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Geschichte Islands



Erste Ansiedlungen

Im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde laut Berichten mindestens ein römisches Schiff nach Island abgetrieben. Außerdem lässt sich vermuten, dass das in der Antike beschriebene Thule mit Island identisch sein dürfte.

Ausgrabungen haben inzwischen frühe Ansiedlungen aus dem 7 und 8. Jahrhundert auf den Westmännerinseln nachgewiesen.

Im 8. Jahrhundert siedelten irische Mönche zeitweise auf Island. Allerdings scheinen sie die Vulkanausbrüche wieder von der Insel vertrieben zu haben. Dass die Ansiedlung auf der Insel Papey lag, lässt sich vom Namen her erschließen, konnte bisher aber noch nicht nachgewiesen werden.

Ein norwegisches Wikingerschiff mit dem Norweger Naddodur an Bord verirrte sich um circa 860 im Unwetter nach Ostisland. Man taufte die Insel zunächst aus naheliegenden Gründen Snæland (deutsch: "Schneeland").

Einige Jahr später überwinterte der Schwede Garðar Svavarsson auf Island und benannte die Insel kurzerhand nach sich selbst, nämlich Garðarsholmur.

Landnahmezeit (874 - 930)

Im Jahr 874 lässt sich der erste Dauersiedler, Ingólfur Arnarson, im Gebiet der heutigen Hauptstadt Reykjavík nieder. Wie bei den Wikingern üblich hatte er sich da niedergelassen, wo die ins Meer geworfenen Stützen seines Hochsitzes angeschwemmt worden waren. Ihm folgten etwa 400 Häuptlingsfamilien aus Norwegen, die alle im Landámabók Erwähnung finden. Archäologische Ausgrabungen haben inzwischen bewiesen, dass sich im 9. Jahrhundert tatsächlich Wikinger aus Norwegen und keltische Immigranten in dieser Gegend ansiedelten.

Als Epoche der Landnahme gilt die Zeit zwischen 870 und 930. Der größte Teil des bewohnbaren Landes soll damals schon verteilt worden sein (vergleiche Hauptartikel Landnahme).

Allerdings hat man inzwischen bei Ausgrabungen festgestellt, dass schon früher, das heißt im 7. und 8. Jahrhundert, Einwanderer aus Südwestnorwegen Siedlungen auf den Westmännerinseln angelegt hatten. Sie werden im Landnámabók nicht erwähnt.

Sagazeit (930 - 1030)

Das Althing

Im Jahre 930 fand die erste Versammlung des Althing in Þingvellir statt. Die Übersetzung des Ortsnamens heißt bezeichnenderweise: Versammlungsebene. Das Althing war eine jährlich tagende Versammlung der Goden, der Oligarchie des Landes, die für Gesetzgebung und Rechtsprechung zuständig war. Man kann vom ersten Parlament Nordeuropas sprechen. Ähnliche demokratische Strukturen hatte es zuvor nur im Griechenland der Antike gegeben.

Das Land wurde außerdem 965 in vier Gebiete unterteilt, um die Verwaltung und Rechtsprechung zu vereinfachen. In jedem Landesteil gab es lokale Richter für weniger wichtige Fälle. Als problematisch erwies sich das Fehlen einer Exekutivmacht, da sich aus ungelösten Rechtsfällen oft jahrelange Fehden zwischen mächtigen Geschlechtern entwickelten. Diese verhängnisvolle Mechanik wird auch in den Sagas geschildert wie etwa in der Laxdælasaga.

Entdeckungsfahrten

In diese Zeit fallen auch die wichtigen Entdeckungsfahrten nach Grönland und Nordamerika, die man sich aber wohl eher als Zufallstreffer vorzustellen hat. So hatte Erik der Rote wegen einiger Differenzen mit anderen Häuptlingen 982 Island verlassen müssen und segelte vom Breiðafjörður nach Westen, wo einige Jahre zuvor schon andere Wikinger Land gesichtet hatten und sogar schon einen - allerdings misslungenen - Ansiedlungsversuch gemacht hatten. Erik dem Roten gelang es aufgrund der im Mittelalter viel günstigeren klimatischen Bedingungen tatsächlich mit 800 Anhängern zwei Siedlungen zu gründen. Der Kontakt mit dem Mutterland hielt sich über Jahrhunderte und erlischt, soweit nachgewiesen, erst im 15. Jahrhundert.

