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Pervigilium Veneris



Das Pervigilium Veneris (lat. «Nachtfeier der Venus») ist ein spätantikes lateinisches Gedicht, das ohne Verfassernamen in der Anthologia Latina überliefert wurde.

In 93 Versen, metrisch: trochäischen katalektischen Tetrametern, schildert es die Wiederkehr des Frühlings mit der Belebung der Natur am Vorabend eines traditionellen Venusfestes (der titelgebenden 'Nachtfeier') im Hain von Hybla auf Sizilien. Die Schilderung gilt besonders der mythischen Bedeutung des Frühlings, so berichtet sie von den Tänzen der Nymphen sowie dem Auftreten von Amor/Eros sowie der Leben und Liebe spendenden Göttin Venus/Aphrodite. Der Text wird durch den immer wiederkehrenden Refrain:

''Cras amet qui numquam amavit, quique amavit cras amet!
''Morgen liebe, wer niemals geliebt hat, wer schon geliebt hat, liebe morgen!

in lockere Strophen gegliedert. Das Gedicht klingt in der elegischen Klage des Dichters (genauer: des lyrischen Ichs) aus:

''Jene [die Schwalbe] singt, nur ich muss schweigen. Wann erscheint mein Frühling mir?
''Wann werde ich wie die Schwalbe sein, dass ich mein Schweigen brechen kann?
''Schweigend habe ich die Muse verloren, Phoebus achtet meiner nicht.

Obwohl sich der Text formal als Prozessionslied gibt, wie es bei derartigen Festen gesungen wurde, handelt es sich um die elegante Fiktion eines einzelnen, nach neuerem Forschungsstand den Poetae novi des 4. Jahrhunderts n. Chr. zuzurechnenden Autors. Als aussichtsreichster Kandidat für die Verfasserschaft gilt heute Tiberianus, dessen ebenfalls in der Anthologia Latina überliefertes Gedicht Amnis ibat sehr ähnlich ist.

Als vielleicht berühmteste anonym überlieferte lateinische Dichtung hat das Pervigilium seit seiner Wiederentdeckung und Erstedition durch den Humanisten Pierre Pithou viele Bewunderer gefunden. Dafür ist neben der sprachlichen Eleganz sowie der liebevollen Natur- und Mythologieschilderung wohl v.a. der melancholische Schluss verantwortlich, der wohl als eine der ersten und elegantesten innerliterarischen Verarbeitungen des in der modernen Literatur häufigen Phänomens der Schreibhemmung gelten kann.

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