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Geschichte Portugals



Table of contents
1 Vor- und Frühgeschichte
2 Die römische Periode
3 Germanenreiche, Mauren und Reconquista
4 Portugal unter den Burgunderherrschern
5 Portugal unter dem Hause Avis
6 Personalunion mit Spanien
7 Die Herrschaft des Hauses Braganza
8 Das Haus Sachsen-Coburg-Gotha, die letzten portugiesischen Könige
9 Die erste Republik
10 Militärdiktatur und Estado Novo
11 Siehe auch

Vor- und Frühgeschichte

Die Vor- und Frühgeschichte Portugals bis zum Beginn der Römischen Herrschaft ist in dem Artikel Vorgeschichte Portugals beschrieben.

Die römische Periode

Die iberische Halbinsel war neben Norditalien einer der Hauptkampfplätze zwischen Karthago und den Römern im Zweiten Punischen Krieg. So kamen zum ersten Mal römische Truppen auf die Halbinsel. Nachdem Rom Karthago geschlagen hatte, musste dieses sämtliche Ansprüche auf die iberische Halbinsel zugunsten Roms aufgeben (206 v. Chr), ein Ergebnis, das nach Ende des Zweiten Punischen Krieges (202 v. Chr) bestätigt wurde. 197 v. Chr gründeten die Römer dann offiziell zwei Provinzen, zwischen denen die iberische Halbinsel geteilt wurde: Hispania citerior (Nordspanien) und Hispania ulterior (Südspanien).

Die dort lebenden keltiberischen Stämme waren allerdings nicht bereit, die Herrschaft der Römer kampflos hinzunehmen. Praktisch seit Beginn der Römischen Präsenz gab es deshalb Widerstand der verschiedenen keltiberischen Stämme. So beginnt 197 v. Chr der mit großer Härte ausgetragene Keltiberische Krieg, der nach römischen Siegen 179 v. Chr mit einem Friedensvertrag zwischen Tiberius Sempronius Gracchus und dem aufständischen Stamm der Lusonen endet.

Auch mit diesem römischen Sieg kommen die Provinzen allerdings nicht zur Ruhe, nunmehr erheben sich unter anderem die Lusitaner, ein weiterer keltiberischer Stamm, der Konflikt köchelt zunächst mit niedriger Intensität.

154 v. Chr kommt es dann zu einem neuen großen Aufstand der Keltiberer, dem so genannten Spanischen Krieg. 150 v. Chr gelingt den Römern eine Täuschung der Führer der Lusitanen und sie metzeln die Mehrzahl der Mitglieder dieses Stammes nieder. Viriatus, einer der wenigen Überlebenden, wird zum Führer der Lusitanen, kann den Römern empfindliche Niederlagen beibrigen und wird so zum Nationalhelden. Erst als Viriatus bei Viseu von seinen eigenen Leuten im Auftrag der Römer ermordet wird (139 v. Chr) bricht der Aufstand zusammen. Ab 138 v. Chr bauen die Römer Festungsanlagen im heutigen Lissabon. Erst Gaius Julius Cäsar gelingt es jedoch ab 60 v. Chr von Lissabon aus, den letzten Widerstand der portugiesischen Stämme zu brechen.

Rom regiert das Land fast vier Jahrhunderte. Unter Augustus wird 27 v. Chr eine Verwaltungsreform durchgeführt und auf der iberischen Halbinsel drei Provinzen eingerichtet: Betica, Hispania Citerior oder Tarraconense und Lusitania (Hauptstadt Emerita, das heutige Mérida). Die Provinz Lusitania wurde wiederum in drei Bezirke („conventus“) eingeteilt: Pacensis (Hauptstadt Pax Iulia, das heutige Beja), Scallabitanus (Hauptstadt Scallabis, heute Santarém) und Emeritensis (Hauptstadt Emerita, heute Mérida). Lusitanien umfasste den größten Teil des heutigen Portugals sowie die spanischen Provinzen Salamanca und Cáceres. Im Jahr 280 teilt Diokletian die Provinz Hispania Tarraconense in zwei weitere Provinzen: Hispania Cartaginense und Calecia. Die Provinz Calecia umfasste das gesamte Gebiet des heutigen Portugal nördlich des Douro.

Die Keltiberer waren Heiden, zu wichtigen Anlässen wurden Gefangene geopfert, dies ist zum Beispiel von Apiano für die Beerdingungsfeierlichkeiten des Viriatus verbürgt. Angeblich soll der Apostel Paulus die iberische Halbinsel besucht und dort mit der Christianisierung begonnen haben. Verstärkt beginnt die Christianisierung jedoch erst im letzten Jahrhundert der römischen Oberhoheit, vier Bistümer werden eingerichtet (Braga, Ossónoba, Évora und Lissabon), von denen Braga das älteste ist.

Germanenreiche, Mauren und Reconquista

Barbareneinfall ab 409 (Alanen, Wandalen und Sueben) beziehungsweise 416 (Westgoten), der die römische Provinz zerstört. Von diesen vier germanischen Stämmen, die das Land erobern, dominieren zunächst die Sweben das Gebiet des heutigen Portugals, deren Könige ihren Sitz in Bracara Augusta, dem heutigen Braga hatten. Um 550 werden sie vom Heiligen Martin von Dume zum Christentum bekehrt. Schließlich setzen sich jedoch die Westgoten durch (Sieg über die Alanen und Wandalen, 585 Sieg des Westgotenkönigs Leowigild über das Königreich der Sweben unter Andeca, dem letzten König der Sweben).

Im Jahr 711 wird das Land von Tariq ibn Ziyad für den Islam erobert, das Königreich der Westgoten zerstört. Der letzte König der Westgoten, Roderich, fällt in der entscheidenden Schlacht gegen die Mauren am Río Barbate. Während der Zeit der Herrschaft der Almoraviden bleiben die christlichen und jüdischen Einwohner weitgehend ungestört. Das Gebiet des heutigen Portugals wurde Teil des Kalifats von Córdoba.

Unter Pelagrius, der aus altem westgotischen Adel stammt, bildet sich eine Widerstandsbewegung gegen die moslemischen Eroberer. Pelagrius kann 718 die Mauren bei Poitiers schlagen und nimmt den Titel eines Fürsten von Asturien an. Die junge asturische Monarchie versteht sich als Nachfolgerin und Erbin des Westgotenreiches. Mit Pelagrius Sieg bei Covadonga 722 beginnt die Reconquista, die Rückeroberung der iberischen Halbinsel von den Mauren, die 1492 mit dem Fall von Granada endet. Portugal wird bereits 1128 vollständig von den Mauren befreit.

König Alfons III., der Große von Asturien (866909) verlegt die Hauptstadt nach León. 866 erobert er Coimbra, 868 Porto. Coimbra geht allerdings 987 wieder an die Mauren verloren. Der von den Mauren zurückeroberte westlichste Landesteil Asturiens um den Douro erfährt einen planmäßigen Ausbau. 1064 gelingt es König Ferdinand I., dem Großen von Kastilien und León, Coimbra von den Mauren zurückzuerobern. Dessen Nachfolger, Alfons VI., der Tapfere, wird im Jahr 1065 König von Asturien-León und nimmt bis zum Jahr 1073 auch den Titel eines Königs von Kastilien, Galicien und Portugal an. Portugal erhob er zur Grafschaft (Comitatus Portaculensis), benannt nach dem alten römischen Hafen Portus Cale, dem heutigen Porto. Obwohl unter der Lehenshoheit von Asturien-Kastilien-León kann sich die neue Grafschaft bald eine große Selbständigkeit sichern.

1086 unterliegt Alfons VI. in einer Schlacht den Almoraviden. Daraufhin ruft er die Kreuzfahrer zu Hilfe. So kommen auch burgundische Ritter in das Land.

Portugal unter den Burgunderherrschern

Einer dieser Ritter, Heinrich von Burgund wurde der Stammvater des ersten portugiesischen Königshauses, des Hauses Burgund, welches das Land bis 1383 beherrschen sollte. Der Aufstieg der Burgunderherrscher in Portugal, der Kampf mit dem benachbarten Asturien-León-Kastilien um die portugiesische Unabhängigkeit und die Blüte des mittelalterlichen Königreiches unter König Dionysius sind in dem Artikel Portugal unter den Burgunderherrschern beschrieben.

Portugal unter dem Hause Avis

1383 stirbt mit Ferdinand I das Haus Burgund in Portugal aus. Durch die Revolution von 1383 besteigt mit Johann I das Haus Avis den portugiesischen Thron. Unter den Avis-Königen, die das Land bis 1580 regieren sollten, steigt Portugal zur Weltmacht auf. Durch die portugiesischen Entdecker und Eroberer schafft sich das Land ein Kolonialreich und steigt zur führenden Handelsmacht Europas auf. Die Geschichte dieser Zeit wird in dem Artikel Portugal unter dem Hause Avis beschrieben.

Personalunion mit Spanien

1580 starb mit Heinrich I der letzte König aus dem Hause Avis ohne Nachkommen. Aus dynastischen Gründen fällt Portugal an die spanischen Habsburger in Gestalt des spanischen Königs Philipp II

Jedoch übernimmt zunächst, António, Prior von Crato, ein nichtehelicher Abkömmling des Hauses Avis (Enkel Emanuel I.) den verwaisten Thron.