Von Grönland aus entdeckte vermutlich im Jahr 1000 Leifur Eiriksson, sein Sohn, die Küste Nordamerikas, das er Vinland nannte. Die dort gegründeten Ansiedlungen konnten sich aber gegen die Übermacht der einheimischen indigenen Bevölkerung nur kurze Zeit halten.

Christianisierung

Auch in anderer Hinsicht sollte das Jahr 1000 für die in Island lebende Bevölkerung von einschneidender Bedeutung sein.

Über den genauen Glauben der Isländer vor der Christianisierung gibt es wenig verlässliche Angaben. Man geht davon aus, dass die auch auf dem Festland bekannten germanischen Götter verehrt wurden. Allerdings hatten sich in den letzten Jahren Spannungen in den sehr wichtigen Handelsbeziehungen zu Norwegen ergeben. Dies lag unter anderem daran, dass der norwegische Herrscher Olafur Triggvason schon zum Christentum bekehrt war. Und dieser bestand - unter anderem aus machtpolitischen Gründen - auch auf einer Christianisierung Islands. Nach langem Hin und Her wurde das Christentum, das in Ansätzen schon durch die irischen Sklaven bekannt war, im Lande heimisch.

Im Jahr 1000 schließlich wurde auf dem Althing in Þingvellir der Beschluss gefasst, der das Christentum zur Staatsreligion erklärte, neben der die heidnischen Götter aber zunächst weiter verehrt werden durften. Überliefert ist die Szene am Goðafoss, in der in großer Geste die letzten Götterbilder dem Fluss übergeben werden. Sie findet sich auch in einem Kirchenfenster der Kathedrale von Akureyri abgebildet.

Friedenszeit (1030 – 1180)

Als erster isländischer Bischof wurde im Jahre 1056 Isleifur Gíssurarson in Bremen geweiht. Zum Bischofssitz wählte man Skálholt im Süden der Insel. Zunächst waren allerdings weiterhin kirchliche und weltliche Macht meist in denselben Händen vereint, die Häuptlinge waren auch gleichzeitig christliche Priester geworden. Damit wurde auch die Kirche in Island lange zu keiner eigenständigen Macht im Lande, sondern unterstand immer den Landesgesetzen. 1096/97 wurde ein Kirchenzehnt eingeführt, 1106 das zweite Bistum in Hólar gegründet. In den folgenden Jahren gewöhnten sich die Isländer sehr schnell an das Christentum und man baute zahlreiche Kirchen. Im 12. Jahrhundert gründete man außerdem eine ganze Anzahl von Klöstern, die sich mit den angeschlossenen Schulen sehr positiv auf die Volksbildung auswirkten.

Negativ hingegen wirkte sich aus, dass der Kirchenzehnt auch den Goden in ihrer Doppelfunktion als Priester und reiche Grundherren zufloss, so dass einzelne Personen und Geschlechter sehr viel Macht ansammeln konnten. Dies sollte ab dem 13. Jahrhundert für zahlreiche Auseinandersetzungen sorgen

Unterdessen versuchte die norwegische Krone weiterhin, das unabhängige Land unter ihre Herrschaft zu zwingen. Allerdings scheiterte dies zunächst. 1022 schloss man einen Pakt, worin Rechte und Pflichten beider Länder dargelegt wurden. Bis etwa 1180 blieb es ruhig im Lande, weshalb man auch von einer Friedenszeit spricht.

Sturlungen-Zeit (1180 - 1262)

Die folgenden etwa 100 Jahre setzten diesem ruhigen Zeitalter ein Ende. Blutige Geschlechterfehden und bürgerkriegsartige Zustände lösten die friedliche Epoche ab.

