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Rote Armee



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Rote Armee (russisch Рабоче-крестьянская красная армия, РККА (rote Arbeiter- und Bauernarmee) Krasnaja Armija) war die Bezeichnung für die Streitkräfte sozialistischer Republiken. Meist bezeichnet der Begriff die Streitkräfte der Sowjetunion zwischen 1918 und 1946. Sie wurde unter maßgeblicher Beteiligung Leo Trotzkis in der Revolutionszeit aufgebaut. Die Bezeichnung entstand im Verlauf des russischen Bürgerkrieges, als die Gegner als "Weiße Armee" bezeichnet wurden. Die volle Bezeichnung war: Die Rote Arbeiter- und Bauernarmee.

Ab 1946 bis zum Ende der Sowjetunion 1991 hieß die Armee der UdSSR offiziell die Sowjetarmee, umgangssprachlich wurde sie aber weiterhin oft als "Rote Armee" bezeichnet.

Auch in Bayern gab es 1919 eine Rote Armee. Sie war von der KPD im Zusammenhang der bayerischen Revolution gegründet worden und spielte in der Zeit der Münchner Räterepublik eine – allerdings nur episodenhafte – Rolle.

Table of contents
1 Die Rote Armee in Finnland
2 Die Rote Armee in Polen
3 Die Rote Armee im Baltikum
4 Die Rote Armee in Deutschland
5 Verbände der Roten Armee
6 Literatur

Die Rote Armee in Finnland

Beginnend mit einem Luftangriff auf Helsinki, überfiel die Rote Armee 1939 das sie in keiner Weise bedrohende Finnland. Die zahlenmäßig weit unterlegene finnische Armee vermochte sich aber im so genannten Winterkrieg erfolgreich zu verteidigen, auch wenn Finnland territoriale Einbußen hinnehmen musste. Insgesamt war der Winterkrieg ein Desaster für die Rote Armee.

Die Rote Armee in Polen

Die Rote Armee besetzte 1939 den östlichen Teil Polens, nachdem Hitler und Stalin Polen vorher unter sich aufgeteilt hatten (Hitler-Stalin-Pakt). Dort ermordete sie zehntausende polnische Offiziere, etwa in Katyn, um Polen seiner Elite zu berauben. Erst mit dem "Unternehmen Barbarossa" genannten Überfall auf die Sowjetunion vertrieb die deutsche Wehrmacht die Rote Armee wieder aus Polen.

Im Sommer 1944 beschloss die polnische Heimatarmee, die einen freien demokratischen Staat Polen wollte, nicht auf den "Befreier" "Russland", der für sie seit Jahrhunderten ein genauso gefährlicher Feind wie Deutschland gewesen war, zu warten und rief am 1. August 1944 in Warschau zum Aufstand gegen die deutsche Besatzung auf. Die Rote Armee hatte sich während des Aufstandes in Warschau bis an die Grenzen und Vororte der Stadt herangekämpft, unterstützte die Aufständischen jedoch in keiner Weise, sondern wartete vor den Toren der Stadt, wie die deutschen Besatzer Warschau nahezu dem Erdboden gleich machten, zahlreiche Stadtviertel niederbrannten und so den Zerstörungsbefehl Hitlers durchführten. Der Roten Armee war an der Abschlachtung der polnischen Heimatarmee gelegen, da sie Polen nicht befreien, sondern zu einem ihrer Satellitenstaaten machen wollte.

Die Rote Armee im Baltikum

Nach dem Hitler-Stalin-Pakt besetzte die Rote Armee die drei baltischen Staaten, wo sie in mehreren Wellen einen nicht geringen Teil der Bevölkerung deportierte, was angesichts des GULag und der Situation in den sibirischen und zentralasiatischen Lagern für viele einem Todesurteil gleichkam. Zehntausende versuchten aus Angst vor der Roten Armee oft in wenig seetüchtigen Booten nach Schweden zu fliehen, wobei viele ertranken.

Die Rote Armee in Deutschland

Die historische Bewertung der Roten Armee in der Zeit des Zweiten Weltkriegs ist unterschiedlich: Einerseits kämpfte die UdSSR an der Seite der anderen Alliierten in der Anti-Hitler-Koalition und befreite viele KZ, darunter auch das KZ Auschwitz-Birkenau. Anderseits werden ihr Gewaltexzesse am Ende des zweiten Weltkrieges, die von manchen als Rache der Verbrechen der Wehrmacht gesehen werden, vorgeworfen. Lew Kopelew, der als Offizier der Roten Armee die Gewaltexzesse kritisierte, fand kein Gehör bei seinen Vorgesetzten und wurde deswegen zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt. Ähnlich erging es Alexander Solschenizyn.

Besonders im deutschen kollektiven Gedächtnis blieben die Vergewaltigungen haften. Die bekannt gewordenen Tatsachen wurden zum einen mit Erschrecken aufgenommen, zum anderen wurden sie aber ebenso politisch instrumentalisiert – sowohl zur Legitimation des in der frühen Bundesrepublik herrschenden Antikommunismus als auch, um im Vergleich die Taten der Nationalsozialisten zu verharmlosen. Noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielte die "Schändung deutscher Frauen" eine wichtige Rolle in der Kriesgpropaganda. Ebenso war es in der DDR nicht möglich, das Thema in der Öffentlichkeit zu erwähnen.

Zahlreiche Tagebuchaufzeichnungen, Berichte und Briefe belegen jedoch, dass Vergewaltigungen in erheblicher Zahl stattgefunden haben. Nach neuesten Schätzungen sind 1945 zwischen Frühsommer und Herbst 110.000 Mädchen und Frauen vergewaltigt worden. Weit höhere Schätzungen reichen bis zu 800.000 Opfern, die Quellenlage in diesen Punkten ist jedoch schwierig. Insgesamt wird die Zahl der Opfer während des gesamten Vormarsches der Roten Armee auf etwa 1,9 Millionen geschätzt. Die Führung der Roten Armee versuchte, das Problem seit Juni 1945 einzudämmen, jedoch anfangs wenig erfolgreich. Ab dem frühen Herbst wurden ertappte Täter bestraft, die Bestrafung selbst wurde vom lokalen Kommandaten verhängt und konnte vom mehrtägigen Arrest bis zu einigen Jahren Straflager reichen. Kam es zu einer Vergewaltigung mit Todesfolge wurde der schuldige Soldat meist zur Abschreckung erschossen. Erst durch die Einrichtung der Besatzungsregierung in Berlin konnte das Problem dort entschärft werden. Seit Mitte 1947 wurde die Rote Armee auch räumlich von der Wohnbevölkerung getrennt. Im März 1949 schließlich erließ das Präsidium des Obersten Sowjets einen Erlass, der das Strafmaß vereinheitlichte und erhöhte. Eine Vergewaltigung zog zwingend eine Strafe von 10 bis 15 Jahren im Arbeitslager nach sich, schwere Fälle (Minderjährige, Gruppen, Vergewaltigung mit Körperverletzung) eine Strafe von 10 bis 20 Jahren.

Aus Angst vor der Roten Armee kam es im Mai 1945 in Demmin zu der größten Massenselbsttötung in der deutschen Geschichte. Etwa 900 Einwohner beendeten vor und nach dem Einmarsch der russischen Armee ihr Leben.

Verbände der Roten Armee

Literatur

Siehe auch:
Russische Streitkräfte




     
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