WEB LEXIKON: Ein Blick zurück
Hauptseite | Aktueller Wikipedia-Artikel

Lateinische Aussprache



Die Lateinische Aussprache unterscheidet sich, wie Linguisten festgestellt haben, von der an vielen Schulen im Unterricht vermittelten Aussprache. Obwohl sich der Aussprachegebrauch seit ca. 100 Jahren vermehrt dem des Klassischen Lateins (wie es zu Ciceros und Caesars Zeiten von gebildeten Sprechern ausgesprochen wurde) anzunähern versucht, ist er nach wie vor von den Aussprachegewohnheiten der Muttersprache der Lernenden beeinflusst.

Für die erwähnte Epoche des Klassischen Lateins kann heute ungefähr folgende Aussprache angenommen werden:

In folgender Übersicht gilt:

Table of contents
1 Vokale
2 Diphthonge
3 Konsonanten
4 Betonungsregeln
5 Woher weiß man das alles?

Vokale

Es ist streng zu unterscheiden zwischen langen und kurzen Vokalen; für Deutschsprachige zu beachten ist insbesondere:

Diphthonge

Außer dem ganz seltenen existieren im Latein nur noch vier Diphthonge:
  • au: lat. aurum "Gold" = ['aʊ̯rʊm] wie dt. Haus = ['haʊ̯s]
  • ae ist in vorchristlicher Zeit noch klar diphthongisch, also lat. maestus "traurig" = ['maɪ̯stʊs] wie dt. meist = ['maɪ̯st]
  • eu ist eine einsilbige Folge von kurzem, offenem [ɛ] und einem [ʊ], also Eurōpa = [ɛʊ̯'ro:pa], aber auf keinen Fall ein dt. eu wie in Europa = [ɔɪ̯'ʁo:pa]!
  • oe entspricht hingegen genau dem zuvor erwähnten deutschen Diphthong, vgl. lat. poena "Strafe" = ['pɔɪ̯na] wie dt. Europa = [ɔɪ̯'ʁo:pa], aber es ist keinesfalls als ö auszusprechen

Konsonanten

Aus alledem ergibt sich, dass der Name des berühmten Diktators, Caesar, im Latein zu Caesars Zeiten wohl ungefähr wie ['kaɪ̯sar] oder eher ['kaɪ̯ʂar], allenfalls auch wie ['kaɪ̯zar] ausgesprochen wurde.
Wenn die Schulaussprache trotzdem bei ['khaɪ̯zaʁ] oder ['khɛ:zaʁ] oder sogar ['tsɛ:zaʁ] bleibt, so kann man das in diesem Falle als überkommene Gewohnheit rechtfertigen.
Wenn die oben dargestellte Aussprache des klassischen Lateins heute in Schule und Universität vergleichsweise wenig bekannt ist, dann liegt dies entweder am mangelnden Interesse der Lehrenden und Lernenden oder an der Einsicht, dass eine akzentfreie Aussprache des Lateins auch angesichts der vielen Unsicherheiten ohnehin nicht zu erzielen und bei einer Sprache ohne muttersprachliche Sprecher auch nicht notwendig ist.

Betonungsregeln

Bei der Betonung lateinischer Wörter sind zunächst zwei Probleme zu unterscheiden:

Welche Silbe wird betont?

Bei mehrsilbigen Wörtern kann der so genannte Wortakzent nur entweder auf die vorletzte oder auf die drittletzte Silbe fallen.

Eine Betonung auf der letzten Silbe ist bei mehrsilbigen Wörtern also unmöglich. Damit sind die für den heutigen Schulunterricht typischen, zu Unterscheidungszwecken stark betonten Endungen wie z.B. bei Genitiv Sing. manūs = ?[ma'nu:s] im Gegensatz zum Nominativ Sing. manus = ['manʊs] falsch.

Die Entscheidung, welche Silbe bei mehrsilbigen Wörtern zu betonen ist, hängt allein von der vorletzten Silbe ab (sog. "Pänultimaregel"):

Wie wird die betonte Silbe hervorgehoben?

Im Gegensatz zum Deutschen war das Latein offenbar eine Sprache, in der die betonte Silbe nicht durch eine Erhöhung der Lautstärke, sondern durch eine Veränderung des Stimmtons gekennzeichnet wird.

Beim Wort Rō-ma = ['ro:ma] wurde also die betonte Silbe ro- mit anderer Tonhöhe gesprochen als das folgende -ma. Wie stark die Tonhöhenänderung war, geht leider aus den Quellen nicht hervor. Ebenso wenig erfahren wir, ob das Latein gar - wie das Altgriechische oder heute das Chinesische - eine Tonsprache war, d.h. ob diese Veränderung zur Unterscheidung verschiedener Wortbedeutungen diente.

Beide Punkte haben gravierende Auswirkungen auf folgendes Problem:

(Fortsetzung folgt.)

Woher weiß man das alles?

Eine Kombination verschiedener Quellen: - Entwicklung der Aussprache bei lebenden Nachfolgesprachen - Verse, Reime, Theater und Gesänge (Duktus) - Vergleiche ähnlich lautender Wörter - Vergleich mit Wortstamm



     
Das Web Lexikon "Ein Blick zurück" bietet die Moeglichkeit auf einfache Art und Weise in den "alten" Wikipedia-Beiträgen zu blättern. Das Lexikon spiegelt den Stand der freien Wikipedia-Enzyklopädie vom August 2004 wider. Sie finden hier in rund 120.000 Artikel aus dieser Zeit Informationen, Erklärungen, Definitionen, Empfehlungen, Beschreibungen, Auskünfte und Bilder. Ebenso kommen Begriffserklärung, Zusammenfassung, Theorie, Information, Beschreibung, Erklärung, Definition und Geschichte nicht zu kurz. Ein Lexikon das Auskunft, Bericht, Hinweis, Bedeutung, Bild, Aufklärung, Darstellung und Schilderung zu unterschiedlichsten Themen kompakt auf einer Seite bietet.
Impressum ^ nach oben ^