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Karl der Kühne



Karl der Kühne (Charles le Téméraire oder le Hardi) (* 10. November 1433 in Dijon, † Januar 1477 bei Nancy) war Herzog von Burgund und Sohn von Philipp dem Guten und Isabella von Portugal. Zu Lebzeiten seines Vaters trug er den Titel eines Grafen von Charolais. Er ist der berühmteste aber auch letzte Herzog aus dem Haus Burgund.

Aufgezogen wurde Karl unter Seigneur d'Auxy und schon früh zeigte er großen Lernfleiß, war aber auch in Gefechtsübungen gewandt. Auch wenn ihm die Bedingungen mit dem Dauphin (später Ludwig XI) nicht bekannt waren, als Ludwig Flüchtling am Hof von Burgund war, konnte er nur mit Verdruss den Rückkauf der Städte an der Somme mit ansehen, die vorübergehend an Philipp den Guten durch den Vertrag von Arras abgetreten worden waren. Als die Gesundheit seines Vaters nachließ, konnte Karl sich um die Regierungsgeschäfte kümmern (die Philipp ihm am 12. April 1465 komplett überließ) und begann gleich mit seinem Kampf gegen Ludwig XI., den er ein Leben lang fortführen sollte. Auch wurde er einer der führenden Vorreiter der Ligue du bien public, einem Bündnis des Adels gegen den König.

Seine großartige Tapferkeit bewies er während der Schlacht von Montlhéry am 6. Juli 1465, in der er verwundet wurde, jedoch Herr des Schlachtfeldes blieb. Er konnte den König zwar nicht an der Rückeroberung von Paris hindern, noch einen entscheidenden Sieg erringen, aber er drängte Ludwig 1466 zum Vertrag von Conflans, indem ihm der König die Städte an der Somme zurückgab und ihm die Hand seiner noch sehr jungen Tochter Katharina versprach, mit der Champagne als Mitgift.

In der Zwischenzeit erreichte der Graf von Charolais die Kapitulation von Ponthieu. Die Revolte von Lüttich und Dinant lenkte seine Aufmerksamkeit aber von französischen Angelegenheiten ab. Am 25. August 1466 nahm Karl Dinant ein, das er darauf plünderte und niederbrannte. Zur selben Zeit verhandelte er erfolgreich mit den Lüttichern. Nach dem Tod seines Vaters am 15. Juni 1467 flammten die Feindlichkeiten mit den Bürgern von Lüttich wieder auf, jedoch konnte Karl sie bei St. Trond bezwingen und zog siegreich in Lüttich ein, der er viele ihrer Privilegien entzog.

Durch diese frühen Erfolge des Herzogs von Burgund alarmiert und verängstigt darin, einige offene Punkte des Vertrages von Conflans zu erfüllen, erbat Ludwig ein Treffen mit Karl und begab sich bei Péronne in seine Hände. Im Zuge der Verhandlungen wurde der Herzog über eine erneute Revolte der Lütticher, durch Ludwig im Geheimen angezettelt, informiert. Nach viertägigen Beratungen, wie er mit seinem Gegner umgehen sollte, der sich so ungeschickt in Karls Hände begeben hatte, entschied Karl, seine Aussage zu respektieren und mit Ludwig zu verhandeln (Oktober 1468). Zur gleichen Zeit drängte er Ludwig, ihm bei der Niederschlagung der Revolte zu unterstützen. Die Stadt wurde durch einen Angriff erobert und die Einwohner abgeschlachtet; Ludwig hatte nicht den Mut, auf der Seite seines früheren Verbündeten einzugreifen.

Nach Ablauf der einjährigen Waffenruhe, die dem Vertrag von Péronne folgte, klagte der König Karl des Verrats an, zitierte ihn vor das Parlament und nahm 1471 einige Städte an der Somme ein. Der Herzog antwortete mit dem Einmarsch einer großen Armee in Frankreich, nahm Nesle in Besitz und richtete ein Blutbad unter den Einwohnern an. Aber er verfehlte einen Angriff auf Beauvais und gab sich mit der Verwüstung des Landes bis nach Rouen zufrieden, wo er ohne brauchbares Ergebnis einhielt.

Andere Belange verlangten immer mehr seine Aufmerksamkeit. Wenn er auch nicht die großartige Pracht aufgab, so doch wenigstens den bunten und verschwenderischen Überfluss, der den Hofstaat seines Vorgängers charakterisiert hatte. Außerdem richtete er all seine Bemühungen in den Aufbau seiner militärischen und politischen Macht. Seit Beginn seiner Herrschaft war er mit der Reorganisation von Armee und Verwaltung seiner Ländereien beschäftigt. Er behielt die Prinzipien der feudalen Rekrutierung bei, aber er errichtete ein System strenger Disziplin unter seinen Truppen, die er durch Söldner, besonders aus England und Italien, verstärkte, aber auch durch die Weiterentwicklung seiner Artillerie. Karl ließ auch sonst keine Gelegenheit aus, seine Macht auszubauen. 1469 verkaufte Sigismund, Erzherzog von Österreich, ihm die Grafschaft Pfirt, die Landgrafschaft Elsass und einige weitere Städte, behielt für sich aber das Recht auf Rückkauf.

