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Oswald Kabasta



Oswald Kabasta (* 29. Dezember 1896 in Mistelbach; † 6. Februar 1946 in Kufstein durch Freitod) war ein österreichischer Dirigent.

Kabasta studierte an der Wiener Musikakademie, u.a. bei Joseph Marx und dem Bruckner-Jünger Ferdinand Löwe Dirigieren, außerdem privat bei Franz Schmidt. 1923 erhielt er den Kapellmeister-Posten in Baden bei Wien, 1926 wurde er Städtischer Generalmusikdirektor in Graz, 1930 Chefdirigent beim Österreichischen Rundfunk (RAVAG). 1931 übernahm er die Leitung der Kapellmeisterschule an der Wiener Musikakademie von Franz Schalk, des anderen bedeutenden Bruckner-Jüngers. Kabastas Karriere ging weiter steil nach oben mit zahlreichen Verpflichtungen bei den Wiener Philharmonikern und dem Posten des Chefdirigenten bei den Wiener Symphonikern ab 1934. 1938 wurde er in Nachfolge des bekannten Bruckner-Interpreten Siegmund von Hausegger Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Zwar wurde Kabasta mit dem Anschluß Österreichs NSDAP-Mitglied dort, setzte aber auf seine Programme in München unerwünschte Werke von Juden wie Paul Dukas oder ungeliebten Komponisten wie Béla Bartók. Bereits im August 1944 endete die Arbeit bei den Münchner Philharmonikern, da die Tonhalle, der Spielort seit 1895, durch die alliierten Bombenangriffe zerstört wurde und ab Oktober ohnehin das deutsche Kulturleben aufgrund der Kriegsverpflichtung der Kulturschaffenden vorübergehend endete.

Nach dem Krieg wurde Kabasta durch die alliierte Kulturhoheit eine weitere Tätigkeit als Dirigent verboten, die Münchner Philharmoniker von Hans Rosbaud übernommen. Kabasta zerbrach ob dieses Berufsverbots und erlag am 6. Februar 1946 einer Überdosis Schlafmittel.

Kabasta war ein Dirigent, der durch schnelle, aber auch sehr variable Tempi (wie viele andere Dirigenten der Zeit, v.a. Wilhelm Furtwängler) enorme musikalische Spannung erzeugte, aber dennoch (durch seine österr. Herkunft) Charme und Klangsinn nicht vernachlässigte. Sein Live-Mitschnitt von Dvoraks vielgespielter Symphonie aus der Neuen Welt aus dem Jahr 1944 wurde bis 1990 für einen von Furtwängler gehalten! Es ist tatsächlich die wildeste Interpretation dieses Werkes überhaupt. Weitere bedeutende Mitschnitte existieren von Beethovens "Eroica" und Bruckners 4. Symphonie, außerdem Studio- und Rundfunkaufnahmen von Bruckners 7. und 9. Symphonie, Schuberts 3.-5., Beethovens 8. und Mozarts Jupiter-Symphonie.

Durch Kabastas tragischen Freitod hat die Musikwelt einen bedeutenden Dirigenten verloren, der in der Folge analog anderer "belasteter" Musiker zweifelsohne wieder hätte auftreten dürfen und einen Platz unter den großen Musikern der Zeit sicher gehabt hätte.




     
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