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Orgasmus



Der Orgasmus ist der sexuelle Höhepunkt beim Geschlechtsverkehr oder Masturbieren.

Während der Erregungsphase, die einige Minuten bis zu einer Stunde anhalten kann, gibt es vaskuläre (die Blutgefäße betreffende) Veränderungen in der Beckenregion, der Penis erigiert und die Klitoris erigiert ebenso. Während der Plateauphase wird ein individuell verschiedenes Maximum an Erregung erreicht. Während der Orgasmusphase haben (im glücklichsten Fall) beide Partner eine sehr schöne Empfindung der Lösung der sexuellen Spannung, die sich aufgebaut hatte. Es kommt zu rhythmischen Kontraktionen (ungefähr alle 0,8 Sekunden) in der Genitalregion sowie anderen Muskelregionenregionen und zum Anstieg des Blutdrucks sowie zu einer Beschleunigung der Atmung. Die Frequenz des Herzschlags kann sich verdoppeln. Während des Orgasmus wird beim Mann das Sperma ausgestoßen. Auch Frauen können ejakulieren, eine klare Flüssigkeit. Während der Entspannungsphase wird der Blutdruck und die Atmung wieder auf Normalwerte reguliert. Nach einem Orgasmus brauchen die meisten Männer eine Refraktärphase, die auch wiederum einige Minuten oder länger dauern kann. Selten erreichen Männer mehrere Orgasmen (2-3), hingegen sind (einige) Frauen zu multiplen Orgasmen in rascher Folge fähig.
Der Orgasmus dauert durchschnittlich einige Sekunden, durch Injakulation kann jedoch ein außergewöhnlicher, längerer Orgasmus erzeugt werden.

Eine der ersten Beschreibungen eines Orgasmus stammt von Felix Roubaud (1855):

Beim Orgasmus beschleunigt sich der Blutkreislauf ... Die blutunterlaufenen Augen werden trüb ... Die Atmung geht bei den einen keuchend und stoßweise, bei den anderen setzt sie aus ... Die gestauten Nervenzentren übermitteln nur noch unklare Empfindungen und Willenimpulse ... Die Gliedmaßen, von konvulsivischen Zuckungen und mitunter Krämpfen erfasst, bewegen sich nach allen Richtungen oder erschlaffen und werden hart wie Eisen; die aufeinander gepressten Kiefer lassen die Zähne knirschen, und manche Menschen erleben das erotische Delirium so stark, dass sie den Genossen ihrer Wollust vergessen und eine unvorsichtigerweise dargebotene Schulter bis aufs Blut beißen. (Zitiert nach Philippe Ariès und Georges Duby: Geschichte des privaten Lebens, Frankfurt 1989, Band 5, S. 310.)

Masters und Johnson untersuchten in den sechziger Jahren den menschlichen sexuellen Reaktionszyklus und den dabei ablaufenden Orgasmus aus wissenschaftlicher Perspektive. Dabei mussten die Versuchspersonen ihren Koitus und Orgasmus unter Laborbedingungen durchführen. Es entstand eine Idealkurve, die eher für sexuelle Hochleistungssportler als für die Durchschnittsbevölkerung repräsentativ war. Masters und Johnson gingen vom Vorhandensein eines sexuellen Triebes aus, der lediglich einer effektiven Stimulation bedarf, um dann einen Orgasmus zu produzieren. An Sexmuffeln hatten sie weniger Interesse. Sie untersuchten primär die sexuellen Reaktionen derjenigen Menschen, die ein sexuelles Interesse hatten. Spätere Wissenschaftler warfen ihnen vor, durch ihre Forschungen einer Fixierung der Sexualität auf das Erreichen eines Orgasmus als alleiniges und höchstes Ziel der geschlechtlichen Vereinigung Vorschub geleistet zu haben.

Die Enttäuschung, bei einem Geschlechtsverkehr keinen Orgasmus erreicht zu haben, scheint bei Frauen geringer zu sein als bei Männern. Wegen des hohen Wertes, der dem Erreichen eines Orgasmus beim Geschlechtsverkehr beigelegt wird, kommt es häufig dazu, dass zahlreiche Frauen, aber nach neueren Untersuchungen auch etliche Männer ihren Sexualpartnern einen Orgasmus vortäuschen. Nur 20 Prozent der deutschen Frauen und 41 Prozent der deutschen Männer haben nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Frauenzeitschrift Marie Claire ihrem Partner noch nie einen Orgasmus vorgetäuscht. Dass Sex auch ohne Orgasmus befriedigend sein kann, fanden 54 Prozent der Interviewten. Jeder zweite Befragte meinte, dass der Orgasmus generell viel zu wichtig genommen wird. Für nur 28 Prozent der Frauen, aber immerhin für 42 Prozent der Männer ist er das Schönste am Sex.

Der Orgasmus ist traditionell der Abschluss des Koitus, kann jedoch auch bei allen anderen sexuell stimulierenden Praktiken erreicht werden, wie etwa der Masturbation, dem Oralverkehr oder anderen sexuellen Praktiken.

Es gibt keine Begrenzung für die Anzahl der Orgasmen, die ein Mensch haben kann, speziell der auf Männer bezogene Spruch Nach 1.000 Schuss ist Schluss ist Unsinn, da Spermien ab der Pubertät ein Leben lang gebildet werden, und das sogar schneller bei sexuell aktiveren Männern.

Weblinks

siehe auch: Sexualität, Sex, Geschlechtsverkehr, Befruchtung, Zeugung, Fortpflanzung




     
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