WEB LEXIKON: Ein Blick zurück
Hauptseite | Aktueller Wikipedia-Artikel

Radovan Karadžić



Radovan Karadžić (* 19. Juni 1945 in Petnici/Montenegro) ist ein bosnisch-serbischer Politiker.

Table of contents
1 Ausbildung und Beruf
2 Karadžić und der bosnische Bürgerkrieg
3 Das Ende des Krieges und Untertauchen Karadžićs
4 Weblink
5 Literatur

Ausbildung und Beruf

Karadžić ging 1960 nach Sarajevo, um dort Medizin zu studieren. Das Studium schloss er 1971 als Doktor der Medizin ab. Danach begann er als Psychiater zu arbeiten, zunächst im Krankenhaus von Sarajevo. Später gründete er eine eigene Praxis in Pale 20 km östlich von Sarajevo.

Bereits früh begann er Kindergedichte zu schreiben und im Stil serbischer Volksmusik zu komponieren. Von 1968 bis 1900 veröffentlichte er vier Gedichtbände, wobei bereits der erste, Ludo koplje (deutsch: Verrückte Lanze) vom Kampfgeist der Serben handelte.

Karadžić und der bosnische Bürgerkrieg

Nach dem Ende des Einparteiensystems in Jugoslawien wurde im Juli 1990 die Serbische Demokratische Partei (SDS) in Bosnien-Herzegowina gegründet, deren erster Vorsitzender Radovan Karadžić wurde. Bei den ersten freien Wahlen in Bosnien-Herzegowina am 18. November und 2. Dezember 1990 erringt die SDS unter seiner Führung 72 der 240 Sitze der ersten Kammer des bosnischen Parlaments und wird damit zweitstärkste Fraktion. Im Zuge des sich anbahnenden Zerfalls Jugoslawiens unterstützt Karadžić bereits jetzt die von Slobodan Milošević verkündeten Pläne für ein Großserbien, in das er Bosnien einbringen will.

Nach den im Frühjahr und Sommer 1991 in Kroatien entflammten Kämpfen und der Bildung der Republik Serbische Krajina werden unter seiner Herrschaft im September 1991 in Bosnien-Herzegowina die Serbischen Autonomen Regionen Bosnische Krajina, Herzegowina und Romanija ausgerufen. Im Laufe der stattfindenden Diskussionen um die Unabhängigkeit Bosnien-Herzegowinas, das zu diesem Zeitpunkt noch Teil Jugoslawiens ist, organisiert Karadžić am 9. November 1991 in den serbischen Regionen ein Referendum über einen gemeinsamen Staat der bosnischen Serben mit Serbien, Montenegro und der Republik Serbische Krajina, dem 90% der bosnischen Serben zustimmen. Am 9. Januar 1992 wird dann die Republika Srpska gegründet, deren erster Präsident Radovan Karadžić wird.

Am 25. Januar 1992 wird im bosnischen Parlament eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit beschlossen. Dies wird von Karadžić als "Kriegserklärung an die Serben" bezeichnet. Das am 29. Februar und 1. März durchgeführte Referendum, das eine überwältigende Zustimmung zur Unabhängigkeit ergibt, wird nach Aufrufen von Karadžić und anderen serbischen Führern von der serbischen Bevölkerung boykottiert. Nach der Ausrufung der Unabhängigkeit Bosnien-Herzegowinas am 3. März 1992 brechen in ganz Bosnien Kämpfe aus. Am 1. April zieht die SDS auf Anweisung Karadžićs ihre Mitarbeiter aus dem Innenministerium von Bosnien-Herzegowina zurück, konzentriert ihre Macht in Pale und beginnt einen Krieg gegen die anderen bosnischen Bevölkerungsgruppen. Unter Ausnutzung der auch zwischen den bosnischen Kroaten und Muslimen bestehenden Spannungen traf sich am 6. Mai 1992 in Graz Radovan Karadžić mit dem Führer der bosnisch-herzegowinischen Kroaten, Mate Boban, um mit ihm Gespräche über die Aufteilung Bosnien-Herzegowinas zu führen, die aber, auch auf internationalen Druck hin, nicht erfolgreich abgeschlossen wurden.

Bis zum Dezember 1992 gelang es den bosnischen Serben unter Karadžićs Präsidentschaft und der militärischen Führung von Ratko Mladić mit Unterstützung Serbiens 70 Prozent des Gebiets von Bosnien-Herzegowina unter ihre Kontrolle zu bringen sowie die Hauptstadt Sarajewo permanent zu belagern. Karadžić wird dabei auch beschuldigt, die so genannten ethnischen Säuberungen und Übergriffe auf muslimische und kroatische Zivilisten. legitimiert zu haben.

