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Katharer



Der Begriff Katharer (von griechisch katharos: rein) bezeichnet eine Glaubensbewegung im 11. Jahrhundert bis 14. Jahrhundert, vornehmlich im Süden Frankreichs, aber auch in Italien, Spanien und Deutschland. Verbreitet ist auch die Bezeichnung Albigenser nach der südfranzösischen Stadt Albi, die eine Hochburg der Katharer war. Die Katharer wurden durch die Inquisition als Häretiker verfolgt und vernichtet.

Aus dem Wort Katharer wurde später auch die abwertende Bezeichnung "Ketzer" für alle Abweichler von einem herrschenden Glauben abgeleitet.

Table of contents
1 Verbreitung
2 Lehre
3 Gottesdienst und Praxis
4 Organisation
5 Geschichte
6 Kontroversen
7 Literatur
8 Weblinks
9 Siehe auch

Verbreitung

Die Katharer waren hauptsächlich in Südfrankreich verbreitet, es gab allerdings auch katharische Gruppen im Rheinland, in Italien und einigen skandinavischen Ländern.

Lehre

Bezüglich der Lehre der Katharer ist wenig erwiesen und viel behauptet worden - sowohl von ihren Gegnern als auch von späteren Verteidigern. Sicher ist, dass es innerhalb der Katharer insbesondere in der späteren Zeit viele Splittergruppen gab, so dass man nicht von einer einheitlichen Lehre sprechen kann.

Nachgewiesen wurde ein gewisser Einfluss der Bogomilen. Ein wichtiges Element der katharischen Theologie ist ein Dualismus, der die Welt als böse, Gott und den Himmel als gut ansieht. Das Leben des Katharers ist darauf ausgelegt, das Gute des Menschen (die Seele) aus der bösen Welt in den Himmel zu bringen.

Die Katharer wurden und werden gerne in die Traditionen des Manichäismus und der Gnosis gestellt, aber dafür gibt es außer den Inquisitionsprotokollen (und einem gewissen Wunschdenken in neuerer Zeit) keinen eindeutigen Beleg. Ebenso ist historisch keine Beziehung zwischen Katharern und Templern oder Katharern und Gral erwiesen.

Die Katharer sahen sich selbst als die 'wahre' christliche Kirche; Jesus Christus war die zentrale Person ihres Glaubens. Sie unterschieden sich von der damaligen christlichen Kirche durch die Ablehnung des Alten Testaments der Bibel, in dem sie den Schöpfergott einer bösen Welt beschrieben sahen. Im Neuen Testament hatte das Evangelium des Johannes eine herausragende Rolle. In den Predigten kamen viele Bibelzitate vor, doch die Auslegung war oft sehr kreativ, was sich auch bei ihren Bibelübersetzungen feststellen lässt.

Gottesdienst und Praxis

Die katharischen Priester predigten in der Volkssprache (im Gegensatz zum Latein der römisch-katholischen Kirche) und erreichten dadurch weite Bevölkerungsschichten. Armut, Bescheidenheit und Enthaltsamkeit (auch sexueller Art) galten als erstrebenswert, und trugen zur Popularität der Bewegung bei, während die römisch-katholische Kirche aufgrund der Lebensweise ihrer Funktionsträger abgelehnt wurde.

Der katharische Kult ist zwar dem Kern nach bogomilischer Tradition, dies äußert sich vor allem durch die Tatsache, dass die Vergebung der Sünden nur durch die Aufnahme in die Kirche der Sündenlosen erfolgte, jedoch haben sich abendländische Riten um den Kern der bogomilischen Aussage gelegt, so dass hier eine Vermischung der bogomilischen Tradition mit der abendländischen erfolgte. Der Grundgedanke, dass nur durch die Aufnahme in die Kirche der Katharer die Vergebung der Sünden sowie die Erlösung erreicht werden konnte, war die Kernaussage.

