WEB LEXIKON: Ein Blick zurück
Hauptseite | Aktueller Wikipedia-Artikel

Fränkisches Reich



Das Fränkisches Reich war ein Königreich in Mitteleuropa zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert, das sich auf dem westeuropäischen Gebiet des Römischen Reichs bildete.

Table of contents
1 Geschichtlicher Überblick
2 Aufteilung des Fränkischen Reiches
3 Literatur
4 Weblinks

Geschichtlicher Überblick

Das Fränkische Reiche geht auf mehrere Völker der Völkerwanderungszeit zurück, die aus ihren angestammten Gebieten in Germanien vertrieben wurden.

Durch Geschick und Glück wird das Reich der Franken innerhalb von drei Jahrhunderten zum wichtigsten Mitteleuropas, und im Laufe vieler Jahrhunderte sollten aus ihm Frankreich und Deutschland, neben einer Reihe kleinerer Staaten, hervorgehen. Das Fränkische Reich entwickelte sich nach dem Zerfall des Römischen Reichs zum Machtzentrum und später zur Großmacht in Mitteleuropa. Es wurde durch die Dynastien der Merowinger und Karolinger regiert. Den Höhepunkt seiner Macht und Ausdehnung erreichte es unter Karl dem Großen.

Das merowingische Frankenreich

Schon zu Beginn des 4. Jahrhunderts siedelten auf dem Gebiet des Römischen Reiches germanische Barbarenstämme. Diesen wurde aufgrund der militärischen Schwäche Roms das Siedlungsrecht gegeben, in der Erwartung, dass sie dann die Reichsgrenzen verteidigen würden. Am nordöstlichen Ende Galliens siedelten die Franken, welche den Zusammenbruch des Römischen Reiches (um 476) nutzten, um ihr Gebiet zu vergrößern. Westlich vom Frankengebiet herrschte der römische Statthalter Syagrius über Gallien (seit 464). Im Jahre 486 siegten die Franken bei Soissons über Syagrius und eroberten dessen Herrschaftsgebiet. Dadurch verschob sich die Grenze des Frankenreiches bis an die Loire. Chlodwig I übernahm den funktionsfähigen römischen Verwaltungsapparat, plünderte die Städte nicht und nutzte so die Chance, die Teilkönigreiche zu beseitigen und einen ersten germanisch, fränkischen Staat zu gründen.

Der Besitz der Grundherren, welche während der Eroberungskriege der Franken getötet bzw. vertrieben wurden, gelangte in den Besitz der Krone (Königsgut). Dadurch finanzierte Chlodwig seine weiteren Feldzüge und stärkte seine Königsmacht. Der König wurde nach und nach größter Grundbesitzer. Durch Landschenkungen brachte er andere Fürsten in direkte Abhängigkeit. Hieraus entwickelt sich das Lehnswesen. Der König verlieh das Land auf Zeit, denn das größer werdende königliche Eigentum, das Ergebnis der ständigen Kriege war, musste auch verwaltet werden. Andererseits gab es so gut wie keine Geldwirtschaft im fränkischen Reich. So bildet sich aus diesen Voraussetzungen die fränkische, frühfeudale Gesellschaft heraus.

Neben dem Lehnswesen sollte die katholische Kirche eine weitere Machtstütze des Königs werden. Durch den Einfluss der Burgunderin Chlothilde trat Chlodwig I. zum katholischen Christentum über. Mit seiner Taufe 496 sichert er sich die Unterstützung durch die katholische Kirche und ermöglicht so ein Miteinander von Franken und römischer Bevölkerung. Die Königliche Boten (Grafen und Bischöfe) waren bestimmt, Chlodwig königlichen Anordnungen durchzusetzen. Daneben setzte Chlodwig 511 auf der ersten Reichsynode einen maßgeblichen Einfluss fränkischer Könige auf die Bischofsinvestitur durch und versuchte eine einheitliche kirchliche Gesetzgebung für das Frankrenreich zu schaffen. Im fünften Jahrhundert entstand die lateinische Sammlung des Volksrecht der Franken (Lex Salica).

Der Aufstieg der Pippiniden

Nach dem Tode Chlodwigs (511) wurde das Reich unter seinen vier Söhnen aufgeteilt. Zwar konnte die Reichseinheit durch Chlodwigs Nachfolger immer wieder hergestellt werden, doch brachte es die germanische Tradition mit sich, dass es immer wieder zu Reichsteilungen unter den Söhnen beim Tode des Vaters kam. 639 starb Dagobert I und hinterließ seinem Sohn das nochmals geeinigte Reich. Die wahre Macht lag aber beim Hausmeier Aega und der Witwe Dagoberts.

So auf den Geschmack gekommen, strebten die Hausmeier nach der gesamten Macht im Reich. In der Schlacht bei Tertry (687) besiegte der austrische Hausmeier Pippin II den rechtmäßigen Herrscher des fränkischen Gesamtreiches und schaffte so die Voraussetzung für den Aufstieg der Pippiniden und später den der Karolinger. Pippin wagt es aber noch nicht, sich zum König zu erheben, weil er nicht über das ererbte Königsheil verfügt.