In den beiden folgenden Jahren zu keiner wesentlichen Veränderung der Situation. Zwar gab es einige internationale Bemühungen, zu einer Friedenslösung zu kommen und es wurden UN-Schutzzonen für eingekesselte Städte wie Srebrenica und Goražde eingerichtet. Aber besonders die Maximalforderungen der bosnischen Serben unter Karadžić verhinderten den Abschluss eines Friedensvertrages. Erst 1995 gibt es wieder substanzielle Bewegungen. Nach einigen militärischen Rückschlägen und dem Ende eines vereinbarten viermonatigen Waffenstillstands ordnet Karadžić am 27. März 1995 die totale Mobilmachung in der Republika Srpska an. Nachdem Sarajewo am 9. April von serbischen Truppen schwer beschossen worden war, gibt am 24. April das UN-Kriegsverbrechertribunal bekannt, dass es gegen Karadžić und Mladić ermittelt. Im Mai gelingt es Kroatien mit westlicher Unterstützung zunächst große Teile des bis dahin von Serben gehaltenen Gebiets WestSlawonien unter seine Kontrolle zu bringen. Daraufhin beginnen die bosnischen Serben auch verstärkt UN-Soldaten der UNPROFOR-Einheiten als Geiseln zu nehmen, deren Zahl zeitweise auf über 300 anschwillt. Auf Befehl Karadžićs wird am 11. Juli 1995 die UN-Schutzzone Srebrenica mit über 40.000 muslimischen Einwohnern von serbischen Truppen ohne Widerstand der UN-Truppen eingenommen. Während Frauen und Kinder in Richtung Tuzla vertrieben werden, wird der größte Teil der männlichen Bevölkerung ermordet. Am 20. Juli erleidet die Stadt Žepa ein ähnliches Schicksal, hier werden aber alle Einwohner vertrieben. Auf Grund der trotz dieser serbischen "Erfolge" schwieriger werdenden militärischen Lage (Kroatien hat inzwischen auch die Krajina erobert) kommt es nun auch zu einem Machtkampf zwischen Karadžić und seinem General Mladić. Am 23. August fordert Karadžić als Basis für neue Friedensverhandlungen 64 Prozent des Gebiets von Bosnien-Herzegowina für die Serben.

Das Ende des Krieges und Untertauchen Karadžićs

Durch die zunehmenden Landgewinne der kroatischen, aber auch der bosnisch-muslimischen Truppen muss Karadžić schließlich hinnehmen, dass die weiteren Friedensverhandlungen ohne ihn, sondern direkt mit den Präsidenten Bosnien-Herzegowinas, Serbiens und Kroatiens, Izetbegović, Miloševic und Tuđman geführt werden, die am 21. November in Dayton abgeschlossen werden. Es wird darin festgelegt, dass die nun so genannte Entität der Republika Srpska 51 Prozent des Territoriums Bosnien-Herzegowinas ausmacht. und bisher von den Serben gehaltenen Gebiete, so zum Beispiel Ilidža, ein Vorort von Sarajewo, an die Bosniakisch-Kroatische Föderation abgegeben werden müssen. Karadžić organisiert daraufhin noch ein Referendum in diesen Orten, das zwar nahezu 100-prozentige Ablehnung der Übergabe ergibt, schließlich kann aber auch das die Unterzeichnung des Vertrags am 14. Dezember 1995 in Paris und damit das Ende des Bürgerkrieges nicht mehr verhindern. Am 20. Februar 1996 ordnet schließlich Karadžić die Evakuierung der noch verbliebenen 50.000 Einwohner dieser Orte an, der die meisten auch Folge leisten.

Auf anhaltenden internationalen Druck hin muss Karadžić am 30. Juni 1996 als Präsident der Republika Srpska abtreten. Dies hatte zuletzt sogar Milošević gefordert. Neue Präsidentin wird Biljana Plavšić, die aber auch später vom UN-Kriegsverbrechertribunal verurteilt wird. Am 11. Juli erlässt das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag eine Haftbefehl gegen Karadžić und Mladić. Nachdem die OSZE, die die Verantwortung für die Einhaltung des Dayton-Abkommens übernommen hatte, gedroht hatte, die SDS nicht zu den bevorstehenden Wahlen zuzulassen, musste Karadžić schließlich am 19. Juli auch den Vorsitz der SDS abgeben.

Trotz des Haftbefehls unternimmt aber zunächst weder die neue Regierung der Republika Srpska noch die nunmehr IFOR genannte internationale Friedenstruppe ernsthafte Anstrengungen, Karadžić zu verhaften. So kann er noch im Februar 1997 mit erneuter Gewalt für den Fall drohen, dass die Stadt Brčko, deren Status im Dayton-Abkommen noch nichtgeklärt war, nicht in die Republika Srpska eingegliedert würde.

Zwar gab es in den Folgejahren immer wieder einzelne, teils halbherzige Bemühungen, die nunmehr untergetauchten Karadžić und Mladić ausfindig zu machen und zu verhaften, aber auch durch die Unterstützung von Regierungsbeamten der Republika Srpska und zunächst wohl auch seitens Miloševićs konnten sie sich bisher immer wieder dem Zugriff entziehen. Dies auch, weil sie offensichtlich immer noch von breiten Teilen der Bevölkerung besonders im Osten Bosniens gestützt werden. Erst im Juni 2004 gibt es ernsthafte Anzeichen, dass der internationale Bosnien-Beauftragte Paddy Ashdown mit Hilfe der SFOR zu finden und zu verhaften. Dazu setzte er am 30. Juni 59 Amtsträger der Republika Srpska, unter anderen den SDS-Vorsitzenden Dragan Kalinić ab, die im Verdacht stehen, Karadžić zu decken und ihn weiterhin logistisch und finanziell zu unterstützen.

Weblink

Literatur




     
Das Web Lexikon "Ein Blick zurück" bietet die Moeglichkeit auf einfache Art und Weise in den "alten" Wikipedia-Beiträgen zu blättern. Das Lexikon spiegelt den Stand der freien Wikipedia-Enzyklopädie vom August 2004 wider. Sie finden hier in rund 120.000 Artikel aus dieser Zeit Informationen, Erklärungen, Definitionen, Empfehlungen, Beschreibungen, Auskünfte und Bilder. Ebenso kommen Begriffserklärung, Zusammenfassung, Theorie, Information, Beschreibung, Erklärung, Definition und Geschichte nicht zu kurz. Ein Lexikon das Auskunft, Bericht, Hinweis, Bedeutung, Bild, Aufklärung, Darstellung und Schilderung zu unterschiedlichsten Themen kompakt auf einer Seite bietet.
Impressum ^ nach oben ^