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Geschichte Serbiens



Dieser Artikel behandelt die Geschichte Serbiens bis zum 18. Jahrhundert. Die Fortsetzung findet sich unter Geschichte Serbiens/19. Jahrhundert bis heute.

Table of contents
1 Byzanz, Awarenreich und Südslawen
2 Das Serbische Reich
3 Der Kampf gegen die Osmanen
4 Weblinks

Byzanz, Awarenreich und Südslawen

Zur Zeit des römischen Reiches gehörte das Gebiet des heutigen Serbien zur Provinz Moesia superior. Seit dem Zerfall des Reiches 395 gehörte es zum oströmischen (byzantinischen) Reich.

Seit dem 6. Jahrhundert siedelten sich Slawen auf dem Gebiet des heutigen Serbien an. Sie ließen sich zuerst in einer Gegend nieder, die Raszien genannt wird. Deshalb wurden sie jahrhundertelang außer als Serben auch als Raszier bezeichnet. Byzanz ermutigte slawische Stämme, sich als Föderaten in den Provinzen des Balkan anzusiedeln. Diese seit 580 entstehende südslawische Einwanderung reichte vom heutigen Slowenien über Kroatien, Bosnien und Serbien bis nach Bulgarien und den Peloponnes. Byzanz förderte das Entstehen kleiner Herrschaften als Puffer gegen das Awarenreich im Norden. Die Herrschaft der Steppennomaden bestand von 567 - 803 im Karpatenbogen bis zur Donau. - Es wurde vom Heer des Frankenreichs zerschlagen.

Manche der slawischen Einwanderer nahmen die griechischee Kultur an, die meisten aber bewahrten ihre slawische Identität. Ihre Stammesführer bildeten mit der Zeit Fürstentümer unter der Oberhoheit von Ostrom. Von ihnen war das weitgehend selbständige serbische Fürstentum das bedeutendste. Es erlebte mit Župan Vlastimir und der frühen Hauptstadt Ras bei Novi Pazar (daher auch die Bezeichnung Raszien) in der Mitte des 9. Jahrhunderts seine erste Blüte.

Bis ins 9. Jahrhundert lebten die Serben unter nominaler Oberherrschaft des byzantinischen Reiches und in relativ friedlicher Nachbarschaft mit den Bulgaren. Der oberste Mann im Staat war der so genannte Groß-Župan, der von den anderen Županenen als Anführer anerkannt wurde. 830 schlossen sich die in loser Nachbarschaft lebenden Stämme unter Župan Vlastimir zu einem staatenähnlichen Gebilde zusammen, um sich gegen die nun unter Khan Presiam gegen Byzanz vordrängenden Bulgaren wehren zu können.

Unter Vlastimir und seinen Nachfolgern wurde Serbien (Raszien) in der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts wahrscheinlich unter direktem Einfluss der Slawenapostel Kyrill und Method von Byzanz aus orthodox christianisiert.

Im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen Bulgarien und Byzanz im 10. Jahrhundert war Serbien eher Byzanz zugeneigt. Um diese Gefahr auszuschalten, gab der bulgarische Zar Simeon I vor, Časlav, einen am bulgarischen Hof aufgewachsenen Urenkel Vlastimirs als Groß-Župan einsetzen zu wollen. Dies war aber nur ein Vorwand, um Serbien als Provinz zu annektieren. Časlav wurde zusammen mit anderen Županen gefangen genommen. Viele, die nicht schon vorher geflohen waren, flohen bis nach Griechenland und Kroatien.

Nach Simeons Tod 927 kehrte Časlav als Befreier nach Serbien zurück. Er erkannte Byzanz als oberste Autorität an und bekam dafür Hilfe beim Wiederaufbau des Landes. Unter Časlav bekam der Staat, der etwas größer war als unter Vlastimir, wieder inneren Zusammenhalt. Nach seinem Tod bei einem Angriff der Ungarn zerfiel er aber wieder.

