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Olivenbaum



Olivenbaum
Systematik
Unterklasse: Lippenblütlerähnliche (Lamiidae)
Überordnung Oleanae
Ordnung: Oleales
Familie: Ölbaumgewächse (Oleaceae)
Gattung: Olea
Art: Echter Ölbaum (Olea europaea)

Der Olivenbaum (Olea europaea), auch Echter Ölbaum, ist ein mittelgroßer, im Alter oft knorriger Baum, der zur Familie der Ölbaumgewächse oder Oleae gehört. Er wird schon seit dem 4. Jahrtausend v. Chr als Nutzpflanze kultiviert und kommt ursprünglich aus dem südlichen Vorderasien.

Table of contents
1 Beschreibung
2 Verbreitung
3 Vermehrung
4 Unterarten
5 Krankheiten und Schädlinge
6 Nutzung
7 Sorten von Olivenbäumen
8 Ökonomie
9 Kulturgeschichte des Olivenbaumes
10 Zitate
11 Literatur
12 Weblinks

Beschreibung

Blüten

Die weißen oder gelben Blüten des Olivenbaumes sind, abhängig vom Verbreitungsgebiet, von Ende April bis Anfang Juni zu sehen, sie bestehen aus vier Kronblättern und vier Kelchblättern, die die Staubgefäße und den Stempel umgeben und stehen an Rispen.

Blätter

Der Olivenbaum ist eine immergrüne Pflanze, das heißt, er verliert zu keiner Jahreszeit sein Laub. Die kleinen Blätter sind oberseits graugrün und an der Unterseite silbrig glänzend und grau gefärbt. Sie sind schmal und laufen spitz nach vorne zu (lanzettlich). An der Unterseite haben sie kleine Härchen, die den Baum vor dem Austrocknen schützen, indem sie aus den Spaltöffnungen austretendes Wasser wieder einfangen und dem Blatt erneut zufügen.

Stamm

Das langsam wachsende Holz des Baumes ist reich verzweigt, mit grüngrauer, glatter und im Alter rissiger Rinde. Der Baum wird (je nach Sorte) bis zu 20 m hoch. Die wilden Oliven sind kleiner als die Züchtungen. Die Olivenbäume in den Olivenhainen werden zur besseren Ernte beschnitten, damit sie kleiner bleiben. Der Olivenbaum benötigt viel Zeit zum Wachsen, kann jedoch mehrere hundert Jahre alt werden, das älteste bekannteste Exemplar Italiens in Trevi wird auf 1700 Jahre geschätzt.

Frucht

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Aus der Blüte bildet sich nach der Befruchtung die Frucht: die begehrte Olive. Dabei handelt es sich um eine Kernfrucht, bei der ein harter Kern von weichem Fruchtfleisch umgeben ist. Die Farbe der unreifen Oliven ist grün, die der reifen schwarz oder violett/braun. Am ertragreichsten ist der Baum nach ca. 20 Jahren. Die durchschnittliche Zusammensetzung einer Olive ist: Wasser 50%, Öl 22%, Zucker 19,1%, Zellulose 5,8%, Proteine 1,6%.

Verbreitung

Der Olivenbaum wächst in allen Gebieten um das Mittelmeer und zum Teil auch um das Schwarze Meer, die keine extremem Klimabedingungen aufweisen. Er kann hohe Hitze ertragen, leidet aber leicht durch Frost in kalten Wintern, wodurch nicht nur die Ernte einzelner Jahre, sondern der Bestand ganzer Plantagen bedroht ist. Er gilt als Charakterpflanze der mediterranen Flora und weist die Gebiete, in denen er gedeiht, als Gebiete mit mediterranem oder Mittelmeerklima aus. Es wurde immer wieder versucht, das Anbaugebiet des Olivenbaums nach Norden und in rauere Gebiete zu erweitern. Diese oft über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte erfolgreichen Versuche schlugen letztendlich aber immer wieder fehl, das letzte Mal im Februar 1956, als ein Kälteeinbruch aus Osteuropa Millionen von Olivenbäumen in Südfrankreich, Italien und Spanien vernichtete. Seit der neuzeitlichen Kolonisation wird der Olivenbaum auch in entsprechenden Klimaten Nord- und Südamerikas sowie in Australien und Südafrika angebaut. Alle Anbaugebiete des Ölivenbaums liegen zwischen dem 30. und dem 45. Grad nördlicher bzw. südlicher Breite, mit Ausnahme einiger äquatornäherer Höhenlagen, etwa in Peru, wohin er von den spanischen Konquistadoren im 16. Jh. gebracht wurde, von wo er über Mexiko bis Kalifornien und Hawaii gelangte.

