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Geschichte der Stadt Bad Hersfeld



Die Geschichte der Stadt Bad Hersfeld ist eng mir der Geschichte der Hersfelder Abtei verbunden, die seit dem 8. Jahrhundert existiert.

Table of contents
1 Frühmittelalter
2 Hochmittelalter
3 Spätmittelalter
4 Reformation
5 Neuzeit
6 Moderne

Frühmittelalter

Bei Ausgrabungen gab es Funde aus der La Tène-Zeit um 400 v. Chr, unter dem Westwerk der Stiftskirche und am Kirchtor.

736 kam der aus Bayern stammende Mönch Sturmius, nach Haerulfisfeld (Hersfeld). Er erbaute, nach den Überlieferungen von Abt Eigil [1] in der Vita Sturmi, eine mit Rinden gedeckte Kirche am Frauenberg. Nach der Vita Sturmi gab es hier bereits eine verlassene Siedlung, die einem Mann namens Haerulf gehört haben soll. Somit ergab sich die Ortsbezeichnung Haerulfisfeld. Übersetzt bedeutet das soviel wie "das Feld des Haerulf". Sturmius kam nach Haerulfisfeld, in die Einöde Buchonias [1] (Bezeichnung eines alten Gaues, das bis zum 10.Jahrhundert die Landschaft des mittleren und östlichen Vogelsberges umfasste) um hier Gott zu dienen, nachdem er unter Abt Wigbert drei Jahre lang als Priester und Heidenbekehrer in der Umgebung Fritzlars gewirkt hatte. Sturmius zog 744, wegen der Nähe der Sachsengrenze auf Anweisung von Bonifatius, weiter in das Innere der Buchonia und gründete das Kloster Fulda. Die von Sturmius gegründete mönchische Siedlung wurde jedoch nicht aufgegeben.

754 wird Lullus (Lul) Nachfolger von Bonifatius auf dem Bischofsstuhl in Mainz. Zwischen ihm und Sturmius entsteht Streit über Privilegien des Klosters Fulda, das direkt dem Papst unterstand und nicht dem Mainzer Bischof. 772 unterwarf Kaiser Karl der Große im Jahre 772 die Sachsen. Daher gründete Lullus, wegen der Nähe zur Sachsengrenze und aus Konkurrenzgründen zu Fulda (Trutzfulda), 769 ein Benediktinerkloster in Hersfeld. Auf dem Reichstag von Quierzy (bei Soissons) wird das Kloster 775 von Kaiser Karl dem Großen unter seinen Schutz genommen. Das Kloster war seid dem eine Reichsabtei (abbatia regalis) und bekam dadurch außergewöhnliche Vorrechte. Unter anderem die freie Abtswahl durch die Mönche des Klosters und die Befreiung von jeder bischöflichen und gräflichen Gewalt. In weltlicher Hinsicht unterstand damit das Kloster dem König und die Stellung des Hersfelder Abts als Reichsfürst bahnte sich an. In geistlicher Hinsicht unterstand das Kloster direkt dem Papst. Das Kloster wurde durch Schenkungen Karls des Großen (Landbesitz, Ortschaften, Zehntabgaben, Kirchen und anderes) rasch ein reicher und machtvoller Faktor im östlichen Hessen und westlichen Thüringen. Nach dem Breviarium Lulli, einem Zehntverzeichnis um 810, besaß das Kloster in karolingischer Zeit rund 60.000 Morgen Land, verteilt auf 193 Ortschaften, von denen 132 Ortschaften mit etwa 3/4 des gesamten Besitzes in Thüringen lagen.

780 lässt Lullus die Gebeine des Heiligen Wigbert, des ersten Abts von Büraberg bei Fritzlar, nach Hersfeld überführen. Das Kloster wird dadurch zum Wallfahrtsort. Am 28. Juli 782 besuchte Karl der Große die Abtei Hersfeld. Vier Jahre später, am 16. Oktober 786, starb Lullus. Er und Witta, einziger Bischof von Büraburg, wurden in der Klosterkirche begraben. Der Sarkophag von Witta mit einem steinernen Kopfkissen ist noch heute in der Stiftsruine zu sehen. Das Grab von Lullus gibt es nicht mehr.

