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Märzrevolution



Als Märzrevolution werden die durch die französische Februarrevolution 1848 ausgelösten bürgerlich-demokratischen Erhebungen von 1848/1849 in vielen europäischen Ländern, insbesondere in den deutschen Staaten, bezeichnet. Dort begannen sie Anfang März 1848, zuerst im Großherzogtum Baden und griffen darauf sehr schnell auf andere deutsche Fürstentümer über.

Begrifflich synonym wird die Märzrevolution oft auch "Deutsche Revolution" genannt - oder allgemeiner, zusammen mit der Februarrevolution in Frankreich und anderen Staaten, unter der Bezeichnung "Revolution(en) von 1848/49" zusammengefasst.

Wesentliche Ziele in den deutschen Staaten waren politische Freiheiten und die nationale Einigung Deutschlands. Getragen wurde die Revolution unter anderem, allerdings wesentlich von den Ideen des Liberalismus, der sich im Verlauf der Revolution und danach in verschiedene, auch gegeneinander konkurrierende und teilweise widersprechende Richtungen aufspaltete.

Stark beteiligt an den revolutionären Aktivitäten und Aufständen vor Ort waren jedoch auch radikaldemokratische, sozialrevolutionäre und frühsozialistische Kreise, die sich aber in den bestimmenden Gremien und Parlamenten der Revolution nicht durchsetzen konnten.

Außerhalb des Deutschen Bundes strebten vor allem die dem Habsburgerreich Österreich angegliederten Länder und Regionen Ungarn, Böhmen sowie die oberitalienischen Städte und Staaten zusätzlich die Unabhängigkeit von der österreichischen Vorherrschaft an.

In den meisten Staaten wurde die Revolution spätestens 1849 niedergeschlagen. In Frankreich hielt die Republik bis 1851/52. Nur im Königreich Dänemark und im Königreich Sardinien überdauerten Errungenschaften der Revolution beispielsweise in Form von konstitutionellen Verfassungen über längere Zeit - auch bis ins 20. Jahrhundert.

Table of contents
1 Vorgeschichte und Ursachen der Revolution
2 Verlauf der Revolution
3 Frankfurter Nationalversammlung
4 Auswirkungen und Folgen der Märzrevolution in Deutschland bis zur Gegenwart
5 Auswahl von für die Revolution aktiven Persönlichkeiten
6 'siehe auch:
7 Literatur
8 Weblinks

Vorgeschichte und Ursachen der Revolution

Wirtschaftliche und Soziale Hintergründe

Ein unmittelbarer Vorbote der Märzrevolution in Deutschland war das Krisenjahr 1847, dem eine schwere Missernte 1846 vorausging. In den deutschen Staaten bedeutete dies eine Verteuerung der Lebensmittel, daraus folgend Hungersnöte und Hungerrevolten in fast allen deutschen Staaten und Regionen. Viele auch ärmere vom Pauperismus (vorindustrielle Massenarmut) betroffene Bevölkerungsschichten wie Arbeiter, verarmte Handwerker, Landarbeiter usw. schlossen sich bedingt durch ihre soziale Not daraufhin zunehmend den Forderungen demokratisch und liberal gesinnter Kreise an. Eine weitere Folge der Krise war außerdem die Abnahme der Kaufkraft bei Industrieprodukten, hier besonders Textilwaren, und daraus resultierend u.a. ein Niedergang des noch stark handwerklich dominierten Textilgewerbes (Textilindustrie).

Der Niedergang des deutschen Textilgewerbes, das in den deutschen Ländern noch von minimal bezahlter Heimarbeit vieler Familien für wenige reiche Unternehmer und Grundbesitzer geprägt war; und allgemein die Krise des Handwerks, war auch bedingt durch die fortschreitende industrielle Revolution in Europa, die schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts durch neue technische Erfindungen und Entwicklungen von England ausgehend nach und nach die wirtschaftlichen und industriellen Verhältnisse auf dem ganzen Kontinent grundlegend veränderte. Die noch vorherrschende Agrarwirtschaft ging langsam zurück. Immer mehr Menschen suchten in den schnell wachsenden Städten Arbeit in Manufakturen und den neu entstehenden Fabriken, wo durch rationellere Massenproduktion viele Produkte billiger hergestellt werden konnten.

Eine neue Bevölkerungsschicht, das Proletariat (die abhängig beschäftigte Arbeiterklasse), wuchs rasch an. Die Arbeits- und Lebensbedingungen in den Industriebetrieben und deren Umfeld waren im 19. Jahrhundert in der Regel katastrophal. Die meisten Arbeiter lebten in den Ghettos und Slums der Städte am Rande oder oft auch unter dem Existenzminimum, von Arbeitslosigkeit bedroht und ohne soziale Absicherung. Schon Jahre vor der Märzrevolution war es immer wieder auch zu kleineren regional begrenzten Aufständen gegen Industriebarone gekommen. So war etwa der Weberaufstand vom Juni 1844 in Schlesien, eine Hungerrevolte der Weber aus Langenbielau und Peterswaldau, der erste überregional bedeutsame Aufstand des deutschen Proletariats in Folge der sozialen Not, die durch die Industrialisierung verursacht war. Der Aufstand wurde jedoch schon nach wenigen Tagen durch preussisches Militär niedergeschlagen.

Auch das wohlhabendere Bürgertum sah sich zunehmend in seiner wirtschaftlichen Entwicklung eingeschränkt. Durch die Zollpolitik der Fürstentümer waren die Möglichkeiten des freien Handels stark begrenzt. Forderungen nach einer Liberalisierung der Wirtschaft und des Handels waren in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts auch in den deutschen Staaten immer lauter geworden. 1834 wurde der Deutsche Zollverein gegründet, wodurch der Handel in den deutschen Ländern vereinfacht wurde. Es war daraufhin Ende der 1830er Jahre auch insgesamt zu einem gewissen wirtschaftlichen Aufschwung gekommen. Jedoch veränderte sich an der sozialen Not der ärmeren Schichten der Bevölkerung kaum etwas.

