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Gletscher



Ein Gletscher (entlehnt aus Westalpen-Romanisch *glatscharju "Gletscher, [eigentlich:] Eisbehälter", dieses aus latein glacies "Eis") ist eine bis zu mehrere hundert Meter dicke Eismasse, die sich durch das Eigengewicht in langsamem Fluss talwärts bewegt.

Table of contents
1 Gletscherentstehung
2 Nährgebiete und Zehrgebiete
3 Gletscher als Landschaftsformer
4 Gletscher der Welt
5 Die Entdeckung der Gletscher als Landschaftsformer
6 Siehe auch
7 Weblinks

Gletscherentstehung

Ein Gletscher entsteht durch die Ansammlung von Schnee, der nicht schmilzt, sondern sich immer weiter akkumuliert. Frisch gefallener Schnee bildet eine Schicht aus Schneekörnchen und mit Luft gefüllten Hohlräumen. Fällt erneut Schnee, so legt er sich über diese bereits existierende Schicht und drückt die mit Luft gefüllten Hohlräume sozusammen, dass sie kleiner werden und voneinander isoliert sind. Über Firn (vorjähriger Schnee, ein körniges Aggregat) entsteht zuerst allmählich weißliches Firneis. Gletschereis ist aus Schnee dann entstanden, wenn alle Hohlräume isoliert sind. Dieses Eis ist halb durchsichtig blau oder grün gefärbt. Gletschereis hat eine Dichte von bis zu 0,9, während die Dichte von Pulverschnee 0,06 beträgt. Der Luftgehalt von Pulverschnee beträgt 90%, der von Gletschereis nur noch 2%. Der Luftgehalt von Firn bzw. Firneis, die Zwischenstufen im Entstehungsprozeß von Gletschereis, beträgt 60 respektive 30%.

Nährgebiete und Zehrgebiete

Auf einem Gletscher gibt es immer ein Nährgebiet und ein Zehrgebiet. Im Nährgebiet bleibt der Schnee auch während der warmen Jahreszeit erhalten, so dass er sich durch Temperaturwechsel und Druck im Lauf mehrerer Jahre zu Gletschereis umformt (in den Alpen etwa 10 Jahre). Durch das Fließen des Eises gelangt es mit der Zeit in tiefe/ exponierte Regionen, wo der Schnee gänzlich abschmilzt und auch das Gletschereis schmilzt. Diese Region wird als Zehrgebiet bezeichnet.

Die Größe des Nähr- und Zehrgebietes variiert jedes Jahr in Abhängigkeit der Schneemenge im Winter und des sommerlichen Witterungsverlaufs. Dadurch wird der Gesamthaushalt des Gletschers bestimmt, sprich ob er sich vergrößert oder verkleinert.

Es gibt Blockeisgletscher, Hanggletscher und Talgletscher.

Gletscher als Landschaftsformer

Gletscher sind bedeutende Landschaftsformer; insbesondere während der Eiszeiten wurden viele Gebirge umgeformt und das abgetragene Gestein an anderer Stelle als Moränen wieder aufgehäuft. Gletscher stellen auch eine sichere Wasserversorgung vieler Flüsse in der niederschlagsarmen Sommerzeit dar.

In den Polargebieten münden viele Gletscher direkt ins Meer. Das von ihnen abbrechende Eis (Kalben des Gletschers) wird zu Eisbergen. Tafeleisberge haben einen anderen Entstehungsmechanismus.

10 % (15.000.000 km²) der Erdoberfläche werden zurzeit von Gletschereis bedeckt, während der letzten Eiszeit waren es 32 %. In Gletschern wird 75 % des Süßwassers gespeichert. Bei einem Abschmelzen des gesamten Gletschereises würde sich der Meeresspiegel weltweit um 70 m anheben. Das Eis in der Antarktis ist zum Teil über 40 Millionen Jahre alt. Ohne den schweren Eispanzer würden sich Teile der Antarktis um bis zu 2.500 Meter anheben. Wird das Eis durch den Eigendruck stark komprimiert verkleinern sich die Lufteinschlüße in der Kristallstruktur. Dadurch werden alle Farben absorbiert, lediglich der blaue Anteil wird reflektiert: das Eis schimmert bläulich. Das letzte markente Gletscherwachstum fand während der "kleinen Eiszeit" statt und endete vor etwa 150 Jahren. Seitdem verkleinert sich die Gletschermasse kontinuierlich.