Für Siedler, die nicht dem Kloster angehörten, gab es keine Kirche, da sie in der Klausur der Mönche lag. Man erbaute daher um 800 eine kleine Kirche oberhalb des Klosters. Sie wurde der Gottesmutter (Unserer lieben Frau) geweiht, daher hat auch der Frauenberg seinen Namen erhalten. 820 nimmt Kaiser Ludwig der Fromme die Abtei Hersfeld in seinen Schutz und bestätigt die Schenkungen seines Vaters Karl.

Der Bau einer Basilika wird 831 begonnen und 850 abgeschossen. Die Überführung der Gebeine des heiligen Lullus 852 in diese neue Stiftskirche, gab den Anlass für das Lullusfest das heute noch gefeiert wird. Der Marktplatz, früher Ebenheit genannt, wird 915 als Fliehburg angelegt, als es erste Einfälle der Ungarn gab. Um 1000 wird ein Kloster auf dem Petersberg auf den heiligen Petrus geweiht. Durch ein Papstdekret 966, welches durch den Einfluss von Kaiser Otto I zustande kommt, wird die Abtei unmittelbar dem päpstlichen Stuhl unterstellt. Dies bedeutete das Ende des Mainzer Einflusses in Hersfeld. 1058 tritt der Mönch Lambert, später als Lampert von Hersfeld bekannt (ein bedeutender Geschichtsschreiber des Mittelalters), in das Kloster ein und leitet die Klosterschule. Man vermutet, dass er die Vita Lulli (Lebensbeschreibung von Lullus) zwische 1063 und 1073 geschrieben hat.

Hochmittelalter

Um 1070 wird Asbach in der Vita Lulli, das erste mal urkundlich erwähnt. Zwischen 1073 und 1074 sammelte Kaiser Heinrich IV sein Heer, wegen des Aufstandes der Sachsen und Thüringer, bei Hersfeld. Im Jahre 1074 wurde sein Sohn Konrad in Hersfeld geboren. Um 1100 baute man auf dem Frauenberg eine größere Kirche, die später zu einer Klause für Beginen wurde.

Durch die Lage der Stadt an der Via Regia, die hier die Fulda und Haune auf Brücken überquerte wird Hersfeld 1142 erstmals als Marktort erwähnt. Dies begünstigte auch die weitere Entwicklung von Hersfeld. So wird Hersfeld 1170 erstmals als Stadt (civitas, d. h. Stadt mit Mauer, Graben und Marktrecht) erwähnt. Die Stadt hatte vier Tore: das Peterstor, Johannistor, Frauentor und das Klaustor. Von 1249 bis 1252 wurde die Stadt vom Gegenkönig Wilhelm von Holland als Reichsstadt anerkannt.

Spätmittelalter

Im Jahre 1255 schließt sich die Stadt dem Rheinischen Städtebund an. Es erfolgte in kurzen Abständen die erste urkundliche Erwähnung der Orte von Heenes (villa Heynes) im Jahre 1322, Allmershausen im Jahre 1331, Beiershausen (Beigershusen) im Jahre 1332 und Kathus (Katens) im Jahre 1340. Die ersten Unabhängigkeitsbestrebungen der Stadt von der Abtei zeigten sich 1323 durch die Einweihung der gotischen Stadtkirche und 1344 durch den Kauf des Hospitals am Johannestor mit der Hospitalkirche von der Abtei. In den Jahren 1356, 1410, 1470 und 1486 gab es in Hersfeld Pestepidemien. 1362 wurde Kohlhausen (Collhusen) das erste Mal urkundlich erwähnt und von 1371 gibt es erste Urkunden über das das gotische Rathaus der Stadt. Es wird im 16. Jahrhundert erweitert und im 17. Jahrhundert im Stil der Weserrenaissance umgestaltet. Ein Bündnis zwischen der Stadt und dem hessischen Landgrafen wurde 1373 geschlossen, 1414 und 1430 erneuert. In diesem verpflichtete sich der Landgraf die Stadt bei Fehden zu unterstützen.