2: Die Staubgefäße, zusammengeführt in geöffneter Blumenkrone 3: Die Blume, der Krone ermangelnd, zeigt den Stempel 4: Endokarpo, ganz links und zerschnitten rechts, das Keimblatt zeigend 5: Staubgefäße 6: Stempel im Längsprofil 7: Frucht (Olive) 8: Olive im Längsprofil, Fruchtfleisch und Samen darstellend 9: ??? ]]

Vermehrung

Die Olive ist einhäusig und zweigeschlechtlich. Sie wird über den Wind bestäubt, dabei ist sie auf Fremdpollen angewiesen und kann sich nicht selber bestäuben. Die Olivenkerne werden über Vögel verbreitet, die die Früchte fressen. Olivenbäume in Kultur werden allerdings meist über Stecklinge fortgepflanzt.

Unterarten

Neben dem Typ existieren folgende Unterarten:

Krankheiten und Schädlinge

Nutzung

Aus den Oliven wird in der Hauptsache
Olivenöl gepresst.

Der Olivenbaum wird genutzt:

Sorten von Olivenbäumen

Es gibt allein im
Mittelmeerraum über 1000 Sorten von Olivenbäumen. Je nach Klima und Bodenbeschaffenheit hat sich der Olivenbaum über hunderte Jahre anders entwickelt, manche Olivenbaumsorten sind auf einzelne Dörfer beschränkt und ein paar Kilometer weiter bereits nicht mehr zu finden. Eine große Vielfalt an Olivenbäumen gibt es in Italien, wo es alleine zwischen Sizilien und Ligurien an die 80 verschiedene Sorten gibt. Die italienischen Hauptsorten sind "Leccino", "Frantoio" und "Carolea". Die breitblättrigen Olivenbäume in Spanien tragen eine größere Frucht, aber das Aroma der Fruchthülle ist bitterer und das Öl ist von meist schlechterer Qualität. Da die Oliven der verschiedenen Sorten leicht unterschiedlich im Geschmack sind, gibt es eine Vielzahl verschiedener Öle, die von Kennern geschätzt werden.


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    Ökonomie

    Olivenbaumpflanzungen nehmen auf der Welt 8,6 Millionen Hektar an Fläche ein, auf denen jährlich 17,3 Millionen Tonnen Oliven geerntet werden. Spanien ist der größte Olivenproduzent. Die vier wichtigsten Länder (Spanien, Italien, Griechenland und Syrien) erstellen ca. 80 % der weltweiten Olivenproduktion. Nimmt in Europa die Beliebtheit des Olivenöls auch stetig zu, so nimmt es wegen seines vergleichsweise hohen Preises weltweit nur den siebten Rang in der Speiseölproduktion ein:

    Ökonomie in der Europäischen Union

    60 Prozent der weltweit ca. 750 Millionen Olivenbaume stehen in der EU. Die EU ist nicht nur der größte Olivenölproduzent, sondern auch der größte Verbraucher. Da die Nachfrage nach dem gesunden Olivenöl auch in nördlichen Ländern stetig zugenommen hat, wurde der Anbau von Olivenbäumen erheblich ausgeweitet. In vielen Regionen der Hauptproduzenten ist der Olivenbaum Grundlage der ländlichen Wirtschaft. Es wird kritisiert, dass die EU durch ihre Förderungspolitik nur den wegen Erosion, Wasserverbrauch und chemischer Schädlingsbekämpfung ökologisch problematischen Großanbau fördert, der Kleinbauer jedoch vernachlässigt wird. Es kam nachweislich zu vielen Missbräuchen der EU-Förderpolitik.

