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Geschichte Litauens



Table of contents
1 Mittelalter und frühe Neuzeit
2 19. Jahrhundert / Anfang 20. Jahrhundert
3 Unabhängigkeit seit 1918
4 Zweiter Weltkrieg und Besetzung
5 Unabhängigkeit seit 1991

Mittelalter und frühe Neuzeit

Der Name "Litauen" erscheint in schriftlichen Quellen zum ersten Mal im Jahre 1009 im Zusammenhang mit dem Mönch Bruno, der das dortige Volk zum Christentum bekehren wollte und dabei "von den Heiden erschlagen wurde und mit seinem ganzen Gefolge gen Himmel fuhr". Es sollten noch gut zwei Jahrhunderte vergehen, ehe die einzelnen litauischen Fürstentümer im 13. Jahrhundert von Großfürst Mindaugas (gewaltsam) vereinigt wurden und ein erster litauischer Staat entstand. Mindaugas ließ sich 1253 zum König Litauens krönen und nahm zu diesem Zwecke zwei Jahre zuvor das Christentum an. Er sollte der einzige König in der litauischen Geschichte bleiben. Nach seinem frühen Tod 1263 ging der Königstitel durch die Wiederkehr des heidnischen Glaubens verloren (letztendliche Christianisierung erst 1387).

Im 14. Jahrhundert erfolgte, insbesondere unter Großfürst Gediminas, der Aufstieg Litauens. Nach dem Einfall der Mongolen in Osteuropa und der Zerschlagung der Kiewer Rus hatten sich viele russische Fürsten dem Großfüstentum Litauen angeschlossen, andere wurden von Litauen gewaltsam erobert. Weißrussland, Teile der Ukraine und Westrusslands standen jetzt unter litauischer Herrschaft (vgl. Goldenes Zeitalter). Das Großfüstentum Litauen und später das Königreich Polen-Litauen sah sich von nun an als rechtmäßiger Erbe der Rus (magnus dux Littwanie, Samathie et Rusie) und wurde im 15. und 16. Jahrhundert zum Konkurrenten des Großfürstentums Moskau bei der Sammlung der russischen Erde.

Mit der Schlacht bei Tannenberg (14. Juli 1410, litauisch Žalgiris/Grünwald), bei der die Truppen der Deutschen Ritterorden aus Preußen und Livland vernichtend geschlagen wurden, konnten die Grenzen nach Norden und Süden endgültig befestigt werden (die Grenze mit Ostpreußen hatte bis 1918 unverändert Bestand). Errungen wurde dieser Sieg von vereinten polnischen und litauischen Truppen, denn Großfürst Jogaila hatte 1386 die polnische Krone übertragen bekommen (siehe auch Geschichte Polens und Jagiellonen). Das Großfürstentum Litauen überließ er seinem Cousin Vytautas, der es bis zu seinem Tod 1430 regierte.

In den sich an den Tod Vytautas' und Jogailas (1434) anschließenden Nachfolgekämpfen konnte der polnische Adel seinen Einfluss nach und nach vergrößern, so dass Litauen ab dem 16. Jahrhundert praktisch zu einem Teil Polens wurde. Festgeschrieben wurde die polnische Hegemonie durch den Unionsvertrag von Lublin im Jahre 1569. In den folgenden gut 200 Jahren verlor Litauen kontinuierlich an Bedeutung und wurde eine der Provinzen Polens. Es war aber eines der Zentren jüdischer Kultur in Osteuropa mit eigenen Schulen, einer großen Bibliothek und zahlreichen Bibelschulen. Die berühmteste Figur ist Rabbi Eliyahu (der "Gaon" (Weise) von Wilna, 1720-1797), der sich leidenschaftlich für einen Ausgleich zwischen traditionellem Judentum und der aufkommenden Erneuerungsbewegung Haskala einsetzte.

