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Lernbehinderung



Seit den sechziger Jahren (als die "Hilfsschulen" in "Sonderschulen" und später noch in Förderschulen, bzw. Förderzentren umbenannt wurden) existiert der Begriff der Lernbehinderung.

Seitdem gab es einige Versuche, den Begriff zu definieren. Die eingängigste und damals plausibelste Definition liefert wohl Kanter mit der These, dass eine Lernbehinderung ein "langandauerndes, schwerwiegendes und umfängliches Schulleistungsversagen" bedeutet, das in der Regel mit einer Beeinträchtigung der Intelligenz einhergeht. Für den Deutschen Bildungsrat (1973) kommen für die Lernbehindertenschule solche Schüler in Frage, bei denen

und die deswegen in der Grund- und Hauptschule nicht ausreichend gefördert werden können.

Unter Schüler mit Minderbegabung ordnete der Deutsche Bildungsrat solche mit einem IQ zwischen 55 und 85 ein. Der IQ wird dabei mit einem standardisiertem Intelligenztest, zum Beispiel dem HAWIK ermittelt. Andere Autoren nennen ähnliche Kriterien, jedoch mit leichten Verschiebungen innerhalb des IQ-Bereiches, so etwa Wegener (1969), der "leichtere Grade der Begabungsminderung" in einem Bereich von IQ 60 bis 90 verortet.

Allen Definitionsversuchen gemein ist, dass der Begriff der "Lernbehinderung" nur im schulischen Kontext gesehen wird, so dass lediglich ein kleiner Ausschnitt des menschlichen Lernens darin widergespiegelt wird. Schröder (1996) schlägt vor, die Fachterminologie der Lernbehindertenpädagogik auf vier Begriffe zu begrenzen:

Im Unterschied zu den Lernschwierigkeiten geht es hierbei also um Probleme bei den von der Gesellschaft definierten Mindestanforderungen. Neuere Definitionen von Lernbehinderung versuchen von monokausalen Erklärungsansätzen abzurücken. Viel zu starr wurden in der Vergangenheit Schüler nach IQ-Werten 'einsortiert'. Von Baier (1982) stammt dabei das Zitat: "Es gibt kein eindeutiges Merkmal, das Lernbehinderung als eine in sich geschlossene Gruppe von Nicht-Lernbehinderten unterscheiden läßt. Abgrenzungsprobleme bestehen nicht nur gegenüber Schülern mit Lernschwierigkeiten [...] oder mit Lernstörungen [...], sondern auch zu anderen Behindertengruppen wie zum Beispiel den Verhaltensgestörten und in Einzelfällen auch zu den Geistigbehinderten." Der multikausale Ansatz rückt dabei bei Baier in den Mittelpunkt, wenn er Lernbehinderung definiert als "multifaktoriell bedingte biosoziale Interaktions- und Kumulationsprodukte", die sich im schulischen Kontext negativ niederschlagen.




     
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