Das Consolamentum

Das Consolamentum, oder auch die Geisttaufe nach Röm 1,12 und Kol 2,2, war der entscheidende Schritt, um Mitglied der katharischen Kirche zu werden und, wie schon angeführt, der einzige Zugang zum Heil, wobei Frauen sowie Männer das Consolamentum erteilt werden konnte. Wollte eine Person das Consolamentum erhalten, so wurde von ihr gefordert, dass sie sich in einer Art Noviziat auf das Leben als Katharer vorbereiten musste. Der Zugang zum Heil durch das Consolamentum war nur dadurch gewährleistet, dass derjenige, der das Consolamentum erhielt, sein restliches Leben als Katharer führte, sich also den allgemeinen Lebensbedingungen, die sich aus der religiösen Praxis ableiteten, beugte. Wer einmal das Consolamentum erhalten hatte, konnte dies weitergeben, also weitere Personen in die katharische Gegenkirche aufnehmen und so ihre Seelen retten.

Die Vergabe des Consolamentum wurde in einem feierlichen Akt vollzogen, an dem, unter der Leitung des Bischofs oder des ältesten Katharers der Gemeinde oder der Umgebung, alle Katharer teilnahmen, die das Consolamentum schon erhalten hatten. Die Katharer, die in den engen Kreis der katharischen Kirche aufgenommen wurden hießen Perfecti oder Perfectae. Die Übergabe des Consolamentums vollzog sich, nach Vergebung der Sünden und der Übergabe des Vaterunsers an den Novizen, durch Auflegen des Johannes- Evangeliums auf den Kopf des Kandidaten. Nacheinander berührten die Anwesenden den Kopf des Novizen und übertrugen somit den Geist der Erkenntnis auf ihn. Sollte einer der Perfecti eine Sünde begehen, so war nicht nur sein Consolamentum hinfällig, sondern auch diejenigen Geisttaufen, die von dem Sünder gespendet wurden.

Nach dem Empfang des Consolamentums hatten die Perfecti/ae ein entbehrungsreiches Leben zu führen. Neben dem Verbot der Ehe und der geschlechtlichen Beziehungen zu Männern bzw. Frauen mußten auch strenge Speisevorschriften befolgt werden. Neben diesen beiden Vorschriften mußte auch das Verbot des Eides sowie das Verbot zu lügen befolgt werden.

Frauen konnten, ebenso wie Männer, das Consolamentum erhalten, um gerettet zu werden. Jedoch war der Ritus zur Erteilung des Consolamentums für Frauen etwas abgeändert. So durfte bei seiner Erteilung die Frau nicht berührt werden, so dass ein Tuch über sie gedeckt werden musste. Da die Katharer die Seele von ihrer Natur aus als männlich betrachteten, wurde, nach Ansicht der Katharer, beim Tode einer Perfecta ihre Seele in den ursprünglichen Zustand versetzt, sie wurde männlich. Die Perfecta wurde der Theorie nach zu einem asexuellen Wesen, ihr Geist wurde vom Körper gelöst und erinnerte sich seines ursprünglichen Zustandes, er wurde männlich.

Schwangeren Frauen durfte kein Consolamentum erteilt werden, da sie nach Ansicht der Katharer einen Dämon im Leib hatten.

Der Friedenskuss

Der Friedenskuss steht in unmittelbarer Nähe des Melioramentums und diente in erster Linie zur Begrüßung zweier Perfecti untereinander sowie zweier Perfectae untereinander, oder auch der Begrüßung eines Gläubigen, allerdings nur in dem Fall, im dem der Kuss von dem Perfectus ausgegangen war.

Die Durchführung des Friedenskusses zweier Perfecti/ae gab es nur unter gleichgeschlechtlichen Katharern. Als Parallele zwischen einem Perfectus und einer Perfecta wurde die Perfecta von dem Perfectus am Arm berührt. Eine andere, noch bessere Lösung zur Übergabe des Friedenskusses war es, den Kuss auf das Johannesevangelium zu drücken und dieses dann der Frau zu überreichen.