Im 11. Jahrhundert gab es das erste in größeren internationalen Rahmen anerkannte serbische Königtum unter Mihailo von Zeta. Dieser hatte zuerst - u.a. durch seine Heirat - eine engere Verbindung zu Byzanz gesucht. Als aber Byzanz im Kampf gegen die Normannen geschwächt war, brach er seine Neutralität und unterstützte einen Aufstand der südslawischen Völker gegen die byzantinische Oberherrschaft. Nachdem dieser gescheitert war, suchte er Unterstützung im Westen, beim Papst. Mitverantwortlich für diese Wende war auch, dass Mihailo ein eigenes Erzbistum und den Königstitel wollte. Der Papst, der nach dem Schisma von 1054 Interesse daran hatte, die Herrscher an den Rändern seines Einflussgebietes für sich zu gewinnen, ernannte Mihailo zum König und machte somit sein Land Duklja zum ersten anerkannten serbischen Königtum.

Das Serbische Reich

Im 12. Jahrhundert begann unter Stefan Nemanja eine der wichtigsten Perioden für das serbische Nationalbewusstsein. Stefan, der wahrscheinlich irgendwie mit der herrschenden Familie von Raszien verwandt war, besiegte in der Schlacht bei Pantino seine Brüder im Kampf um die Herrschaft und schloss mit den beiden überlebenden Brüdern eine Union, in der sie ihn als Groß-Župan anerkannten. So wurde er zum alleinigen Herrscher Rasziens und Dioklitiens (Dukljas). Diese Union und seine Unterstützung für einen Angriff der Venedigs und Ungarns auf Byzanz brachten ihn in Konflikt mit dem byzantinischen Kaiser Manuel. In einer erniedrigenden Prozedur unterwarf er sich aber und sicherte so dem Land für einige Jahre Stabilität.

Doch nach dem Tod Manuels im Jahr 1180 machte er sich die verworrene Situation in Byzanz zunutze, um dem Reich die Unabhängigkeit und große Gebiete abzuringen - darunter das südliche Kosovo um [Prizren]] und die Gegend um Niš, das zeitweilig zur neuen Hauptstadt wird. Um sich Anerkennung durch den Papst und die Ernennung zum König und damit strategische Vorteile gegen Byzanz zu sichern, trat Stefan Nemanja zeitweise offiziell zum Katholizismus über. In einem Friedensvertrag mit den byzantinischen Kaiser Isaak II. Angelos wurde seinen Expansionsbestrebungen Einhalt geboten, aber gleichzeitig blieben die neuen Grenzen des Landes weitgehend unangetastet.

1196 dankte Stefan Nemanja zugunsten seines mittleren Sohnes Stefan ab und entsagte als Mönch Simeon allem Weltlichen. Er wirkte aber auch noch als Mönch prägend für die weitere Geschichte Serbiens: Er gründete zahlreiche Kirchen und Klöster (darunter die berühmtem Klöster Studenica und Hilandar) und wurde nach seinem Tod 1200 ein wichtiger serbischer Nationalheiliger.

Stefan Nemanjić, der Sohn, brauchte einige Jahre, bis er die Herrschaft 1207 endgültig gegen seinen älteren Bruder Vukan behauptet hatte. Eine viel wichtigere Rolle für Stefans über 30jährige Regierungszeit - und darüber hinaus bis heute - spielte aber sein jüngerer Bruder Rastko, der als der Heilige Sava von Serbien bekannt wurde.

Als sich die serbische Politik nach anfänglich guten Beziehungen zu Byzanz infolge der Einnahme Byzanz' durch den 4. Kreuzzug eher dem Westen zuwandte, erwirkte Sava bei Papst Honorius III, dass dieser seinen Bruder Stefan 1217 zum König krönte. Damit bekam Stefan den Beinamen Prvovenčani, der Erstgekrönte und die von seinem Vater begründete Dynastie der Nemanjiden war bestätigt und gestärkt.

Die wichtigste und folgenreichste Tat Savas aber war, dass er bei einem Besuch beim byzantinischen Patriarchen im Nicäanischen Exil das Recht erwirkte, eine autokephale (autonome) Serbisch-orthodoxe Kirche zu gründen. Diese Kirche mit ihren ersten aus Serbien stammenden Heiligen Simeon und Sava sollte - besonders in der langen Zeit der osmanischen Herrschaft - das Fundament für das serbische Selbstbewusstsein bilden. Mit der Schaffung eines Rechtskodex - des so genannten Nomokanon - schuf Sava zudem die Grundlage für eine enge Verbindung zwischen Kirche und Staat, die ebenfalls sein Geschlecht überdauern sollte.