19. Jahrhundert / Anfang 20. Jahrhundert

Mit der dritten und endgültigen Teilung Polens kam Litauen unter russischen Einfluss. Im 19. Jahrhundert verstärkten sich, wie überall in Europa, auch in Litauen die nationalen Bewegungen und es erschienen erstmals Bücher auf Litauisch. Als Vater litauischer Literatur gilt Kristijonas Donelaitis (1713-1780), der in den Jahren 1765-1775 sein Epos "Jahreszeiten" (litauisch Metai) schuf. Er lebte und wirkte in Kleinlitauen (litauisch Mažoji Lietuva), nördliches Ostpreußen), wo die litauische Bevölkerungsmehrheit in gewissem Rahmen ihre Kultur und Sprache pflegen konnte. Im restlichen Litauen herrschte dagegen eine starke Repression alles Litauischen und eine Russifizierungspolitik, die sich mit den nationalen Aufständen in den Jahren 1830/31 und 1863 nur noch verschärfte.

Unabhängigkeit seit 1918

- Das Ende des Ersten Weltkriegs brachte die Gründung der Ersten Litauischen Republik (1918). Die junge Republik konnte sich jedoch nicht gegen die Ansprüche Polens auf die Gebiete rund um Vilnius (polnisch Wilno) wehren, die von Truppen des polnischen Generals Pilsudski 1920 besetzt worden waren. Die polnische Annexion wurde vom Völkerbund de facto anerkannt. So wurde Kaunas zur "vorüber gehenden Hauptstadt" Litauens. Ihrerseits annektierten die Litauer 1923 das Memelgebiet (den nördlichsten Teil Ostpreußens, rund um die Stadt Memel (heute Klaipėda)), das seit dem Ende des Ersten Weltkriegs vom Völkerbund verwaltet worden war. 1924 wurde diese Annexion von den vorherigen Schutzmächten anerkannt.

Die Zeit der ersten Republik bedeutete einen großen Aufschwung in der litauischen Kultur und Bildung. Zentrum war Kaunas, während die eigentliche Hauptstadt Vilnius unter polnischer Herrschaft zu einer Provinzstadt herab sank. Wie in vielen europäischen Staaten führten die instabilen parlamentarischen Verhältnisse zu einem Erstarken autokratischer Bewegungen. In Litauen übernahm Antanas Smetona 1927 die Macht und löste das Parlament auf. Mehrmals kam es zu gewaltsamen Revolten gegen seine Herrschaft.

Zweiter Weltkrieg und Besetzung

Im Vorzeichen des Zweiten Weltkrieges musste sich Litauen im März 1939 dem deutschen Druck beugen und das Memelgebiet wieder an Deutschland abtreten. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges begann die Sowjetunion in Übereinstimmung mit den Abmachungen des Hitler-Stalin-Paktes, in denen das Baltikum als sowjetisches Interessengebiet fest gelegt worden war, ihren Druck auf Litauen zu verstärken. Das von Polen besetzte Gebiet rund um Vilnius hatte sie bereits 1939 besetzt. Gezielt wurden der Sowjetunion gewogene Politiker in den höchsten Staatsämtern der Republik Litauen lanciert (Präsident Antanas Smetona war im Juni 1940 zurück getreten), die Litauen zur Sozialistischen Republik erklärten und um Aufnahme in die Sowjetunion ersuchten. Dem wurde im August 1940 "statt gegeben". Die kommenden zwölf Monate bis zum Angriff Deutschlands auf die Sowjetunion (Juni 1941) brachten einen Vorgeschmack auf die kommunistische Nachkriegszeit. Insbesondere Intellektuelle und "bürgerliche Elemente" wurden interniert und nach Sibirien geschickt, ein Ziel von dem viele nicht zurück kehren sollten.

