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Georgische Filmgeschichte



Georgiens Filmgeschichte begann unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Nach der Okkupation des Landes durch die Sowjetunion entstand bereits in den 1920er Jahren eine gut organisierte staatliche Filmindustrie, die in den 1980er Jahren alle zwölf Monate sieben bis acht Spielfilme und eine Reihe von Dokumentar- und Trickfilmen produzierte. Georgische Filme fielen frühzeitig durch Originalität und Kritik auf, wurden deshalb immer wieder von der Zensur unterdrückt. Nach der staatlichen Unabhängigkeit ging es mit der Filmproduktion in Georgien bergab.

Table of contents
1 Anfänge
2 Erste Blüte
3 Stalinismus
4 Neue Formen
5 Zensur
6 Niedergang
7 Regisseure
8 Literatur
9 Weblinks

Anfänge

Am 16. November 1896 wurde das erste Kino Georgiens in Tiflis eröffnet. Der erste georgische Film entstand 1912 unter der Regie von Wasil Amaschukeli und Alexander Digmelow. Es war ein Dokumentarfilm zum 72. Geburtstag des Schriftstellers Akaki Zereteli und zeigte dessen Reise durch Westgeorgien. 1916 drehte Alexander Zuzunawa den ersten georgischen Spielfilm: Christine, eine klassische Literaturverfilmung. Im Ersten Weltkrieg war Tiflis nach Sankt Petersburg die zweite Stadt des Russischen Reiches, dessen größere Kinos Wochenschauen vorführten.

Die Stummfilmzeit brachte Georgiens erste Filmstars hervor. Unter ihnen: Nato Wachnadse, der Rudolph Valentino des georgischen Films.

Erste Blüte

Ende der 1920er Jahre erlebte der georgische Film seine erste Blüte. Konstantin Mikaberidse drehte Meine Grossmutter (1929), eine komödiantische Satire auf die sowjetische Bürokratie. Nikolos Schengelaja produzierte Eliso (1928), einen Stummfilm über die Deportation der Tschetschenen 1864 und Michail Kalatosow (gebürtig Michail Kalatosischwili) produzierte Das Salz Swanetiens (1930) einen Dokumentarfilm über das harte Leben im Gebirge.

Stalinismus

In den 1930er und 1940er Jahren unterdrückte der stalinsche Terror alle kritischen und originellen Tendenzen. Der Diktator verlangte stereotype Helden im Dienst der Staatsideologie. Lieblingsregisseur Josef Stalins war Michail Tschiaureli, der für ihn Monumentalfilme wie Der Schwur (1946) und Fall von Berlin (1949) herstellte. Der Schwur war Teil des Personenkults um Stalin. Im Film wurde er vom georgischen Schauspieler Michail Gelowani gespielt.

Neue Formen

Im Zuge der Entstalinisierung während der 1950er Jahre überraschte Georgien durch neue kritische Filme. Wenn die Kraniche ziehen (1957), ein Antikriegsfilm von Michail Kalatosow glänzte mit fotografischen Neuerungen. Magdanas Esel von Tengis Abuladse schilderte als erster die fortbestehende Armut im Sozialismus. 1956 wurde der Film in Cannes ausgezeichnet. In Georgien sorgte der Film für eine ethische Revolution. Viele Regisseure eiferten Abuladse nach und strebten nach einer neuen Wahrhaftigkeit. Weil die sowjetische Filmzensur unverändert präsent war, suchten sie nach Parabeln, Mythen und Epen, um Gleichnisse zur Gegenwart zu erzählen. Auf der Grundlage der georgischen Literatur, Kunst und Musik entwickelten sie eine neue Bildsprache.

In den Studios der Grusja-Film (georgisch Kartuli Filmi) entstanden in den 1960er und 1970er Jahren mit internationalen Preisen geehrte Meisterwerke. Es waren zumeist verspielte Komödien und böse Satiren. Sie ignorierte die traditionelle Erzähltechnik, zeigten dafür kräftige poetische Bilder, eine große Vielfalt und dramatische Übersteigerungen bis hin zur surrealen Groteske. In den 1980er Jahren trat die Kritik an den gesellschaftlichen und polirischen Verhältnissen scharf und naturalistisch in den Vordergrund. Die Regisseure waren neben Abuladse, Eldar und Giorgi Schengelaja, Otar Iosseliani, Lana Gogoberidse, Michail Kobachidse, Nana Dschordschadse und Dito Tsintsadze.

Bei Grusja-Film wurde grundsätzlich in georgischer Sprache gedreht. Später wurden die Filme für andere Sowjetrepubliken russisch synchronisiert. Wie in der Planwirtschaft üblich, mußte jährlich eine festgelegte Anzahl von Filmen fertiggestellt werden. Für Regisseure gab es viel zu tun. Bis in die 1970er Jahre hinein wurden sie am Staatlichen Filminstitut (WGIK) in Moskau ausgebildet. Seit 1972 gibt es eine Filmfakultät am Schota-Rustaweli-Theaterinstitut, dem späteren Staatlichen Georgischen Institut für Theater und Film in Tiflis.

Zensur

Die Filmzensur zog immer wieder unliebsame Filme aus dem Verkehr. Schon Mikaberidses Meine Großmutter durfte auf Verlangen der Zensur von 1928 bis 1967 nicht aufgeführt werden. Pirosmani (1969) von Giorgi Schengelaia verschwand für zwei Jahre im Archiv. Otar Iosselianis Filme wurden mehrfach unterdrückt. Nachdem sein Film Ein Sommer auf dem Dorf in den 1980er Jahren nicht veröffentlicht werden durfte, ging er ins Ausland. Abuladses Reue, eine Abrechnung mit dem stalinistischen Terror wurde 1984 fertiggestellt, kam aber erst 1986, in Moskau sogar erst 1987 ins Kino. Oft wurden bereits die Drehbücher verboten. Zu den besonders verfolgten Autoren gehörte Sergej Paradschanow, dessen Skripte regelmäßig abgelehnt wurden.

Niedergang

Nach der staatlichen Unabhängigkeit Georgiens 1991 wurden die Filmzensur abgeschafft. Mit dem Niedergang der georgischen Wirtschaft ging es aber auch mit der Filmwirtschaft bergab. Wegen Schwierigkeiten bei der Finanzierung ziehen sich Produktionen über Jahre hin. Mitarbeiter beim Film verdienen zwischen 15 und 35 Lari (6,1 bis 14,3 ) im Monat. Das sind Gehälter weit unterhalb der Armutsgrenze.

Immer mehr Regissseure zogen ins Ausland. Neben Frankreich (Iosseliani, Kobaschidse) hat sich Deutschland (Dschordschadse, Dito Tsindsadze) als ein Standort des georgischen Films im Ausland etabliert. Um wenigstens einen Teil der Regisseure im Land zu halten, wurde 2001 das Nationale Zentrum für Cinematografie gegründet, das jedes Jahr zwei Filmprojekte auswählt, die zu 75% mit staatlicher Förderung in Georgien gedreht werden. Es untersteht dem Kulturministerium.

Regisseure

Literatur

Weblinks




     
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