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Quartiersmanagement



Das Quartiersmanagement (auch: Stadtteilmanagement) ist ein Verfahren der Stadtentwicklung. Wie in der Wortzusammensetzung anklingt, sind Merkmale dieser Strategie zum einen die Stadtteilorientierung der Förderung (Quartier), zum anderen ein innovativer integrativer und aktivierende Ansatz der Steuerung (Management).

Table of contents
1 Theorie
2 Praxis
3 Literatur
4 Weblinks

Theorie

Ausgangslage

Die gravierenden ökonomischen Veränderungen der letzten Jahre (Internationalisierung der Produktion, Globalisierung, wirtschaftlicher Strukturwandel, Bedeutungsverlust des sekundären Sektors]] haben Auswirkungen auch auf die Städte. Das Stadtbild polarisiert sich, es kommt zu Verdrängungseffekten (Gentrifizierung und sozial-räumlicher Segregation).

Vor diesem Hintergrund scheint die bisherige Strategie der Stadterneuerung, mit vornehmlich baulich-räumlicher und investitiver Zielsetzung, nicht optimal wirksam. Die komplexe Problemlage in den sich herausbildenden überforderten Nachbarschaften, Viertel gekennzeichnet durch niedrige Einkommen, hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Bausubstanz, einen Mangel an Nachbarschaft, lässt sich - so die Annahme - nur mit einem integrativen Ansatz lösen. Eine Lösungsstrategie bedarf des Zusammenwirkens von sozialer Arbeit, Wirtschaftsförderung und Stadtplanung.

Kerngedanken

Integration von Akteuren und Zielen

Das Instrument Quartiersmanagement zeichnet sich zum einen durch die Zusammenführung von Akteuren aus den Bereichen Verwaltung, privater Wirtschaft, Vereinen und nicht-organisierten Anwohnern aus. Die Zielsetzung ist ebenfalls eine
Integration der unterschiedlichen Aspekte Wirtschaftsförderung, sozialer Befähigung und baulicher Stadtteilentwicklung.

Befähigung statt Betreuung

Die zweite Hauptmerkmal des Quartiersmanagement ist die Einführung einer Aktivierungsstrategie. Die Bewohner der Stadtteile sollen aktiviert und in den Verbesserungsprozess involviert werden. Es geht um die Anregung zur Selbsthilfe (Empowerment), außerdem um die Entwicklung von Verantwortung für das Stadtquartier und langfristig um die Schaffung von selbsttragenden Bewohnerorganisationen.

Praxis

Quartiersmanagement in der BRD

Angeregt durch den Gedanken der sozialen
Nachhaltigkeit aus der Agenda 21 kam es in der Stadtentwicklung zu einem Umdenken. In dem 1996 aufgelegten Programm Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf wurde in NRW dann erstmals das Instrument Quartiersmanagement eingesetzt. Ein vergleichbares Projekt entstand in Hamburg mit dem "Armutsbekämpfungsprogramm" sowie in anderen Bundesländern (Hessen, Bremen, Berlin). Auf der Ministerkonferenz der ARGEBAU wurde am 20. Oktober 1996 die bundesweite Initiative "Soziale Stadt" ins Leben gerufen. Daraus ging dann 1999 das Bund-Länder-Programm (Fördermöglichkeit nach Art 104a Abs. 4 GG) unter dem Titel "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt" (kurz: 'Soziale Stadt') hervor. Das Fördervolumen betrug 2001 insgesamt 220 Millionen Euro. In der Bundesrepublik ist das Konzept des Quartiersmanagement somit relativ jung. In anderen Europäischen Ländern gibt es bereits seit Beginn der 1980er Jahre Formen der integrierten Stadtteilentwicklung, so in den Niederlanden (Quartiersfonds seit 1985) oder in Großbritannien (New Deal seit 1997).

Mittel

Um der integrativen Zielsetzung und dem Wandel von der Betreuung zur Befähigung gerecht zu werden, sind unterschiedliche Mittel Bestandteil des Quartiersmanagement-Konzeptes.

Die zentrale Steuerung erfolgt durch einen von der öffentlichen Hand eingesetzte QuartiersmanagerIn. Er oder sie sorgt für die Umsetzung der Fördermittel, hat aber auch die Aufgabe Fördermöglichkeiten vor Ort zu eröffen.

Meist gibt es ein Quartiersbüro, das zum einen die administrative Infrastruktur für das Quartiersmanagement bereitstellt, andererseits aber auch Anlauf- und Versammlungspunkt für Bürgerorganisationen sein kann.

Ein wichtiger Bestandteil ist ein sog. Quartiersfonds, ein Fördertopf, aus dem kurzfristige und kleinteilige Maßnahmen im Stadtviertels finanziert werden können (Verschönerungsaktionen, Hoffeste, Spielplatzbau). Über die Verteilung dieser Gelder entscheidet meist eine Bürgerjury zusammengesetzt aus Anwohner unter Leitung des beauftragten Quartiersmanagements.

Beispiele

Im Jahr 2003 wurde in Rahmen des Bund-Länder Programms 'Soziale Stadt' den Bundesländern ein Betrag von 80 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Im Bundesgebiet erhalten 331 Gebiete in 229 Gemeinden (Stand November 2003) Mittel aus dieser Förderung.

Berlin

In Berlin wurden durch den Senat anhand unterschiedlicher Kriterien 17 Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf ausgewiesen, in denen ein Quartiersmanagement eingerichtet wurde. Im einzelnen sind dies:

  1. Boxhagener Platz [1]
  2. Bülowstraße / Wohnen am Kleistpark [1]
  3. Falkplatz [1]
  4. Helmholtzplatz [1]
  5. High-Deck-Siedlung / Sonnenallee [1]
  6. Kottbusser Tor (Zentrum Kreuzberg / Wassertorplatz) [1]
  7. Magdeburger Platz / Tiergarten Süd [1]
  8. Marzahn NordWest [1]
  9. Moabit West / Beusselstraße [1]
  10. Oberschöneweide [1]
  11. Reinickendorfer Straße / Pankstraße [1]
  12. Reuterplatz [1]
  13. Rollbergsiedlung [1]
  14. Schillerpromenade [1]
  15. Soldiner Straße / Wollankstraße [1]
  16. Sparrplatz [1]
  17. Wrangelkiez [1]

Parallel gibt es in Berlin zwei Gebiete nach dem zum Programm 'Soziale Stadt' analogen Förderprogramm URBAN II der EU
  1. Fördergebiet Urban II
  2. Fördergebiet Wassertorplatz - Aktion Wassertor

Hamburg

Bereits 1994 wurde in Hamburg als erster Schritt einer integrierten Stadtentwicklung ein quartiersbezogenes Programm unter dem Titel Armutsbekämpfung in Hamburg ins Leben gerufen. In acht benachteiligten Quartieren (sog. 'Pilotgebiete') sollten innovative Projekte für nachhaltige soziale und wirtschaftliche Entwicklung sorgen. In vier Jahren standen dafür 20 Millionen Euro zur Verfügung.

Literatur

Weblinks




     
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