Die Macht der norwegischen Könige hatte sich zunehmend verstärkt. Und außerdem erhielten sie in der Kirche einen mächtigen Verbündeten. Der Bischof von Hólar hatte alle kirchlichen Entscheidungen in Island dem Erzbistum von Niðaros in Norwegen unterstellt und die Kirche hatte ein Interesse daran, in Island endlich weltliche von kirchlicher Macht zu trennen und damit auch selbst dort mehr Einfluss zu erlangen. Im Jahre 1237 wurden beide isländischen Bischofssitze gleichzeitig vakant und man besetzte sie kurzerhand mit zwei Norwegern.

Der norwegische König Håkon Håkonarson spielte nun geschickt einzelne Mächtige gegeneinander aus. Wie auch im restlichen Europa zu der Zeit war es für vornehme junge Leute üblich, an einen Königshof zu gehen und dort für einige Zeit im Gefolge von Königen oder Adeligen zu leben, um eine standesgemäße Ausbildung zu erlangen. Von diesen jungen Isländern an seinem Hof ließ sich nun Håkon einen besonderen Treueeid schwören und hatte somit eigene Anhänger im Lande. Der erste dieser Jugendlichen war Snorri Sturluson. Allerdings scheint er sein Gelübde nicht allzu ernst genommen zu haben und verfolgte lieber eigene Ziele, so dass er schließlich mit seinen Söhnen 1241 im Auftrag des norwegischen Königs in Reykholt ermordet wurde. Schon 1238 hatte eine Art Schlacht zwischen den Anhängern des Sturlungen-Geschlechts und anderen Goden stattgefunden, in der die Sturlungen größtenteils aufgerieben worden waren.

Schließlich setzte Norwegen die Isländer auch noch mit einem Handelsboykott unter Druck und so kam es, dass 1262 ein Vertrag, der alte Pakt (isländisch: gamli sáttmáli) aufgesetzt wurde und der von Norwegen eingesetzte Herzog Gissur die Macht im Lande übernahm.

Norwegische Herrschaft (1262 - 1380)

Obwohl dies eigentlich im Vertrag anders festgelegt war, griff die norwegische Krone sehr schnell in das isländische Leben, die Rechtsprechung und Verwaltung ein. Zunächst wurde 1271 mit dem Jónsbók, einem Gesetzbuch, die isländische Rechtsprechung durch die norwegische abgelöst. Außerdem achtete man darauf, schnellstens das Althing zu entmachten. Die Godentümer wurden durch territorial geschlossene Verwaltungsbezirke ersetzt, das Land von einem oder zeitweilig auch mehreren norwegischen Gouverneuren regiert.

Ab 1354 wurde das Land gar vom König an seine Anhänger verpachtet, die es nach Belieben ausbeuten konnten.

Parallel dazu wuchs die Macht der Kirche an. Im Jahre 1275 hatte der Bischof von Skálholt, Árni Þórlaksson, ein eigenes kanonisches Recht eingeführt. Der Kirchenzehnte floss von nun an der Kirche selbst zu, ab 1297 gingen alle Güter, auf denen Kirchen errichtet wurden, in den Besitz der Mutterkirche über, so dass diese über die Jahrhunderte beträchtlichen Reichtum und Grundbesitz anhäufen konnte. Im 16. Jahrhundert gehörte ihr sogar beinahe die Hälfte des isländischen Grundbesitzes. Als Bischöfe wurden von Rom beziehungsweise Norwegen aus häufig Ausländer eingesetzt, die eher zu ihrem eigenen als zum Wohle der Isländer handelten.

Das 14. Jahrhundert kann auch in Island als ein Jahrhundert der Katastrophen bezeichnet werden. Im Jahre 1341 brach die Hekla so gewaltig aus, dass zahlreiche Höfe verlassen werden mussten (zum Beispiel Stöng) und die Landwirtschaft keinen Ertrag mehr erbrachte. Die Folge waren Hungersnöte. Wie im übrigen Europa verbreitete sich auch hier die Pest. Und während Boccaccio auf der Flucht vor dieser Krankheit im Exil sein Decamerone schrieb, starben zwei Drittel der isländischen Bevölkerung an der Pest und den Hungersnöten.