Dem standen natürlich die wohlbegründeten Ansprüche Philipp II. entgegen, der nicht nur von Kardinal Heinrich testamentarisch zum Thronerben eingesetzt war, sondern auch als Sohn von Elisabeth, der ältesten Tochter König Emanuel I. über die weibliche Seite mit dem Hause Avis verwandt war und in Ermangelung von Erben aus der männlichen Seite auch regulär zur Thronfolge berufen war. Philipp II. sandte eine Armee unter dem Kommando des dritten Herzog von Alba, die die Truppen Antónios in Alcántara besiegte. So wurde der Habsburger König Philipp II. von Spanien unter dem Namen Dom Filipe I. von den Cortes von Tomar zum König von Portugal ausgerufen. Damit waren die beiden Kronen von Portugal und Spanien unter den Habsburgern vereint. Nach den Vereinbarungen mit den Cortes verpflichtete sich die spanische Seite allerdings, die portugiesische Autonomie zu respektieren. So sollten nicht beide Länder vereinigt werden, sondern lediglich in Personalunion durch einen Monarchen regiert werden.

Nur Portugiesen sollten in die Verwaltung berufen werden, der König versprach die Cortes oft einzuberufen und zu konsultieren, in Madrid wurde ein mit Portugiesen besetzter Rat für portugiesische Angelegenheiten eingerichtet. Die Azoren kann Philipp I. allerdings nicht erobern, sie bleiben zunächst António von Crato treu.

Die Herrschaft Philipp I. (von Portugal = Philipp II. von Spanien) gehört eigentlich mehr in die spanische Geschichte. Der Lieblingssohn Karl V. wurde 1527 in Valladolid geboren. Bereits in seiner Jugend übertrug ihm sein Vater die Regentschaft in verschiedenen Gebieten seines Reiches, so in den Niederlanden und in Süditalien. 1543 heiratete er seine Cousine, Maria von Portugal (Tochter König Johann III.) Diese Heirat und seine Mutter Elisabeth von Portugal (Tochter Emanuel I., des Glücklichen) begründeten seinen Anspruch auf den portugiesischen Thron. Maria von Portugal war auch Mutter seines ältesten Sohnes „Don Carlos“, dessen trauriges Schicksal (er wird auf Befehl seines Vaters eingekerkert und stirbt 1568 unter ungeklärten Umständen im Gefängnis) Vorbild für Friedrich von Schillers Drama und Verdis Oper wird. Nach dem Tode seiner ersten Frau heiratete Philipp aus politischen Gründen Königin Maria I. Tudor (Maria die Katholische) von England.

1556 übernahm er nach der Abdankung seines Vaters die Regierung in Spanien und den Niederlanden. Karl V. hatte ihm auch die Kaiserkrone und die österreichischen Stammlande der Habsburger zugedacht, dies scheiterte aber am Widerstand der deutschen Kurfürsten. Kaiserkrone und Stammlande fielen daraufhin seinem Onkel Ferdinand I zu, seitdem war das Haus Habsburg in eine spanische und eine österreichische Linie geteilt.

Philipp I. (II.) war ein überzeugter Vorkämpfer der Gegenreformation. In allen Teilen seines Reiches bekämpfte er den Protestantismus mit harten Maßnahmen, was besonders in den nördlichen Niederlanden zu einem Aufstand führte, der schließlich den Verlust dieser Provinzen für Spanien bedeutete.

Der Gegensatz zu Frankreich und seit dem Tode seiner zweiten Frau Maria der Katholischen und der Thronbesteigung von Elisabeth I auch zu England, sowie der Kampf gegen die Türken (hier musste Spanien den bedrängten österreichischen Verwandten helfen) bestimmte die Politik Philipps. Philipp entsandte 1588 die Armada gegen England, wurde jedoch vernichtend geschlagen. Er verlegte die spanische Residenz nach Madrid und ließ das Escorial errichten.

Auch in Portugal hatte Philipp eine Reihe von Aufständen niederzuschlagen. Der Regierungsantritt eines spanischen Königs war im Volke alles andere als populär. Dazu kam, dass die Erinnerung an den im Volk verehrten „jungen Ritterkönig“ Sebastian noch frisch war. Da Sebastians Leiche auf dem Schlachtfeld von Alcazarquivir nie gefunden wurde, hatten es falsche Sebastiane deshalb relativ einfach, sich als der verschollene König auszugeben und Aufstände gegen Philipp zu provozieren. Auch António von Crato, der sich ja gleich nach dem Tode des Kardinalkönigs hatte zum portugiesischen König ausrufen lassen, dann aber von spanischen Truppen verjagt worden war, versuchte es 1589 erneut, diesmal mit Hilfe des englischen Piraten Drake, er wurde jedoch abermals von den Spaniern geschlagen.

1598 starb Philipp I. (II.) und sein Sohn aus seiner letzten Ehe mit Anna von Österreich bestieg den Thron, in Spanien als Philipp III, in Portugal als Philipp II.

Während Philipp I. die Autonomie Portugals noch respektierte, wird das Land unter seinen beiden Nachfolgern Philipp II. (= König Philipp III. von Spanien 1598 - 1621) und Philipp III (= König Philipp IV. von Spanien 1621- 1640) mehr und mehr an Spanien angegliedert. Die Versprechungen Philipp I. waren vergessen, Spanier wurden auf Posten in der portugiesischen Verwaltung ernannt, die Weigerung der Könige, Portugal zu besuchen und die Störungen des Handels aufgrund der von Spanien geführten Kriege vergrößerten die Verbitterung in Portugal noch.

Außenpolitisch geriet Portugal jetzt natürlich ebenfalls in Gegensatz zu den vielen europäischen Feinden Spaniens. England, traditioneller Verbündeter Portugals, war nunmehr sein Gegner, auch die Niederländer mit ihrer aufstrebenden Seemacht, die sich ja gerade erst in einem blutigen Bürgerkrieg vom spanischen Joch befreit hatten, versuchten den spanisch-portugiesischen Interessen zu schaden, wo es ihnen nur möglich war.

So verlor Portugal Hormuz an die Briten (1622), die Holländer erobern Ceylon und Malalla, setzen sich in Brasilien (1630, Pernambuco) und Afrika (1637, Elmina) fest. Spanien wurde in den Dreißigjährigen Krieg verwickelt, wo der Kaiser, der ja aus der österreichischen Verwandtschaft stammte, versuchte, sich gegen die protestantischen Reichsstände, Frankreich und Schweden durchzusetzen. Die spanischen Habsburger unterstützten in diesem Konflikt natürlich ihre österreichischen Verwandten.

Alle diese Kriege, die Spanien zu führen hatte, ruinierten das Land und insbesondere die spanischen Staatsfinanzen. Der König erhob deshalb hohe Steuern, die Portugal genauso trafen wie den Rest seiner Besitzungen. In Portugal und auch in Kastilien kommt es deswegen zu Aufständen. Der Tropfen, der das sprichwörtliche Fass zum überlaufen brachte, war erreicht, als Philipp III. (IV.) den Zusammenschluss der portugiesischen mit der spanischen Armee dekretierte, für den selbstbewussten portugiesischen Adel eine große Schmach und eine eindeutige Verletzung der Autonomieversprechen, die Philipp I. (II.) bei seiner Thronbesteigung seinerzeit den portugiesischen Cortes gegeben hatte.

Die Herrschaft des Hauses Braganza

Portugal erkämpft seine Unabhängigkeit

1634 und 1637 in Évora kommt es zu Aufständen, 1640 brach ein Aufstand in Katalonien aus, der Herzog von Olivares, der allmächtige Premierminister Philipp III., plante, portugiesische Truppen zur Niederschlagung des Aufstandes gegen die Katalanen einzusetzen, was in Portugal für weitere Empörung sorgt. Frankreich, der große Widersacher der Habsburger und damit Spaniens, sieht eine Chance, die Spanier zu schwächen, Kardinal Richelieu unterstützt deshalb die Portugiesen und ermuntert den Herzog von Braganza zum Aufstand gegen die Spanier. Die spanische Schwäche nutzend, wird in einem Handstreich in Lissabon die spanische Statthalterin, die Herzogin von Mantua, gestürzt und das Oberhaupt der Familie Braganza als Johann IV zum König ausgerufen. Einen Aufstand, der vom Erzbischof von Braga und einigen Adeligen angestiftet wurde und das Ziel hatte, den Thron an die Habsburger zurückzugeben, scheiterte, Johann ließ mehrere Adelige hinrichten und Geistliche zu längeren Haftstrafen verurteilen. Mit Johann IV. besteigt das Haus Braganza den portugiesischen Thron, die vorletzte Dynastie, die das Land regieren sollte.