Die Brotsegnung

Durch die Brotsegnung wurde die Teilnahme der Gläubigen am Kult der katharischen Kirche bezeugt. Die Segnung des Brotes kam allen Anwesenden zugute, den Perfecti sowie den Credentes.

Das Gebet

Des Weiteren wurde durch das Gebet der Tagesablauf eines Katharers bestimmt. Mit dem Consolamentum erhielt ein Katharer die Erlaubnis, das Vaterunser in verschiedenen Formeln zu beten. Dieses war somit Ausdruck der Zugehörigkeit zur "eglesia dei".

Das Apparellamentum

Das Apparellamentum wurde, ebenso wie das Gebet, nur von Katharern verübt. Es diente dazu, den Katharer vor dem Rückfall in den Sündenstand zu bewahren, er beichtete seine Verfehlungen einem Diakon. Ebenso wurde durch das Apparellamentum eine Unterwerfung unter die katharische Gemeinschaft vollzogen.

Ethik

Regeln der Katharer waren z. B.

Ehe und Geschlechtlichkeit

Entstehend aus dem
Mythos der Menscherschaffung, in dem Eva mit dem Teufel verkehrte und Adam zu sexuellen Handlungen verführt, wurde die Geschlechtlichkeit von den Katharern als Teufelswerk verdammt. Auch der Körper als solches war Teufelswerk. Da aber mit ihm der Geschlechtsverkehr vollzogen wurde, kann hier von einer Doppelbelastung der Geschlechtlichkeit ausgegangen werden.

Um den Vollzug der Ehe zu garantieren, mußte der Geschlechtsakt vollzogen werden. Aus diesem Grund war die Ehe für die Katharer, ebenso wie der Geschlechtsverkehr, zu verdammen. Allerdings wurde der Geschlechtsakt in der Ehe als noch verwerflicher angesehen, als der außerhalb der Ehe. Da sich für die Katharer sämtliche Geschlechtlichkeit als Hurerei darstellte, sahen sie den in der Ehe vollzogenen Geschlechtsakt sogar als öffentliche Hurerei an und stellten diesen auf eine noch höhere Stufe der Verachtung, als den außerehelichen Geschlechtsverkehr.

"Wenn irgendwer gleich welche Frau geschlechtlich erkenne, steige der Gestank dieser Sünde bis zum Himmelszelt, und dieser Gestank verbreitet sich durch die ganze Welt."

Ein weiterer Grund für die Katharer, die Geschlechtlichkeit zu verdammen, war die Reinkarnation der Seele bei dem Tode eines Nichtkatharers. Der Zeugungsakt wurde untersagt, "da er dem Teufel dazu diente, neue Gefängnisse für die gefallenen Engelseelen zu schaffen", Satans Werk demzufolge fortgeführt würde.

Aber der Rahmen der Geschlechtsfeindlichkeit muss bei den Katharern noch weiter gesteckt werden. Hingewiesen sei hier nur auf das Berührungsverbot bei der Erteilung des Consolamentums oder die Übergabe des Friedenskusses nur an gleichgeschlechtliche Partner.

Ebenso gab es Berührungsverbote, die nicht nur bei der Erteilung des Consolamentums oder der Übergabe des Friedenskusses bestanden.

Bei eben diesen Berührungsverboten ist eine Geschlechterdifferenzierung vorgenommen worden. Berührte eine Frau einen Mann, so wurden ihr 3 Tage Buße auferlegt, während ein Mann, der eine Frau berührte, 9 Tage Buße tun mußte. Hier liegt eine Bewertung zugrunde, die der Frau eine weitaus höhere Gefährlichkeit gegenüber dem Mann in Bezug auf die Geschlechtlichkeit zuweist als dem Mann gegenüber der Frau. Dies begründet sich wiederum aus dem Mythos der Menscherschaffung, in dem die Frau als die verführte Verführerin auftritt und somit ihre "Gefährlichkeit" für den Mann bis hin zu der katharischen Auffassung von Geschlechtlichkeit bewahrt hatte. Da sie nach ihrer Auffassung keinen "gewöhnlichen" Geschlechtsverkehr ausüben durften, betätigten sie sich ausgiebig im Analverkehr, denn dabei war eine Fortpflanzung ausgeschlossen.

