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Komputistik



Komputistik ist die mittelalterliche Kalender- und Osterrechnung, die zur Berechnung des Osterfestes bzw. dem Ostersonntag diente.

Table of contents
1 Das Fest
2 Osterstreit
3 Osterrechnung (julianisch)
4 Literatur
5 Abkürzungen

Das Fest

Das ab dem 2. Jahrhundert erst als (quartodezimanisches) christliches Passahfest erfassbare Ostern als Tag der Wiederauferstehung Christi sollte zum Hauptfest der christlichen Kirche werden. Basierend auf den heilsgeschichtlichen Begebenheiten des Abendmahls sowie der Kreuzigung und Auferstehung Christi, stand zunächst die Abendmahlsfeier in der Osternacht (Ostervigil) im Vordergrund. Die Zergliederung des Osterfestes in Abendmahl, Karfreitag, Grabesruhe und Ostersonntag (ab dem 4. Jahrhundert ) führte zu einer stärkeren Betonung des Leidens- und Auferstehungsgedankens, dies auch im eschatologischen Zusammenhang der Parusie. Nicht zuletzt war aber solch eine Relativierung der österlichen Einheit von Leiden, Tod und Auferstehung Christi ein Ausgangspunkt zur Herausbildung des Osterfestkreises. Der deutsche Name "Ostern" soll dabei - u.a. mittelalterlichen Erklärungen zufolge - auf eine germanische Göttin oder auf die im Osten auftauchende Morgenröte zurückzuführen sein. Dagegen lassen sich Bezeichnungen wie Passah, Paschen oder Pasen leicht aus dem jüdischen "Passah" erklären. - Ostern fällt in die Zeit des beginnenden Frühlings. Das Wiedererwachen der Natur entspricht also der Auferstehung Christi, aber auch (abergläubischen) Fruchtbarkeitssymbolen (wie die im Mittelalter wohl nicht belegten Ostereier und -hasen). Erwähnt werden muss noch - auch im Zusammenhang mit einem Jahresbeginn zu Ostern (Paschalstil) - die wirtschaftliche Bedeutung des Osterfestes hinsichtlich von Abgaben und Steuern in Mittelalter und früher Neuzeit.