Spanien reagierte erst Jahre später auf die Ereignisse in Portugal. Grund dafür war, dass Spanien durch den Dreißigjährigen Krieg und den Krieg mit Frankreich seine Armeen zunächst anderweitig benötigte. Nur 1644 kommt es zu einer kleineren Schlacht bei Montijo. Portugal erneuert zunächst seine Allianz mit England (Verträge mit Karl I 1642, Oliver Cromwell 1654 und Karl II 1661, der Katharina von Braganza heiratete). Portugal tritt Tanger und Bombay an England ab. Johann IV. versuchte erfolgreich, Teile des portugiesischen Kolonialreiches zurückzuerobern. Zwar waren Ceylon und Malakka endgültig an die Holländer verloren, aber es gelingt ihm, die Holländer 1648 aus Luanda und São Tomé und im Bündnis mit den Engländern während des ersten Englisch-Niederländischen Seekrieges 1652 aus Brasilien zu vertreiben. Durch den Verlust der ostindischen Kolonien wurde Brasilien jetzt zur wirtschaftlich bedeutendsten portugiesischen Kolonie. Rohrzucker, Gold und Diamanten aus Brasilien wurden zur wichtigsten Quelle portugiesischen Reichtums. Wegen der absehbaren Konfrontation mit den Spaniern verstärkte der König die Landesverteidigung. So wurde ein permanenter Kriegsrat und ein geheimer Rat zur Verteidigung der Landesgrenzen gegründet. Unter Johann wurde Portugal wieder zu einem mächtigen und in Europa respektierten Land.

1656 verstirbt Johann IV. Sein ältester Sohn, Alfons VI, tritt die Nachfolge an. Alfons VI. war beim Tode seines Vaters nur 13 Jahre alt, so dass zunächst eine Regentschaft eingesetzt wurde, die von seiner Mutter, Luísa de Guzmão, geführt wurde. Alfons VI. war seit seinem dritten Lebensjahr gelähmt und geistesschwach, so dass die Regentschaft auch nach seiner Volljährigkeit fortgeführt wurde. Aufgrund einer Verschwörung des dritten Grafen von Castelo Melhor gegen die Regentschaft begann Alfons VI. 1662 formal selbständig zu regieren, die Macht fiel aber de facto dem Grafen von Castelo Melhor zu, der grauen Eminenz hinter dem Thron.

1659, der Krieg mit Frankreich hatte im gleichen Jahr geendet, griff Spanien schließlich doch an und versuchte Portugal für die Habsburger zurückzuerobern (Restaurationskrieg). Die Spanier besetzten Elvas. Gemeinsame portugiesisch-britische Truppen schlagen die Spanier jedoch in mehreren Schlachten. Im Jahr 1665 verstarb der spanische König Philipp IV. und damit der letzte Monarch aus dem Hause Habsburg, der noch den portugiesischen Königstitel getragen hatte. Die Spanier, durch die militärischen Niederlagen geschwächt, mussten 1668 im Frieden von Lissabon die portugiesische Unabhängigkeit anerkennen. Ceuta verblieb bei Spanien. Diese Siege über Spanien brachten dem König den Beinamen „o Vitorioso“ (der Siegreiche) ein.

Alfons VI. verliert immer mehr Einfluss an seinen jüngeren Bruder, den Infanten Peter. Dieser verbündet sich mit der Königin gegen Alfons VI. Auch im Volk und in den Cortes war die allgemeine Meinung, dass Alfons VI. aufgrund seiner Behinderung nicht in der Lage war, das Land zu regieren.

1667 vertreibt Peter zusammen mit der Königin den bisherigen Kronrat und zwingt den König eine Urkunde zu unterschreiben, mit der dieser auf die Ausübung der Regierung verzichtet. Die Cortes setzten 1668 den König ab und ernennen Peter zum Regenten. Die Ehe des Königs wird, da dieser angeblich nicht in der Lage war, sie zu vollziehen, aufgelöst, die Königin heiratet daraufhin den Prinzregenten Peter. Alfons VI. lebt bis zu seinem Tode 1683 als Gefangener in Sintra und auf den Azoren. Nach seinem Tode besteigt Prinzregent Peter als Peter II. den portugiesischen Thron.

Portugal im Zeitalter des Absolutismus

Während der Regierung Peter II. wird die Wirtschaft des Landes nach merkantilistischen Maßstäben umorganisiert (Reformen des dritten Grafen von Ericeira) und ein weitreichender Handelsvertrag mit England geschlossen (1668). Nach diesem Vertrag bekamen englische Produkte Zollpräferenz in Portugal im Ausgleich für englische Zollpräferenzen für portugiesischen Wein. Im Methuenvertrag von 1703 wurde England schließlich die zollfreie Einfuhr von Textilien und Manufakturwaren erlaubt, Portugal bezahlte dafür mit dem Gold und den Diamanten Brasiliens. Dieser Vertrag, der bis 1842 in Kraft blieb, trug dazu bei, dass Portugal wirtschaftlich von England abhängig wurde, und, da das Land von billigen britischen Produkten überschwemmt wurde, keine eigene Industrialisierung durchführte.

1669 traten die Cortes zum letzten Mal zusammen. Die nachfolgenden, absolutistischen Könige, riefen die alte Ständeversammlung nicht mehr ein. Erst nach der liberalen Revolution von 1820 sollten die Cortes wieder zusammentreten.

Portugal tritt 1703 auf britisch-österreichischer Seite in den Spanischen Erbfolgekrieg ein.

Im Jahr 1706 besteigt Johann V den Thron (bis 1750). Unter ihm wird der Absolutismus eingeführt, die Cortes waren ja schon seit 1696 nicht mehr einberufen worden. Johann V. wird als fähiger Staatsmann, hoch gebildet und vielseitig interessiert, geschildert, der sich Ludwig XIV von Frankreich zum Vorbild nahm. Wie in Frankreich kümmerten sich auch in Portugal die Adeligen nicht mehr um ihren Landbesitz, sie sanken zu reinen Höflingen herab. Sein Reichtum, den der König, in der Tradition anderer absolutistischer Könige in Bauten zu seinem Ruhme anlegt (Klosterpalast von Mafra, Universitätsbibliothek von Coimbra, Aquädukt von Águas Livres in Lissabon), stammte aus dem brasilianischen Goldhandel. In seine Regierungszeit fiel das Ende des spanischen Erbfolgekrieges. Einer portugiesischen Armee unter der Führung des Marquês das Minhas gelingt es, Madrid einzunehmen, die Spanier und Franzosen siegen dann aber in der Schlacht von Almansa (1707), der Franzose René Duguay-Trouin plündert Rio de Janeiro. 1713 schließen Portugal und Frankreich Frieden, 1715 schließlich auch Portugal und Spanien.

Johann V. tritt auf Seite des Papstes in einen Krieg gegen die Türkei ein (Seeschlacht von Matapan, 1717), gerät jedoch bald in Gegensatz zum Heiligen Stuhl, als er versucht, mehr Einfluss auf die katholische Kirche in Portugal zu gewinnen. Erst als der Papst einwilligt, dass alle Bischöfe Lissabons den Titel eines Kardinals und Patriarchen bekommen und dem König selbst den Titel „Allergläubigster König“ (o Rei fidelíssimo) verleiht, versöhnen sich König und Papst wieder. Unter Johann V. hatte das Land ein „zweites goldenes Zeitalter“ erlebt, von dem viele der von dem König errichtete großartigen Bauten heute noch künden.

Joseph I, sein Nachfolger, der von 1750 - 1777 regiert, war mehr an seinen Bauten und der Oper interessiert, als an den Staatsgeschäften. Er kritisierte die Verschwendungssucht seines Vaters und dessen Unterstützung der Inquisition. Als Joseph I. den Thron bestieg, berief er Adelige in seinen Beraterkreis, die in Opposition zu seinem Vater gestanden hatten, darunter den genialen Sebastião José de Carvalho e Melo, den ersten Marquis von Pombal.

1755 wird Lissabon von einem schrecklichen Erdbeben zerstört. Der Marquis von Pombal organisiert den Wiederaufbau. Nachdem er so sein organisatorisches Geschick unter Beweis gestellt hatte, wird Pombal 1756 zum ersten Minister und damit zum eigentlichen Regenten Portugals ernannt. Er legt den Grundstein für den Eintritt Portugals in die Moderne. Anstelle der traditionellen klerikalen Politik setzt der Marquis einen aufgeklärten Absolutismus. Dies bringt ihm schnell den Widerstand der Kirche ein. Die Jesuiten predigen, dass das Erdbeben Gottes Strafe für die Reformen des Marquis sei. Als es 1758 zu einem nie aufgeklärten Attentatsversuch gegen den König kommt, schlägt Pombal zurück. Die Erziehung wird laisiert, Oppositionspolitiker, darunter auch der Herzog von Aveiro, werden exekutiert, ein bedeutendes Mitglied der Jesuiten wird auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 1759 wird der Jesuitenorden in Portugal und Brasilien aufgelöst. Pombal schafft die Sklaverei in Portugal (nicht in Brasilien) ab (1761), sämtliche noch bestehenden rechtlichen Diskriminierungen gegen die neuen Christen (also die getauften Juden) werden aufgehoben, die Zensur wird von der Kirche auf den Staat übertragen, die Inquisition der Aufsicht des Staates unterstellt. An der Universität wird eine naturwissenschaftliche Fakultät gegründet, ein staatliches Schulwesen wird geschaffen, die Indianer in Brasilien emanzipiert. Unter der Oberaufsicht des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe wird das portugiesische Herr reformiert. Der Marquis sorgte dafür, dass verstärkt portugiesische Siedler in Brasilien angesiedelt wurden und förderte den Brasilienhandel durch die Gründung von Handelsgesellschaften, darunter der Ostindischen Kompanie. Sowohl die Landwirtschaft als auch der Handel erlebten in dieser Zeit einen Aufschwung, die finanzielle Lage des Staates verbesserte sich erheblich.

