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Samisdat



Samisdat (russisch: сам - selbst, издательство/isdatel'stwo - Verlag) bezeichnete in der UdSSR die Verbreitung von alternativer, nicht systemkonformer Literatur auf nichtoffiziellen Kanälen, zum Beispiel durch Handschrift, Abtippen oder Fotokopie sowie Weitergeben einzelner Exemplare.

Schriftsteller, Dichter und Publizisten konnten kritische oder auch von der Gattung des Sozialistischer Realismus' abweichende Texte nicht im staatlich kontrollierten Verlagswesen veröffentlichen. So war der Samisdat neben privaten Lesungen oft der einzige Weg, die Texte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Da sich das Spannungsverhältnis zwischen politischer Macht und liberaler Literatur wie ein roter Faden durch die russische Geschichte zieht, gab es auch schon vor der Oktoberrevolution privat, meist als Handschrift verbreitete Texte. So besaß Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts fast jeder gebildete Russe eine Abschrift der Komödie Verstand schafft Leiden (Горе от ума) des Dichters Alexander Gribojedow.

Wurden kurz nach der Revolution - vor allem aus organisatorischen und ökonomischen Gründen - noch handschriftlich kopierte Gedichte von Andrej Belyj, Nikolaj Gumiljow, Maximilian Woloschin und anderen auf der Straße verkauft, so war der Verbreitungsweg später eher privater Natur. Unter Stalin wurde die Aufbewahrung und Verbreitung verbotener Texte mit bis zu 25 Jahren Lagerhaft bestraft; oftmals lernten Menschen deshalb verbotene Gedichte auswendig und gaben sie nur mündlich weiter, um sich nicht zu kompromittieren. Nichtsdestotrotz kann in dieser Zeit der Ursprung des Samisdats im engeren Sinne gefunden werden.

Erstmals verwendet wurde ein Samisdat ähnlicher Begriff in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, als der russische Dichter Nikolaj Glaskow seine Gedichte in wenigen handgeschriebenen Exemplaren unter der Bezeichnung Samsebjaisdat (Самсебяиздат, "Sichselbstverlag") verteilte. Er parodierte damit die Namen der Staatsverlage, die zum Beispiel Goslitisdat, Detisdat oder Politisdat hießen. Der Begriff verkürzte sich in der weiteren Verwendung auf Samisdat und wurde zum Inbegriff für unzensierte Literatur.

Das wohl bekannteste Werk, das in der Sowjetunion nur im Samisdat erscheinen konnte, war Archipel Gulag (Архипелаг Гулаг, 1968) von Alexander Solschenizyn.




     
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