Politische Hintergründe

Ein wesentliches Ziel der Märzrevolution war auch die Überwindung der Restaurationspolitik in den Jahren des Vormärz, der Zeit zwischen dem Wiener Kongress 1815 und dem Beginn der Märzrevolution 1848. Der wichtigste Verfechter der politischen Restauration war der reaktionäre österreichische Diplomat und Staatskanzler Klemens Wenzel Fürst von Metternich. Die Politik der Restauration, die auf dem Wiener Kongress 1814 / 1815 nach dem Sieg über Napoléon Bonaparte von den meisten europäischen Staaten beschlossen wurde, sollte innenpolitisch und zwischenstaatlich die politischen Machtverhältnisse in Europa wiederherstellen, wie sie vor der französischen Revolution von 1789 geherrscht hatten. Dies bedeutete Vorherrschaft des Adels und Wiederherstellung seiner Privilegien. Weiterhin sollte die napoleonische Neuordnung Europas, die mit dem Code Civil auch bürgerliche Rechte etabliert hatte, rückgängig gemacht werden.

Innenpolitisch wurden im Zuge der Restauration Zensurmaßnahmen verschärft, die Pressefreiheit stark eingeschränkt, Werke junger revolutionär eingestellter Schriftsteller und Dichter wie Heinrich Heine, Georg Herwegh, Georg Büchner (der mit der Flugschrift der Hessische Landbote die Parole "Friede den Hütten, Krieg den Palästen" verbreitete) oder von Heinrich Hoffmann von Fallersleben (dem Verfasser des Deutschlandlieds), wurden zensiert oder verboten, und allgemein Forderungen nach liberalen Reformen oder nach nationaler Einigung unterdrückt. Die studentischen Burschenschaften, zu dieser Zeit vor allem Träger der Forderung nach nationaler Einigung und nach demokratischen Rechten wurden verboten. Gesetzesform erhielten diese Repressionen 1819 als Karlsbader Beschlüsse, die eine Reaktion auf die Ermordung des Dichters August von Kotzebue durch den radikaldemokratischen Burschenschaftler Karl Ludwig Sand waren. Trotz Verbot und Verfolgung blieben Mitglieder der Burschenschaften oft im Untergrund aktiv. Teilweise wurden scheinbar unpolitische Tarnorganisationen auf- und ausgebaut wie etwa die Turnerbewegung des Turnvater Jahn, wo weiterhin liberale und nationale Ideen gepflegt wurden.

Die Julirevolution von 1830 in Frankreich, in der das reaktionäre Königshaus der Bourbonen unter Karl X gestürzt worden war und die bürgerlich-liberalen Kräfte den Bürgerkönig Louis Philippe von Orleans eingesetzt hatten, gab auch den liberalen Kräften in Deutschland und anderen Regionen Europas neuen Auftrieb. So war es schon 1830 zu regional begrenzten Aufständen gekommen, wie zum Beispiel in Braunschweig, Kurhessen, im Königreich Sachsen und in Hannover, die teilweise zu Verfassungen in den jeweiligen Staaten geführt hatten. Auch in Italien und Polen hatte es 1830 Aufstände gegeben. Insgesamt blieb das Metternichsche System jedoch zunächst erhalten, auch wenn sich überall Risse zeigten. So war es auch nach den Karlsbader Beschlüssen trotz der "Demagogenverfolgung" zu spektakulären Versammlungen gekommen, wie etwa dem Hambacher Fest 1832, bei dem wie schon beim Wartburgfest 1817 demonstrativ die republikanischen schwarz-rot-goldenen Fahnen gezeigt wurden.

Verlauf der Revolution

Ausgelöst wurde die Märzrevolution von der Februarrevolution 1848 in Frankreich, von wo aus der revolutionäre Funke schnell auf die angrenzenden deutschen Staaten übersprang. Die Ereignisse in Frankreich, wo es gelang, den inzwischen vom Liberalismus zusehends abgekommenen Bürgerkönig Louis Philippe abzusetzen, und schließlich die zweite Republik auszurufen, setzten europaweit über den relativ kurzen Zeitraum von 1 1/2 Jahren revolutionäre Umwälzungen in Gang.

Einige Zentren der Revolution waren nach Frankreich: Baden, Preußen, Österreich, Oberitalien, Ungarn, Bayern und Sachsen. Aber auch in anderen Staaten und Fürstentümern kam es zu Aufständen und Volksversammlungen, bei denen die revolutionären Forderungen artikuliert wurden.

Im Königreich Dänemark führten die revolutionären Ereignisse 1849 zu einer neuen Verfassung, in der die konstitutionelle Monarchie und ein zwei-Kammer-Parlament mit allgemeinem Wahlrecht eingeführt wurde.

In manchen Ländern des deutschen Bundes, wo die Fürsten relativ schnell einlenkten und nachgaben (z. B. im Königreich Württemberg, in Hessen-Darmstadt oder in Hannover), kam es bald zur Errichtung von liberalen so genannten "Märzministerien", die teilweise den Forderungen der Revolutionäre nachkamen (z.B. Einrichtung von Schwurgerichten, Abschaffung der Pressezensur, Bauernbefreiung). Oftmals blieb es aber auch nur bei bloßen Versprechungen. In diesen letztgenannten Ländern nahm die Revolution wegen der frühen Zugeständnisse einen einigermaßen friedlichen Verlauf.

Von den mächtigen europäischen Staaten blieben durch diese Ereignisse nur England, Spanien und Russland unberührt (bei letzterem abgesehen von der Beteiligung russischen Militärs an der Niederschlagung des ungarischen Aufstands gegen Österreich 1849).

Ein chronologischer Verlauf der Revolution ist schwer zu erfassen, da die Ereignisse sich nicht immer eindeutig aufeinander beziehen lassen, Entscheidungen auf unterschiedlichen Ebenen und an unterschiedlichen Orten mal nahezu zeitgleich, mal zu verschiedenen Zeitpunkten getroffen und wieder revidiert wurden.