Osterstreit

Die innerkirchlichen Streitigkeiten um eine richtige Bestimmung des Ostertermins nennen wir Oster(fest)streit. Schon seit dem beginnenden 2. Jahrhundert sind Unterschiede in der terminlichen Praxis beim Feiern des Osterfestes feststellbar. Diese Unterschiede sollten bis in das 8. Jahrhundert anhalten. Erst zu diesem Zeitpunkt hatte sich der 532-jährige, alexandrinisch-römische Osterzyklus auch in ganz Europa durchgesetzt. Die Einheitlichkeit des Ostertermins war damit erreicht. - Wir können im Osterfeststreit eine qualitative und eine quantitative Ebene feststellen. Bei der qualitativen ging es u.a. um folgende Fragestellungen: Ostertermin an einem Sonntag; zeitliches Zusammenfallen von Ostern und Passah; Beachtung der Tag- und Nachtgleiche; Einheitlichkeit in der Osterrechnung. Auf der quantitativen Ebene wurden Ostertafeln und Osterzyklen erprobt und verbreitet. Somit kristallisieren sich folgende Richtungen (u.a. Häresien) heraus: Quartodezimaner (Passah-Ostern [= Todestag Christi] als Nisan 14; 2. Jahrhundert ; Palästina, Syrien, Kleinasien); Novatianer, Audianer, Protopaschiten (Ostern "mit den Juden", Ostern am Sonntag nach Nisan 14, egal ob vor oder nach dem Äquinoktium; 3. bzw. 4. Jahrhundert ; u.a. Syrien, Kleinasien); Montanisten (Ostern am Sonntag nach dem 6.4. bzw. am 6.4.; 2./4. Jahrhundert; Kleinasien); Gallien (Ostern am 25.3.; 5. Jahrhundert); irischer Osterzyklus (84-Jahres-Zyklus; 6./7. Jahrhundert; Irland, England). Demgegenüber setzt sich schon im 2. Jahrhundert (z.T. mit dem Osterfest überhaupt) der Sonntag als Festtag in Jerusalem, Alexandrien und Rom durch. Seit dem Beginn des 3. Jahrhunderts bemüht man sich, das Osterfest mit Hilfe von Osterzyklen vorauszubestimmen. Miteinander konkurrierende Osterzyklen sind z.B. der alexandrinische und der 84-jährige, römische Zyklus, der auch nach der Übernahme der alexandrinischen Berechnungsmethode durch Rom in Irland und England zunächst vorherrschend blieb. In Gallien zeigte die dort vom 5. bis zum 8. Jahrhundert verwendete Osterberechnung des Victorius von Aquitanien ebenfalls Abweichungen vom alexandrinischen 532-Jahres-Zyklus. Ein 95-Jahres-Zyklus wurde noch im 6. Jahrhundert in Italien und Afrika benutzt, ein 112-jähriger Osterzyklus in Gallien und Spanien (Ostertafeln, Osterzyklen). - Fassbar wird der Streit um den richtigen Ostertermin in den Jahren 387, 417, 444 und 455. In Rom wurde Ostern am 21.3.387 und 25.3.417 gefeiert, in Alexandrien am 25.4.387 bzw. am 22.4.417; im Jahre 387 feierten auch viele Kirchen Ostern am 18.4. Bzgl. der Jahre 444 und 455 setzte Papst Leo der Große nach langem Hin und Her das alexandrinische Osterdatum durch. Für den Termin des Ostersonntages gilt aber gemäß den Beschlüssen des Konzils von Nicaea (u.a. lt. Beda Venerabilis): Der Ostersonntag ist der Sonntag unmittelbar nach dem ersten Frühlingsvollmond. Daraus folgt: 1. Ostern muss auf einen Sonntag fallen; 2. Ostern wird nach der Tag- und Nachtgleiche gefeiert; 3. Ostern wird nach dem Frühlingsvollmond begangen, der auf die Tag- und Nachtgleiche fällt oder der der erste nach der Tag- und Nachtgleiche ist.

Osterrechnung (julianisch)