Zwischen 1472 und 1473 erreichte Karl den Rückkauf des Herzogtum Gelderland von seinem ehemaligen Herzog Arnold, den er gegen die Rebellion seines Sohnes unterstützt hatte. Noch nicht mit dem Titel „Großherzog des Westens“ zufrieden, ergriff er das Projekt, ein Königreich Burgund zu errichten, mit ihm als unabhängigem Souverän. Er überzeugte sogar Kaiser Friedrich III des Heiligen Römischen Reichs einzuwilligen, ihn in Trier zum König zu krönen. Die Zeremonie fand aber, veranlasst durch den Verdruss über die Einstellung des Herzogs und der folgenden überstürzten Abreise Friedrichs bei Nacht, nicht statt (September 1473). Im darauffolgenden Jahr verstrickte sich Karl in einer Reihe von Schwierigkeiten und Kämpfen, die am Ende zu seinem Untergang führen sollten. Er überwarf sich erfolgreich mit Sigismund von Österreich, dem er seine Besitzungen im Elsass für die vereinbarte Summe nicht zurückgeben wollte, mit der Schweiz, die die freien Städte im Elsass bei ihrem Aufruhr gegen die Tyrannei des herzöglichen Gouverneurs Peter von Hagenbach (von den Rebellen im Mai 1474 verurteilt und exekutiert) unterstützte und letztendlich auch mit René von Lothringen, dem er die Erbfolge Lothringens strittig machte, dem Gebiet, welches die beiden Hauptteile von Karls Ländereien, Flandern und das Herzogtum von Burgund, vereinigte.

Alle diese Gegner, aufgestachelt und unterstützt von Ludwig, brauchten nicht lange, um sich gegen ihren gemeinsamen Feind zu verbünden. Karl erlitt eine erste Abfuhr, als er versuchte, seinen Verwandten, den Erzbischof von Köln vor den Rebellen zu schützen. Er belagerte die kleine Stadt Neuss von Juli 1474 bis Juni 1475 zehn Monate lang, wurde aber durch die Ankunft einer mächtigen kaiserlichen Armee dazu gezwungen, die Belagerung aufzuheben. Zusätzlich wurde die Expedition seines Schwagers Eduard IV von England gegen Ludwig durch den Vertrag von Picquigny am 29. August 1475 gestoppt. Erfolgreicher war Karl in Lothringen, wo er Nancy am 30. November 1475 belagerte. Von Nancy marschierte er weiter gegen die Schweiz, wo er die Garnison von Grandson trotz ihrer Kapitulation erhängen und ertränken ließ.

Einige Tage später wurde er vor Grandson von einer eidgenössischen Armee angegriffen, wobei er eine schändliche Niederlage erlitt, die ihn mit einer handvoll Gefolgsleute zur Flucht zwang. Seine Artillerie und die riesige Beute fiel den Verbündeten in die Hände (Februar 1476. Erfolgreich konnte er eine neue Armee von 30.000 Männern aufstellen, mit der er Murten angriff (Schlacht bei Murten), jedoch wurde er am 22. Juni 1476 erneut von der schweizer Armee geschlagen, unterstützt durch die Kavallerie von René von Lothringen. Am 6. Oktober verlor Karl die Stadt Nancy an René. In einem letzten Versuch hob Karl neue Truppen aus und erreichte mitten im Winter die Mauern von Nancy. Nachdem er viele seiner Männer durch die bittere Kälte verloren hatte, traf er mit wenigen tausend Mann am 6. Januar 1477 auf eine vereinte Streitmacht der Lothringer und Schweizer, die zur Entsetzung der Stadt gekommen waren. Karl selber starb in der Schlacht, sein verstümmelter Körper wurde einige Tage später entdeckt.

Karl der Kühne wurde oft als der letzte Repräsentant des feudalen Geistes angesehen, ein Mann, der keine anderen Fähigkeiten als seine blinde Tapferkeit besaß. Oft wurde er im Gegensatz zu seinem Gegner Ludwig XI. gesehen, der für die moderne Politik stand. In Wahrheit besaß er große Fähigkeiten und Kultur, eine strenge Moral und war verschiedener Sprachen mächtig. Obwohl er nicht von gelegentlicher Härte freigesprochen werden kann, besaß er das Geheimnis, die Herzen seiner Untertanen zu gewinnen, die ihm auch in schwierigen Zeiten niemals die Unterstützung verwehrten. Karl war dreimal verheiratet, seine erste Frau war Katharina († 1446), Tochter von Karl VII von Frankreich. Danach Isabella († 1465), Tochter von Karl I., Herzog von Bourbon, mit der er eine Tochter, Maria, spätere Frau von Maximilian I, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, hatte und letztlich war er mit Margarete von Burgund, Schwester von Eduard IV von England verheiratet, die er 1468 ehelichte. Da er nur seine Tochter, Maria hinterließ, erbten die Habsburger den Länderkomplex seines Hauses und erweiterten sich zum Haus Österreich und Burgund, was einen wesentlichen Grundstein für ihre später Weltgeltung ausmachte. Karl V war zeitlebens stolz, von ihm abzustammen.

Vorgänger:
Philipp der Gute
Herzog von Burgund Nachfolgerin:
Maria

Dieser Text stammt ursprünglich aus der Encyclopedia Britannica von 1911, aus der englischen Wikipedia übersetzt.




     
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