Am 28. April 1378 wollten die Hersfelder einen neuen Bürgermeister wählen. Dadurch verlor das Kloster die Führung der Stadt. Dies wollte der amtierende Abt Berthold von Völkershausen verhindern und überfiel in der Vitalisnacht, von 27. April auf den 28. April, mit Hilfe des hessischen Ritterbundes der Sterner (1370 gegründet, aufgrund der zunehmenden Macht der hessischen Landgrafen), die Stadt. Der Ritter Simon von Haune warnte jedoch zuvor die Stadt, der Angriff konnte zurückgeschlagen werden. Beim Ersteigen der Stadtmauer wird der Ritter Eberhard von Engern, ein Anführer des Sternerbundes, durch einen Armbrustschuss tödlich getroffen. Seine durchlöcherte Sturmhaube hing lange Zeit am Rathaus. Heute wird sie im Stadtmuseum Bad Hersfeld ausgestellt.

In den folgenden Jahren gab es weitere Streitigkeiten zwischen der Stadt, bzw. dem verbündeten hessischen Landgrafen und dem Abt. Diesen Streitigkeiten gingen meistens zum Nachteil für den Abt und das Kloster aus. Die Abtei verlor damit an Einfluss und Besitz. 1432 schließt Abt Albrecht von Buchenau mit Landgraf Hermann einen Erbschutzvertrag, der 1458 und 1490 erneuert wurde. Die Abtei Hersfeld galt seitdem als ein zu Hessen gehöriges Land

Reformation

1518 wird das erste mal ein Heilbrunnen in Hersfeld erwähnt. Mit dem Pfarrer Heinrich Fuchs begann 1520 in Hersfeld die Reformation. Fuchs und ab 1523, sein Kaplan Melchior Ringk predigen in der Stadtkirche, dass kein Mensch sich durch eigenen Werke den Himmel verdienen können. Auf dem Rückweg vom Reichstag in Worms predigte Martin Luther 1521 auf Einladung des Hersfelder Abtes Krato in der Stiftskirche. Der Pfarrer Fuchs heiratet unter dem Eindruck der persönlichen Begegnung. Abt Karto verweist daraufhin den Pfarrer Fuchs und sein Kaplan der Stadt. Am 17. Dezember 1523 wurde wegen der Ausweisung und nach Predigten von Fuchs und Ringk das Haus des Siftskanzlers und einiger Häuser im Stiftsbezirk von Hersfeldern geplündert. Fuchs und Ringk wurden auf Befehl des Landgrafen gefangen genommen. Sie wurden jedoch von Hersfeldern befreit und über die hessische Grenze gebracht. Die Flucht der Beiden wurde nicht weiter untersucht. 1524 wird Magister Adam Krafft, der in Fulda im lutherischen Sinn predigte, aus Fulda vertrieben und wurde in Hersfeld aufgenommen. Er wurde der eigentliche Reformator Hersfelds. Neben Martin Bucer gilt Krafft als der Reformator der Landgrafschaft Hessen.

Geführt von Bürgermeister Ottensaß, gehen die Bürger von Hersfeld im Bauernkrieg von 1525 zu den Aufständischen über. Sie stürmten den Stiftsbezirk und plünderten die Abtswohnung. Der Abt zog sich auf das Schloss Eichhof zurück. Landgraf Philipp von Hessen warf den Aufstand nieder und ließ sich das mit der Oberherrschaft über Teile Hersfelds und einiger Amtsbezirke bezahlen. Nach der Niederwerfung hört Landgraf Philipp, den Magister Adam Krafft predigen und ernennt ihn zu seinem Hofprediger. Daraufhin kommt Balthasar Raid, wie Adam Krafft aus Fulda stammend, als erster protestantischer Prediger nach Hersfeld. Der Nachbau seines 1563 gebauten Hauses steht in der Unteren Frauenstraße.