Baden

Schon am 27. Februar 1848 war es in Mannheim zu einer Volksversammlung gekommen, bei der grundlegende Forderungen der Revolution vorweg genommen wurden. Die Forderungen der badischen Revolutionäre, jedenfalls deren in Baden stark vertretenem radikaldemokratischemem Flügel waren diejenigen, welche die deutlichsten und am weitest gehenden Veränderungen verlangten. Unter Führung des Advokaten Friedrich Hecker und Gustav von Struves forderten sie unter anderem die Schaffung einer tatsächlichen Volkssouveränität, Abschaffung der Adelsprivilegien, Volksbewaffnung und eine progressive Einkommensteuer. Damit stellten sie auch schon sozialistische und sozialrevolutionäre Forderungen auf. Struve und Hecker hatten schon als Vertreter des linken Flügels im Frankfurter Vorparlament, das die Wahl zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung vorbereiten sollte, eine föderative deutsche Republik mit nicht nur politischen, sondern auch sozialen Veränderungen gefordert. Ein entsprechendes von Struve veröffentlichtes Programm wurde aber von der Mehrheit des Vorparlaments abgelehnt. Daraufhin versuchten Hecker, Struve und deren Anhänger ihre Vorstellungen auf eigenem Weg, von Südwestdeutschland ausgehend, durchzusetzen. In Konstanz riefen sie angeblich am 12.April 1848 gemeinsam mit dem Dichter Georg Herwegh und dem Hochschullehrer Gottfried Kinkel die Republik aus. Allerdings erwähnt dies keine der drei Konstanzer Zeitungen in ihren Berichten über die betreffende Rede. Der Heckerzug machte sich mit etwa 1200 Mann Richtung Rheinebene auf, wo er sich mit einem Zug von Georg Herwegh, der aus Frankreich kommenden "Deutschen Legion" vereinigen und in die badische Hauptstadt Karlsruhe marschieren wollte, um von dort aus die Revolution in ganz Baden zu verbreiten. Beide Gruppen wurden aber in kurzer Zeit von regulärem Militär besiegt und aufgerieben. Heckers Freischar in einem Gefecht bei Kandern im Schwarzwald, und Herweghs Freischar wenige Tage später bei Dossenbach. Hecker konnte ins Exil entkommen, das ihn über die Schweiz letztlich in die USA führte. Ein weiterer Aufstand Struves im September 1848 in Lörrach, wo er mit seinen Anhängern wiederum die Republik ausrufen wollte, scheiterte ebenfalls. Struve wurde gefangen genommen und bei einem Hochverratsprozess in Freiburg mit einigen anderen Revolutionären zu einer Haftstrafe verurteilt, bis er bei den Maiunruhen 1849 wieder befreit wurde. Die weitere revolutionäre Entwicklung Badens beschränkte sich danach im Wesentlichen zunächst auf die Auseinandersetzungen in der Frankfurter Nationalversammlung.

Im Mai 1849 kam es, nachdem die Nationalversammlung in Frankfurt gescheitert war, neben anderen deutschen Staaten auch in Baden zu weiteren Aufständen, den so genannten Maiaufständen im Rahmen der Reichsverfassungskampagne. Die Demokraten wollten die Anerkennung ihrer jeweiligen Regierungen in einer Reichsverfassung erzwingen. In der Bundesfestung Rastatt meuterte am 11. Mai die badische Garnison. Wenige Tage später floh Großherzog Leopold (siehe Leopold (Baden)) von Baden nach Koblenz. Am 1. Juni 1849 übernahm eine provisorische Regierung unter dem liberalen Politiker Lorenz Brentano die Regierungsgewalt. Es kam zu Kämpfen gegen Bundestruppen und die preußische Armee unter Führung des "Kartätschenprinzen" Wilhelm von Preußen (des späteren deutschen Kaisers Wilhelm I.). Die badische Revolutionsarmee konnte jedoch dem Druck der Übermacht der preußischen Truppen nicht standhalten. Die Badener Revolutionäre standen im Juni 1849 unter der Führung des polnischen Revolutionsgenerals Ludwik Mieroslawski. Mieroslawski war ein taktisch geschickter und erfahrener Soldat der Revolution. Er hatte im Zuge der Märzrevolution auch schon den Aufstand der Posener Polen 1848 gegen die preußische Vorherrschaft und andere vorausgegangene polnische Aufstände angeführt (siehe Unterartikel Posen, Polen). Mieroslawski trat jedoch am 1. Juli 1849 als Befehlshaber zurück. Die Moral der Truppe war zurück gegangen. Mieroslawski war auch resigniert von der zu zögerlichen Haltung der Regierung Brentano, der wegen seiner Unentschlossenheit dann doch noch von einer radikaleren Gruppe um Gustav von Struve gestürzt wurde. Aber der Niedergang der badischen Revolution war im Grunde schon besiegelt.

Auf Seiten der Badener Revolutionäre war auch der Sozialist Friedrich Engels aktiv an den Kämpfen beteiligt. Engels war 1848 / 49 Redakteur der von Karl Marx herausgegebenen Neuen Rheinischen Zeitung und kritisch-sympathisierender Beobachter der Revolution (ein Jahr zuvor, im Februar 1848, hatte Engels zusammen mit Karl Marx im Auftrag des Bund der Kommunisten Das Kommunistische Manifest herausgegeben).

Als am 23. Juli 1849 nach dreiwöchiger Belagerung die Festung Rastatt fiel, war die badische Revolution endgültig gescheitert. 40 Revolutionäre wurden hingerichtet, einige andere wie Gustav von Struve, Carl Schurz und Lorenz Brentano konnten sich ins Exil absetzen. Insgesamt verließen nach der Revolution etwa 80.000 Badener ihr Land (um die 5 % der Bevölkerung). Einige der prominenten Revolutionäre setzten später in den USA ihr politisches Engagement für demokratische Ziele fort und machten auch politisch Karriere. Carl Schurz wurde 1877 Innenminister der USA, als der er bis 1881 im Amt war.