Ausgehend von dieser Bewertung der Geschlechtlichkeit könnte die Auffassung vertreten werden, dass die Katharer keine Speisen, die durch Fortpflanzung entstanden waren, zu sich genommen haben. Dies hatte aber noch andere Gründe.

Speisevorschriften

Aus der Ablehnung der Fortpflanzung als Teufelswerk kann zu einem geringen Teil die Ablehnung sämtlicher Speisen, die aus der Fortpflanzung entstanden sind, also Tierfleisch, Fette und Milchprodukte, begründet werden.

Eine weitaus stärkere Begründung für die Ablehnung dieser Speisen war die Annahme, dass sich in den Tierkörpern die Seelen verstorbener Menschen aufhielten. Wer demnach ein Tier tötete, um es zu verspeisen, stand in der Gefahr, einen Mord an einer Engelsseele, die in einem Tierkörper Zuflucht gesucht hatte, zu begehen.

Fisch hingegen durfte von den Katharern verzehrt werden, da sie der Ansicht waren, dieser sei kein Zeugungsprodukt, sondern gehe aus dem Wasser hervor.

Das Melioramentum und die Credentes

Durch die Ehrenbezeichnung, auch Melioramentum genannt, an einen Perfectus wurde die Hinwendung zum Katharismus eines Menschen nach außen bezeugt. Durch die Abgabe des Melioramentums wurde ein gewöhnlicher Mensch zu einem Credens, also einem Gefolgsmann der Katharer. Zwar galten die Credentes nicht als Mitglieder der katharischen Kirche, da sie das Consolamentum nicht erhalten hatten, aber das Melioramentum war ein Zeugnis dafür, dass die Credentes eines Tages das Consolamentum erhalten würden.

Die Ausführung des Melioramentums wurde durch das dreimalige Kniebeugen vor einem Perfectus und durch das dreimalige Bitten um seinen Segen vollzogen.

Obwohl die Credentes Aufgaben gegenüber den Perfecti hatten, kann das Melioramentum nicht als geschäftlicher Vertrag gesehen werden. Vielmehr ist das Melioramentum ein Ausdruck enger sozialer und ideologischer Bindung an die katharische Gegenkirche sowie deren Vertretern.

Organisation

Im hierarchischen Aufbau der katharischen Bewegung wird das Ausmaß, in dem sich diese Bewegung verkirchlichte, ersichtlich. Ebenso kann an dieser Struktur verdeutlicht werden, wie sich die religiöse Praxis der Katharer ausbildete. Die Struktur der katharischen Kirche war gekennzeichnet durch eine kleine Spitze, die Bischöfe und ihre Stellvertreter, bis hin zu einer breiten Basis, den Credentes und Sympathisanten.

Der Bischof und seine Stellvertreter

Der Bischof hatte in der katharischen Gegenkirche keine so weitreichenden Aufgaben, wie ein Bischof in der katholischen Kirche. Seine vornehmlichen Rechte waren, dass er bei allen Riten der Katharer die erste Stelle einnahm, sei es bei der Erteilung des Consolamentums oder beim Brot brechen. Ansonsten wurden ihm keine weiteren, nur ihm vorbehaltenen Rechte, wie etwa Priesterweihe oder Firmung, zugesprochen, so dass der katharische Bischof im Grunde nur der Gemeindevorstand war, der sich auch um den Besuch der Einzelgemeinden kümmern musste.