Dänische Herrschaft (1380 – 1944)

Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert

Politik

Island war von 1397 bis 1448 Teil der Kalmarer Union, einer Vereinigung der skandinavischen Königreiche Norwegen, Schweden und Dänemark unter dänischer Vorherrschaft.

Im Jahre 1662 führte fast gleichzeitig mit Ludwig XIV von Frankreich der Dänenkönig Friedrich III den Absolutismus ein. Die Isländer mussten ihre Anerkennung der absoluten Monarchie unterschreiben und verloren damit ihre letzten eigenständigen Rechte.

Der Schutz der Dänen reichte andererseits nicht allzu weit. So wurden im Jahre 1627 die Westmännerinseln von algerischen Piraten geplündert, Frauen und junge Leute verschleppt.

Handel

Nachdem bis ins 14. Jahrhundert die Norweger ein Handelsmonopol bezüglich Islands innegehabt hatten, stiegen ab dem 15. Jahrhundert auch die Engländer und Dänen ein. Selbst die deutsche Hanse spielte mit. Dies erklärt sich auch daraus, dass die Isländer ein interessantes neues Exportgut entdeckt hatten: Fisch. Da im späten Mittelalter eine Klimaveränderung den Ackerbau weniger rentabel gemacht hatte, hatten sie nach neuen Ernährungsmöglichkeiten gesucht und entdeckt, dass die Küsten rund um die Insel sehr reich an diversen Fischarten waren.

Hatten in früheren Jahrhunderten hauptsächlich Engländer und die Hanse die Handelsszene mit Island beherrscht, so sicherten sich die Dänen zu Anfang des 17. Jahrhunderts selbst das Monopol über diesen Handel zu. Das bekam den Isländern schlecht. Selbst Waren des täglichen Bedarfs wurden knapp und für viele unerschwinglich teuer.

Notlage und Verbesserungsansätze

Schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts hatte nochmals eine Pestepidemie circa 25.000 Menschen getötet.

Und die Not der Bevölkerung stieg weiterhin derart an, dass bei einer Volkszählung zu Anfang des 18. Jahrhunderts auf etwa 4000 bewirtschaftete Höfe 3000 verlassene kamen. Eine Pockenepidemie raffte 1707 auch noch weitere 18.000 der entkräfteten Menschen dahin, so dass die Bevölkerung auf circa 30.000 Menschen geschrumpft war.

Schließlich erkannte auch der dänische König, dass dem abgeholfen werden musste - nicht zuletzt, weil er selbst Geld verlor. Das Handelsmonopol wurde in der Folge etwas gelockert, zu einer richtigen Öffnung kam es aber erst nach der Laki-Katastrophe in den 80er Jahren. Nach dem Ausbruch der Laki-Krater 1783 und 1784 waren nochmals etwa 11.000 Menschen verhungert.

Um die Mitte des Jahrhunderts versuchte außerdem der Isländer Skúli Magnússon mit der Gründung von Manufakturen eine heimische Industrie aufzubauen. Aber wieder wurde er von den dänischen Kaufleuten derart boykottiert, dass er 15 Jahre später aufgeben musste und seine isländische Teilhabergesellschaft von Dänen übernommen wurde.

Religion

Schon 1536 hatte Christian III von Dänemark die evangelisch-lutherische Religion für sein Land, Norwegen und die Färöer durchgesetzt. Er profitierte davon, war er doch jetzt auch selbst das Kirchenoberhaupt und konnte so über den Reichtum und die Güter der Kirche verfügen.

Als der Bischofssitz von Skálholt vakant wurde, beeilte er sich daher einen Protestanten hier einzusetzen, der für schnelle Verbreitung der evangelischen Religion sorgte. Allerdings widersetzte sich dem der katholische Bischof Jón Árarson auf Hólar. Er initiierte sogar eine Gegenreformation. Allerdings konnte er sich trotz weitreichender Unterstützung in der Bevölkerung nicht lange halten und wurde 1550 mit zweien seiner Söhne in Skálholt hingerichtet.

Vom 19. Jahrhundert bis zur Unabhängigkeit

Erste Unabhängigkeitsbestrebungen

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts erwies sich als schwierige Zeit für die Isländer.