Preußen; Posen, Polen

Preußen

Unter dem Druck der revolutionären Ereignisse in Berlin seit dem 6. März 1848 gab der preußische König Friedrich Wilhelm IV zunächst nach und machte Zugeständnisse. Er willigte ein, den Landtag einzuberufen, die Pressefreiheit einzuführen, die Zollschranken zu beseitigen und den Deutschen Bund zu reformieren. Bei der Verlesung des entsprechenden Patents am 18. März schoss das Militär auf die unruhige Bevölkerung. Daraufhin kam es in Berlin zu Barrikaden- und Straßenkämpfen der Revolutionäre (als eine geschlossen auftretende Arbeitergruppe sind die Rehberger bekannt geworden) gegen die regulären preußischen Truppen, bei denen die Aufständischen zumeist erfolgreich waren. Mehrere Hundert Tote und über Tausend Verletzte auf beiden Seiten waren die Folge. Am 19. März wurden die Truppen aus Berlin abgezogen. Der König sah sich gezwungen, den gefallenen Revolutionären seine Achtung zu erweisen. Er verneigte sich vor den "Märzgefallenen" und zeigte sich öffentlich mit einer Binde in den Farben der Revolution (Schwarz-Rot-Gold). In einem Aufruf an "Mein Volk und die deutsche Nation" versprach er das Aufgehen Preußens in Deutschland. Am 29. März 1848 wurde ein liberales Märzministerium eingesetzt, das sich aber nicht gegen Adel und Militär durchsetzen konnte. Am 20. Juni 1848 wurde es wieder entlassen. Als Ende Mai 1848 die Ereignisse sich etwas beruhigt hatten, vollzog der König eine reaktionäre Kehrtwendung. Am 2. November 1848 wurde General Friedrich Wilhelm Graf von Brandenburg zum Ministerpräsidenten von Preußen ernannt. Eine Woche später kehrten die königlichen Truppen nach Berlin zurück. An der folgenden Konterrevolution in Preußen beteiligt war auch der konservative Abgeordnete Otto von Bismarck, der später preußischer Ministerpräsident und schließlich Reichskanzler des 1871 gegründeten Deutschen Reichs wurde. Die Verhandlungen der preußischen Nationalversammlung seit dem 22. Mai 1848 über eine Verfassung, die seit 1815 von Friedrich Wilhelm IV. und seinem Vorgänger immer wieder zugesagt, aber nie verwirklicht wurde, blieben letztlich erfolglos. Der Im Juli 1848 vorgelegte Verfassungsentwurf, die "Charte Waldeck", die einige liberaldemokratische Reformen vorsah, wurde sowohl von den konservativen Abgeordneten als auch vom König selbst abgelehnt. Am 5. Dezember 1848 ließ der König die preußische Nationalversammlung auflösen.

Ende Mai 1849 wurde die Nationalversammlung durch das preußische Abgeordnetenhaus (zweite Kammer) ersetzt. Es wurde ein Dreiklassenwahlrecht eingeführt, um die Vorherrschaft der Besitzenden zu sichern. Dieses im Grunde undemokratische Wahlrecht blieb in Preußen bis 1918 in Kraft. Eine Verfassung, die allerdings weit unter den Forderungen der Märzrevolution blieb, wurde erst Ende Januar 1850 vom König selbst oktroyiert.

Posen, Polen

Das überwiegend von Polen bewohnte Herzogtum Posen war 1848 eine preussische Provinz. Der ehemalige polnische Staat war schon im 18. Jahrhundert ein politischer Spielball der europäischen Großmächte gewesen. Nach mehreren Teilungen bis 1795 hatte es Anfang des 19. Jahrhunderts nur von 1807 bis 1813 einen unter napoleonischem Schutz stehenden eigenen polnischen Staat, das Großherzogtum Warschau unter Großherzog Friedrich August I von Sachsen, der auch König von Sachsen war, gegeben. Nach dem endgültigen Sieg Preußens, Österreichs, Russlands, Englands und anderen über Napoleon wurde Polen auf dem Wiener Kongress erneut zwischen Russland, Österreich und Preußen aufgeteilt. In der Folgezeit hatte es in den jeweiligen polnischen Provinzen auch schon vor der Märzrevolution immer wieder Aufstände gegen die Fremdherrschaft gegeben - mit dem Ziel, die polnische Einheit zu erreichen und ein eigenständiges Polen neu zu etablieren.

1846 war zuletzt ein polnischer Aufstand im Herzogtum Posen von Preußen niedergeschlagen worden. Dessen Anführer, der polnische Revolutionär Ludwik Mieroslawski, war gefangen genommen und, 1847 in Berlin zum Tode verurteilt, kurze Zeit später zu lebenslänglicher Haft begnadigt worden.

Nach dem Ausbruch der Märzrevolution in Berlin wurden die polnischen Revolutionäre, unter ihnen auch Mieroslawski, von den Berliner Aufständischen befreit. Im Anfangsstadium der Märzrevolution, das als eine Art internationaler Völkerfrühling empfunden wurde, herrschte unter den Revolutionären noch eine polenfreundliche Haltung vor, die den folgenden Aufstand in Posen zunächst begrüßte und begünstigte. Ludwik Mieroslawski stellte sich kurz nach seiner Befreiung im April und Mai 1848 an die Spitze des Aufstands der Posener Polen gegen die preussische Vorherrschaft. Ziel war hier auch eine Vereinigung ganz Polens. Insofern zielte die Revolution in Posen auch auf die Befreiung des Königreichs Polen, des ehemaligen so genannten "Kongresspolens", das in Personalunion unter russischer Herrschaft stand. Der Zar war zugleich König (des russischen Teils) Polens.

Im Zuge des Revolutionsverlaufs in Preußen, wo zunehmend wieder konservative Kräfte die Lage zu bestimmen begonnen hatten, war auch die anfängliche Polenbegeisterung einer nationalistischeren Haltung in Preußen selbst gewichen. Außerdem wollte der preussische König Friedrich Wilhelm IV. wegen des Posener Aufstands keinen Krieg mit Russland riskieren. Am 9. Mai 1848 wurde der Aufstand der Posener Polen von einer Übermacht preussischer Truppen niedergeschlagen und Mieroslawski erneut verhaftet. Auf Intervention des revolutionären Frankreich wurde er nach kurzer Zeit begnadigt und nach Frankreich ausgewiesen - bis er im Juni 1849 von den badischen Revolutionären gerufen wurde, die ihn an die Spitze ihres Revolutionsheeres setzten (siehe Unterartikel Baden).

Der polnische Teil der Provinz Posen wurde am 4. Juni 1848 durch eine Demarkationslinie von Preußen getrennt.

Österreich, Ungarn, Italien und Sardinienkrieg, Böhmen

Österreich

Im Habsburgerreich und Vielvölkerstaat Österreich wurde die Monarchie nicht nur von heftigen Aufständen im Kaiserreich Österreich selbst, sondern auch von Aufständen wie etwa in Oberitalien, die vom Königreich Sardinien-Piemont auch militärisch unterstützt wurden, in Böhmen und in Ungarn, bedroht. Während die ungarischen, böhmischen und italienischen Erhebungen neben anderem auch die Unabhängigkeit von der österreichischen Vorherrschaft anstrebten, hatte die Revolution im Kernland Österreich ähnlich wie in den anderen Staaten des deutschen Bundes eine liberale und demokratische Veränderung der Regierungspolitik und das Ende der Restauration zum Ziel.