Während des Nemanjiden-Reichs im 13. Jahrhundert kam es auch zu wichtigen Veränderungen in der sozialen Struktur des Staates. Aus den Župans, den Stammesfürsten, wurden Adlige. Die einst freien Bauern gerieten zunehmend in deren Abhängigkeit. Die Städte erhielten Sonderrechte. So wurde aus dem losen Stammesverband ein feudaler Staat mit einem etablierten Herrschergeschlecht, das von Gottes Gnaden legitimiert war, sowie einer starken Nationalkirche.

Eine weitere Konsolidierung erfuhr das Reich unter der langen Herrschaft von Stefan Uroš I (1243-1276), der als dritter Sohn des Stefan Prvovenčani nach seinen Brüdern Radoslav und Vladislav die Herrschaft antrat. Die außenpolitischen Konflikte hielten sich in Grenzen und so konnte der wirtschaftliche Ausbau voranschreiten. Dieser beruhte vor allem auf dem Bergbau: Bergwerke zum Abbau von Gold und Silber, aber auch Eisen, Kupfer und Blei wurden gegründet. Um diese herum entstanden Siedlungen, der Handel kam in Schwung. Durch Privilegien für deutsche Bergarbeiter aus Transsilvanien und Handelsleute aus Dubrovnik (Ragusa), das als Hafen für Serbien eine wichtige Rolle spielte, kamen Angehörige anderer Völker nach Serbien.

Der nächste wichtige Herrscher nach der kurzen Regierungsperiode von Uroš' Sohn Dragutin (1276-1282) war dessen jüngerer Bruder Stefan Uroš II Milutin (1282-1321), auch Uroš der Mächtige oder Uroš der Heilige genannt. Er setzte den wirtschaftlichen Ausbau seines Vaters und die Tradition der Kirchen- und Klöstergründungen seiner Vorfahren fort. Unter ihm stieg Serbien zur dominierenden Macht am Balkan auf, u.a. durch Gebietsgewinne in Makedonien. In Skopje gründete er denn auch jenen Hof, der für ihn und seine Nachfolger zum wichtigsten werden sollte.

Nach anfänglichen Reibereien mit Byzanz schloss Uroš II. 1299 einen Friedensvertrag mit dem byzantinischen Kaiser Andronikos II. Palaiologos und heiratete dessen Tochter. Er übernahm das byzantinische Hofzeremoniell und sah sich angesichts des geschwächten byzantinischen Reichs als der legitime Fortführer der byzantinischen Tradition.

Uroš' Sohn Stefan Uroš III. Dečanski konnte sich in der kurzen Zeit, die er zwischen seinem Vater und seinem Sohn Dušan zum Zug kam, außenpolitisch bewähren. In der Schlacht bei Velbužd (heute Kjustendil) besiegte er die Bulgaren, die ab nun für längere Zeit treue Verbündete bleiben sollten.

Von seinem Vater war Stefan Dečanski in seiner Kindheit als Geisel zu den Tataren geschickt und später - als er sich vom Adel dazu aufgestachelt 1314 gegen ihn erhob - geblendet und ins Exil geschickt worden. Von seinem Sohn wurde er 1331 eingesperrt und kurze Zeit später auf mysteriöse Weise ermordet. Das alles war mehr als genug, um ihn heiligzusprechen und als Märtyrer zu verehren.

Unter Stefan Uroš IV. Dušan (1331 - 1355), dem mächtigsten aller serbischen Herrscher, erreichte das Serbische Reich seinen Höhepunkt.

Nicht nur durch Kriegsführung, sondern auch durch geschicktes Ausnützen der politischen Machtverhältnisse gewann er - vor allem vom Byzantinischen Reich - weite Gebiete dazu, darunter fast ganz Albanien (mit Ausnahme der Stadt Durres) und jene Teile Makedoniens, die sich bis jetzt noch nicht unter serbischer Herrschaft befanden (mit Ausnahme Thessalonikis). Sein Reich erstreckte sich schließlich von der Donau im Norden bis zum Golf von Korinth im heutigen Griechenland im Süden und von der Grenze zur unabhängigen Republik Dubrovnik im Westen bis kurz vor Sofia im Osten. Es umfasste neben dem heutigen Serbien (allerdings ohne die Vojvodina) auch die heutigen Staaten Montenegro und Mazedonien, große Teile Albaniens, die griechischen Landschaften Makedonien und Thessalien, sowie Teile der Herzegowina und des heutigen Bulgariens.