Aus Beschlüssen von Nicaea folgt die mittelalterlich-julianische Osterrechnung innerhalb des Julianischen Kalenders. Die mittelalterlichen Gelehrten hatten dabei eine Fülle von Kennziffern zur Verfügung, die die Lage eines Jahres innerhalb des 28-jährigen Sonnenzirkels und des 19-jährigen Mondzyklus festlegten und zur Ermittlung des Ostersonntags beitrugen. Die Kennziffern waren u.a.: Claves terminorum, Epakte, Festzahl, Goldene Zahl, Indiktion, Inkarnationsjahre, Konkurrente, Lunarbuchstaben, Osterbuchstaben, Ostergrenze, Regulare, Sonnenzirkel, Sonntagsbuchstabe. Die Kennzahlen fanden bei der abzählend vorgehenden, mittelalterlichen Komputistik Verwendung. Dem induktiv-sequentiellem Rechnen des Mittelalters entsprechend, traten schon früh Tabellen zur Osterberechnung auf. Diese Ostertafeln, also die Fortschreibung der Ostertermine von Jahr zu Jahr, basierten u.a. auf (spätantiken) Osterzyklen. Von den Osterzyklen sind die wichtigsten: 1. Oktaeteris (8-Jahres-Zyklus; 2. Jahrhundert); 2. 16-Jahres-Zyklus (16=2*8; Hippolyt von Rom, 3. Jahrhundert, Anfang); 3. 76-Jahres-Zyklus (532/7=76; Alexandrien, 3. Jahrhundert, Ende); 4. 84-Jahres-Zyklus (84=3*28; Laterculus des Augustalis, 3.Jahrhundert; ältere Supputatio Romana, 4. Jahrhundert,1.Hälfte; Chronograph von 354; jüngere Supputatio Romana, 4. Jahrhundert, 2.Hälfte); 5. 95-Jahres-Zyklus (95=5*19; Kyrillos von Alexandrien, 5./6. Jahrhundert); 6. 112-Jahres-Zyklus (112=7*16; verbreitet in Gallien, 5. Jahrhundert); 7. 532-Jahres-Zyklus (532=19*28; Victorius von Aquitanien, 5.Jahrhundert,Mitte; Dionysius Exiguus, 6. Jahrhundert, 1.Hälfte; Beda Venerabilis, 8. Jahrhundert, Anfang). Die Ostertafeln hatten einen unterschiedlichen Aufbau. Fortlaufend nach Jahren gegliedert, gab z.B. die Ostertafel des Kyrillos das Jahr gemäß der Diokletianischen Ära an, worauf Indiktion, Epakte, Konkurrente, Jahr im Mondzyklus, Datum des Vollmondes, Ostersonntag und das Mondalter am Ostersonntag folgten. Die Zeitzer Ostertafel (um 447) gibt als Jahreskennung das entsprechende Konsulat an, Dionysius Exiguus die Jahre nach der Inkarnationsära, ebenso Beda Venerabilis. Die „Laufzeit“ der Ostertafeln war recht verschieden und orientierte sich meistens an den zugrunde liegenden Zyklen. Die Ostertafel des Dionysius bezog sich auf die Jahre zwischen 513/531 und 626, also über 114 (=19+95) Jahre. Neben anderen (früheren) Komputisten sollte Beda Venerabilis diese Ostertafel bis zum Jahre 1063 (=531+532) fortsetzen. Im Verlauf von Spätantike und Mittelalter entstand das (katholische) Kirchenjahr, in dem Ostern und die von diesem abhängigen beweglichen Feiertage (Herrenfeste) im liturgischen Mittelpunkt standen. Der Osterfestkreis als Teil des Kirchenjahres besteht aus den dem -> Ostersonntag in einer festen zeitlichen Distanz vorangehenden bzw. nachfolgenden Festtagen. Das sind (bezogen auf ein -> Gemeinjahr) u.a.: Septuagesimae (-63 d), Esto mihi (-49 d), Aschermittwoch (-46 d), Ostersonntag (0 d), Himmelfahrt (+39 d), Pfingsten (+49 d), Trinitatis (+56 d), Fronleichnam (+60 d) (d=Tag; -: vor Ostern; +: nach Ostern). Die Zeit zwischen Septuagesimae und Aschermittwoch heißt dann Vorfastenzeit, die von Aschermittwoch bis Ostern 40-tägiges Fasten (Quadragesima), die zwischen Ostern und Pfingsten 50-tägige Osterzeit (Quinquagesima). Septuagesimae ist der 9. Sonntag vor Ostern, Esto mihi (als letzter Sonntag der Vorfastenzeit) der 7., Pfingstsonntag der 7. nach Ostern, Trinitatis der 8. Nur eingeschränkt mit dem Osterfestkreis verbunden sind die Daten der Quatember. Die durch die vier Jahreszeiten bestimmten Quatembertermine liegen dabei eine Woche nach Aschermittwoch, am Mittwoch nach Pfingsten, am Mittwoch zwischen dem 15.9. und 21.9. und am Mittwoch zwischen dem 14.12. und 20.12. Im Kirchenjahr sind die Quatember durch besondere Fastenzeiten (Quatemberfasten) ausgezeichnet.

Siehe auch: Osterdatum

Literatur

Abkürzungen


Siehe auch: Zeitrechnung, [[Kalender], Julianischer Kalender, Ostern, Osterdatum.




     
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