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Geschichte Äthiopiens



Überreste prähistorischer Menschen (Australopithecus afarensis) wurden in Äthiopien gefunden ("Lucy" 1974 im Gebiet der Afar-Nomaden).

Äthiopien ist der älteste unabhängige Staat Afrikas und einer der ältesten der Welt. Herodot, der griechische Historiker aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. erzählte bereits in seinen Schriften über das antike Aksum. Das Alte Testament berichtet wie die Königin von Saba die Stadt Jerusalem bereist. Der Legende nach gründete Menelik I, Sohn von König Salomon und der Königin von Saba, das Äthiopische Reich. Missionareare aus Syrien und Ägypten brachten im 4. Jahrhundert das Christentum in das Land; unter König Ezana wurde das Christentum Staatsreligion. Das Reich Aksum, von Arabern begründet, gewann die Vorherrschaft über Südarabien. Mit der Ausdehnung des Islam im 7. Jahrhundert wurde die äthiopische Christenheit vollständig vom Einfluss der europäischen Kirche abgeschnitten. (siehe auch: Aksum)

Die Portugiesen traten 1493 zum ersten Mal mit Äthiopien in Kontakt, überwiegend um ihre Herrschaft im Indischen Ozean zu festigen und den katholischen Glauben zu verbreiten, der im Gegensatz zur (äthiopischen) Orthodoxie (Monophysiten) die Dualität der Natur Christi (Gott und Mensch) annimmt. Diese Mission wurde später durch den Jesuitenorden fortgesetzt. Ihre Strategie einer Bekehrung des gesamten Landes scheitert jedoch, da sich äthiopische Kleriker und Adlige gegen den bereits bekehrten Kaiser auflehnten, diesem die Herrschaft entrissen und die Jesuiten für mehrere Jahrhunderte des Landes verwiesen. Daraufhin findet die erste ernstzunehmende Konfrontation mit den europäischen Nationen im Zuge des Kolonialismus statt, zunächst unter Kaiser Teodros mit den Engländern, dann am Ende des 19. Jhr. mit der Expansion des italienischen Kolonialraumes, ausgehend von der Kolonie Eritrea.

Ein bilaterales Abkommen der beiden Staaten soll zunächst die Beziehungen auf friedliche Weise regeln. Doch die italienische Übersetzung kommt einer außenpolitischen Entmündigung Äthiopiens und damit einem de facto status eines Protektorats gleich. Ferner schafft die italienische Diplomatie, Äthiopien auf der Konferenz von Berlin als italienisches Einflussgebiet zu deklarieren, was wenig später unweigerlich zum Krieg führt.

Am 1. März 1896 wird in der Schlacht von Adua eine italienische Invasion abgewehrt und die Unabhängigkeit des Staates bis zum erneuten Versuch der Italiener unter Benito Mussolini im Jahr 1936 zunächst erhalten. Es folgt unter Kaiser Menelik II eine unbändige Expansion durch einige Kriege an der Südgrenze des Landes, die die Staatsfläche um ca. 200% vergrößert, aber auch neue ethnische und religiöse Volkksgruppen mit einschließt. Kaiser Haile Selassie I regiert das Land von 1930-1974 (von 1935-1942 im Londoner Exil). 1936 wird Äthiopien von italienischen Truppen besetzt, die 1941 vom äthipischen Widerstand mit Unterstützung britischer Truppen besiegt werden. 1974 wird Haile Selassie durch das Militär entmachtet. Es entsteht ein sozialistischer Staat. Mit Unterstützung der Sowjetunion und Kubas wird 1977/1978 eine Invasion des von den USA unterstützten Somalias abgewehrt. Mit Unterstützung der Ostmächte verfügt der "Derg" (=das Regime) bald über die größte Armee des subsaharischen Afrikas (um die 400.000 Mann). Dennoch kann sie dem bewaffneten Widerstand der eritreischen Separatisten, die sich mit regionalen Widerstandsgruppen v.a. aus der nördlichen Provinz Tigray zusammengeschlossen haben letztendlich nicht trotzen.

1984 gelangt Äthiopien durch eine Reportage des BBC-Fernsehens in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Über Jahre ausbleibende Niederschläge führten zu einer Dürre und in 20 afrikanischen Ländern zu Mißernten und Hungersnöten. Auch wegen des anhaltenden Bürgerkrieges war Äthiopien am schlimmsten von dieser Katastrophe betroffen. Monatlich starben in dem Land fast 20000 Kinder an Unterernährung.

1991 – ohne die Hilfe des sozialistischen Bruders – kollabiert das Regime, der Regierungschef, Oberst Mengistu Haile Mariam flieht nach Zimbabwe. Unter der neuen Interimsregierung Meles Zenawis erlangt Eritrea im April 1993 nach fast 30 Jahren Krieg die Unabhängigkeit. Grenzstreitigkeiten und vermutlich auch ökonomische Zwiste führen 1999 jedoch erneut zum Krieg der beiden Länder, den Äthiopien zwei Jahre später unter großen Verlusten für sich entscheiden kann, obwohl es im selben Zeitraum von einer Dürre- und Hungerkatastrope heimgesucht wird.

Lit.: Wilhelm Baum: Äthiopien und der Westen, Klagenfurt 2001




     
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