Auch in Österreich war es 1847/1848 zu einem Hungerwinter gekommen. Die wirtschaftliche Not traf besonders die sowieso schon benachteiligten Bevölkerungsgruppen am härtesten. Auch in der Arbeiterschaft war nun die Wut auf das überkommene politische System kurz vor dem Überlaufen.

Schließlich kam es am 13. März 1848 in Wien mit dem Sturm auf das Ständehaus und Anschlägen von Sozialrevolutionären gegen Läden und Fabriken in den Vorstädten zum Ausbruch der Revolution in Österreich. Vor dem Sturm auf das Ständehaus wurden in einer schon am 3. März 1848 vom ungarischen Nationalistenführer Lajos Kossuth verfassten Rede der Unmut gegen das politische System und die Forderungen der Revolution nach einer konstitutionellen Umwandlung der Monarchie und nach Verfassungen für die österreichischen Länder ausgedrückt. Am Abend des selben Tages trat der inzwischen 78-jährige Staatskanzler Fürst Metternich, die verhasste Symbolfigur der Restauration, zurück, und floh nach England.

Am 15. März 1848 machte Kaiser Ferdinand I erste Zugeständnisse. Er versprach die Abschaffung der Zensur und eine Staatsverfassung. Eine am 21. März 1848 gebildete provisorische Staatsregierung erarbeitete daraufhin die "Märzverfassung"; allerdings ohne Beteiligung einer Volksvertretung. Nachdem diese oktroyierte Verfassung Ende April 1848 vorgelegt wurde, kam es erneut zu Protesten der Bevölkerung. In Folge des zweiten Wiener Aufstands am 15. Mai 1848 wurde diese Verfassung wieder zurück genommen. Der überforderte führungsschwache Kaiser brachte sich am 17. Mai 1848 durch seine Flucht nach Innsbruck vor den sich verstärkenden Unruhen in Sicherheit. Am 22. Juli 1848 wurde der konstituierende österreichische Reichstag mit 383 Delegierten aus Österreich und den slawischen Ländern von Erzherzog Johann eröffnet. Unter anderem wurde im Reichstag Anfang September die Bauernbefreiung von der Erbuntertänigkeit beschlossen.

In Folge der Ereignisse in Ungarn seit dem 12. September 1848, bei denen unter Führung von Lajos Kossuth der ungarische Aufstand in eine kriegerische Auseinandersetzung gegen die kaiserlichen Truppen mündete, und in Folge der Ermordung des österreichischen Kriegsministers Theodor Graf Baillet von Latour am 6. Oktober, kam es in Wien zur 3. Phase der österreichischen Revolution, der so genannten Wiener "Oktoberrevolution". In deren Verlauf gelang es den Wiener Bürgern, Studenten und Arbeitern, die Hauptstadt in ihre Gewalt zu bringen, nachdem die Regierungstruppen geflohen waren. Aber die Revolutionäre konnten sich nur kurze Zeit halten. Am 23. Oktober wurde Wien von konterrevolutionären Truppen, die aus Kroatien (unter Josef von Jelacic) und aus dem böhmischen Prag (unter Feldmarschall Alfred Fürst zu Windischgrätz) angerückt waren, eingeschlossen. Nach einer Woche wurde Wien gegen den heftigen, aber aussichtslosen Widerstand der Wiener Bevölkerung von den kaiserlichen Truppen wieder eingenommen. Um die 2000 Aufständische waren gefallen. Weitere Anführer der Wiener Oktoberrevolution fielen der anschließenden blutigen Rache der Militärs zum Opfer. Viele wurden zum Tode oder zu langen Haftstrafen verurteilt. Unter den standrechtlich erschossenen Opfern war neben anderen auch der populäree linksliberale Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung Robert Blum, der am 9. November 1848 trotz seiner parlamentarischen Immunität hingerichtet wurde, und damit zu einem Märtyrer der Revolution wurde.

Am 2. Dezember 1848 kam es in Österreich zum Thronwechsel. Die revolutionären Ereignisse hatten die Führungsschwäche von Kaiser Ferdinand I. verdeutlicht. Auf Initiative des Feldmarschallleutnants Felix Fürst zu Schwarzenberg dankte Ferdinand ab und überließ den Thron seinem 18-jährigen Neffen Joseph, der den Kaisernamen Franz Joseph I annahm. Mit diesem Namen lehnte er sich bewusst an seinen Urgroßonkel Joseph II (1741 - 1790) an, dessen Politik für Reformfreudigkeit gestanden hatte.

Zwar war die Revolution in Österreich niedergeschlagen; allerdings blieben die Ereignisse in Ungarn und Italien zunächst noch ein Hindernis für Franz Joseph I. beim Ziel, seinen Machtanspruch im ganzen Habsburgerreich durchzusetzen.

Ungarn

In Ungarn, wo am 12. September 1848 Lajos Kossuth, bis dahin Finanzminister und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, den liberalen Ministerpräsidenten Lajos Batthyani ablöste, wurde dem österreichischen Kaiser die Anerkennung als König von Ungarn verwehrt. Die Oktroyierung einer kaiserlichen Verfassung führte am 7. März 1849 zum Unabhängigkeitsaufstand. Um den Aufstand niederzuschlagen, marschierte eine kaiserliche Armee unter Alfred Fürst zu Windischgrätz in Ungarn ein. Diese musste sich jedoch am 10. April 1849 vor dem mit Freischaren und polnischen Emigranten verstärkten Revolutionsheer zunächst zurückziehen. Am 14. April 1849 erklärte der ungarische Reichstag seine Unabhängigkeit vom Hause Habsburg-Lothringen und rief die Republik aus. Aber die europäischen Mächte erkannten die ungarische Republik nicht an. Russische und kroatische Truppen leisteten der österreichischen Armee Beistand und schlugen schließlich gemeinsam die ungarische Revolution nieder. Am 3. Oktober 1849 kam es in der Festung Komorn zur Kapitulation der letzten ungarischen Einheit. In den darauf folgenden Tagen und Wochen wurden über hundert Anführer des ungarischen Aufstands hingerichtet. Lajos Kossuth, der politisch bedeutendste Vertreter der ungarischen Freiheitsbewegung konnte sich im August 1849 ins Exil absetzen. Bis zu seinem Tod 1894 in Turin setzte er sich für die Unabhängigkeit Ungarns ein.