Joseph I. war mit einer spanischen Bourbonenprinzessin verheiratet. Trotzdem war er nicht bereit, England, den traditionellen Verbündeten Portugals, im Stich zu lassen, und dem spanisch-französischen Bündnis gegen Großbritannien beizutreten. Spanien fiel daraufhin 1762 in Portugal ein, musste aber bereits 1763 Frieden schließen und Portugal wieder verlassen. Die letzten drei Jahre führte die Königin die Regentschaft für den erkrankten König.

Joseph I. hinterließ keinen männlichen Erben. Der König stand deshalb vor der Wahl, entweder die weibliche Thronfolge zu ermöglichen, dann wäre seine Tochter Maria ihm auf den Thron gefolgt, oder an der männlichen Thronfolge festzuhalten, dann wäre sein jüngerer Bruder, Peter, als nächster in der Thronfolge berufen. Das Dilemma wurde dadurch gelöst, dass Joseph seinen Bruder mit seiner Tochter verheiratet. Gemeinsam besteigen sie als Maria I. und Peter III. den Thron.

Die neue Königin war sehr religiös, die antiklerikale Politik des Marquis von Pombal war ihr deshalb ein Graus. Sobald sie den Thron bestiegen hatte, entlässt sie deshalb Pombal, den sie auf seinem Landsitz unter Hausarrest stellt. Maria I. macht eine Reihe der antikirchlichen Reformen des Marquis rückgängig, setzt jedoch seine Außen- und Wirtschaftspolitik fort. Die Infrastruktur des Landes wird erneuert, ein Außenhandelsgleichgewicht mit England erreicht, die Abhängigkeit von England durch eine Diversifizierung des Handels und eine Allianz mit Russland gemindert.

Nach dem Tode ihres Mannes verfiel die Königin zunehmend in eine irrationale Frömmigkeit und wurde schließlich wahnsinnig. 1792 wurde sie entmündigt. Die Regentschaft übernahm ihr Sohn der Thronfolger, der spätere König Johann VI

Französische und britische Besetzung, die brasilianische Periode

Portugal befand sich durch seine Allianz mit England außenpolitisch in einer äußerst prekären Situation gegenüber dem revolutionären Frankreich. Aus Angst, die revolutionären Ideen könnten nach Brasilien übergreifen, beteiligt es sich am Krieg gegen Frankreich (1793), steht jedoch ab 1795 allein. Spanien nutzt diese Schwäche und eroberte 1801 Teile Portugals (spanisches Ultimatum, spanische Besetzung des Alentejo, Abtretung der Stadt Olivença an Spanien im Frieden von Badajoz). 1806 erklärte Napoleon in Berlin die Kontinentalsperre gegen England. Portugal kann napoleonischem Drängen, seine Häfen gegenüber britischen Schiffen zu verschließen und sich der Kontinentalblockade anzuschließen nicht nachgeben, da es zu sehr vom britischen Handel abhängig ist. Das französische Drängen wird nach Napoleons Niederlage in der Seeschlacht von Trafalgar (1805) immer stärker. 1806 stellt Napoleon Portugal ein Ultimatum. Entweder das Land erkläre den Engländern den Krieg, oder Frankreich würde Portugal den Krieg erklären. 1807 muss Spanien im Vertrag von Fontainebleau den Franzosen Durchmarschrechte zugestehen. Napoléon gelingt es so, Portugal zu besetzen, General Junot erobert Lissabon. Die königliche Familie flieht nach Brasilien, Rio de Janeiro wird neuer Regierungssitz.

Dreimal versuchten die Franzosen, das Land zu besetzten. Die erste Invasion von Junot 1808 war zunächst erfolgreich, bis ein britisches Expeditionscorps von 13.000 Mann unter dem Befehl des britische Generals Arthur Wellesley, des spätere Herzog von Wellington, in Portugal landete. Den Briten gelang es schnell, den Franzosen eine Reihe von Niederlagen beizubringen. General Junot und seine Männer müssen sich aus Portugal zurückziehen, im Vertrag von Sintra müssen die Briten ihnen allerdings freien Abzug gewähren. 1809 versuchten es die Franzosen erneut, diesmal war es Marschall de Dieu Soult, der von Galicien kommend nach Portugal einmarschierte. Die britisch-portugiesischen Truppen stehen zunächst unter dem Befehl von William Carr Beresford, später erneut unter dem Befehl von Arthur Wellesley, der, als er von der neuen Invasion gehört hatte, nach Portugal zurückgekehrt war. Mit dem Sieg von Talavera de la Reina über die Franzosen (Juli 1809) war die zweite Invasion beendet.

Im August 1810 versuchten es die Franzosen zum dritten Mal, diesmal besetzten die Marschälle Massena, Ney und Junot die Provinz Beira. Wellington besiegte sie am 27. September 1810 in der Schlacht von Buçaco, nahe Coimbra. Die Engländer und Portugiesen hatten die Zeit genutzt, um bei Torres Vedras, nördlich von Lissabon, eine befestigte Verteidigungslinie auszuheben. Die französische Invasion wird an dieser Linie aufgehalten, die Franzosen erleiden große Verluste, nach der Niederlage von Sabugal (3. April 1811) müssen sie sich endgültig aus Portugal zurückziehen, das Land war damit befreit. Offiziell endet der Krieg jedoch erst mit der französischen Niederlage in der Schlacht von Toulouse, 1814.

Das Ergebnis des Krieges war ein Desaster für Portugal. Der Aufbau der Industrialisierung war gestoppt. Das Land durch die Taktik der verbrannten Erde, die sowohl die Franzosen als auch die Engländer angewandt hatten, verwüstet. Konstitutionell wurde Portugal von Brasilien aus regiert, im Jahr 1815 erhielt Brasilien einen neuen Status, war nunmehr nicht mehr portugiesische Kolonie, sondern unabhängiges Königreich gleichen Rechts wie Portugal, mit diesem durch Personalunion verbunden. Portugal war stark verschuldet, seine Handelsabhängigkeit von England wuchs. Seit 1810 hatte England auch das Recht, unter Umgehung Portugals, direkt mit Brasilien Handel zu treiben. Portugal wurde de facto brasilianische Kolonie und britisches Protektorat, die Macht im Lande lag in den Händen des britischen Befehlshabers William Carr Beresford.

Nach dem Tode Maria I. 1816 wurde der Prinzregent in Rio de Janeiro als Johann VI. zum König von Brasilien und Portugal gekrönt.

Liberale Revolution und der Kampf zwischen Absolutisten und Konstitutionalisten

Innenpolitisch wuchs, besonders in der portugiesischen Armee, der Ruf nach einer Verfassung. Die liberalen politischen Ideen, von Napoleon und den Truppen des revolutionären Frankreichs nach Portugal gebracht, fielen in der schlecht bezahlten Armee auf fruchtbaren Boden. Die Abwesenheit der königlichen Familie, die Anwesenheit ausländischer Kommandanten (Beresford) und die Ereignisse im benachbarten Spanien, wo der Liberalismus Erfolge feierte, führten zu zusätzlicher Unruhe in Portugal. Beresford kann 1817 durch die Hinrichtung einer Reihe von Verschwörern, darunter des liberalen Generals Gomes Freire de Andrade zwar nochmals die Oberhand gewinnen, sein hartes Vorgehen verstärkt aber schließlich noch die Entschlossenheit seiner Gegner.

1820 kommt es dann zur liberalen Revolution, die mit einem Offziersaufstand in Porto beginnt. Im Ergebnis werden die Engländer entmachtet, eine verfassungsgebene Cortes gewählt, die, unter Führung des Juristen Manuel Fernandes Tomás dem Land seine erste Verfassung gibt. Johann VI. wird zur Rückkehr nach Portugal aufgefordert, einer Aufforderung, die der König im gleichen Jahr eher widerwillig nachkommt. Kronprinz Peter lässt er allerdings in Brasilien zurück. Als die Cortes versuchen, auch den Kronprinzen zur Rückkehr nach Portugal zu bewegen und dazu noch für Brasilien wieder den Kolonialstatus wieder einzuführen, erklärt dieser am 7. September 1822 die brasilianische Unabhängigkeit. Brasilien wurde Kaiserreich, aus Kronzprinz Peter von Portugal wurde Kaiser Peter I. von Brasilien (Dom Pedro I).

Nach der Rückkehr des Königs spitzte sich der Konflikt zwischen den liberalen Konstitutionalisten, also denjenigen, die wollten, dass Portugal als konstitutionelle Monarchie regiert werden sollte, und den Absolutisten, also den Anhängern der absoluten, durch keine Verfasssung beschränkten Monarchie, dramatisch zu. Der Riss ging dabei quer durch die königliche Familie, während der König zögerlich lavierte, einen Bruch mit den Liberalen aber vermeiden wollte, waren Königin Charlotte Johanna und Prinz Michael kompromisslose Anhänger des Absolutismus.