Zu Weihnachten 1345 ernannte Stefan Uroš IV. Dušan sich selbst zum Kaiser aller Serben und Griechen (Imperator Rasciae et Romaniae) und ließ sich zu Ostern 1346 krönen. Doch Kaiser konnten nur vom Patriarchen gekrönt werden. Da er mit Byzanz in Fehde war, ließ er in einem Konzil serbische und bulgarische Kirchenmänner den Erzbischof von Peć, Joanikije, zum Patriarchen von Serbien erheben. Der Patriarch von Konstantinopel belegte darauf Dušan, den neuen Patriarchen und die neuen Kirchenfunktionäre mit dem Bann.

Dušans Reich wurde nach byzantinischem Muster unter Führung des serbischen Adels verwaltet. Die weitgehenden Rechte von Adel und Kirche wurden 1349 in einem umfassenden Rechtskodex, dem so genannte Zakonik (Kodex des Stefan Dušan) festgelegt. Da der feudale Adel und die Staatsfunktionäre ihre Rechte aber immer wieder missbrauchten, mussten die Gesetze so modifiziert werden, dass sich schließlich für den serbischen und den griechischen Teil separate Verwaltungssysteme ergaben. Auch kulturell erlebte Serbien eine Hochblüte. So löste z.B. die serbische Redaktion des kirchenslawischen das Griechische als Schriftsprache Südosteuropa ab und wurde auch zur Diplomaten- und Kanzleisprache im gesamten Balkanraum. Es blieb dies bis in das 16. Jahrhundert. Die klösterlichen Freskomalereien werden zu den Höhepunkten europäischer christlicher Malerei des 13. und 14. Jahrhunderts gezählt.

Mit seinem neuen Titel als Herrscher von Romania, d.h. Ostrom, erhob Dušan offen Anspruch auf den Thron von Byzanz. Er geriet damit in Konflikt mit Johannes Cantacuzenus, dessen Ansprüche er 1342/1343 noch unterstützt hatte. Cantacuzenus, der mit der Tochter des Osmanenführers Orhan verheiratet war, rief die Osmanen gegen die Serben zu Hilfe. Damit waren die Weichen für das Eindringen der Türken am Balkan und den Niedergang des Großserbischen Reiches gestellt.

Dušan konnte seine Pläne nicht zu Ende führen, da er 1355 plötzlich und auf mysteriöse Weise starb.

Sein Sohn und Nachfolger Stefan Uros V (1355 - 1371), genannt der Schwache, konnte das Reich nicht zusammenhalten. Die Feudalherren über die einzelnen Gebiete wurden immer mächtiger. Manche spalteten sich - teils mit Hilfe äußerer Rivalen Serbiens - völlig ab, andere erkannten Uros zwar nominell an, gebärdeten sich aber auf ihren Gebieten wie souveräne Herrscher, ließen Münzen prägen, nahmen Steuern ein etc. So hatte das Reich Anfang der 1360er Jahre große Gebiete im heutigen Albanien und Griechenland (Albanien, Epirus und Thessalien) verloren, in der Region Zeta (im Westen an der Adriaküste) hatte eine Familie Balšić die Macht, in Makedonien die Brüder Vukašin und Jovan Uglješa, bekannt als Mrnjavčevićss . Zeta und Makedonien befanden sich offiziell noch unter der Herrschaft Uroš', der tatsächlich nur mehr Zentralserbien in seiner Macht hatte.

1365 bekam Vukašin Mrnjavčević den Königstitel und alle Rechte eines Mitregenten. Da Uroš V. kinderlos war, bedeutete das die Übergabe der Erbrechte und den Anfang vom Ende der Dynastie der Nemanjiden.

Die relativ kurze Zeit im 14. Jahrhundert, in der die serbischen Zaren einen großen Feudalstaat beherrschten, der sich von der Donau bis an die Küsten der Adria und der Ägäis ausdehnte, wurde im nachhinein als Großserbisches Reich bezeichnet. Unter der Jahrhunderte langen türkischen Fremdherrschaft wurde das Serbische Reich zum Inbegriff eines serbischen Idealstaates, wobei gern vergessen wurde, dass das mittelalterliche Großserbien ein Vielvölkerreich war, das an die politische Tradition des byzantinischen Kaisertums anknüfte, welches sich ebenso wie das im Westen als Universalmonarchie verstand.