In dies Zeit der Reformation fällt auch 1526 die erste Erwähnung des Ortes Sorga.

Neuzeit

In dem verlassenen Franziskanerkloster wurde 1570 durch Abt Michael das Gymnasium gegründet. Nach dem Tod des letzten Abtes (Joachim Roell) 1606, der schon von Landgraf Moritz eingesetzt wurde, setzt dieser seinen Sohn Otto als Administrator ein. 1608 lässt Landgraf Moritz, nach seinem calvinistischen Glauben, die bildlichen Darstellungen aus der Stadtkirche entfernen. Ab 1609 wurde auch der calvinistische Ritus anstelle des lutherischen in Hersfeld praktiziert.

Während dem Dreißigjährigen Krieg war von 1623 bis 1625 Tilly in der Stadt. Es gab wieder Mönche im Kloster und von 1629 bis 1631 gab es wieder katholische Gottesdienste in der Stadtkirche. Nach dem Ende dieses Krieges wird die Abtei zu einem weltlichen Fürstentum und wird vom Kaiser Ferdinand III. von Habsburg dem Haus Hessen-Kassel zugesprochen. Der Friedensvertrag zu Münster und Osnabrück regelte dies im 15. Artikel, § 2.

Anstelle des ehemaligen Franziskanerklosters wurde 1688 bis 1689 ein neues Gymnasium gebaut. Dieses Gebäude wird heute noch als Schule verwendet und heißt Konrad-Duden-Schule. An diese Schule kam 1705 Conrad Mel [1] als "Inspektor der Kirchen des Fürstentums" und Rektor dieser Schule nach Hersfeld. 1709 gründete er das Waisenhaus. Auf naturwissenschaftlichen Gebiet erfand er unter anderem einen selbstackernden Pflug und veranlasste den Anbau der Kartoffel im Hersfelder Land.

Am Ende des Jahres 1760 wurde die schlanke Spitze des Kirchturms durch Blitzschlag zerstört. Die Erneuerung war während des Siebenjährigen Krieges nicht möglich. Man versah daher den Turm mit einem stumpfen Notdach, die heute noch die Spitze des Turmes ist. Diese außergewöhnliche Dachform mag mit dazu beigetragen haben, dass der Kirchenturm heute das Wahrzeichen der Stadt ist.

Am 19. Februar 1761 brannte die Stiftskirche und umliegende Abteigebäude ab. Französischen Truppen unter Marschall Broglie hatten die Räumlichkeiten des aufgelassenen Klosters als Vorrats- und Verpflegungslager genutzt. Um zu verhindern, dass diese Vorräte den anrückenden preußischen Verbündeten unter Herzog Ferdinand von Braunschweig in die Hände fallen, wurden diese angezündet. Der Turm über der Vierung mit der kupfer-vergoldeten Hand, die angeblich noch von Karl dem Großen stammte, und das Dach der Kirche stürzten unter anderem durch Mehlstaubexplosionen ein. Noch ein halbes Jahr später schlugen Flammen aus den Schuttbergen. Lediglich der Ostflügel des romanischen Klostergevierts ist erhalten geblieben. In diesem ist heute das Museum untergebracht.

Der Landgraf erwirbt von der Stadt 1798 die farbenreichen Fenster aus der Stadtkirche. Er benutzt sie für die Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe, Kassel.

Moderne

1806 sind wieder französische Truppen in Hersfeld. Es waren Napoléons Truppen. Es kam am im Dezember 1806 zu ein Zwischenfall zwischen Bürgern und italienischen Soldaten, die zu den Truppen Napoleons gehörten. Ein Hauptmann wird verletzt und ein Soldat wird von einer Kugel tödlich getroffen. Kurfürst Wilhelm I war zu diesem Zeitpunkt von Napoléon schon abgesetzt worden, so bittet Bürgermeister Johann Michael Gesing beim französischen Generalgouverneur in Kassel um Gnade für die Stadt. Hersfeld musste zunächst Einquartierungskosten für die anrückenden französischen Truppen und eine Wiedergutmachungsleistung zahlen (z. B. 5000 Paar Schuhe, 1000 Soldatenmäntel und 5000 Taler).