Mit dem deutschen Blitzkrieg im Osten - Litauen war innerhalb einer Woche vollständig besetzt rückte die jüdische Bevölkerung ins Visier der Machthaber. Bereits zu Beginn der deutschen Offensive waren bei Pogromen mehrere Hundert Juden getötet worden. Die Deutschen gingen organisierter vor und richteten in den großen Städten Kaunas, Vilnius und Siauliai Ghettos ein. Die nicht arbeitsfähigen Juden wurden bis Herbst 1941 zu Tausenden erschossen, etwa 80.000 Tote allein in diesen vier Monaten werden geschätzt.

Im Herbst 1944 konnte die Rote Armee Litauen zurück erobern, erneut wurde eine kommunistische Regierung eingesetzt und Litauen zur Sowjetrepublik. Und erneut gab es Massenverhaftungen und Deportationen. Viele Litauer flohen mit den Deutschen nach Westen und emigrierten später nach Nordamerika, wo sich Chicago zu einem Zentrum litauischer Emigration entwickeln sollte. Viele Tausend gingen in den Widerstand und kämpften (bis etwa 1953) als Partisanen aus den Wäldern gegen die sowjetische Herrschaft. Insgesamt kostete der Zweite Weltkrieg und der anschließende Partisanenkampf knapp 200.000 litauische Juden und über 30.000 Litauer das Leben.
 
Die sowjetische Zeit brachte einen starken Zuzug von Menschen aus der restlichen Sowjetunion, insbesondere in die praktisch verwaiste Hafenstadt Klaipėda und in die Hauptstadt Vilnius. Es folgte eine starke Industrialisierung Litauens, das noch bis zum Zweiten Weltkrieg vorwiegend bäuerlich geprägt gewesen war. Trotz der unbedingten Vorherrschaft Moskaus konnte Litauen einige Unabhängigkeit bewahren, so blieb das Litauische in Schulen, Universitäten und Fernsehen präsent.

Unabhängigkeit seit 1991

Mit der beginnenden Lockerung der sowjetischen Besatzung unter Gorbatschow zeigten die Litauer als erste den Mut zu Veränderungen. Bereits 1987 gründete sich die Unabhängigkeitsbewegung "Sajudis" und im Dezember 1989 erklärte die Litauische Kommunistische Partei ihre Trennung von der KPdSU. Im Februar 1990 fanden erstmals freie Wahlen statt, die "Sajudis" klar für sich entscheiden konnte. Am 11. März erklärte der neu gewählte Oberste Sowjet Litauen für unabhängig und setzte die Vorkriegsverfassung wieder in Kraft. Damit war der Anfang vom Ende der Sowjetunion eingeläutet worden. Am 13. Januar 1991 versuchten Moskau treue Kräfte sich mit Unterstützung sowjetischer Militärs an die Macht zu putschen. Dabei starben insgesamt 16 unbewaffnete Zivilisten, die Parlament und Fernsehturm verteidigten. Der Putsch misslang. Nachdem im August 1991 auch in Moskau der Putschversuch kommunistischer Hardliner fehl geschlagen war, wurde Litauens Unabhängigkeit innerhalb kürzester Zeit von über 90 Staaten anerkannt.

Nach anfänglicher Wirtschaftskrise und politischer Instabilität gewann die Reformpolitik zunehmend an Dynamik, insbesondere nach der Überwindung der sog. "Russlandkrise" von 1998. Im Jahr darauf wurden Litauen und Lettland im "Nachrückverfahren" noch in die Reihe der EU-Beitrittskandidaten aufgenommen.

2003 sorgte eine Affäre um den litauischen Präsidenten Paksas für Wirbel, in der ihm Verwicklungen der organisierten Kriminalität vorgeworfen wurden. Am 19. Februar 2004 stimmte das litauische Parlament schließlich mit 62 zu 11 Stimmen für die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens. Am 6. April 2004 wurde Staatspräsident Paksas entmachtet. (Genaueres: siehe Rolandas Paksas Kurz zuvor war Litauen am 29. März 2004 wurde Litauen Mitglied der NATO geworden. Am 1. Mai folgte der EU-Beitritt.




     
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