Der Kampf gegen die Osmanen

Doch die Bedrohung durch die Osmanen ließ einen Machtkampf ausbleiben. 1371 besiegten die Türken die Serben in der Schlacht an der Marica (einem Fluss im heutigen Bulgarien). Diese Schlacht ist im Bewusstsein der Serben weniger präsent als die durch Legenden verklärte Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo polje), war aber mindestens so entscheidend für das weitere Schicksal Serbiens. Die Mrnjavčevićs fielen in der Schlacht, Uroš V., der nicht teilgenommen hatte starb unerwartet zwei Monate später.

Die Türken überließen zunächst das eroberte Territorium den lokalen Herrschern, von denen sich einige unterwarfen, bevor sie mit Gewalt geschlagen würden. So wurde auch Kraljević Marko, der Sohn von Vukašin Mrnjačević, zu einem Vasallen des osmanischen Sultans Murad I Obwohl er für den Sultan kämpfte wurde er eine der zentralen Figur der serbischen Folklore, die sich ihrem Beherrscher nur widerwillig unterordnet.

Das Territorium, das sich noch in der Kontrolle den Osmanen befand, war unter verschiedenen Feudalherren aufgeteilt. Zeta hatte weiterhin die Familie Balšić, Teile Rasziens, des Kosovo und Nordmakedoniens gehörten Vuk Branković, Zentralserbien und Teile des Kosovo hatte Lazar Hrebeljanović. Dieser Lazar wurde durch den Gewinn von Gebieten, die er gemeinsam mit dem bosnischen Ban Tvrtko dem Župan Nikola Altomanović abrang, bald zum mächtigsten unter den Feudalherren und sollte schließlich zu einer der wichtigsten Figuren für die serbische Geschichte und das serbische Nationalbewusstsein werden.

Durch geschickte Heiratspolitik - er selbst heiratete eine Nachfahrin der Nemanjiden - gelang es ihm, seine Stellung zu festigen und Allianzen zu schließen. Dabei stand das Bestreben im Vordergrund, die ehemals serbischen Länder gegenüber dem drohenden Ansturm der Osmanen zu konsolidieren. Er war etwa vorsichtig genug, Ban Tvtrko dessen selbstverliehenen Titel König der Serben und Bosniens nicht abzusprechen, obwohl er sich selbst Herrscher aller Serben nannte.

Ein wichtiger Schritt zur Konsolidierung der bedrohten Gebiete war die Aufhebung des Kirchenbanns über die abgespaltene serbische Kirche, die Lazar 1375 erwirkte. Auch die Aufnahme von Flüchtlingen aus den türkisch kontrollierten Gebieten - unter ihnen viele Vertreter der Kirche und der Intelligenz - bedeutete eine Stärkung von Lazars Position. Auf die Unterstützung der Kirche konnte er rechnen, da ihre Vertreter in ihm den großen Hoffnungsträger für eine Wiedervereinigung der serbisch-orthodoxen Gebiete sahen.

Unterdessen begannen die Türken, nachdem sie einige Zeit mit der Konsolidierung ihrer Herrschaft in den gewonnenen Gebieten Bulgariens und Makedoniens beschäftigt gewesen waren, Mitte der 1380er Jahre Serbien selbst anzugreifen. 1386 eroberten die Türken die wichtige Stadt und Feste Niš, doch schon 1387 gelang es den Serben, eine osmanische Heeresabteilung unter Lala Şahin bei Pločnik vernichtend zu schlagen. Es war klar, dass es zu einer entscheidenden Schlacht kommen musste.

Am 15. Juni 1389 trafen Serben und Türken in der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo polje) aufeinander. Beide Seiten waren gut gerüstet: Sultan Murad I. führte die Truppen selbst an und brachte seine beiden Söhne mit, Lazar hatte die Unterstützung von Vuk Branković und der Männer des bosnischen Königs Tvrtko. Über die Schlacht selbst ist wenig bekannt, außer dass neben vielen anderen auch die beiden Anführer umkamen. Der Ausgang der Schlacht war zunächst unklar. In Europa verbreiteten sich Gerüchte über eine Niederlage der Türken. Erst später, im Licht der darauf folgenden Ereignisse, gingen die Interpretationen in die Richtung einer Niederlage der serbischen Seite, da die Serben größere Verluste erlitten und im Gegensatz zu den Osmanen kaum mehr Ressourcen für weitere Auseinandersetzungen hatten.

