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Schleimpilze




Schleimpilze sind eine Gruppe von Organismen, deren systematische Einordnung noch nicht eindeutig geklärt ist. Von einigen Forschern werden die Myxomyceten sogar als eigenes Reich betrachtet. Etwa 1000 Arten sind bekannt.

Bereits die Frage, ob Schleimpilze Einzeller oder Mehrzeller sind, ist schwer zu beantworten. Sie bilden ein Plasmodium, eine Plasmamasse meist ohne Zellwand, in der aber sehr viele Zellkerne vorhanden sind. Diese Plasmodien können sich in einzelne amöbenartige Zellen (Myxamöben) aufteilen, die sich wieder vereinigen können. Auch die Frage, ob Schleimpilze eher Tiere, Pilze oder Pflanzen sind, ist nicht eindeutig zu klären. Sie können sich wie riesige Amöben bewegen und durch Phagozytose ernähren, aber auch feste pilzartige Fruchtkörper bilden. Einige Arten bilden wie echte Pilze chitinhaltige Zellwände. Einige Schleimpilze bilden Geschlechtszellen mit Geißeln, vergleichbar Braunalgen und den Spermien von Tieren. Innerhalb der Biologie wird die systematische Erforschung durch die Botanik betrieben.

Bekannt ist vor allem Physarum, ein amoeboider Myxomycet, bei dem das Plasmodium einer einzigen Zelle bis zu 80 cm groß wird. Im Jugendstadium wandern sie als vielkernige Riesenzellen zur Nahrungssuche auf dem Substrat umher, bei Reife erstarren sie zu feststehenden Fruchtkörpern. Verschiedene Arten kommen ausschließlich während der Schneeschmelze im Frühjahr im Gebirge vor. Sie brauchen eine mehrmonatige geschlossene Schneedecke für die Entwicklung. Die gelb gefärbte Art Physarum polycephalum ("Lohblüte") kann mehr als 2 m2 Fläche bedecken. Sie ist auch im Labor kultivierbar. Junge Plasmodien, die im Inneren von abgestorbenen Bäumen leben, zeigen negative Phototaxis. Ältere Plasmodien zeigen positive Phototaxis und wandern vor der Sporenbildung nach außen zum Licht. Sie besitzen lichtempfindliche Farbstoffe, die insbesondere auf blaues und UV-Licht reagieren.


Viele Arten züchtet man auf Rinden. Wenn die Rinde in ein geschlossenes Gefäß auf Zellstoff gelegt wird, erscheinen meist nach wenigen Tagen bis Wochen die Fruchtkörper. Die meisten Arten allerdings kommen während der Vegetationsperiode an verschiedenen Substraten vor, wie zum Beispiel Totholz, Gras, abgestorbene Pflanzenteile und Moos.

Manche Arten können schier unglaubliche Mengen an Calcium und anderen Metallen ansammeln. So wurde für Fuligo septica ein Calcium-Gehalt von bis zu 11 Gewichtsprozent ermittelt. Auch die Gehalte an Mangan, Zink und Barium zeigten extraordinär hohe Werte.

Manche Schleimpilzarten werden auch von Menschen gegessen, z.B. in Mexico. In der Medizin werden Schleimpilze als Modellorganismen genutzt, z.B. bei der Erforschung der Legionärskrankheit.

Eine ähnliche Lebensweise wie die eukaryontischen Schleimpilze haben im Bereich der Prokaryonten die Myxobacteria entwickelt, ein Beispiel für konvergente Evolution.

Systematik

Organisationstyp: Schleimpilze (1.-3. Abteilung) Hauptkennzeichen: Zellwandlose, vielkernige, amöboid bewegliche Plasmamassen (Plasmodien). Vermehrung durch Sporen, deren Bildung in besonderen Fruchtkörpern erfolgt.

1. Abteilung: Acrasiomycota Acrasiomycota sind durch ein Aggregationsplasmodium gekennzeichnet, das von zusammenkriechenden Myxamöben gebildet wird, die nicht miteinander verschmelzen.

2. Abteilung: Myxomycota Myxomycota simd plasmodiale Schleimpilze wie z. B. Physarum Sie bestehen grundsätzlich aus einer großen Zelle mit tausenden von Kernen (Plasmodium). Sie entstehen, wenn viele begeißelte Zellen zusammenschwärmen und verschmelzen. Plasmodien sind wahrscheinlich entstanden durch Fusion von Myxoflagellaten oder Myxamöben bzw. aus Einzelzellen ohne vorausgehende geschlechtliche Vorgänge Auftreten von begeißelten Keimzellen. Man untergliedert sie in 2 Klassenn, eine davon sind die Myxomycetes, die Schleimpilzen im engeren Sinne.

3. Abteilung: Plasmodiophoromycota Sie sind charakterisiert durch das Vorhandensein von Chitinzellwänden sowie Auftreten von haploiden und diploiden Plasmodien. Sie sind Endoparasiten in Pflanzen. Die systematische Stellung ist umstritten.

Ein anderes Konzept zur Systematik der "Organisationsform Schleimpilze" wird in Straßburger: Lehrbuch der Botanik (2002) vertreten. Vergleiche hierzu Systematik des Pilzreiches.

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