    Ökonomie außerhalb der EU

    Syrien, die Türkei und Tunesien sind die größten Oliven- und Olivenölproduzenten außerhalb der EU. Hier macht die Olivenölproduktion einen höheren Teil am BIP aus und der Olivenanbau bindet viele Arbeitskräfte, so dass der Olivenanbau die Lebensgrundlage vieler Menschen ist.

    (Quelle FAO, letzte Aktualisierung Februar, 2004)

    Die 10 wichtigsten Produktionsländer
    2003 Kultivierte Fläche (ha) Flächenertrag (kg/ha) Produktion (Tonnen)
    Welt 8.554.964 2.007 17.168.915
    Spanien 2.400.000 2.916 6.997.300
    Italien 1.140.685 2.761 3.149.830
    Griechenland 765.000 3.137 2.400.000
    Syrien 498.981 2.002 998.988
    Türkei 597.000 1.173 700.000
    Tunesien 1.500.000 333 500.000
    Marokko 550.000 940 470.000
    Ägypten 49.888 6.381 318.339
    Algerien 178.000 1.685 300.000
    Portugal 430.000 651 280.000

    Kulturgeschichte des Olivenbaumes

    Die Geschichte des Ölbaums reicht bis in die Antike zurück. Wann die Wildform zur fruchtbaren Gartenolive kultiviert wurde, ist unbekannt. Archäologische Funde deuten jedoch darauf hin, dass dies um 4000 v. Chr. in Kreta und Syrien geschah. Auch der häufige Hinweis in der Bibel auf den Baum und seine Erzeugnisse, auf seinen Überfluss im Land von Kanaan und den wichtigen Platz, den er in der Wirtschaft von Syrien hat, lässt vermuten, dass dort der Ursprung des kultivierten Olivenbaumes liegt. Möglicherweise gelang es erst einigen Stämmen die Olive zu kultivieren, die den Olivenbaum dann weitergaben. So wurde die Pflanze schnell zum Zeichen des Friedens. Im trockenen Klima des Nahen Ostens, stellte das Öl bald ein wichtiges und gesundes Grundnahrungsmittel dar. In der Ökonomie, Religion und Kunst sowie den vielen Mythen spiegelt sich diese wichtige Rolle des Olivenbaum wieder.

    Der Bibel nach war die Ölfrucht war den Juden im gelobten Land verheißen, bildete einen bedeutenden Teil des Reichtums und war neben dem Feigenbaum und Weinstock das Bild des Wohlstandes und bürgerlichen Glückes. Die eingewanderten Israeliten fanden den Olivenbaum schon vor. Die Könige David und Salomo förderten seinen Anbau. Man benutzte das Öl zu Speisen, bei Opfergaben, als Brennöl und zum Salben des Haars und des ganzen Körpers.

    Zu Homers Zeiten benutzte man in Griechenland das Holz des wilden Ölbaums wegen seiner großen Festigkeit zu Axtstielen. Das Öl diente zum Salben des Körpers, war aber den Reichen und Edlen als Luxusgut vorbehalten, wie es in der Ilias beschrieben wird. In der Akademie standen die der Athene geweihten unantastbaren Ölbäume; sie stammten der Sage nach von der Mutterolive auf der Burg, die von der Göttin selbst geschaffen und später nach der Verbrennung durch die Perser von selbst aus der Wurzel wieder aufgesprossen sein soll. Nach einer griechischen Sage hatten die Götter Athene und Poseidon einen Wettstreit ausgetragen. Als Gewinner sollte derjenige gelten, der den Bewohnern von Athen das sinnvollere Geschenk überbringt. Athene setzte sich mit dem von ihr erschaffenen Olivenbaum durch, der den antiken Griechen als heilig galt. In zahlreichen griechischen Stadtstaaten war es gesetzlich verboten, Olivenbäume zu fällen.

    Im 6. Jahrhundert v. Chr. kam der Olivenbaum nach Italien. Wie schon in Griechenland war ein Kranz aus Ölzweigen die höchste Auszeichnung des um das Vaterland hochverdienten Bürgers, sowie der höchste Siegespreis bei den Olympischen Spielen. Der Ölzweig war das Symbol des Friedens, und Besiegte, die um Frieden baten, trugen Ölzweige in den Händen.