Dies war auch Lazars Witwe Milica klar und deshalb blieb ihr nichts anderes übrig, als sich den Forderungen von Murads Sohn und Nachfolger Bayezid nach Unterwerfung zu beugen. Serbien wurde zum Vasallenstaat der Osmanen. Doch auch in diesem musste sich Lazars Clan erst gegen die anderen Feudalherren behaupten, zumal Lazars Sohn Stefan Lazarević 1389 noch zu jung war, um die Nachfolge anzutreten. Milica beauftragte gelehrte Mönche mit dem Verfassen einer Vita Lazars, die eine Heiligsprechung vorbereiten und begründen sollte. Ein wichtiger Grund dafür war, dass die Macht des Stefan Lazarević auf einer wesentlich besseren Basis stand, wenn er einen Heiligen als Vorfahren vorweisen konnte. Damit begann die Mythenbildung um die Schlacht am Amselfeld und ihren Helden Lazar, die noch heute in den Konflikten um das Kosovo als fester Bestandteil des serbischen Selbstbewusstseins ihre Wirkung zeitigt.

Die baldige Heiligsprechung Lazars konnte seinem Sohn zwar die führende Position im Vasallenstaat sichern, dennoch musste Stefan Lazarević, als er die Volljährigkeit erreicht hatte, zunächst mit seinen Männern Sultan Bayezid militärische Unterstützung leisten. Er verhalf ihm 1396 zum Sieg gegen die Kreuzfahrer bei Nikopolis und war 1402 bei der Niederlage gegen die Mongolen in der Schlacht bei Angora (Ankara) dabei. Der Sultan wurde hier gefangen genommen, Stefan nutzte die Chance, um der osmanischen Herrschaft zu entkommen.

Er ließ sich vom byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos den Titel Despot (in damaligen Byzanz der höchste Herrschertitel nach dem des Kaisers) verleihen und kehrte nach Serbien zurück, wo er seinem Land unter ungarischer Oberherrschaft zu einer letzten Blütezeit verhalf. Von den Ungarn bekam Stefan - vor allem im Donauraum und in Südungarn - Gebiete dazu, unter anderem auch Belgrad, das er zur neuen Hauptstadt ausbaute. Nach wilden und wirren Bruderkämpfen, sowohl im serbischen als auch im osmanischen Herrscherhaus, schloss Stefan einen Friedensvertrag mit dem neuen Sultan Mehmed, der es ihm ermöglicht, den Großteil der serbischen Länder noch einmal unter sich zu vereinigen.

Stefan Lazarević ist nicht nur als mittelalterlicher Ritter, sondern auch als humanistisch gebildeter Gelehrter und Dichter in die Geschichte eingegangen, der Serbien den Weg vom Feudalstaat zu einem an den Idealen von Humanismus und Renaissance orientierten Staat gewiesen hat, in dem besonders die Städte und der Handel einen Aufschwung erlebt haben.

Nach seinem Tod 1427 folgte ihm sein Neffe Đurađ Branković nach. Obwohl er gleich zu Beginn seiner Regierungszeit einige Gebiete an Ungarn und Türken verlor, hatte er noch immer einen großen und reichen Staat unter sich, der von Donau und Save bis zur Adria reichte. Nachdem er Belgrad an die Ungarn zurückgegeben hatte, ließ er an der Donau eine neue Hauptstadt bauen - Smederevo, das bald den Ruhm eines neuen Konstantinopel erlangte.

1438 begann Sultan Murad II, dessen Vasall Đurađ war, mit massiven Angriffen auf serbisches Territorium. Đurađ setzte sich zunächst relativ erfolgreich zur Wehr. Nach der Schlacht bei Varnaam 10. November 1444, in der die Ungarn unter Wladislaw I. Jagiello und dem Feldherren Johann Hunyadi gegen die Osmanen unterlagen, und der zweiten Schlacht auf dem Kosovo am 17.-19. Oktober 1448, in der Johann Hunyadi erneut gegen die von Murad II befehligten Osmanen unterlag, wurde Serbien zur Pufferzone und zum Mediator zwischen diesen beiden Parteien.