714, nach dem Tode Pippins, entbrannten Machtkämpfe, in denen sich 719 sein unehelicher Sohn Karl Martell durchsetzte. Der für seine Härte und sein Durchsetzungsvermögen bekannte Karl stand vor schwierigen innen- und außenpolitischen Problemen. Immer wieder versuchen sich einige Stämme im Frankenreich gegen seine Herrschaft aufzulehnen. Einen Wendepunkt stellte das Jahr 732 dar. In der Schlacht bei Tours und Poitiers besiegte er, gemeinsam mit seinem ehemaligen Feind Eudo von Aquitanien und unterstützt von den Langobarden, die Araber. Hierfür wurde er als Retter des Abendlandes gefeiert. Auch die Kämpfe gegen Friesen, Sachsen, Bajuwaren und Alamannen festigen seine Herrschaft. Daneben unterstütze er die Missionsarbeit des Bischofs Bonifatius in diesen Gebieten. Ab 737 herrscht er nach dem Tode des merowingischen Königs Theuderich IV allein über das Frankrenreich, wie schon sein Vater ohne Königstitel. Nach germanischer Tradition teilte Karl Martell das Reich kurz vor seinem Tode unter seinen Söhnen Karlmann und Pippin III auf.

Das Frankenreich unter den Karolingern

Pippin III. wurde Alleinherrscher, nachdem sein Bruder ins Kloster ging und er ebenfalls den letzten merowingischen König dorthin schickt. 751 ließ er sich dann nach alttestamentarischem Vorbild zum König salben. Drei Jahre später salbte ihn Papst Stephan III ein zweites Mal. Im Vertrag von Quierzy (754) versprach Pippin, das ehemalige Exarchat von Ravenna dem Papst zurückzugeben (Pippinische Schenkung); im Gegenzug legitimierte der Papst die Karolinger als Könige des Frankenreichs. Schon 755 ereilte den fränkischen König die Bitte, dem Vertrag nachzukommen. Bis zu seinem Tode führt Pippin zwei erfolgreiche Feldzüge gegen die Langobarden und schenkt dem Papst die eroberten Gebiete. Er gilt so als Begründer des Kirchenstaates. Bei seinem Tode 768 hinterließ er seinen Söhnen ein Reich, das politisch wie wirtschaftlich im Aufbau begriffen war.

Kurze Zeit später (771) starb der jüngere Bruder von Karl dem Großen, der somit Alleinherrscher wurde. Durch den von seinem Vater geschlossenen Vertrag mit dem Papst war Karl diesem verpflichtet. Da die Langobarden die Schenkungen Pippins nicht anerkannten, führte Karl weiter gegen sie Krieg und erobert deren Reich im Jahre 774. Neben den Langobardenfeldzügen schritt die Missionierung im Osten voran. Besonders die Kriege gegen die Sachsen bestimmen die Politik Karls bis 785, das Jahr in dem sich Widukind sich dem fränkischen König unterwarf. Damit endete eine dreißigjährige Kriegszeit.

Die zahlreichen Kriege bewirkten eine fortscheitende Feudalisierung, eine Stärkung der Reichen und ein Anstieg der feudalabhängigen Bauern. Im Ergebnis dieser Entwicklung wuchsen Besitz und Macht der Feudalherren, insbesondere des Königs (und späteren Kaisers), und der Herzöge, aber auch die Kirche konnte ihre Macht festigen. Karl konsolidierte die Staatsmacht nach Außen durch die Errichtung von Grenzmarken. Diese waren Bollwerke für die Reichsverteidigung und Aufmarschgebiete für Angriffskriege. Zur Verwaltung setzte er Markgrafen ein, welche besondere Rechte hatten, da die Marken nicht direkt Teil des Reich waren und somit auch außerhalb der Reichsverfassung standen. In den Marken wurde eine wehrhafte Bauernbevölkerung angesiedelt sowie Burgen gebaut.

Zur weiteren Konsolidierung seiner Herrschaft nach Innern zentralisierte Karl die Königsherrschaft durch eine Verwaltungsreform (um 793). Die Königsherrschaft gründete sich auf den königlichen Hof, das Pfalzgericht und die Kanzlei. Im Reich verwalteten Grafen die Königsgüter (Pfalzen). Sowohl die Grafen als auch die Markgrafen wurden durch Königsboten (missi dominici) kontrolliert und sprachen königliches Recht. Aachen wurde zur Kaiserpfalz und zum Zentrum des Frankenreichs unter Karl.

Den Höhepunkt seiner Macht erreichte Karl mit der Kaiserkrönung in Rom am 25. Dezember 800. Das Frankenreich war nun endgültig neben Byzanz und dem Kalifat eine anerkannte Großmacht.

