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Gustav von Struve



Gustav von Struve (* 11. Oktober 1805 in München; † 21. August 1870 in Wien) war ein deutscher Politiker, Rechtsanwalt, Publizist und radikaldemokratischer Revolutionär während der Märzrevolution von 1848/1849 im Großherzogtum Baden.

Struve war der Sohn eines russischen Staatsrats. Aufgewachsen in München, absolvierte er ein juristisches Studium. Zeitweise war er im oldenburgischen Staatsdienst beschäftigt. 1832 ließ er sich im badischen Mannheim als Rechtsanwalt nieder. In Baden stieg er auch in die Politik ein, indem er die liberalen Abgeordneten in der badischen Kammer durch journalistisches Engagement unterstützte. Dabei wandte er sich immer stärker radikaldemokratischen und frühsozialistischen Positionen zu. Es war die Zeit des Vormärz (die Jahre zwischen dem Wiener Kongress 1815 und dem Beginn der Märzrevolution 1848), in der das reaktionäre metternichschesche System der Restauration herrschte, gegen das Struve sich zunehmend wandte.

Zusammen mit Friedrich Hecker beteiligte er sich an führender Stelle an der badischen Revolution ab März 1848. Auch Hecker gehörte wie Struve zum radikaldemokratischen und antimonarchistischen Flügel der Revolutionäre, der in Baden relativ stark vertreten war. Struve hatte schon 1847 seinen Adelstitel abgelegt. Als die Märzrevolution ausbrach, forderte Struve, in einem von ihm veröffentlichten Programm eine föderative Republik für ganz Deutschland, das aber vom Frankfurter Vorparlament abgelehnt wurde. Gemeinsam mit Hecker und anderen führenden Aufständischen wollte er seine Ideen von Süddeutschland aus verbreiten. Hecker, Struve und andere riefen am 12. April 1848 in Konstanz die Republik aus. Struve war daraufhin beteiligt am sogenannten "Heckerzug", einer Freischar, die sich mit der aus dem Elsaß anmarschierenden "Deutschen Legion" des revolutionären Dichters Georg Herwegh vereinigen und in die badische Hauptstadt Karlsruhe marschieren wollte, um die Revolution von dort aus in ganz Baden zu verbreiten. Der Heckerzug wurde jedoch bald im Schwarzwald bei Kandern von regulären Truppen besiegt und die Revolutionäre aufgerieben. Friedrich Hecker floh ins Exil, während Gustav von Struve weiter versuchte, die Revolution voran zu bringen. Ein erneuter Versuch Struves, am 21. September 1848 bei einem Aufstand in Lörrach die Republik auszurufen, scheiterte ebenfalls. Struve wurde gefangen genommen und inhaftiert. Bei den Maiaufständen 1849 in Baden wurde er befreit. Im Verlauf des badischen Maiaufstands gelang es, nachdem die badische Garnison in der Bundesfestung Rastatt gemeutert hatte, den Großherzog Leopold (Baden) in die Flucht zu treiben, worauf sich am 1. Juni 1849 eine provisorische republikanische Regierung unter dem gemäßigteren liberalen Politiker Lorenz Brentano bildete, an der Struve beteiligt war. Gegenüber der Gefahr durch die anrückenden Truppen des deutschen Bundes unter Führung des preußischen Prinzen Wilhelm von Preußen, verhielt sich Brentano zögerlich und hoffte, durch Verhandlungen eine militärische Eskalation zu vermeiden. Darauf wurde Brentano von Struve und seinen Anhängern gestürzt. Es kam zur Volksbewaffnung. Unter Führung des polnischen Revolutionsgenerals Ludwik Mieroslawski versuchte das Revolutionsheer, die Übermacht der preußischen Truppen abzuwehren, aber die Revolution wurde schließlich nach heftigen Kämpfen um Rastatt am 23. Juli 1849 von den preussischen Truppen niedergeschlagen und war damit endgültig gescheitert.

Gustav von Struve konnte sich mit einigen anderen Revolutionären einer Hinrichtung entziehen, und floh ins Exil, das ihn zunächst in die Schweiz, und schließlich 1851 in die USA führte. Auch hier versuchte er, publizistisch für seine radikaldemokratischen Ziele zu arbeiten, hatte damit aber keinen Erfolg und blieb letztlich politisch ohne nennenswerten Einfluss in den USA. Anfang der 1860er Jahre war Struve am US-amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Nordstaaten beteiligt. Nach seiner Amnestierung kehrte er 1863 nach Deutschland zurück. Struve starb am 21. August 1870 in Wien.

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