1824 kommt es zu einem Aufstand der konservativen Kräfte gegen die neue liberale Verfassung. Der König wird von seiner Frau und seinem Sohn Michael in einem seiner Paläste gleichsam wie ein Gefangener gehalten und sollte zur Abdankung gezwungen werden. Frankreich und die Heilige Allianz unterstützen die Konterrevolution in Portugal. Frankreich entsandte ein Heer nach Spanien, das dort den Liberalismus beseitigte und mit Portugal ähnliches vorhatte, aber aufgrund einer britischen Intervention gestoppt wurde. Der König kann aus seinem Palast auf ein britisches Kriegsschiff fliehen, übernimmt von dort wieder den Oberbefehl über seine Armee, und zwingt Prinz Michael schließlich ins Exil nach Österreich. Die Verfassung von 1821 wird allerdings widerrufen. Johann regiert noch zwei weitere Jahre, bis er 1826 stirbt.

Der Miguelistenkrieg

Nach dem Tode Johann VI. erbt sein ältester Sohn, Kaiser Peter I. von Brasilien, den portugiesischen Thron, den dieser dort unter dem Namen Peter IV. besteigt.

Der neue König verbleibt in Brasilien. Regentin wird seine Schwester, Elisabeth Maria von Braganza, die noch von Johann VI. testamentarisch in dieses Amt eingesetzt wurde.

Peter IV. erlässt 1826 eine neue Verfassung, die so genannte Charter. Sie ist konservativer gehalten als die liberale Verfassung von 1821, da der König - vergeblich - hofft, durch die neue Verfassung den Konflikt zwischen Liberalen und Absolutisten zu entschärfen. Elisabeth Maria, selbst eine Anhängerin der Absolutisten, wehrt sich zwar gegen die Charter, wird aber später von dem Herzog von Saldanha gezwungen, diese in Kraft zu setzen.

Peter IV. gelingt es nicht, seine beiden Reiche wieder zu vereinen. Er scheitert nach kurzer Zeit an der Unmöglichkeit Brasilien und Portugal zugleich zu regieren. In Portugal war man nicht mehr gewillt, erneut einen König, der nicht im Lande residiert, zu ertragen. In Brasilien dagegen wurde die Kritik daran, dass der Kaiser mehr und mehr Energie zur Lösung der portugiesischen Probleme aufwendete, immer lauter. Der Monarch musste sich schließlich zwischen Brasilien und Portugal entscheiden und er entschied sich für Brasilien. So dankt er im Mai 1826 nach nur zwei Monaten Regierung in Portugal als portugiesischer König zugunsten seiner minderjährigen Tochter Maria da Glória ab. Damit kommt es zur endgültige Trennung der Monarchien von Portugal und Brasilien.

Zur Regelung der Nachfolge hatte sich Peter ein schlaue Lösung ausgedacht. Da seine Tochter noch zu jung war, um die Regierung auszuüben, sollte sein Bruder Michael aus dem österreichischen Exil zurückgeholt werden, um bis zur Volljährigkeit der Königin als Regent zu fungieren. Später, wenn die Königin volljährig wurde, sollte Michael diese, also seine eigene Nichte, heiraten, und mit ihr gemeinsam den Thron besteigen. Vorher musste Michael der Verfassungscharter allerdings Treue schwören, was er auch tat.

Michael hatte allerdings andere Pläne. Kurz nach seiner Rückkehr nach Portugal verbündete er sich mit den Absolutisten, setzte er seine Nichte und Braut ab, ließ eine traditionelle Ständeversammlung einberufen und sich selbst von dieser zum König ausrufen. Er regierte Portugal als letzter Monarch absolutistisch, in Portugal richtete er ein politisches Zwangssystem ein, durch das seine innenpolitischen Gegner, Liberale und Konstitutionalisten, ins Exil gezwungen oder ins Gefängnis geworfen wurden.

Peter war nicht bereit, den Vertrauensbruch seines jüngeren Bruders hinzunehmen und wollte seiner Tochter den portugiesischen Thron erhalten. Zudem hatte er in Brasilien mit zunehmenden innenpolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen. So tritt er 1831 auch als Kaiser von Brasilien zurück (dort zugunsten seines Sohnes Peter II, geht nach Europa und beginnt den Kampf gegen seinen Bruder. Dieser ist unter dem Namen Miguelistenkrieg oder auch Krieg der zwei Brüder in die Geschichte eingegangen(1832 - 1834). Mit Hilfe seiner Feldherren, der Herzöge von Saldanha und Terceira gelingt es ihm, Michael zu besiegen, dieser muss erneut ins Exil gehen. Kurze Zeit später verstirbt Peter, seine Tochter wird für volljährig erklärt und beginnt selbständig zu regieren.

Das Zeitalter des Liberalismus

Zwar spielten die Absolutisten nach ihrer Niederlage im Miguelistenkrieg keine bedeutende Rolle in der portugiesischen Politik mehr, das Land kam aber trotzdem politisch nicht zur Ruhe. Die Liberalen waren eine heterogene Gruppe, vor allen Dingen durch die Gegnerschaft zu den Absolutisten zusammengehalten, die ja jetzt wegfiel. Deshalb spalteten sie sich schnell in einen links- und einen rechtsliberal-konservativen Flügel. Der Streit entzündete sich an der Frage, wie die zukünftige Verfassung des Landes aussehen sollte. Während die Linksliberalen, sie wurden Setembristen genannt, die Verfassung von 1821 wieder in Kraft setzen wollten, waren die Rechtsliberal-Konservativen, die Cartisten, Anhänger der Verfassungscharter von 1826.

Die Regierung der Cartisten

Königin Maria II. war eine Anhängerin der Cartisten. In der Zeit von 1834 bis 1836 ernannte sie deshalb ausschließlich cartistische Regierungen. Ministerpräsidenten dieser Zeit waren die Helden des Miguelistenkrieges, also vor allem die Herzöge von Saldanha, Terceira und Palmela. Sie gehen zunächst daran, durch politische Reformen die Hinterlassenschaft der Absolutisten zu überwinden. Die Verwaltung und Justiz wird nach napoleonischem Vorbild neu organisiert, die Handelsmonopole der großen Korporationen werden abgeschafft. Die religiösen Orden werden aufgelöst, Kircheneigentum wird nationalisiert und in einem verzweifelten Versuch, die finanzielle Situation des Landes zu verbessern, verkauft. So wurde eine neue Klasse der Großgrundbesitzer geschaffen, die sich vor allen Dingen aus dem Großbürgertum rekrutierte. Miguelitische Bischöfe werden abgesetzt, das Land gerät in scharfen Gegensatz zur katholischen Kirche. Die Regierungen wechseln allerdings in schneller Folge und stürzen über interne Skandale sowie den Widerstand der Setembristen.

Die Setembristen an der Macht

1836 kommt es, nach wohl verfälschten Wahlen, die die Cartisten gewinnen, zur Septemberrevolution, der Machtübernahme der Setembristen. Sehr gegen ihren Willen muss die Königin bis 1842 setembristisch geprägte Kabinette ernennen, die besonders von Manuel da Silva Passos und dem Marquis von Sá da Bandeira geprägt werden.

Gegen die setembristische Regierung gibt es einigen, auch gewaltsamen Widerstand von Seiten der Cartisten, der teilweise insgeheim, teilweise offen, auch von der Königin unterstützt wird (1836 Belenzada, 1837 Aufstand der Marschälle, 1838 Meutereien in Lissabon).

Trotzdem gelingt es den Setembristen, eine Reihe von bedeutenden Reformen durchzuführen. So wird das Schulwesen reformiert, heute noch berühmte Institutionen wie die Akademie der Schönen Künste und das Nationaltheater werden gegründet. Die Grundlagen für das in seinen Grundzügen bis heute unveränderte portugiesische Steuersystem werden gelegt, die Sklaverei auch in den Kolonien abgeschafft.

1837 wird schließlich auch eine neue verfassungsgebende Cortes gewählt, die dem Land eine neue, extrem demokratische Verfassung gibt.

Ab 1840 sank der Einfluss der Setembristen. Die Königin konnte ihren Willen durchsetzen und mit der Berufung von António Bernardo da Costa Cabral zum Justizminister einen ihrer Vertrauten und Cartisten im Kabinett platzieren.

Der Cabralismus

Die politische Szene der Jahre 
1842 bis 1846 wird vollkommen von António Bernardo da Costa Cabral, dem späteren Marquis von Tomar, beherrscht, deshalb wird diese Periode auch als Cabralismus (cabralismo) bezeichnet. Costa Cabral, zu diesem Zeitpunkt gerade Justizminister, beendet 1842 durch einen Putsch die Herrschaft der letzten setembristischen Regierung. Er wird von der Königin zum Ministerpräsidenten ernannt, setzt die neue setembristische Verfassung außer Kraft und die alte Verfassungscharter wieder ein. Bis 1846 regiert er das Land autoritär diktatorisch, führt allerdings auch eine Reihe von zukunftsweisenden Reformen durch. Die Bewertung der Person Costa Cabrals und seiner Regierungszeit ist bis heute in der portugiesischen Geschichtsschreibung umstritten.