Das Bischofsamt wurde nur von Männern bekleidet.

In der ersten Zeit der katharischen Kirche wurde der Bischof noch von der Gemeinde gewählt, im 13. Jahrhundert hatte sich die Verkirchlichung der katharischen Bewegung jedoch soweit durchgesetzt, dass der Bischof einer Diözese nur von seinesgleichen geweiht werden durfte.

An der Seite des Bischofs standen seine Stellvertreter, zwei an der Zahl, der ältere und der jüngere Sohn. Beide vertraten den Bischof in seiner Abwesenheit und bereisten die Gemeinden als Vertreter des Bischofs. Die eigentliche Pfarrseelsorge hingegen wurde vom Diakon übernommen. Die Aufgaben eines Bischofs und auch eines Diakons konnten natürlich nur von Personen übernommen werden, die das Consolamentum erhalten hatten.

Der Diakon

Der Aufgabenbereich eines Diakons einer katharischen Gemeinde war vielfältiger, als der des Bischofs. Er hatte zwar nicht das Recht als erster das Consolamentum zu spenden oder das Brot zu brechen, aber er hatte die Aufgabe, bei Unklarheiten oder Zweifel bei den Gemeindegliedern schlichtend einzugreifen, diejenigen wieder zu konsolieren, die eine Sünde begangen hatten und das Apparellamentum zu vollziehen.

Eine weitere Verpflichtung des Diakons war es, katharische Konvente zu leiten, die auch als Gästehäuser für Katharer bezeichnet werden können. Diese Aufgabe wurde auch von Frauen übernommen. Allerdings war es den Frauen untersagt, zu predigen. In den Frauenkonventen, die der Leitung einer Frau unterstanden, wurden die Predigten entweder vom katharischen Bischof, in den meisten Fällen aber vom Diakon der Katharergemeinde durchgeführt.

Die Aufgaben eines Diakons, die mit Reisen verbunden waren, konnten von Frauen nicht übernommen werden, da es vor allem nach dem Albigenserkreuzzug und während der Inquisition für Frauen nicht möglich war, alleine auf Reisen zu gehen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Perfecti

Die Perfecti (weibl. Form Perfectae), oder auch die "Guten Menschen", bildeten die eigentlichen Mitglieder der katharischen Kirche. Ihnen war es erlaubt, das Vaterunser zu beten und das Consolamentum zu erteilen. Es hat wohl zu keiner Zeit mehr als zehntausend Perfecti gegeben, es kann sogar vermutet werden, dass die Zahl der Perfekten nicht mehr als viertausend betragen hat.

Eine Perfecta durfte nur in der Gegenwart eines Diakons das Consolamentum spenden.

Die Initiierten

Eine Stufe unter den Perfecti standen die Initiierten. Die Initiierten gehörten zu einer Gruppe der Katharer, die danach strebte, das Consolamentum zu erhalten. Wie schon angeführt, bestand die Übergabe des Consolamentums aus zwei Teilen, der Übergabe des Vaterunsers und der eigentliche Geisttaufe, die aber nicht zwingend in einem zeitlichen Zusammenhang stehen mussten. Ein Initiierter hatte das Recht, das Vaterunser zu beten, stand also kurz davor, in den Stand eines Guten Menschen erhoben zu werden. Demzufolge hatte er schon nach den moralischen Grundsätzen der katharischen Kirche zu leben.

Die Credentes

Die Gläubigen fühlten sich noch nicht in der Lage, das von strengen Vorschriften geprägte Leben eines Perfectus zu führen. Sie standen aber der katharischen Kirche nahe und bezeugten dies auch durch das Melioramentum. Dieser Gruppe, auch Credentes genannt, ist es zu verdanken, dass aus der katharischen Gegenkirche keine von der Welt abgesonderte, elitäre Mönchskirche, sondern eine Bewegung mit Massenanhang geworden war. Die Anzahl der Anhänger der katharischen Kirche wird auf "mehrere Hunderttausende" geschätzt.