Napoléon entschied dennoch, die Stadt zu plündern und an allen vier Ecken anzuzünden. Mit der Ausführung wird der badische Oberstleutnant Johann Baptiste Lingg beauftragt. Am 20. Februar 1807 führt dieser, mit stillschweigender Duldung seiner französischen Vorgesetzten, den Befehl nur wörtlich aus. Es wurden nur vier einzeln stehende Häuser angezündet, somit rettet Lingg die Stadt auch vor Plünderung und völliger Vernichtung. Er wird für sein Handeln von den hessischen Kurfürsten Wilhelm I. und Wilhelm II mit dem Großkreuz des hessischen Löwenordens ausgezeichnet und geadelt. Er führte nun den Namen Lingg von Linggenfeld.

Die Hersfelder Tuchindustrie dehnte sich im Jahre 1817, durch die Einführung der couquerilschen Spinnmaschine, deutlich aus. Bereits 1142 war Hersfeld reich an Textilverarbeitenden Zünften, z.B. Tuchkaufleute, Gewandschneider, Wollweber und Leineweber. Im Jahre 1264 wurden Hersfelder Tuchmachereien das erste Mal urkundlich erwähnt. 1853 steht in Hersfeld die erste Dampfmaschine, die den Einsatz des mechanischen Webstuhls ermöglicht. Daraus entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten die Tuch- und Maschinenindustrie. Heute gibt aus dem Textilverarbeitenden Gewerbe, außer dem Polyesterhersteller KoSa (ehemaliges Hoechst Werk), nur noch kleine Betriebe in Bad Hersfeld.

Das Fürstentum Hersfeld wird 1821 in das Kurfürstentum Hessen eingegliedert. Es wird zum Kreis Hersfeld und Hersfeld wird Kreisstadt. Im Jahre 1836 wird die Bürgerschule am Neumarkt, nach Plänen von Leonhard Müller, gebaut. Er arbeitete in der Stadt als Landbaumeister von 1827 bis 1851. Er unternahm auch die ersten Ausbesserungs- und Sicherungsarbeiten an der Stiftsruine und einem Flügel des Klostergeviert, in dem heute dass Museum untergebracht ist. Ab 1866 steht auf dem "Rathauskump" ein Standbild des Stadtgründers Lullus und im Januar dieses Jahres fand die Einweihung der Eisenbahnstrecke Bebra - Hersfeld statt.

Nach dem Deutschen Krieg 1866, wurde Kurhessen und damit auch Hersfeld in den preußischen Staat eingegliedert. Hersfeld wurde Garnisonsstadt als gegenüber dem Hauptportal der Stiftsruine eine Kaserne errichtet wurde in dem 1871 das 2. Thüringische Infanterieregiment 32, ein Füsilierbattaillon, stationiert wurde. In dem Gebäude ist heute das Finanzamt untergebracht.

Von 1876 bis 1905 war Konrad Duden Direktor des königlichen Hersfelder Gymnasiums. In dieser Zeit 1880 erscheint die erste Auflage des Dudens. Die Schule, an der er lehrte, trägt heute seien Namen.

Zu Ehren des Retters der Stadt Lingg von Linggenfeld, wird 1896 ein Denkmal gebaut. Mit der Neuerbohrung der Lullusquelle 1904, die schon seit 1518 urkundlich bekannt war, begann die Entwicklung der Stadt zum Kurbad. Das Heilwasser dieser Quelle kommt aus 422 m tiefe. Es ist eine Eisen- und Bittersalzquelle, die bei Erkrankungen des Magens und des Darmes angewendet wird. Mitte des Jahres 1906 wurde das Sanatoriums Wigbertshöhe eröffnet. 1928 wurde der Linggbrunnen erbohrt. Das Wasser wird bei Arteriosklerose, Erschlaffungs- und Alterserscheinungen angewendet.