Siehe auch: Slowakischer Aufstand

Italienische Staaten

Italien bestand im 19. Jahrhundert, nach der militärischen Beendigung der napoleonischen Hegemonie in Europa und auch in den italienischen Fürstentümern, aus verschiedenen Einzelstaaten. Die oberitalienischen Gebiete (Lombardei, Venetien, die Toskana und Modena) standen unter österreichischer Oberhoheit. Spätestens seit den 1820er Jahren war es schon zu den Aufständen des Risorgimento ("Wiedererstehung") gekommen, die einen italienischen Einheitsstaat anstrebten, und sich damit auch gegen die österreichische Herrschaft in Oberitalien richteten.

Die revolutionären Ereignisse von 1848 fanden auch im übrigen Italien starken Widerhall. Schon im Januar 1848 war es in Mailand, Brescia und Padua zu ersten Erhebungen italienischer Freiheitskämpfer gegen die österreichische Vorherrschaft gekommen, die sich am 17. März 1848 in Venedig und Mailand verstärkten. In Mailand wurde von den Revolutionären die Unabhängigkeit der Lombardei von Österreich und der Anschluss ans Königreich Sardinien-Piemont (vgl. Piemont-Sardinien) erklärt. Diese Situation führte schließlich zum Krieg zwischen Sardinien-Piemont und Österreich. König Karl Albert von Sardinien, der schon am 4. März 1848 in seinem Staat eine an Frankreich orientierte Repräsentativverfassung erlassen hatte, mit der er eine konstitutionelle Monarchie einführte, wollte die revolutionäre Stimmung nutzen, um Italien unter seiner Führung zu einen. Nach anfänglichen Erfolgen Karl Alberts wurden jedoch am 25. Juli 1848 bei der Schlacht von Custoza in der Nähe des Gardasees die Truppen des Königs von den Österreichern unter Feldmarschall Johann Wenzel Radetzky geschlagen. Im Waffenstillstand vom 9. August wurde die Lombardei an Österreich abgetreten, das darauf das Land wieder besetzte. Nur Venedig blieb vorläufig unbesetzt. Es hatte sich am 23. März 1848 für unabhängig erklärt und die Republik unter Führung von Daniele Manin ausgerufen. Als schließlich Aufständische gegen den Großherzog Leopold II von Habsburg in der Toskana putschten, kam es erneut zum Krieg. Dieser wurde wieder zugunsten der kaiserlichen Österreicher unter Radetzky bei ihrem Sieg am 23. März 1849 gegen die 100.000 Mann starke Armee Sardiniens entschieden. Damit war die italienische Einigungsbewegung vorerst zerschlagen und die österreichische Vorherrschaft in Oberitalien im Wesentlichen wieder hergestellt. König Karl Albert von Sardinien dankte zugunsten seines Sohnes Viktor Emmanuel II ab und ging nach Portugal ins Exil. Der neue König schloss am 6. August in Mailand einen Friedensvertrag mit Österreich. Als letzte Bastion der oberitalienischen Aufstände von 1848 / 49 wurde am 24. August 1849 die revolutionäre Republik von Venedig niedergeschlagen. Radetzky erhielt vom Kaiser das Amt des General-, Zivil- und Militärgouverneurs von Lombardo-Venetien.

Auch in vielen nicht-österreichischen Gebieten Italiens kam es 1848 / 49 zu revolutionären Unruhen, beispielsweise im Königreich Neapel-Sizilien (auch Königreich beider Sizilien genannt), wo es schon im Januar 1848 zu Aufständen gekommen war, worauf König Ferdinad II von Neapel-Sizilien eine Verfassung erließ.

Im Kirchenstaat Rom floh Papst Pius IX aufgrund der Unruhen im November 1848 aus Rom und setzte sich nach Gaeta ab. Am 9. Februar 1849 riefen die römischen Revolutionäre unter Giuseppe Mazzini, einem der bedeutendsten Köpfe des italienischen Risorgimento, die Republik im Kirchenstaat aus. Am 3. Juli 1849 wurde die römische Revolution von französischen Truppen niedergeschlagen, was teilweise in Frankreich selbst zu Protesten (etwa in Lyon) geführt hatte. Nach der Niederschlagung des Aufstands von Rom wurde die Macht von einem Exekutivkomitee aus Kardinälen übernommen. Erst 1850 kehrte der Papst zurück und stellte die alten Verhältnisse wieder her.

Böhmen

Im Juni 1848 kam es in Böhmen zum Prager Pfingstaufstand. Der Aufstand war begleitet von einem in Prag stattfindenden Slawenkongress, an dem neben Posener Polen und slawischen Österreichern als einziger Russe auch der Anarchist Michail Bakunin teilnahm. Auf dem Kongress wurde die Umwandlung der Donaumonarchie in einen Bund gleichberechtigter Völker gefordert. Darauf begannen tschechische Revolutionäre den Pfingstaufstand gegen die österreichische Herrschaft. Der Aufstand wurde am 16. Juni 1848 von österreichischen Truppen unter Alfred Fürst von Windischgrätz niedergeschlagen.

Bayern

In Bayern kam es seit dem 4. März 1848 zunehmend zu demokratisch und liberal motivierten Unruhen und Aufständen. Der bayrische König Ludwig I gab am 6. März einigen Forderungen der Revolutionäre nach und berief ein liberaleres Kabinett ein. Allerdings steckte der König auch anderweitig wegen seines nicht standesgemäßen Verhältnisses zu der vermeintlichen spanischen Tänzerin Lola Montez, dem er die Staatsgeschäfte teilweise unterordnete, in einer Krise. Diese Affäre brachte Ludwig auch Kritik aus dem konservativ-katholischen Lager ein. Am 11. März 1848 wurde Lola Montez aus München verbannt. Zu neuen Unruhen kam es, als es hieß, die Tänzerin sei wieder zurückgekehrt. Daraufhin dankte der König schließlich zugunsten seines Sohnes, des anschließenden Königs Maximilian II, ab.

