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Paul Schneider



Paul Robert Schneider (* 29. August 1897 in Pferdsfeld, heute zu Bad Sobernheim; † 18. Juli 1939 in KZ Buchenwald bei Weimar), Pfarrer

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1 Biographie
2 Medien

Biographie

Paul Schneider studierte nach 1918 in Gießen, Marburg und Tübingen Theologie, arbeitete im Ruhr-Bergbau und in der Berliner Stadtmission. Nach dem Hilfspredigerdienst in Essen-Rotthausen wurde er 1926 Nachfolger seines Vaters in den Dörfern Hochelheim und Dornholzhausen bei Gießen. Er heiratete Margarete Dieterich, eine Pfarrerstochter aus dem württembergischen Wildberg.

Noch im Frühjahr 1933 fand er seinen Platz bei der Bekennenden Kirche. Dabei ist von Anfang an klar gewesen, dass bei ihm auch die Maßstäbe des politischen Handelns ausschließlich vom Evangelium her gesetzt waren. Da er wegen seines "schriftgemäßen Verstandes der Abendmahlsfeier und der ernst zu nehmenden Beichtfrage" im Konflikt mit seinem Presbyterium stand und zudem wegen freimütiger Äußerungen auch dem Druck staatlicher Stellen ausgesetzt war, konnte er schließlich nach Ansicht der Kirchenbehörde nicht länger in Hochelheim bleiben. Er wurde nach Dickenschied versetzt, wo er von 1934 bis 1939 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinden Dickenschied und Womrath war.

Bereits im ersten Jahr ergab sich erneut ein Konflikt zwischen ihm und der NSDAP: Bei der Beerdigung des Hitlerjungen Moog in der Nachbarkirchengemeinde Gemünden sagte der NSDAP-Ortsgruppenleiter, dass der Verstorbene in den himmlischen Sturm Horst Wessel eingegangen sei. Darauf hin äußerte Paul Schneider, ob es einen himmlischen Sturm Horst Wessel gebe, wisse er nicht, aber Gott möge den Jungen segnen und in sein Reich aufnehmen. Nach einer Kirchenzuchtmaßnahme verschärfte sich der Konflikt in den Dörfern Dickenschied und Womrath. Dies führte schließlich zu einer ersten Verhaftung. Der Staat erteilte ihm ein Aufenthaltsverbot für die Rheinprovinz. Als er von seinen Presbyterien gebeten wurde, zurück zu kommen, machte er sich auf den Weg nach Dickenschied zu seiner Frau und den sechs Kindern. Er hielt am 3. Oktober 1937 den Gottesdienst zum Erntedankfest in Dickenschied. Auf dem Weg zum Gottesdienst in Womrath wurde er verhaftet.

Man brachte ihn ins Gefängnis der Staatspolizei Koblenz, am 27. November 1937 wurde Paul Schneider nach Weimar verlegt, wo er im KZ Buchenwald inhaftiert wurde. Dort gilt er als "persönlicher Gefangener des Führers". Im Konzentrationslager wurde er für seine Mitgefangenen zum "Prediger von Buchenwald". Trotz schwerster Misshandlungen unterließ er es nicht, aus seiner Einzelzelle im Bunker heraus, das Evangelium zu verkünden. Damit wusste er nicht nur Christen zu trösten, wie ein jüdischer Häftling noch im Jahr 2000 in dem Film "Ihr Massenmörder - ich klage euch an" bezeugte. Papst Johannes Paul II würdigte im Rahmen des Märtyrergedenkens am 7. Mai 2000 im Kolosseum zu Rom zwei Zeugen Christi namentlich. Einer davon ist Paul Schneider. Er sagte: "Genauso überzeugt [wie der orthodoxe Metropolit von St. Petersburg Benjamin, 1922 ermordet] bekräftigte der ...[evangelische] Pastor Paul Schneider aus seiner Zelle in Buchenwald gegenüber seinen Aufsehern: 'So spricht der Herr: Ich bin die Auferstehung und das Leben!'." Paul Schneider wurde am 18. Juli 1939 im KZ Buchenwald durch eine Überdosis des Herzmedikaments Strophantin ermordet.

Trotz mehrerer Vorkehrungen seitens der Gestapo fand die Beisetzung unter sehr großer Anteilnahme statt, mehrere hunderte Menschen z.T. aus Ostpreußen kamen zusammen; unter anderem verwiesen katholische Gasthausbetreiber Gestapo-Mitarbeiter zu deren Überraschung des Hauses Wirtschaft, weil sie an der Beisetzung teilnehmen wollten.

Dietrich Bonhoeffer sah Paul Schneider als den ersten evangelischen Märtyrer an.

Seine Witwe engagierte sich nach dem Krieg versöhnend in den Dörfern Dickenschied und Womrath, in denen sie bis 1939 und dann wieder ab 1960 bis zu ihrem Tod am 27. Dezember 2002 lebte.

Es sei auf zwei Filme, die beide über das Film-Funk-Fernseh-Zentrum der Evangelischen im Rheinland zu beziehen sind, sowie vier Bücher über Paul Schneider verwiesen:

Medien

Filme

Literatur

Weblinks




     
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