Im Jahre 1936 wird anlässlich der Zwölfhundertjahrfeier der Stadt die "Kulturhalle" fertig gestellt. Dieser Bau ist heute, nach einem Umbau im Jahre 1999, die Stadthalle. Die Verkehrsübergabe der Autobahn Frankfurt nach Berlin fand 1942 statt. Am 30. März 1945 erreichen amerikanische Truppen die Stadt. Der Stadtkommandant zieht am 31. März alle militärischen Einheiten aus der Stadt ab. Diese Einheiten werden durch die Amerikaner teilweise gefangen genommen. Ein deutscher Offizier führt die Amerikaner in die unbesetzte Stadt. Somit kam es nicht zu dem geplanten heftigen Beschuss der Stadt durch die Amerikaner.

Durch die Erbohrung des Vitalisbrunnens 1949 wurde die Entwicklung zum Kurbad nach dem Krieg weiter fortgesetzt. Das Wasser ist stark glaubersalzhaltighaltig und findet bei Erkrankungen von Magen, Leber, Darm, Galle und des Stoffwechsels Anwendung. Ab dem 4. März 1949 ist Hersfeld Heilbad und darf sich Bad Hersfeld nennen. Im Jahre 1963 wird Bad Hersfeld Staatsbad.

Die Vitalisklinik (für Rehabilitationszentrum für Verdauungs-, Stoffwechsel- und degenerative Erkrankungen) wird 1973 eröffnet und die Hainbergklinik (für psychosomatische Erkrankungen) folgt 1977. Ein Jahr danach wurde mit dem Bau an der Fachklinik Wigbertshöhe (für psychosomatisch orientierte Therapie suchtkranker Menschen) begonnen. Das Hotel am Kurpark mit Römertherme wurde 1985 eröffnet.

Ein Schüler von Max Reinhardt an der "Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst" (heute Universität für Musik und Darstellende Kunst) in Wien, Johannes Klein begründete 1951 mit kunstinteressierten Bürgern die Hersfelder Festspiele in der Stiftsruine. Sie beginnen mit Hofmannsthals Jedermann und Sophokles König Ödipus vor einem 1600 Personen fassenden Parkett. Im Jahre 1952 finden die Festspiele unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Theodor Heuss statt. Johannes Klein war noch bis 1959 Intendant der Festspiele. 1972 wurde ein elektrisch ein- und ausfahrbares Regendach in der Stiftsruine installiert. 1985 wurde der Stiftsbezirk neu gestaltet und 5 Jahre später feierten die Festspiele 40 jähriges Jubiläum.

Um Wohnraum für Vertriebene zu schaffen, die aus ehemals deutschen Gebieten kamen, wurde 1952 die Eichhofsiedlung gebaut. Im gleichen Jahr wurde das Innere der Stadtkirche durch einen Brand zerstört. Im Jahr 1957 verlegte die Zuse KG ihren Sitz nach Bad Hersfeld. Diese Firma wurde später von der Siemens AG übernommen.

Durch die Gemeindereform 1972 wurden die Altkreise Hersfeld und Rotenburg zu einem Großkreis zusammengelegt. Bad Hersfeld wurde Kreisstadt von Hersfeld- Rotenburg. Im Jahr 1984 finden Ausgrabungen am Südtor statt, es ist nun für Fußgänger wieder geöffnet. Die Stadt feiert 1986 1250 jähriges Jubiläum und gedenkt im selben Jahr des Brands der Stiftsruine vor 225 Jahren mit einem Feuerwerk in der Ruine. 1988 wurde der Klausturm, aus der ehemaligen Wehranlage der Stadt, restauriert. Im gleichen Jahr feiert die Hersfelder Zeitung ihr 225 jähriges bestehen.

Nach der Wiedervereinigung wurden die amerikanischen Streitkräfte 1993 abgezogen. Schließlich verlegen die Firmen Amazon.de und Libri 1999 ihre Logistikzentren nach Bad Hersfeld.




     
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