WEB LEXIKON: Ein Blick zurück
Hauptseite | Aktueller Wikipedia-Artikel

Remipedia



>
Remipedia
Überstamm: Häutungstiere (Ecdysozoa)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Tracheentiere (Tracheata)
Klasse: Krebstiere (Crustacea)
Ordnung: Remipedia

Die Remipedia stellen eine Ordnung innerhalb der Krebstiere dar. Bislang sind aus dieser erst in den 1980er Jahren entdeckten Tiergruppe neun Arten bekannt, weitere werden in Höhlen mit Meereskontakt erwartet.

Table of contents
1 Lebensweise der Remipedia
2 Bau der Remipedia
3 Fortpflanzung und Entwicklung
4 Systematik der Remipedia
5 Weiterführende Literatur:

Lebensweise der Remipedia

Die Remipedia wurden bei Tauchgängen in von Meerwasser überfluteten Kalksteinhöhlensystemen auf den Bahamas und der Halbinsel Yucatán sowie in Lavatunneln auf Lanzarote entdeckt. Gemeinsames Merkmal dieser Höhlen ist die Verbindung zum Meer sowie der Zugang vom Land. Aus diesem Grunde wird in den Höhlen das tiefe Meerwasser durch Süß- und Brackwasser überlagert (anchialine Höhlen). Die Remipedia leben dabei immer in der sauerstoffarmen Meerwasserzone unterhalb der Schichtungsgrenze.

Die Tiere leben räuberisch und fangen mit ihren Mundwerkzeugen kleinere Krebse. Dies Verhalten wurde mit einer Garnele beobachtet, die von den Maxillen und dem Maxillipeden ergriffen und zum Mund geführt wurde. Mit ihren Schwimmbeinen bewegen sie sich durch das Wasser, wobei die Beine in einer Wellenbewegung fortlaufend geschlagen werden. Dieses Schwimmverhalten kann bei der Flucht in einen synchronen Schlag umgewandelt werden.

Bau der Remipedia

Die Remipedia sind farblose und augenlose Höhlentiere, die eine Körperlänge von 9 bis 45 Millimetern erreichen. Ihr Körper ist in einen Kopf und einen Rumpf gegliedert, wobei der Rumpf aus einer arttypischen Anzahl von Segmenten (bei den bekannten Arten 16 bis 38) besteht. Diese Rumpfsegmente sind mit doppelästigen Schwimmbeinen bestückt, wobei die beiden Äste (Endopodit und Exopodit, siehe auch Spaltbein) etwa gleich lang sind. Das letzte Körpersegment, das Telson, trägt zwei weitere Extremitäten, die gemeinsam als Furca (auch Furka, bedeutet Gabel) bezeichnet werden.

Der Kopf, in den das erste Rumpfsegment verschmolzen ist (erkennbar an einem Maxillipeden als Mundwerkzeug), ist vor einem Kopfschild bedeckt. Die 1. Antenne ist zweiästig und relativ lang. Sie besitzt ein vergrößertes Grundglied, an dem mehrere Reihen von Sinnesrezeptoren (Aesthetasken) sitzen. Die 2. Antenne besteht ebenfalls aus zwei Ästen, wobei der Exopodit blattförmig und ständig Wasser übe die Sinneszellen leitet. Die Mandibeln besitzen einen beweglichen Teil und die beiden Maxillen sowie der Maxilliped sind als einästige Greifwerkzeuge konstruiert. Die 1. Maxille trägt die Öffnung einer großen Drüse, die vermutlich Verdauungsenzyme produziert.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Remipedia sind Zwitter. Sie besitzen ein Ovar oberhalb des Darmes mit Ausführgängen am 8. Rumpfsegment sowie Hoden mit Ausführgängen im Bereich des 14. Rumpfsegments. Dabei sind die Spermien in Spermatophoren zu jeweils sechs Spermien zusammengefasst.

Über die Paarung und die Entwicklung der Remipedia ist bislang nichts bekannt.

Systematik der Remipedia

Aufgrund ihres einheitlich gegliederten Körpers sowie vor allem der zweiästigen 1. Antenne werden die Remipedia heute den anderen Krebsstieren (Eucrustacea) als Schwestergruppe gegenüber gestellt. Allerdings wird auch diskutiert, ob die Remipedia überhaupt den Krebstieren zugeschlagen werden oder ob sie ein eigenes basales Taxon innerhalb der Mandibeltiere bilden, welches den Krebstieren und den Tracheentieren gemeinsam gegenüber gestellt werden muss. Die endgültige Entscheidung über diese Frage ist abhängig vom Fund der Larven der Remipedia, die als Krebse ein Naupliusauge ausgebildet haben müssen.

Weiterführende Literatur:

Ax P (1999): "Das System der Metazoa II. Ein Lehrbuch der phylogenetischen Systematik"; Gustav Fischer Verlag.

Gruner HE (1993):"Klasse Crustacea"; in Gruner HE (Hrsg.): "Lehrbuch der Speziellen Zoologie, Band I, 4. Teil: Arthropoda (ohne Insecta)"; Gustav Fischer Verlag

Schminke HK (1997): "Crustacea, Krebse"; in Westheide, Rieger (Hrsg.): "Spezielle Zoologie Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere"; Gustav Fischer Verlag

Schram F, Yager J, Emerson MJ: "Remipedia. Part I. Systematics"; San Diego Society Natural History, Memoir 15, 1-60 1986

Yager J (1987): "Speleonectes tulumensis n. sp. (Crustacea: Remipedia) from two anchialine cenotes from the Yucatan peninsula, Mexico"; Stygologiy 3, 160-165

Yager J, Schram F (1986): "Lasionectes entricoma, new genus, new species (Crustacea: Remipedia) from anchialine caves in the Turks and Caicos, British West Indies." Proc. Biol. Soc. Wash. 99, 65-70

Yager J (1991): "The Remipedia (Crustacea): Recent investigations of their biology and phylogeny"; Verh. Dtshc. Zool. Ges. 84, 261-269




     
Das Web Lexikon "Ein Blick zurück" bietet die Moeglichkeit auf einfache Art und Weise in den "alten" Wikipedia-Beiträgen zu blättern. Das Lexikon spiegelt den Stand der freien Wikipedia-Enzyklopädie vom August 2004 wider. Sie finden hier in rund 120.000 Artikel aus dieser Zeit Informationen, Erklärungen, Definitionen, Empfehlungen, Beschreibungen, Auskünfte und Bilder. Ebenso kommen Begriffserklärung, Zusammenfassung, Theorie, Information, Beschreibung, Erklärung, Definition und Geschichte nicht zu kurz. Ein Lexikon das Auskunft, Bericht, Hinweis, Bedeutung, Bild, Aufklärung, Darstellung und Schilderung zu unterschiedlichsten Themen kompakt auf einer Seite bietet.
Impressum ^ nach oben ^