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Geschichte Ruandas



Ruanda gehört zu den ganz wenigen Staaten Schwarzafrikas, die es mit ungefähr gleichen Grenzen bereits vor der Kolonialzeit gab. Die heute zahlenmäßig nur noch sehr gering vorhandenen Twa waren vermutlich die frühesten Einwohner Ruandas. Über ihre Geschichte ist aber fast nichts bekannt. Das Volk der Hutu stellt die Masse der Einwohner. Sie wurden im 14. oder 15. Jahrhundert von den kriegerischen Tutsi (im Deutschen früher Watussi-Krieger genannt) unterworfen. Die Tutsi sind ein nilotisches Volk (ist nicht bewiesen). Sie stellten als Minderheit die staatliche und militärische Macht, während die Hutu als Bauern arbeiteten. Bereits in vorkolonialer Zeit kam es immer wieder zu Aufständen der Hutu gegen die ihnen verhasste Tutsi-Minderheit, von der sie sich unterdrückt und ausgebeutet fühlten.

Ruanda war von 1890 an durch den Helgoland-Sansibar-Vertrag bis Ende des Ersten Weltkrieges Bestandteil von Deutsch-Ostafrika. Nach dessen Ende wurde der westliche Teil dieser deutschen Kolonie Belgien und dessen Kongokolonie zugeschlagen. Daher ergibt sich bis heute noch die Amtssprache französisch.

Ab 1946 war Ruanda Treuhandgebiet der UNO. Seit 1959 traten die Spannungen der Hutu und Tutsi offen zu Tage. 1960 gewinnt eine Hutu-Partei die ersten Wahlen und stellt den Präsidenten. Als der Kongo unabhängig wurde, wurden die ehemals deutschen Gebiete mit unabhängig, aber als die eigenen Staaten Ruanda und Burundi.

1961 setzten die Hutu den Tutsi-König ab, der mit 60.000 Tutsi nach Burundi floh. Seit 1962 ist Ruanda eine unabhängige Republik mit einem Hutu-Führer als Präsidenten. 1963 versuchten Zehntausende zunächst geflohener Tutsis, die Macht im Lande wieder zu erlangen. Dieser Versuch wurde aber blutig niedergeschlagen. In einem grauenhaften Bürgerkrieg wurden unzählige Tutsi umgebracht. Erst ab 1990 forderten die Tutsi erneut in blutigen Kämpfen die Regierungsmacht der Hutu heraus. Ihr Rückzugsgebiet war dabei Uganda. Der Weltsicherheitsrat beschloss 1993 die Entsendung einer UN-Friedenstruppe. 1994 kam der ruandische Staatspräsident Habyarimana unter ungeklärten Umständen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. In Ruanda wurde allgemein unterstellt, dass Habyarimana Opfer eines von Tutsi verübten Attentats geworden sei.

Dies war der Auftakt zu einem blutigen Völkermord, bei dem Milizen radikaler Hutu von April bis Juni 1994 rund 800.000 Tutsi und moderate Hutu ermordeten. Die Aktion wurde durch Aufrufe in lokalen Radiosendern und durch die ehemalige Partei des ermordeten Präsidenten unterstützt. In mehreren Fällen suchten flüchtende Verfolgte Schutz in Kirchen und Schulen und wurden anschließend von katholischen Priestern und Lehrern den Milizen übergeben. Auch Hutus, die sich an den Morden nicht beteiligen wollten, wurden getötet.

Millionen von Menschen flohen in die Nachbarländer, vor allem nach Kongo, wo man mit dem Flüchtlingsproblem überfordert war. Zudem drohte der ruandische Bürgerkrieg auf den Kongo überzugreifen. Nach unruhigen Zeiten regiert seit 2000 mit P. Kagame wieder ein Angehöriger der Tutsi-Minderheit. Er wurde 2003 in einem Referendum auch von den Hutu in seinem Amt bestätigt. Gleichzeitig wurde auch eine neue Verfassung beschlossen.

Der Völkermord wird von einem Kriegsverbrechertribunal in Tansania untersucht, das bereits mehrere Beschuldigte verurteilt hat. Insbesondere wird das Nichteingreifen der damals vor Ort stationierten Uno-Schutztruppe UNAMIR hinterfragt.

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