Sachsen

Im Königreich Sachsen kam es im Zuge der revolutionären Ereignisse im März 1848 zu einem Ministerwechsel und zu einigen liberalen Reformen. Nach der Ablehnung der am 28. März 1849 in Frankfurt verabschiedeten Reichsverfassung durch den sächsischen König kam es am 3. Mai zum Dresdner Maiaufstand. Zentrale Figur dieser Erhebung von etwa 12.000 Aufständischen, unter denen sich auch der damalige Hofkapellmeister Richard Wagner befand, war der russische Anarchist Michail Bakunin. Das Ziel des Aufstands war die Durchsetzung der Reichsverfassung und die Erringung demokratischer Rechte. Die Revolutionäre bildeten eine provisorische Regierung, nachdem der König aus der Stadt geflohen war. Aber schon am 9. Mai wurde der Aufstand von sächsischem und preußischem Militär wieder niedergeworfen.

Holstein, Schleswig; Erster preussisch-dänischer Krieg

Ende März 1848 kam es in den nördlichen Herzogtümern Schleswig und Holstein zu einem nationaldeutschen Aufstand, nachdem der dänische König Friedrich VII die Einverleibung Schleswigs in Dänemark verkündet hatte. Die Gründung einer provisorischen Regierung der Herzogtümer wurde noch vor der Eröffnung der Frankfurter Nationalversammlung vom Bundestag des deutschen Bundes in Frankfurt am Main anerkannt, allerdings unter Vermeidung der formellen Aufnahme Schleswigs im Bund. Daraufhin kam es zum Beginn des ersten deutsch-dänischen Krieges. Preußische Truppen stießen im Auftrag des Bundes unter Generalfeldmarschall Heinrich Ernst Graf von Wrangel bis Jütland vor. Dieses Vorgehen führte zum diplomatischen Druck auf Preußen durch Russland und England, die drohten, Dänemark militärisch beizustehen. Darauf lenkte Preußen ein, und König Wilhelm IV. schloss am 26. August 1848 einen Waffenstillstand mit Dänemark. Darin war auch der Rückzug der Bundestruppen aus Schleswig und Holstein sowie die Auflösung der provisorischen Regierung in Kiel vorgesehen.

Dieses eigenmächtige Vorgehen Preußens führte in der inzwischen tagenden Nationalversammlung in Frankfurt zu einer Krise. Es wurde deutlich, wie geringfügig die Mittel und der Einfluss der Nationalversammlung waren. Sie war letztlich hilflos dem Gutdünken der mächtigen Einzelstaaten Preußen und Österreich ausgeliefert. Da die Nationalversammlung über keine eigenen Machtmittel verfügte, um den Krieg gegen Dänemark ohne Preußen weiter zu führen, sah sie sich am 16. September 1848 gezwungen, der Waffenstillstandsvereinbarung zuzustimmen. Die Folge dieser Zustimmung waren erneute Unruhen in ganz Deutschland und besonders in Frankfurt am Main. Darauf wurden preußische und österreichische Truppen nach Frankfurt befohlen, gegen die es am 18. September zu Barrikadenkämpfen kam. Bei diesen Kämpfen ging es den Aufständischen nicht einmal mehr so sehr um die Schleswig-Holstein-Frage, sondern nun zunehmend um die Verteidigung der Revolution selbst.

Frankfurter Nationalversammlung

siehe auch ausführlicher Wikipedia-Artikel Frankfurter Nationalversammlung.

Vorbereitet durch Vorparlamente wurde am 18.05.1848 in der Paulskirche in Frankfurt am Main eine gesamtdeutsche Nationalversammlung mit 830 gewählten Vertretern (Abgeordnete und ihre Stellvertreter) aus allen deutschen Staaten unter der Präsidentschaft des gemäßigten Liberalen Heinrich von Gagern eröffnet. Sie sollte die deutsche Einheit vorbereiten und eine gesamtdeutsche Reichsverfassung ausarbeiten. In der Nationalversammlung vertreten waren vornehmlich die Schichten des Großbürgertums, hohe Beamte, Professoren, Offiziere, Richter, Staatsanwälte, Advokaten usw.. Aufgrund der Häufung der Großbürger wurde die Nationalversammlung vom Volk teilweise auch abschätzig spöttelnd als "Honoratiorenparlament" oder "Professorenparlament" bezeichnet. Im Parlament bildeten sich bald unterschiedliche Gruppierungen und Fraktionen heraus, die sich nach den Lokalen benannten, in denen sie sich nach oder zwischen den Sitzungen trafen, um ihre Anträge und Vorstellungen abzustimmen. Im Wesentlichen bildeten sich 3 ideologische Flügel, die vielen auch als Vorläufer der modernen demokratischen Parteien des 20. Jahrhunderts gelten, aus:

Die Vorstellungen der Fraktionen reichten von der Minderheitsposition der Errichtung einer parlamentarischen gesamtdeutschen demokratischen Republik, über eine konstitutionelle Monarchie mit Erbkaisertum als so genannte kleindeutsche Lösung (ohne Österreich) oder als so genannte großdeutsche Lösung (mit Österreich), bis hin zum Erhalt des Status Quo.

Zu der lähmenden Uneinigkeit der Abgeordneten kam schließlich auch das Fehlen einer eigenen Exekutive, um die Beschlüsse des Parlaments durchzusetzen, die u.a. oft an österreichischen oder preußischen Alleingängen scheiterten. Dies führte zu mehreren Krisen, so etwa in der schleswig-holsteinischen Frage bezüglich eines Krieges gegen Dänemark (siehe weiter oben Abschnitt 2.6.6). Trotz allem wurde schließlich am 28. März 1849 mit einer Mehrheit von 42 Stimmen eine Verfassung verabschiedet, die eine kleindeutsche Lösung unter preußischer Führung vorsah. Der König von Preußen war als Kaiser vorgesehen. Von den deutschen Staaten stimmten aber nur 29 der Verfassung zu. Österreich, Bayern, Preußen, Sachsen und Hannover lehnten sie ab. Die preußischen und österreichischen Abgeordneten verließen die Nationalversammlung. Als schließlich am 28. April auch König Wilhelm IV. von Preußen die ihm angetragene Kaiserwürde ablehnte, war auch die Frankfurter Nationalversammlung gescheitert. Um eine Verfassung dennoch in den einzelnen Ländern durchzusetzen, kam es im Mai 1849 in einigen Revolutionszentren zu den so genannten Maiaufständen im Rahmen der Reichsverfassungskampagne. Die Frankfurter Nationalversammlung löste sich auf und zog als so genanntes "Rumpfparlament" ohne die preußischen und österreichischen Abgeordneten am 30. Mai 1849 nach Stuttgart um. Am 18. Juni 1849 wurde das Rumpfparlament dort von württembergischen Truppen gewaltsam aufgelöst. Mit der Niederschlagung der letzten revolutionären Kämpfe am 23. Juli in Rastatt war die Revolution von 1848 /49 endgültig gescheitert

Auswirkungen und Folgen der Märzrevolution in Deutschland bis zur Gegenwart

Auch, wenn neue Emanzipationsbewegungen wie zum Beispiel die Arbeiterbewegung oder die emanzipatorische Frauenbewegung die Märzrevolution nicht entscheidend bestimmten, so beförderte die Revolution dennoch die Anfänge deren Entstehung und Organisierung in Deutschland.