    Auch im alten Christentum ist die Taube mit dem Ölzweig ein Symbol des Friedens. Der Bibel zufolge schickte Noah nach der Sintflut eine Taube los. Sie kehrte mit einem Ölzweig im Schnabel zurück: die Erde grünte wieder, das Leben war zurück. Jesus hielt zwischen Olivenbäumen im Garten Gethsemane kurz vor seiner Kreuzigung Zwiesprache mit Gott. Paulus illustriert das Verhältnis zwischen Heidentum und Judentum mit einem wilden und einem edlen Ölbaum.

    Zitate

    "Die Ölbäume sind sehr charakteristisch, und ich gebe mir große Mühe, das einzufangen. Es ist Silber, das mal ins Blaue, mal ins Grüne spielt, bronzefarben und beinah weiß auf gelbem, rosa, violettem oder orange Boden, der bis zum stumpfroten Ocker geht... Eines Tages mache ich vielleicht etwas ganz Persönliches daraus, wie ich es mit den Sonnenblumen für die gelben Töne gemacht habe." Vincent van Gogh an seinen Bruder Theo, Brief 608

    Der Ölbaum im Koran

    Gott ist das Licht von Himmel und Erde. Sein Licht ist einer Nische zu vergleichen, mit einer Lampe darin. .... Sie brennt mit Öl von einem gesegneten Baum, einem Ölbaum, der weder ... (Sure 24, 35 "Das Licht")

    Der Ölbaum in der Bibel

    Einst machten sich die Bäume auf, um sich einen König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: "Sei du unser König.¨ Der Ölbaum sagte zu ihnen: "Soll ich mein Fett aufgeben, mit dem man Götter und Menschen ehrt und hingehen, um über den anderen Bäumen zu schwanken? (Buch der Richter, 9, 8-9)

    Gegen Abend kam die Taube zu ihm zurück, und siehe da: In ihrem Schnabel hatte sie einen frischen Olivenzweig. Jetzt wusste Noah, dass nur noch wenig Wasser auf der Erde stand. (Genesis, 8, 11)

    Ob aber nun etliche von den Zweigen ausgebrochen sind und du, da du ein wilder Ölbaum warst, bist unter sie gepfropft und teilhaftig geworden der Wurzel und des Safts im Ölbaum, so rühme dich nicht wider die Zweige. Rühmst du dich aber wider sie, so sollst du wissen, daß du die Wurzel nicht trägst, sondern die Wurzel trägt dich. (Römerbrief, 11, 17-18)

    Der Ölbaum bei Homer

    Doch der Atreid', ausziehend das Schwert voll silberner Buckeln,
    Sprang auf Peisandros hinan. Der hob die schimmernde Streitaxt
    Unter dem Schild, die ehrne, geschmückt mit dem Stiele von Ölbaum,
    Schöngeglättet und lang; und sie drangen zugleich aneinander.
    (Ilias, 13. Gesang, 610-613)

    Innerhalb des Gehegs war ein weitumschattender Ölbaum,
    Stark und blühendes Wuchses; der Stamm glich Säulen an Dicke.
    Rings um diesen erbaut' ich von dichtgeordneten Steinen
    Unser Ehegemach, und wölbte die obere Decke,
    Und verschloß die Pforte mit festeinfugenden Flügeln.
    Hierauf kappt' ich die Äste des weitumschattenden Ölbaums,
    Und behaute den Stamm an der Wurzel, glättet' ihn ringsum
    Künstlich und schön mit dem Erz, und nach dem Maße der Richtschnur;
    Schnitzt' ihn zum Fuße des Bettes, und bohrt' ihn rings mit dem Bohrer,
    Fügete Bohlen daran, und baute das zierliche Bette,
    Welches mit Gold und Silber und Elfenbeine geschmückt war;
    Und durchzog es mit Riemen von purpurfarbener Stierhaut.
    (Odyssee, 23. Gesang, 190-201)

    Literatur

    Weblinks


    Beurteilung:
    
    Exzellenter Artikel
    




         
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