Bürgerkrieg und Restauration

Die allgemeine Unzufriedenheit mit der Diktatur Costa Cabrals führt 1846 zum Aufstand von Maria da Fonte, durch den Costa Cabral gestürzt wird. Die Königin entlässt zwar schweren Herzens Costa Cabral, ernennt aber nach kurzer Zeit eine neue konservativ-cartistische Regierung unter dem Herzog von Saldanha. Die Setembristen bilden daraufhin in ihrer Hochburg Porto eine Gegenregierung. Es kommt zum Bürgerkrieg. Die Regierung ist nicht in der Lage, über die Aufständischen im Norden des Landes Herr zu werden, erst durch das Eingreifen britischer und spanischer Truppen kann die Regierung den Bürgerkrieg gewinnen (1847).

Nach dem Bürgerkrieg tritt die portugiesische Politik in eine ruhigere Phase ein. Aus Cartisten und Setembristen entwickeln sich politische Parteien, aus den Cartisten die Regenerationspartei aus den Setembristen die Historische Partei. Fortan wird der Gegensatz zwischen den beiden Strömungen wieder mehr mit politischen als mit militärischen Mitteln ausgetragen. Die Zeit bis 1856 wird von Regierungen der Regenerationspartei getragen, besonders von dem Herzog von Saldanha, der über längere Jahre (1846 - 1849 und 1851 - 1856) Regierungschef ist. Auch Costa Cabral wird nochmals kurzzeitig Ministerpräsident (1849 - 1851), stürzt aber über Skandale und seine große Unbeliebtheit.

Das Haus Sachsen-Coburg-Gotha, die letzten portugiesischen Könige

1853 verstarb Königin Maria II. bei der Geburt ihres elften Kindes im Alter von nur 34 Jahren. Mit der Regentschaft Maria II. endete in Portugal die Herrschaft des Hauses Braganza. Die Königin hatte 1836 Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha geheiratet. Durch diese Ehe kam deshalb der portugiesische Zweig dieser deutschen Adelsfamilie, die sich auf das Haus Wettin und die Markgrafen von Meißen zurückführen, auf den Thron.

Nachfolger von Maria II. wurde ihr Sohn Peter V. Dieser war beim Tod seiner Mutter noch minderjährig, so dass zunächst sein Vater, Ferdinand II., die Regentschaft übernahm. 1855 wird der König volljährig und übernimmt selbst die Regierung.

Die Zeit des Rotativismus

In Portugal entwickelte sich eine oligarchische parlamentarische Monarchie. Die Politiker sowohl der Regenerations- als auch der Historischen Partei entstammten beide der Klasse des Großbürgertums. Da es sich um eine kleine abgeschlossene Gruppe von Personen handelte, die alle den gleichen Hintergrund hatten, bildete sich ein System der regelmäßigen Rotation in der Regierungsausübung, in der portugiesischen Geschichtsschreibung Rotativismus (Rotativismo) genannt. Sobald eine Partei dabei nicht mehr in der Lage war, die Regierung auszuüben, gab sie ihr Mandat an den Monarchen zurück, dieser ernannte dann einen Regierungschef aus der Opposition. Erst danach löste der Monarch das Parlament auf, so dass sichergestellt war, dass die gerade zu Regierungsverantwortung gekommene Partei auch eine parlamentarische Mehrheit bekam, was man notfalls durch Manipulation der Wahlen sicherstellte (was nicht schwer war, angesichts der Tatsache, dass sowieso nur ein Prozent der Bevölkerung wahlberechtigt war). Bei diesem System wechselten sich die beiden großen Parteien also in der Regierungsverantwortung ab, wobei man darauf achtete, dass beide ungefähr die gleiche Zeit regierten.

Der Rotativismus begann, als der neue König Peter V. 1856 den Langzeit-Ministerpräsidenten Saldanha entließ und mit dem Herzog von Loulé den Führer der Historischen Partei zum Regierungschef ernannte. Zum ersten Mal seit dem Staatsstreich des Costa Cabral waren damit die Erben der Setembristen wieder an der Macht. Die Regierung des Herzogs von Loulé regiert bis 1859, danach wechseln sich Regenerationspartei (Regierung des Herzogs von Terceira 1859 - 1860, Regierung Joaquim António de Aguiar 1860 - 1861) und Historische Partei (erneut der Herzog von Loulé bis 1865) in kurzer Folge ab.

Die Herrschaft Peter V. endete tragisch. 1858 hatte er Stephanie von Hohenzollern-Sigmaringen geheiratet, die allerdings bereits ein Jahr später verstirbt. Der junge König verfällt in tiefe Depressionen. 1861 verstirbt dann auch der im Volk äußerst beliebte König selbst, im Alter von nur 24 Jahren. Der König war an einer Fieberepidemie erkrankt, zusammen mit ihm starben binnen kurzer Zeit auch zwei seiner Brüder. Ludwig I besteigt daraufhin als ältester noch lebender Sohn von Maria II. den portugiesischen Thron.

Von 1865 bis 1868 regierte eine große Koalition aus Historischer- und Regenerationspartei unter Joaquim António de Aguiar. Wegen Steuererhöhungen kam es an Neujahr 1868 in Lissabon zu Ausschreitungen, über die diese Regierung stürzte. Danach regierte zunächst wieder die Regenerationspartei (António José de Ávila), dann der Marquis von Sá da Bandeira, der zwischenzeitlich aus der Historischen Partei ausgetreten war, und seine eigene Partei, die Reformistische Partei gegründet hatte. Es folgte erneut der Herzog von Loulé, der 1870 durch einen operettenhaften Putsch des inzwischen 80-jährigen (!) Herzogs von Saldanha gestürzt wird. Sá da Bandeira beendet die letzte Regierung Saldanha nach wenigen Monaten und führte Neuwahlen durch.

Der Fontismus

Nach den Neuwahlen wurde die erste Regierung Fontes Pereira de Melo von der Regenerationspartei gebildet. Fontes Pereira de Melo sollte bis 1877 im Amt bleiben und führte damit die längste Regierung überhaupt in diesem Abschnitt der portugiesischen Geschichte an. In dieser Zeit sterben einige wichtige Politiker, die das Schicksal Portugals bis dahin bestimmt hatten, so 1874 Joaquim António de Aguiar, 1875 der Herzog von Loulé und 1876 der Marquis von Sá da Bandeira. In diesem Jahr wird auch die erste republikanische Partei gegründet. Die Regierungszeit Fontes de Melo ist besonders von der einsetzenden Industrialisierung geprägt.

In diese Zeit fällt auch das erste Auftreten der Republikaner. Nachdem im benachbarten Spanien 1873 kurzzeitig die Republik ausgerufen wurde, schlossen sich auch in Portugal die Anhänger der republikanischen Staatsform zusammen und gründeten 1876 die erste Republikanische Partei.

Durch den Tod Sá da Bandeiras verlor die vom ihm gegründete Reformistische Partei, die ja eine Abspaltung von der Historischen Partei war, ihre Existenzgrundlage. Sie vereinigte sich deshalb 1876 mit der Historischen Partei zur Progressiven Partei. Anselmo José Braamcamp wird zum Vorsitzenden der neuen Partei gewählt. In der Tradition der Historischen Partei, die ja die Bewegung der Setembristen weiterführte, waren die Progressiven eine liberale Linkspartei, während die Partei der Regeneration das konservative Element in der portugiesischen Politik repräsentierte. Die Progressiven forderten u.a. eine Verfassungsreform, die Ausweitung des Wahlrechts auf weitere Wahlberechtigte, Dezentralisierung in der Verwaltung sowie eine Reorganisation der Finanzverwaltung und der Justiz. 1877 – 1878 muß Fontes Pereira de Melo kurz die Regierung an António José de Ávila abgeben (offiziell tritt er krankheitsbedingt zurück, tatsächlich war jedoch die Kritik an seiner Regierung zu stark geworden). Die Rückkehr Fontes Pereira de Melo, der Januar 1878 von König Ludwig erneut mit der Regierungsbildung beauftragt wird, ruft starke Proteste der Progressiven Partei hervor, die sich erstmals nicht nur gegen de Melo sondern auch gegen den König selbst richten. Bei den Wahlen vom November 1878 kann sich die Regenerationspartei gegen die Progressive Partei behaupten. Bei diesen Wahlen wird auch der erste republikanische Abgeordnete in die Cortes gewählt.

Über einen Skandal, der sich an den Beziehungen des Finanzministers mit der Überseebank entzündet, stürzt schließlich am 29. Mai 1879 die zweite Regierung Fontes Pereira de Melo. Die Progressiven kommen zum ersten Mal an die Macht. Damit wird der "Rotativismus" wieder aufgenommen, nunmehr zwischen der Regenerations- und der Progressiven Partei.

Die Regenerationspartei steht in kompromissloser Opposition zur neuen Regierung, Fontes Pereira de Melo gelingt es 1881 die Regierung Braamcamp durch ein Misstrauensvotum zu stürzen und wieder die Regierung zu übernehmen. Am 16. September 1885 stirbt der Führer der Progressiven Partei Braamcamp, sein Nachfolger wird José Luciano de Castro. Als die Regierung von Fontes Pereira de Melo im Februar 1886 über einen Steuerstreit zurücktreten muss, tritt dieser die Nachfolge an.