Die Credentes gehörten nicht zur katharischen Kirche und brauchten aus diesem Grund auch nicht die religiösen Vorschriften, wie sie die Perfecti einzuhalten hatten, zu befolgen.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Credentes war es, die Perfekten zu versorgen und zur Zeit der Inquisition und des Albigenserkreuzzuges auch zu verstecken. Hier kam den Frauen eine besondere Rolle zu, da sie mit der Aufnahme des Gastes in ihr Haus einverstanden sein musste. Sie mussten für den Beherbergten kochen, ihn verstecken und ihm notfalls auch zur Flucht verhelfen. Viele Frauen nahmen diese Möglichkeit, mit den Perfekten in Kontakt zu treten, gerne war, jedoch gab es auch Frauen, die von ihren Männern dahingehend eingeschüchtert wurden, die Perfekten aufzunehmen und sie zu versorgen.

Die Sympathisanten

An unterster Stelle der Hierarchie standen die Sympathisanten der katharischen Kirche. Sie hatten sich weder den strengen Moralvorschriften zu unterwerfen noch sonstige Aufgaben zu übernehmen, wie etwa die Credentes. Sie standen der katharischen Kirche nur nahe und beschützten diese zum Teil vor Verfolgungen.

Geschichte

Die Hochburg der Katharer entstand im 12. Jahrhundert im Languedoc in Südfrankreich (Okzitanien). Historische Quellen zeigen, dass die Katharer in dieser Gegend, insbesondere an den Höfen in Okzitanien, beliebt waren. In der ersten Zeit gehörten viele Angehörige der Oberschicht zu den Katharern, während sich die Bewegung im 14. Jahrhundert zu einer Untergrundkirche der einfachen Bevölkerung entwickelte.

Der Adel von Okzitanien war mit dem König von Frankreich verfeindet, und so entstand ein Bündnis gegen die Katharer, die vom König und vom Papst mit großer Härte verfolgt wurden, wobei auch die blühende okzitanische Kultur zerstört wurde. Im Jahre 1208 wurde ein eigener erster Kreuzzug unter Simon de Montfort gegen die Katharer geführt. Hierbei wurden u.a. am 22. Juli 1209 sämtliche Einwohner der Stadt Béziers umgebracht (etwa 20.000). Dieser dauerte bis 1212. 1226 fand dann der zweite Kreuzzug unter der direkten Leitung des französischen Königs, der jedoch schon bei der Anreise ins Kriegsgebiet den Tod fand. Ein dritter und letzter Kreuzzug beendete 1244 dann die letzten Reste der katharischen Kultur bei der Belagerung des Montségur. Die Ruinen der oft auf schwer zugänglichen Felsen angelegten Katharerfestungen (Montségur, Roquefixade, Montaillou, Peyrepertuse, Quéribus) prägen noch heute das Bild der Landschaft des nordöstlichen Pyrenäenvorlandes.

Kontroversen

Die Katharer distanzierten sich stark von der römisch-katholischen Kirche und ihrer Hierarchie, die sie als Personifizierung des Teufels sahen. Theologisch waren es unter anderem der Dualismus und die Ablehnung des Alten Testamentes, die die Abwehrreaktion der Kirche zur Folge hatten. Hier gibt es Parallelen zur Verurteilung anderer Lehren.

Einige esoterische Gruppen wie das Lectorium Rosicrucianum führen sich auf die Katharer zurück, was jedoch von Religionshistorikern in Frage gestellt wird.

Literatur

Lambert, Malcom: Geschichte der Katharer (Aus dem Englischen) Darmstadt, Wiss. Buchgesellschaft 2001

Weblinks

Siehe auch

Waldenser, Häresie, Inquisition, Albigenserkreuzzug, Gnosis, Neuplatonismus, Manichäismus, Ökumenische Konzile, Deutsche Christen, Täufer




     
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