Auch den Angriffen Sultan Mehmeds II, des Eroberers von Konstantinopel, leistete Đurađ noch Widerstand. Doch als 1456 mit Đurađ und Johann Hunyadi zwei wichtige Anführer des Widerstands gegen die Osmanen ablebten, war die Lage Serbiens trüber als jemals zuvor. Đurađs Nachfolger Lazar, der einzige seiner vier Söhne, der nicht von den Osmanen geblendet worden war, verstarb bereits im Jänner 1458. Damit war Serbien ohne Regierung und den Osmanen ausgeliefert. Mit der Einnahme Smederevos 1459 wurde Serbien Teil des osmanischen Reichs und hörte als Staat für mehrere Jahrhunderte auf zu existieren.

Die Osmanen eroberten Serbien unter dem Vorwand, dem Land nur Ordnung zu bringen, bis sich die politische Lage in Serbien stabilisiert hätte. Der Grund war, dass der damalige Gouverneur von Serbien Mihailo Anđelović gestürzt wurde, der wiederum der Bruder des türkischen Großwesirss Mahmud-Pascha Anđelović war. Serbien wurde zum Sandžak von Smederevo degradiert, das nach der türkischen Einnahme von Belgrad 1521 als das Sandžak von Belgrad umbenannt wurde. Die südlichen Gebiete wurden zum Sandžak von Kosovo, die südwestlichen um das alte Raszien zum Sandžak Novi Pazar, das aber dem Wilayet von Bosnien (1463 erobert) angeschlossen wurde, die Küstengebiete kamen zum Sandžak von Shkoder-Skutari.

Trotzdem brach der serbische Widerstand gegen die Osmanen nicht ab. Dieser konzentrierte sich in Südungarn, der späteren Vojvodina, wo Matthias I. Corvinus eine Art Militärgrenze errichtete. Dorthin übersiedelten viele Serben, die unter ihren Despoten oder Herzögen Autonomie erlangten, dafür aber für Ungarn vorwiegend gegen die Osmanen kämpfen mussten. Die serbischen Despoten wurden von den ungarischen Königen nominiell als die wahren Herren Serbiens ausgerufen. Mit dem türkischen Sieg über Ungarn bei Mohács 1526 war damit auch das Ende des serbischen Fürstentums in Ungarn entschieden.

Die nächsten Jahrhunderte herrschten die Osmanen über Serbien. In dieser Zeit wurden manche serbischen Christen zu Moslems, doch blieb das serbische Nationalgefühl unter anderem durch die serbisch-orthodoxen Klöster erhalten.

In mehreren Aufständen versuchten die Serben, sich von der türkischen Herrschaft zu befreien, das sie als schweres Joch empfanden. Der erste große serbische Aufstand begann in der Vojvodina 1593, der aber bis 1607 blutig niedergeschlagen wurde. Als die Habsburger die Türken aus Ungarn vertrieben (siehe Türkenkriege), wagten die Serben um 1689 nochmals einen Aufstand. Unterstützt von serbischen Aufständischen drangen die Truppen der Habsburger bis nach Sarajevo in Bosnien und Skopje in Mazedonien vor. Als sich jedoch die Österreicher zurückziehen mussten, folgten ihnen auch viele Serben, insbesondere diejenigen die sich am Aufstand beteiligt hatten und nun die Rache der Türken befürchteten, darunter auch der serbische Patriarch Arsenije III. Crnojević. Es kam zu großen Flüchtlingsbewegungen, die in die serbische Geschichte als seobe, Wanderungen, eingingen.

Die Serben siedelten sich hauptsächlich in die zumeist entvölkerten Gebieten Süd-Ungarns, einige kamen bis nach Budapest, in dessen Nähe zwei damals bedeutende serbische Siedlungen gegründet wurden: Szentendre nördlich und Ráckeve südlich von Budapest. Andere folgten dem Ruf der russischen Zarin Katharina der Großen und siedelten in der heutigen Ukraine, wo es zwei serbische Provinzen gab: Nova Serbia (russ. Нова Сербія) und Slovjanoserbia (Слов'яаносербія). In Ungarn der Habsburger erlangten die Serben eine bescheidene Autonomie, die aber nicht territorrial gegolten hat. Doch gerade in Ungarn konnte sich das serbische Nationalbewusstsein neu konsoldieren.

Siehe auch:

Weblinks

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