1800 schafften die Dänen das ohnehin machtlose Althing (Alþingi) ganz ab. Der Bischofssitz in Hólar wurde aufgelöst, der von Skálholt nach Reykjavík verlegt. Außerdem hatten die napoleonischen Kriege bewirkt, dass der Schiffsverkehr reduziert wurde. Und dies löste eine erneute Mangelsituation im Lande aus.

Im Frieden von Kiel fiel Norwegen an Schweden, Island blieb bei Dänemark.

Gleichzeitig brachten aber reisende Isländer in der ersten Hälfte des Jahrhunderts die in Festlandseuropa zu dieser Zeit sehr verbreiteten Ideen des Nationalismus mit nach Island, die dort schnell Fuß fassten. Reykjavík wurde zum intellektuellen Zentrum des Landes und so verband sich der Aufstieg Islands als unabhängiger Nation mit dem Aufstieg der Stadt.

1845 übersiedelte das wieder neu begründete Parlament, das Althing, nach Reykjavík. Allerdings hatte es zu der Zeit noch keinerlei wirkliche politische Macht, sondern nur beratende Funktion gegenüber dem dänischen Thron. Trotzdem galt von nun an Reykjavík als Hauptstadt des Landes.

Anführer im Kampf um die Unabhängigkeit Islands wurde Jón Sigurðsson (1811-1879). Er musste sich 1848 damit abfinden, dass in Dänemark zwar die konstitutionelle Monarchie eingeführt wurde, Island aber trotz massiver Forderungen noch nicht seine Unabhängigkeit erhielt. Aber immerhin wurde 1854 endlich das dänische Handelsmonopol aufgehoben. 1873 feierte Island den tausendsten Jahrestag der Landnahme. Erst 1874 erhielt das Althing begrenzte legislative Rechte. Das Land hatte nun zwar eine eigene Verfassung, besaß aber nach wie vor keine eigene Exekutive.

Das Land um die Jahrhundertwende

Island nahm nun einen rapiden Aufschwung.

Industriebetriebe wurden begründet, der Fischfang weiter ausgebaut, Schulen und Krankenhäuser sowie Straßen gebaut. Mit abnehmendem Arbeitskräftebedarf in der Agrarwirtschaft setzte die Landflucht ein. Andererseits hatte sich die Bevölkerungszahl innerhalb von 100 Jahren fast verdoppelt (von 47.000 im Jahre 1801 auf 79.000 im Jahre 1901).

1904 wurde per Volksentscheid darüber abgestimmt, dass ein Isländer den Ministerposten für Island in Dänemark besetzen und sein Land nach außen vertreten sollte. Der erste solche Minister war Hannes Hafstein. Er führte den Telegrafen in Island ein, wodurch dieses Anschluss an die Moderne erhielt. Relativ früh, das heißt schon 1915 erhielten die Frauen das aktive und das passive Wahlrecht.

1918 wurde der Unionsvertrag mit Dänemark unterzeichnet. Er war auf 25 Jahre angelegt, danach sollte in einem Volksentscheid über eine eventuelle Unabhängigkeit abgestimmt werden.

Bildungsbestrebungen

Schon im 19. Jahrhundert waren die isländische Tradition und damit auch die Literatur wieder aufgeblüht. Im Zuge der Romantik und ihrer Vorliebe für vergangene Epochen beschäftigte man sich wieder mit den Sagas. Zahlreiche Schriftsteller machten sich einen Namen, darunter Magnús Stephensen und Jónas Hallgrimsson.

1907 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt, 1911 die Universität von Island (Háskóli Íslands) in Reykjavík gegründet.

Der zweite Weltkrieg

Nachdem Island sowohl am Boom der 20er Jahre als auch an der Depression der 30er Jahre seinen Anteil gehabt hatte, erlebte es den zweiten Weltkrieg auf recht besondere Weise. Schon im ersten Weltkrieg hatte man durch Lieferungen von Wolle und Fisch eher profitiert. Nun aber waren es die Besatzung 1940 durch die Engländer und dann die US-Amerikaner, die das Land in seiner Entwicklung voranbrachten, nicht zuletzt durch die Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze.