Gletscher der Welt

Der größte Gletscher in Europa ist mit 8.300 km² Fläche der Vatnajökull in Island. Der größte Gletscher der Alpen ist der Aletschgletscher. Der größte Gletscher Deutschlands befindet sich auf der Zugspitze. Der größte Gletscher Österreichs ist die Pasterze am Großglockner. Der größte Gletscher in Nordamerika ist der Bering Gletscher in Alaska mit 204 km. Der größte Gletscher Südamerikas ist das Campo de Hielo Sur in Chile. Als größter Gletscher der Erde gilt jedoch der Beardmore Gletscher der Antarktis.

Der Kutiah Gletscher in Pakistan ist der schnellste Gletscher der Welt. Im Jahr 1953 wurde eine Fließgeschwindigkeit von 12km in 3 Monaten gemessen, dass entspricht Durchschnittsgeschwindigkeit von 112 Metern pro Tag. Die Fließgeschwindigkeit der Alpengletscher liegt in der Größenordnung von 30 - 150 m pro Jahr, Gletscher im Himalaya fließen mit 500 - 1.500 Meter im Jahr (2 bis 4 m am Tag) und in Grönland bewegen sie sich 3 - 10 Kilometer pro Jahr (10 bis 30 m am Tag).

Der äquatornäheste Gletscher, der ins Meer kalbt, heißt Ventisquero San Rafael, ist Teil des Campo de Hielo Norte und liegt in Chile. Er befindet sich nahe des 45. südlichen Breitengrad, das entspräche projiziert auf die Nordhalbkugel etwa der Lage von Mailand.

Heute schmelzen viele Gletscher in den Gebirgen aufgrund der Klimaerwärmung. Sie sind ein Indikator für das Langzeitklima.

Bekannte und viel begangene Gletscher der Nordalpen gibt es im Venedigergebiet der Hohen Tauern in Österreich, wo viele Gipfel nur über Gletscher erreichbar sind.

Die Entdeckung der Gletscher als Landschaftsformer

Die Vorstellung, dass Gletscher die Landschaften dieser Erde wesentlich geformt haben, ist noch nicht sehr alt. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein hielten die meisten Gelehrten daran fest, dass die Sintflut die Gestalt der Erde prägte.

Die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft schrieb jedoch 1817 eine Preis für ein Thesenpapier zu dem Thema aus Ist es wahr, dass unsere höheren Alpen seit einer Reihe von Jahren verwildern? und spezifizierte weiterhin, dass eine unpartheyische Zusammenstellung mehrjähriger Beobachtungen über das theilweise Vorrücken und Zurücktreten der Glescher in den Querthälern, über das Ansetzen und Verschwinden derselben auf den Höhen; Aufsuchung und Bestimmung der hie und da durch die vorgeschobenen Felstrümmer kenntlichen ehemaligen tiefern Grenzen verschiedener Gletscher gesucht sei. Ausgezeichnet wurde 1822 eine Arbeit von Ignaz Venetz, der aufgrund der Verteilung von Findlingen und Moränen schloß, dass einst weite Teile Europas vergletschert waren. Seine These fand jedoch nur Gehör bei Jean de Charpentier, der wiederum 1834 diese These in Luzern vortrug und dem es gelang, Louis Agassiz davon zu überzeugen. Dem rhetorisch begabten Agassiz, der in den nachfolgenden Jahren intensive Studien zur Gletscherkunde betrieb, gelang es schließlich, diese Auffassung als allgemeine Lehrmeinung durchzusetzen.

Siehe auch

Weblinks




     
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