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Regulationstheorie



Die Regulationstheorie ist ein Ansatz, die durch materielle Produktion, staatliche Herrschaft und ideologische Denkformen geprägte kapitalistische Gesellschaft in ihrem Zusammenhang zu begreifen. Für die Regulationstheorie ist dabei der Begriff der Stabilität entscheidend; gefragt wird wodurch sich bei der eigentlich strukturell krisenhaften Produktionsweise des Kapitalismus Phasen der Stabilität ausprägen und wodurch sie beendet werden. Die Grundfrage der Regulationstheorie formuliert Joachim Hirsch folgendermaßen: "Wie wird eine Gesellschaft zusammengehalten, die aufgrund ihres ökonomischen Reproduktionsmechanismus strukturell von bestandsbedrohenden Krisen und sozialen Desintegrationsprozessen bedroht ist." (Hirsch, Joachim 1990: Kapitalismus ohne Alternative?, 18)

Table of contents
1 Ursprünge
2 Kernkonzepte
3 Historische Abfolge aus regulationstheoretischer Perspektive
4 Kritik
5 Literatur
6 Weblinks

Ursprünge

Der Regulationsansatz ist eine Sammlung von Theorien der politischen Ökonomie, die in Frankreich und Italien entwickelt wurden, und von der strukturalistischen Variante des Marxismus, die von Louis Althusser begründet wurde, ausgeht. Die Vertreter dieser Theorie sehen, hier dem Marxismus folgend, im Kapitalismus einen Zwang zur Akkumulation des Kapitals gegeben; diese kann aber zu verschiedenen Zeiten verschiedenen Formen annehmen, die sich im Nachhinein einem bestimmten Typus zuordnen lassen, dem Akkumulationsregime. Es gab nie die eine homogene Theorie, es wurden aber verschiedene Ansätze als Regulationstheorie oder Regulationsschule bezeichnet.

Kernkonzepte

Die zentralen Kategorien dieses Theorieansatzes sind:

Akkumulationsregime

Ein Akkumulationsregime ist die Organisation der Produktion und der Kapitalflüsse einschließlich des Modus der Entlohnung, der Mehrwerterzeugung und Verteilung, der Staatsquote und deren Flexibilität. (Quelle:
isra.tuwien.ac.at)

Das Akkumulationsregime beschreibt die Wachstumsperioden der Entwicklung eines kapitalistischen Wirtschaftssystems mit dem Wechselspiel von Transformation, Normen der Produktion und Konsumtion sowie der Organisation der Ökonomie und Gesellschaft. Es soll über eine bestimmte Produktionsweise von Gütern die Bedürfnisbefriedigung der Menschen sichern.

Historisch beispielhaft ist das fordistischee Akkumulationsregime, wo standardisierte Produkte ("T5") mit Vollbeschäftigung und einem hohen Lohnniveau einhergingen. Arbeiter mit hohem Lohn konnten sich einen "Ford" leicht leisten; ihr Konsum kurbelte die Produktion weiter an (Positive Rückkopplung). Auch in den Zeiten des Wirtschaftswunders war die Produktion ein Garant für Wohlstand; Arbeiter wurden sogar anteilsmäßig zum Gewinn entlohnt.

Da heute viele Bedürfnisse in den Industrieländern warenförmig gestillt sind (Fernseher, Kühlschrank, Telefon, Auto), findet sich schwer ein neues Akkumulationsregime. Bedürfnisse im Sozialen, die zweifelsfrei bestehen, wie Alterversorgung, Pflege, Bildung und Kinderbetreuung können ohne Intervention von außerhalb des Marktes nicht von selbst zu einem neuen Akkumulationsregime führen. Unabsehbar ist die Bedeutung von Biotechnologien als eventuelle Leittechnologie eines neuen Akkumulationsregimes, das vage als Post-Fordismus bezeichnet wird. Das Wechseln eines Akkumulationsregimes ging bis dato krisenhaft vor sich.

Regulationsweise

Die Regulationsweise soll durch staatliche Institutionen, Apparate, soziale Netzwerke, Formen des Massenkonsums und des Lebenstils und auch andere Normen dafür sorgen, dass die Fortexistenz und Weiterentwicklung der Ökonomie garantiert ist. Die Ausgestaltung der Regulationsweise ist grundsätzlich offen und unterliegt den gesellschaftlichen Machtverhältnissen und der Hegemonie. Die Stabilisierung des Fordismus etwa wäre in dieser Weise undenkbar gewesen ohne das staatliche Modell des Wohlfahrtstaates im Einhergang mit einflussreichen Gewerkschaften (''siehe auch: Korporatismus.

hegemoniale Struktur

Die sich historisch nun jeweils herausbildende konkrete Verbindung von Akkumulations- und Regulationsweise - also die Art der Verwertung des Kapitals und der Art, wie diese Verwertung politisch und ideologisch gesichert wird - wird schließlich als die jeweilige hegemoniale Struktur bezeichnet.

Historische Abfolge aus regulationstheoretischer Perspektive


 |Zeit
|Logik
|Akkumulationsregime
|Regulationsmodus
|Ära
|Leittechnologie
 |~1850
|
|Handwerkliche Einzelfertigung
|Nachtwächterstaat; ständische Gesellschaft
|
|Maschinisierung
 |~1923
|Extensivierung
|Kleinindustrielle Serienfertigung
|Liberalismus; Klassengesellschaft
|Manchester-Kapitalismus
|Elektrifizierung; Chemie
 |~1975
|Intensivierung
|Großindustrielle Massenfertigung
|Wohlfahrtsstaat; Korporatismus
|Fordismus
|Erdöl; Auto
 |1975~
|Flexibilisierung
|Netzwerkunternehmen; Outsourcing
|Individualisierung; Neoliberalismus
|Postfordismus
|Mikorelektonik; Informationstechnik
erweitert nach dem Entwurf: H. H. B LOTEVOGEL 1998 ([1])

Kritik

In dem analysierten Zeitrahmen wird die Neugestaltung des neoliberalen Diskurses nicht erfasst, sondern über eine seit den 1970er Jahren anhaltende Krise des Fordismus. Auch die Neugestaltung und Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse wird nicht thematisiert. Die Beschränkungen dieser Theorie stehen deswegen auch im Mittelpunkt der Diskussion um die Regulationstheorie.

Siehe auch: Postfordismus

Literatur

  • Aglietta, Michel (2001 [1979]): A Theory of Capitalist Regulation, Neuauflage, London. ISBN 1859842682
  • Hirsch, Joachim und Roth, Roland (1986): Das neue Gesicht des Kapitalismus - Vom Fordismus zum Post-Fordismus, Frankfurt am Main. ISBN 3879753741

Weblinks




     
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