Kind ein Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) aufweist, ist bei in der Schwangerschaft rauchender Mutter 16,5 Prozent (sonst 4,6 Prozent)[1]. Über die Auswirkungen von Alkohol-Konsum während der Schwangerschaft gibt es unterschiedliche Ergebnisse. Während man bis vor kurzem davon ausging, dass "ein Gläschen Wein oder Sekt ab und zu" nicht schädlich sind, besagen neuere Studien, dass jeglicher Alkoholgenuss sich negativ auf das entstehende Kind, insbesondere auf Gehirn und Nervensystem, auswirkt.

Bestimmte Medikamente wie beispielsweise Contergan haben teratogene Wirkung, d.h. ihre Einnahme kann zu Missbildungen führen.

Infektionen mit Listerien oder Toxoplasma gondii können auf das ungeborene Kind übertragen werden und dieses schädigen.

Schwangerschaftstests

Bis in die 1940er Jahre wurden Schwangerschaftstests mit Hilfe von afrikanischen Krallenfröschen durchgeführt. Siehe hierzu den Artikel Froschtest. Heute gibt es einfache und günstige Schwangerschaftstests, die das Vorkommen von HCG-Hormonenen im Blut oder Urin messen. Dieses Hormon kommt nur in Trophoblastengewebe vor, das vom Feten oder der Plazenta gebildet wird.

Insbesondere in den ersten sechs Wochen der Schwangerschaft kann die Hormonkonzentration im Urin unter der Nachweisgrenze des Test sein, sodass hier ein falsch negatives Testergebnis vorliegt. Aber auch falsch positive Ergebnisse können durch Chorionzellkarzinome und andere Keinzelltumore, die dieses Hormon ebenfalls ausbilden können, verursacht werden.

Siehe auch: Befruchtung, Schwangerschaftserbrechen, Schwangerschaftsabbruch, Mutterschutz

Weblink


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