Außerdem wurde am 17. Juni 1944 in Þingvellir in Anwesenheit tausender Isländer vom Parlamentssprecher die Republik ausgerufen, auf die anschließend Sveinn Björnsson als erster Staatspräsident vereidigt wurde. Die Isländer hatten sich gemäß dem Unionsvertrag in einer Volksabstimmung im Mai 1944 für die Unabhängigkeit ausgesprochen.

Unabhängige Republik Island (seit 1944)

Politische Entwicklungen

Island und die Welt

Island machte sich schnell in der Weltpolitik einen Namen: Das Land trat noch 1946 der UNO bei, 1948 der OECD und war 1949 eines der Gründungsmitglieder der NATO und des Europarates. Außerdem schloss sich das Land 1952 dem nordischen Rat an. Es hatte zwar nie eine eigene Armee, gestattete jedoch nach langem Hin und Her 1951 den US-Amerikanern, in Island eine Militärbasis zu unterhalten.

Im Jahre 1986 fand ein für die Welt wichtiges Zusammentreffen in Island statt: Das Gipfeltreffen zwischen dem US-Präsident Ronald Reagan und dem sowjetischen Regierungschef Michail Gorbatschow. (im abgebildeten Höfði-Haus in Reykjavík).

1991 erkannte Island als erster Staat die Souveränität von Estland, Lettland und Litauen an.

Von 1980 bis 1996 hatte Island mit Vigdís Finnbogadóttir die erste demokratisch gewählte Staatspräsidentin der Welt.

Die "Kabeljaukriege"

Um die reichen Fischgründe um Island herum entbrannte immer wieder Streit, vor allem mit den Engländern. Dieser verschärfte sich in den Jahren 1952 und 1958 zum so genannten Kabeljaukrieg, da die Isländer wegen Überfischung durch internationale Konkurrenz die Fischereizone um die Insel erst von drei auf vier Seemeilen (1952) und schließlich 1958 auf zwölf Seemeilen ausdehnten. Letzteres wurde von allen Ländern bis auf England akzeptiert. Drei Jahre und einige fast blutige Auseinandersetzungen später mussten sich allerdings auch die Engländer damit zufriedengeben. 1972 brach der Streit jedoch von neuem aus, wobei diesmal auch Deutschland die Ausweitung der Zone auf 50 Seemeilen erst nicht annehmen wollte. 1976 bei der Ausweitung auf 200 Seemeilen brach Island sogar die diplomatischen Beziehungen mit Großbritannien nach gewalttätigen Auseinandersetzungen vorübergehend ab. Schließlich dehnte aber die Europäische Union ihre eigenen Fischereizonen genausoweit aus. Seither hat Island unumstritten das alleinige Nutzungsrecht der Fischgründe innerhalb seiner 200-Meilen-Zone.

Andere wichtige Ereignisse

Im Jahre 1955 erhielt ein Isländer, der Schriftsteller Halldór Laxness den Nobelpreis für Literatur und machte damit die moderne isländische Literatur in der Welt bekannt.

Einige stärkere Vulkanausbrüche ereigneten sich seit dem zweiten Weltkrieg: 1963 entstand die zu den Westmännnerinseln gehörende Insel Surtsey durch einen unterseeischen Vulkanausbruch. 1973 verheerte der Ausbruch des Eldfell die Insel Heimaey, ebenfalls eine der Westmännerinseln. 1996 fand ein nach einem Ausbruch unter den Grimsvötn im Vatnajökull außergewöhnlich starker Gletscherlauf auf dem Skeiðarásander statt und zerstörte Teile der Ringstraße.

Andererseits hat sich das Land seit dem zweiten Weltkrieg rasant zu einer modernen Industrienation entwickelt, die vor allem im High Tech-Bereich einen guten Ruf hat. Die Landflucht hielt allerdings auch weiter an, so dass inzwischen 2/3 aller Isländer in der Hauptstadtregion um Reykjavík leben.

Weblinks

(engl. zu Snorri Sturluson)




     
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