Der Niedergang des Frankenreichs

Nach 46-jähriger Herrschaft starb Karl in Aachen. Sein Sohn Ludwig der Fromme, wurde Kaiser. Dieser versuchte, entgegen der germanischen Tradition, die Reichseinheit zu wahren und erließ 817 ein Reichsteilungsgesetz. Schließlich galt auch die Kaiserwürde als unteilbar. Deswegen bestimmte Ludwig seinen Sohn Lothar zum Mitkaiser. Das Gesetz sah vor, dass immer der älteste Sohn des Kaisers den Titel des römischen Kaisers erbte. Ludwig entschied sich für den Reichseinheitsgedanken, wenn auch unter kirchlichem Einfluss, welche die Einheit des Reiches parallel zur Einheit der Kirche sah. Dadurch spielten die Bischöfe auch eine besondere politische Rolle. Sie stellten sich gegen die Söhne des Kaisers, die für die Aufteilung des Reiches waren. Seit 829 führten diese Spannung zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und seinen Söhnen.

Als 840 Ludwig starb, wurde Lothar I zwar alleiniger Herrscher, doch einigten sich die Söhne 843 im Vertrag von Verdun, das Frankenreich aufzuteilen. Später wurde das Reich durch die Verträge von Meersen (870) und Ribemont (880) weiter aufgeteilt. Die Reichseinheit wurde nie wieder hergestellt. Die einzelnen Reichsteile entwickelten unterschiedliche Sitten, Bräuche, Sprachen und wurden so zu eigenständigen Staaten. Einige Zeit darauf sprach man von einem West- und Ostfränkischen Reich, bis dieser Hinweis auf die gemeinsame Herkunft ein Jahrhundert später verschwand. Vom alten Frankenreich sollte nur der westliche Teil den Namen "Frankreich" und den Zentralstaat übernehmen. Das aus dem Ostfrankenreich entstehende "Deutschland", oder genauer das Heilige Römische Reich behielt die Kaiserwürde.

Aufteilung des Fränkischen Reiches

Divisio Regnorum (806)

Das Testament Karls des Großen sah die Aufteilung unter Pippin, Ludwig dem Frommen und Karl dem Jüngeren vor. - Divisio Regnorum

Vertrag von Verdun (843)

Die Aufteilung des Fränkischen Kaiserreichs ging auf den teils kriegerischen Erbfolgestreit zurück, den Kaiser Ludwig I, der Fromme, mit seinen Söhnen führte. Nach einer Palastrevolution und Gefangennahme wurde Kaiser Ludwig I. Anfang der 30er Jahre von seinen Söhnen entmachtet. Ab 831/832 verselbstständigten die Söhne zunehmend ihre Herrschaftsbereiche im Reichsverband und beließen ihren Vater in der Funktion eines Titularkaisers. Drei Jahre nach dem Tod ihres Vaters leiteten Kaiser Lothar I, König Karl der Kahle, und König Ludwig der Deutsche 843 im Vertrag von Verdun die Teilung und das Ende des Fränkischen Kaiserreichs ein.

Prümer Teilung (855)

855 veranlasste Lothar I. in der Prümer Teilung die Aufteilung des Mittelreiches unter seinen Söhnen.

Vertrag von Meersen (870)

Nach dem Tod der Söhne Lothars I. wird das einstige Mittelreich aufgeteilt unter Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen. - Vertrag von Meersen

Vertrag von Ribemont (880)

Nach vergeblichen Versuchen Karls des Kahlen das ganze Mittelreich zu erobern (Schlacht bei Andernach 876), erhielt Ludwig III die Westhälfte Lotharingiens. Damit war die Aufteilung des Frankenreiches vorläufig abgeschlossen, die Grenze zwischen dem West- und Ostteil bleibt das ganze Mittelalter über nahezu unverändert. Der Streit zwischen den (späten) Nachfolgestaaten (Deutschland, Frankreich) um Teile des Mittelreichs reichte bis ins 20. Jahrhundert hinein.

Literatur

zu den Merowingern

zu den Karolingern

Weblinks

Siehe auch: Franken (Volk), Fränkische Sprache




     
Das Web Lexikon "Ein Blick zurück" bietet die Moeglichkeit auf einfache Art und Weise in den "alten" Wikipedia-Beiträgen zu blättern. Das Lexikon spiegelt den Stand der freien Wikipedia-Enzyklopädie vom August 2004 wider. Sie finden hier in rund 120.000 Artikel aus dieser Zeit Informationen, Erklärungen, Definitionen, Empfehlungen, Beschreibungen, Auskünfte und Bilder. Ebenso kommen Begriffserklärung, Zusammenfassung, Theorie, Information, Beschreibung, Erklärung, Definition und Geschichte nicht zu kurz. Ein Lexikon das Auskunft, Bericht, Hinweis, Bedeutung, Bild, Aufklärung, Darstellung und Schilderung zu unterschiedlichsten Themen kompakt auf einer Seite bietet.
Impressum ^ nach oben ^