So wurde z. B. am 3. September 1848 in Berlin die "Allgemeine deutsche Arbeiterverbrüderung" unter prägender Mitwirkung des Schriftstellers Stefan Born gegründet. Sie gilt als erste überregionalee Organisation der deutschen Arbeiterschaft und leitete die Entwicklung der Gewerkschaften ein. Am 12. Mai 1849 gründete die Journalistin und frühe Frauenrechtlerin Louise Otto-Peters die neue politisch motivierte "Frauenzeitung", in der sie unter anderem den Zusammenschluss weiblicher Arbeiterinnen nach dem Vorbild der Assoziationen männlicher Gesellen forderte.

Des Weiteren entstand während der Revolution nach Aufhebung der Pressezensur eine pluralistischere Presselandschaft. Neue Zeitungen nahmen von links bis rechts Einfluss auf das politische Zeitgeschehen. Auf der Linken war dies etwa die von Karl Marx herausgegebene "Neue Rheinische Zeitung", auf der Rechten die "Neue Preußische Zeitung" (auch "Kreuzzeitung" genannt), an deren Gründung der Abgeordnete Otto von Bismarck entscheidenden Anteil hatte. Mit dem "Kladderadatsch" wurde am 7. Mai 1848 auch eine der ersten großen satirischen Zeitschriften Deutschlands ins Leben gerufen.

Nach dem Scheitern der Revolution setzte sich eine konservative Konterrevolution durch. Es kam erneut zu einer gewissen Restauration der alten Verhältnisse, die jedoch nicht mehr ganz die Ausmaße der Metternichschen Repression während des Vormärz annahm.

Die liberalen Kräfte spalteten sich zunehmend in verschiedene Richtungen auf, wie es sich schon in der Fraktionsbildungsbildung der Frankfurter Nationalversammlung angedeutet hatte (Nationalliberale, Wirtschaftsliberale, Sozialliberale).

Viele radikale Demokraten waren, wenn sie nicht hingerichtet oder inhaftiert worden waren, während und nach der Revolution ins Exil geflohen. Nach 1848/49 hatte es eine beispiellose Auswanderungswelle, vor allem in die USA gegeben. In den USA gibt es eine eigene Bezeichnung für die deutschen Immigranten, die in Folge der Märzrevolution ins Land kamen: "The Forty-Eighters" ("Die Achtundvierziger"). Viele der "Fourty-Eighters" zeichneten sich auch in den USA durch ihr demokratisches politisches Engagement aus. Nicht wenige von ihnen setzten sich 1860 für die Wahl Abraham Lincolns zum US-Präsidenten ein, bekämpften die Sklaverei oder beteiligten sich auf der Seite der Nordstaaten am US-amerikanischen Bürgerkrieg von 1860 bis 1864. Einige wie etwa Lorenz Brentano oder Carl Schurz machten in den USA auch eine politische Karriere. Schurz war von 1877 bis 1881 US-Innenminister.

Manche anderen radikalen Demokraten, die in Deutschland geblieben waren, schlossen sich der aufkommenden und ab den 1860er Jahren trotz späterer Unterdrückung (etwa unter den Bismarckschen Sozialistengesetzen) rasch wachsenden Arbeiterbewegung und / oder der im 19. Jahrhundert marxistisch orientierten Sozialdemokratie an. (siehe auch Kommunismus, Sozialismus und Kommunistische Partei).

Die Burschenschaftsbewegung, ursprünglich eine der Wegbereiterinnen der Märzrevolution, verlor zunächst an Bedeutung. Mit der Zeit verkümmerten deren liberale und demokratische Ideale zusehends zugunsten eines sich verstärkenden, rechts orientierten Nationalismus.

Eine gewisse Etablierung hatte die nationale Idee einer deutschen Einigung erfahren, die schließlich von den herrschenden konservativen Kräften unter preussischer Führung, namentlich Otto von Bismarcks nach den drei "deutschen Einigungskriegen" Preußens, 1863 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870 gegen Frankreich als kleindeutsche Variante (ohne Österreich) von oben durch- und umgesetzt wurde. 1871 wurde nach Preußens Sieg über Frankreich in Versailles König Wilhelm von Preußen zum ersten deutschen Kaiser Wilhelm I. gekrönt und das Zweite deutsche Reich ausgerufen, dessen Politik bis 1890 wesentlich durch den Reichskanzler Bismarck geprägt wurde.

Die im Lauf der Jahrzehnte zunehmende ideologische Überhöhung und Verklärung des deutschen Nationalismus und Militarismus beförderte mittel- bis langfristig auch antisemitische Ressentiments (Antisemitismus) und das verstärkte Aufkommen rechtsextremer Parteien. Diese Entwicklung trug schließlich mit zu den Kriegen und politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts bei - bis hin zur faschistischen Diktatur des Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg und dem Völkermord an den europäischen Juden ("Holocaust").

Erst mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949, hundert Jahre nach der Märzrevolution, konnten die ursprünglichen demokratischen Ideale der Revolution (nach deren Scheitern in der Weimarer Republik) wieder in den Vordergrund gestellt werden.

Im Überblick betrachtet, können sich nahezu alle im 20. Jahrhundert relevanten gesellschaftspolitischen Strömungen von der radikalen Linken bis zur nationalistischen Rechten mit mehr oder weniger ausgeprägter Berechtigung auf in der Märzrevolution und durch sie hervorgegangene politische Ideen, Persönlichkeiten und Entwicklungen berufen.

Auswahl von für die Revolution aktiven Persönlichkeiten

'siehe auch:

Badische Revolution, Charte Waldeck, Februarrevolution 1848, Frankfurter Nationalversammlung, Heckerzug, Metternich, Liberalismus, Neue Rheinische Zeitung, Risorgimento, Vormärz, Wiener Kongress,

Literatur

Weblinks




     
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