1887 stirbt Fontes Pereira de Melo. Bei den Parlamentswahlen im gleichen Jahr können sich die Progressiven behaupten, die Republikaner stellen zwei Abgeordnete. António Serpa wird Nachfolger von Pereira de Melo als Vorsitzender der Regenerationspartei und damit als Oppositionsführer. Bei einer Nachwahl 1888 wird auch der Republikaner Teófilo Braga, der später erster Präsident der Republik werden sollte, in Lissabon zum Abgeordneten gewählt.

1889 stirbt der König, und sein Sohn Karl (Dom Carlos) besteigt den Thron Portugals.

Die Krise des Ancien Régime

Die Kolonialkrise

Die Folgezeit ist durch ein wieder erwachendes Interesse an den überseeischen Teilen des Reiches, ganz besonders den afrikanischen Besitzungen gekennzeichnet. Auf der Berliner Konferenz 1884 wurde vereinbart, dass die Ausübung von realer Kontrolle und Herrschaft, anstatt historischer Verbindungen, künftig über die Zugehörigkeit der afrikanischen Territorien zu den europäischen Kolonialmächten entscheiden würde.

Portugal tritt 1887 mit dem Plan (dem so genannten "Plan der rosa Landkarte") an die Öffentlichkeit, seine Kolonien in Ostafrika (Mosambik) und Westafrika (Angola) zu einer gemeinsamen zusammenhängenden Kolonie vereinen zu wollen, was das Land in Gegensatz zu Großbritannien bringt, das gleiches für eine zusammenhängende Kolonie von Kairo bis Kapstadt vorhatte. Getreu den Vorgaben der Berliner Konferenz begannen portugiesische Soldaten, Gebiete außerhalb der bisher von Portugal kontrollierten Regionen im Inneren von Afrika zu besetzen, die die Verbindung der beiden portugiesischen Kolonien darstellten (beispielsweise im heutigen Malawi), um die de facto Kontrolle über diese Gebiete demonstrieren zu können. Natürlich protestierte England gegen diese Vorgehen.

Anfang 1890 stellt die britische Regierung Portugal dann ein Ultimatum, mit dem gefordert wurde, dass das Land alle Soldaten, die sich zwischen den beiden Kolonien aufhielten, zurückziehen sollte. In dieser Situation ernennt Karl I. António Serpa Pimentel von der Regenerationspartei zum neuen Ministerpräsidenten. In Anerkennung der realen Machtverhältnisse bleibt diesem nichts anderes übrig, als das britische Ultimatum zu erfüllen. Der Plan Mosambik und Angola zu einer zusammenhängenden Kolonie zu verbinden, war damit gescheitert.

Der Plan der rosa Landkarte hatte in Portugal eine Welle der nationalistischen Begeisterung für die Kolonialpolitik entfacht. Entsprechend groß war die Enttäuschung in der Bevölkerung, als der Plan wegen des englischen Ultimatums zusammenbrach. Die Schuld für die nationale Ohnmacht wurde zum ersten Mal nicht nur der Regierung, sondern auch der Monarchie selbst angelastet, so dass der König direkt in das Schussfeld der innenpolitischen Auseinandersetzung geriet.

Es gärte im Lande, die republikanische Opposition wurde immer stärker. Der Student António José de Almeida, ein späterer Präsident der Republik, veröffentlichte den gegen die Monarchie gerichteten Artikel „Braganza, der letzte“. In dem Buch „Finis Patriae“ von Guerra Junqueiro wird der König lächerlich gemacht.

Die Parlamentswahlen vom März 1890 sind begleitet von gewalttätigen Übergriffen, zehn Tote und über 40 Verletzte sind die Folge. Die Republikaner erhalten drei Sitze, alle in Lissabon. Im Jahr 1890 wird der erste Mai auch zum ersten Mal in Portugal gefeiert, in Lissabon spricht Karl Marx. Die Frage der afrikanischen Kolonien führt zu einer Regierungskrise. Nach monatelangen Verhandlungen unterzeichnete das Land den Vertrag von London, mit dem die Grenzen zwischen den portugiesischen Kolonien Angola und Mosambik und den umliegenden britischen Territorien festgelegt wurden. Als die Regierung den Vertrag zur Ratifizierung in das Parlament einbringt, wird dadurch bekannt, dass die Regierung das britische Ultimatum akzeptiert und den Plan einer zusammenhängenden portugiesischen Kolonie im südlichen Afrika fallen gelassen hatte. Die Empörung ist groß, es kommt zu Ausschreitungen in Lissabon, das Parlament ist durch den Auszug der Opposition nicht mehr beschlussfähig. Serpa Pimentel tritt zurück, der König ernennt eine neue, zwischen 1890 und 1893 ernennt der König überparteiliche Regierungen.

Anfang 1891 kommt es zu einem republikanischen Aufstand in Porto. Die Republik wird ausgerufen. Der Aufstand kann allerdings niedergeschlagen werden.

Wirtschaftsprobleme

Zudem wurden die wirtschaftlichen Probleme des Landes immer größer, Portugal geriet zunehmend in Abhängigkeit von ausländischen Mächten. Ein starker Wertverlust der Währung und ein Absinken der Reallöhne ließ die republikanischen und sozialistischen Strömungen weiter ansteigen. Die finanzielle Situation des Landes wurde immer gefährlicher. Seit seiner Unabhängigkeit war Brasilien als Einnahmequelle weggefallen, das afrikanische Kolonialreich brachte deutlich geringere Erträge als vorher Brasilien und Portugal selbst war, trotzt einiger Ansätze zur Industrialisierung, im großen und ganzen weiterhin ein wenig entwickeltes Agrarland geblieben. Am 7. Mai 1891 musste schließlich der Staatsbankrott erklärt werden. Der Wert des portugiesischen Papiergeldes sinkt dadurch um 10 %. Der Staatsbankrott bedeutet vor allem auch einen starken Ansehensverlust des Königs und des portugiesischen Staates unter der Bevölkerung, sowie eine Bedrohung der portugiesischen Souveränität (später, 1901, muss der König sogar ein Vetorecht der ausländischen Gläubiger (England, Frankreich und Deutschland) bei der Aufstellung des Haushalts akzeptieren). Verzweifelte Maßnahmen zur Besserung der finanziellen Situation des Landes werden vorgeschlagen. Der König verzichtet auf 20 % seiner Dotationen, im Parlament wird der Verkauf der portugiesischen Kolonien diskutiert.

Mit der Ernennung von Ernesto Rodolfo Hintze Ribeiro von der Regenerationspartei zum Ministerpräsidenten 1893 endet die Phase der überparteilichen Regierungen, das Land kehrt zum System der Rotation zwischen den beiden großen Parteien zurück. Neben Hintze Ribeiro ist José Luciano de Castro von der Progressiven Partei in dieser Zeit mehrmals Ministerpräsident.

Politisch herrscht das Chaos, bei mehreren Wahlen können die Republikaner Stimmen gewinnen, auch wenn sie immer noch nur eine kleine Minderheit im Parlament stellen. Durch Reformen am Wahlgesetz wird versucht, die Republikaner zu schwächen. Durch eine Verfassungsänderung, die durch königliches Dekret ohne Zustimmung des Parlaments verabschiedet wird, erhält der König größere Befugnisse zu Lasten des Parlaments.

Die Lösung der Kolonialkrise, Probleme mit der Kirche

1899 wird in einem Geheimvertrag (Vertrag von Windsor) die Kolonialkrise zwischen Großbritannien und Portugal gelöst. Die beiden Mächte erkennen gegenseitig ihre Besitzungen an, Großbritannien verpflichtete sich, die Integrität der portugiesischen Überseebesitzungen zu verteidigen und erhält dafür das Recht der freien Truppenbewegung durch das Territorium der portugiesischen Besitzungen in Afrika. Der Vertrag von Windsor war auch deshalb von großer Wichtigkeit, weil es bereits vorher Kontakte zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien gegeben hatte. Gegenstand dieser Absprachen war eine Abgrenzung der deutschen und britischen Interessen im südlichen Afrika für den Fall, dass Portugal wegen seiner finanziellen Situation die Kolonien verkaufen oder verpfänden musste. De facto hatten die Großmächte also bereits damit begonnen, Überlegungen über die Aufteilung des portugiesischen Kolonialreiches anzustellen. Dazu passt, dass auch die USA während des spanisch-amerikanischen Krieges überlegten, neben den spanischen Besitzungen (Philippinen, Kuba) die portugiesischen Azoren gleich mit zu annektieren. Der Vertrag von Windsor beendete diese Gefahr, die portugiesische Herrschaft in Mosambik und Angola wurde konsolidiert.

Ein weiteres Thema, das innenpolitisch die Gemüter erhitzte, war das Verhältnis des Staates zur katholischen Kirche. Der „Calmon Vorfall“, bei dem eine 32jährige Frau, die Tochter des brasilianischen Konsuls in Porto, mit ihrem Einverständnis entführt wurde, weil sie gegen den Willen ihres Vaters in ein Kloster eintreten wollte, führte zu antiklerikalen Ausschreitungen in Lissabon. Die Regenerationspartei, traditionell antiklerikal eingestellt, reagiert mit einer Reihe von gegen die religiösen Orden gerichteten Dekreten. Es waren nur noch religiöse Vereinigungen erlaubt, die es sich zur Aufgabe machten, in den überseeischen Kolonien den christlichen Glauben zu propagieren. In Portugal werden eine Reihe von religiösen Institutionen geschlossen, darunter auch eine katholische Tageszeitung. Der König unterstützt diese Maßnahmen seiner Regierung, was zumindest kurzzeitig sein Ansehen in der Bevölkerung hebt.

Der Francismus

In Porto gewinnen derweilen die Republikaner die dortigen Kommunalwahlen. Auch als die Wahl für ungültig erklärt und wiederholt wird, ändert dies nichts an diesem Ergebnis. Der Vorsitzende der Regenationspartei und Oppositionsführer, António Serpa Pimentel, verstirbt 1900, Hintze Ribeiro wird sein Nachfolger und übernimmt im gleichen Jahr auch wieder die Regierung.

Innerhalb der Regenerationspartei kam es zunehmend zu Spannungen, welche die bereits unübersichtliche innenpolitische Situation noch weiter komplizierte. Neben Hintze Ribeiro war João Franco der wichtigste Politiker innerhalb der Partei. Er geriet in einen scharfen Gegensatz zu Hintze Ribeiro und verlässt mit seinen Anhängern 1901 die Partei und gründet die Liberale Regenerationspartei.

In den Jahren 1905 und 1906 spitzt sich die innenpolitische Situation weiter zu. Die Regierung verbietet einige republikanische Publikationen, als Reaktion darauf kommt es zu neuen Straßenkämpfen und Aufständen. Als der französische Präsident das Land besucht, wird er begeistert willkommen geheißen, eine starke republikanische Demonstration. Progressive und Regenerationspartei schließen eine Art Waffenstillstand, um gemeinsam die Regierung des Königs gegen die Republikaner zu verteidigen. Weder Luciano de Castro von den Progressiven noch Hintze Ribeiro von der Regenerationspartei, die in diesen Jahren beide nochmals kurz Regierungschef sind, können allerdings das Ruder herumsreißen.

1906 beruft der König schließlich João Franco zum neuen Ministerpräsidenten. Franco gilt als der letzte Regierungschef der portugiesischen Monarchie mit einiger Bedeutung. Seine Regierungszeit ging als "Francismus" (auf portugiesisch francismo) in die portugiesische Geschichte ein.

Er versucht zunächst durch eine weiche Regierungslinie das Vertrauen der Bevölkerung in den König wieder herzustellen. Als Regierungsdevise gibt er aus „Toleranz und Freiheit, auf dass die Bevölkerung die Regierung des Königs schätzen lernt“. Eine der ersten Maßnahmen der neuen Regierung ist eine weitreichende Amnestie, von der besonders Republikaner, die durch ihre Publikationen gegen die Pressezensur verstoßen hatten, profitieren. Der Chef der Republikaner, Bernardino Machado, kann auf einer Demonstration öffentlich eine Rede halten, ohne dass die Polizei einschreitet. Der König versucht sein Ansehen auch durch direktere Beteiligung an der Regierungsarbeit zu verbessern und beginnt, an den Sitzungen des Kabinetts teilzunehmen. Bei den Wahlen im Juni 1906 gelingt es der Regierung eine Mehrheit zu bekommen. Vier republikanische Abgeordnete werden gewählt. Der Regierung gelingt es jedoch nicht, die Republikaner in das politische System zu integrieren. Während einer Parlamentssitzung ruft der republikanische Abgeordnete Afonso Costa aus: „Für weniger als was König Karl bei uns gemacht hat, ist in Frankreich der Kopf Ludwig XVI in den Sand gerollt“. Damit ist das Tischtuch zwischen Republikanern und Regierung zerschnitten, die republikanischen Abgeordneten werden für drei Monaten von den Parlamentssitzungen ausgeschlossen. Bei Demonstrationen, in denen die Republikaner Afonso Costa unterstützen, werden 63 Personen festgenommen. In Porto kommen 12.000 Personen zu einem großen republikanischen Kongress zusammen. 45.000 Personen unterschreiben eine Petition, welche die Rückkehr der republikanischen Abgeordnete in das Parlament fordert, was schließlich am 21. Dezember 1906 geschieht. Ein neues Pressegesetz 1907 verschärft die Zensur. Am 8. Mai 1907 regiert Franco zum ersten Mal diktatorisch, also mit einem Dekret ohne Zustimmung des Parlaments. Dissidenten innerhalb der Progressiven Partei verbünden sich daraufhin mit den Republikanern. Anfang Januar 1908 werden eine Reihe von Führern der Republikanischen Partei sowie Dissidenten der Progressiven Partei unter dem Vorwurf der Vorbereitung eines Staatsstreichs verhaftet und abgeurteilt. Franco verlangt und erhält vom König ein Dekret, das die Deportierung republikanischer Aufständischer in die überseeischen Kolonien vorsieht.

Am Tag darauf (1. Februar) 1908 wird der König, gemeinsam mit dem Thronfolger Ludwig Philipp auf der Praça do Comercio in Lissabon erschossen.

Das Ende der Monarchie

Emanuel II, ein jüngerer Sohn des ermordeten Königs, besteigt darauf, erst 18jährig, als letzter König den Thron. Der König konnte die angeschlagene portugiesische Monarchie nicht mehr retten. Als erste Maßnahme entließ er João Franco, dem er eine Mitschuld an den tödlichen Schüssen auf seinen Vater und seinen Bruder gab, und ernannte den parteilosen Admiral Ferreira do Amaral zum Regierungschef, der mit einer Reihe von liberalen Maßnahmen nochmals versuchte, das Ruder herumzureißen (so genannte Politik der Befriedung - "Politica de Acalmação"). So wurden die Francistischen Pressegesetze widerrufen, eine ganze Reihe vorher geschlossener Zeitungen konnten wieder erscheinen. Für die meuternden Matrosen wurde eine Amnestie verabschiedet. Die Cortes werden aufgelöst, Neuwahlen ausgeschrieben, bei den Kommunalwahlen in Lissabon können die Republikaner einen ihrer größten Erfolge erzielen.

Noch weitere sechs Ministerpräsidenten hatte die portugiesische Monarchie in den zwei Jahren, die sie noch bestehen sollte. Die Anhänger der Monarchie sind total zerstritten, die Regenerationspartei löst sich in zwei verfeindete Flügel auf (Ende 1909).

Im gleichen Jahr setzten sich auf dem Parteikongress der Republikaner die radikalen Kräfte durch, die bewaffnete Revolution war nun das offizielle Ziel der Partei. Am 3. Oktober 1910 wird Miguel Bombarda, ein Psychiater und Vordenker der republikanischen Bewegung, von einem psychisch kranken ehemaligen Patienten ermordet. Auch wenn die Tat anscheinend keinen politischen Hintergrund hatte, führt sie zu Aufständen in Lissabon und anderen großen Städten des Landes. Zwei Tage später wird eine provisorische Regierung unter Führung des Republikaners Teófilo Braga gebildet, am 6. Oktober 1910 in Porto die Republik ausgerufen. Am Tag zuvor war der König zurückgetreten und hatte sich ins Exil nach England begeben. Die portugiesische Monarchie, die 1139 damit begonnen hatte, dass Alfons I den Königstitel annahm, endete somit im 771. Jahr ihrer Geschichte.

Die erste Republik

Auf die Monarchie folgte die erste Republik in Portugal (bis 1926) Die erste Republik ist durch ein großes Maß an politischer Instabilität gekennzeichnet. In den 16 Jahren ihres Bestehens sah sie neun Präsidenten und 45 verschiedene Regierungen. Die erste Republik ist gekennzeichnet durch schwache Präsidenten, denen die Verfassung nicht die notwendigen Machtmittel an die Hand gibt, um sie gegen ihre Feinde zu verteidigen, eine allgemeine Zersplitterung des Parteiensystems und als Folge davon schnell wechselnde Regierungen ohne parlamentarische Mehrheit. Die schwache Republik war zudem ständig Angriffen ihrer Feinde von rechts (Monarchisten) und links (Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten) ausgesetzt. Schon der Putsch des Sidónio Pais 1917 hätte der Republik den Todesstoß versetzt, nur die Ermordung Pais im Jahr 1918 sicherte das weitere Bestehen der Republik. 1926 wird die republikanische Verfassung dann durch einen Militärputsch beseitigt, die Militärdiktatur geht dann in den Estado Novo, die Diktatur Salazars über. Die Geschichte der ersten Republik in Portugal ist in dem Artikel über die erste portugiesische Republik beschrieben.

Militärdiktatur und Estado Novo

Siehe auch

Siehe auch: Zeittafel der Geschichte Portugals, Vorgeschichte Portugals, Portugal unter den Burgunderherrschern, Portugal unter dem Hause Avis, Erste Portugiesische Republik, Liste der Könige Portugals, Liste der Königinnen Portugals, Liste der Regierungschefs von Portugal, Liste der Präsidenten Portugals.




     
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