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Festung



Als Festung bezeichnet man besonders starke, permanente Befestigungsbauten, die überwiegend militärischen Zwecken dienen. Im engeren Sinne ist mit einer Festung eine Artilleriefestung gemeint, die im 16. Jahrhundert in Europa üblich wurde und nicht nur vor Artilleriebeschuss geschützt war, sondern den Verteidigern auch die Möglichkeit bot, die gesamte Umgebung der Festung zu beschießen. Der Begriff "Festung" tritt zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf und löst die ältere Bezeichnung "Veste" (=Burg!) ab.

Die Begriffe Festung, Befestigung, Veste und andere verweisen über das Adjektiv fest auf ihren mittelhochdeutschen Stamm veste und althochdeutschen Stamm festi. Ähnlich verhält es sich mit der lateinischen Form fortis für stark, kräftig, rüstig, die sich in der Fortifikation und dem Fort wieder finden.

Von etwa 1500 bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts besteht eine Mischform aus Burg, Schloss und Festung ("befestigtes Schloss, Palazzo in Fortezza, bastioniertes Schloss" u.ä.), während dann zunehmend eine Aufspaltung dieser Bauformen praktiziert wird. Bei den meisten frühneuzeitlichen Festungen handelte es sich um befestigte Städte.

Table of contents
1 Geschichte der neuzeitlichen Festung
2 Kritische Würdigung der Funktion von Festungen
3 Ehemalige Festungen und der Denkmalschutz
4 Literatur
5 Weblinks

Geschichte der neuzeitlichen Festung

Burgen im Geschützzeitalter

Bis in das Spätmittelalter hinein hing das Defensivpotenzial einer Burg bzw. einer befestigten Stadt zu einem nicht unerheblichen Teil von der Höhe ihrer Mauern ab. Dieses Prinzip wurde bereits im frühen 15. Jahrhundert in Frage gestellt, weil zu dieser Zeit Kanonen entwickelt wurden, mit denen man die in Relation zu ihrer Stärke recht hohen Burg- und Stadtmauern mit Leichtigkeit zusammenschießen konnte. Bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden primitive Kanonen in Europa hergestellt, die zunächst jedoch wenig Schaden anrichteten und äußerst unzuverlässig waren. Die weiter entwickelten Kanonen des 15. Jahrhunderts waren zwar schwer und ebenfalls anfällig für Explosionen, doch erreichten sie eine Feuerkraft, die in vergleichsweise kurzer Zeit jede Burg oder Stadt zur Kapitulation bewegen konnte. Die europäischen Baumeister reagierten darauf zunächst nur mit einer Modifikation des Burgenbaus. Man entfernte hölzerne Aufbauten von den Mauern und Türmen, da sie ein leichtes Ziel darstellten. Die Mauern wurden um mehrere Meter dicker und zudem niedriger, um ihren Einsturz zu erschweren. Auch die Türme wurden etwas niedriger und vor allem massiver. Aus dem mittelalterlichen Burgturm wurde ein kegelförmiger Geschützturm, das Rondell. Rondelle verfügten über Räume mit großen Schießscharten, durch die Kanonen feuern konnten. Auch auf der Spitze des Rondells wurden Kanonen postiert. Diese Veränderungen in der Errichtung von Befestigungen waren trotzdem nicht ausreichend, da sie lediglich eine Erweiterung des mittelalterlichen Burgenbaus darstellten. Die verstärkten Burganlagen, die während des Spätmittelalters errichtet wurden, erhöhten in erster Linie die passive Verteidigung und zögerten den Fall einer Stadt oder Burg nur hinaus. Der Bereich direkt vor den Rondellen war ein toter Winkel, der nicht von den Verteidigern beschossen werden konnte. Zudem konnten in einem Rondell nur wenige Kanonen platziert werden, da ihr Pulverdampf aus den Räumen des Geschützturms nur langsam abzog und Sicht und Atmung erschwerte. Es wurde eine Befestigung notwendig, von der aus man die gesamte Umgebung mit Feuer aus zahlreichen Geschützen bestreichen konnte, um somit eine aktive Verteidigung zu ermöglichen. Bereits im 15. Jahrhundert wurden provisorische Befestigungsanlagen erdacht, mit denen man gegnerische Truppen auf Distanz hielt und eine aktive Verteidigung ermöglichte. So wurde um manche Städte ein System aus etwa 2 Meter tiefen Gruben angelegt, die mit einer Erdaufschüttung umgeben waren. Diese war mit Schießscharten versehen. Die Gruben lagen so weit auseinander, das sie sich gegenseitig flankieren konnten, weshalb sich anstürmende Truppen einem Kreuzfeuer ausgesetzt sahen. Diese provisorische Befestigungsweise war bis in die 1530er Jahre üblich.

Die Entwicklung in Italien

Die Lösung dieses wehrbaulichen Problems wurde in Norditalien gefunden, das seit 1494 zum Schauplatz eines französischen Kriegszuges wurde. Die Franzosen setzten dabei neuartige Kanonen ein, die für damalige Verhältnisse äußerst mobil waren und eine recht hohe Feuerrate erreichen konnten. Vor diesem Hintergrund wurde in Italien an der Wende zum 16. Jahrhundert verstärkt an der Konzeption massiverer Befestigungsanlagen gearbeitet. Zudem gingen einige italienische Städte dazu über, ihre mittelalterlichen Mauern durch provisorisch angelegte Befestigungen zu verstärken. Ein relativ effektives Beispiel dafür war der so genannte Pisanische Doppelwall - auch Retirata genannt - der aus einem direkt hinter den alten Stadtmauern angelegten Graben und einem mit Holzpfählen und Flechtwerk verstärkten, bogenförmigen Wall bestand. In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts setzte sich gegen die spätmittelalterlichen Rondelle und die hufeisenförmigen Basteienen die fünfeckige Winkelbastion durch, die den so genannten "Toten Winkel" nahezu völlig ausschaltete. Erste Entwürfe und Umsetzungen dieser Bollwerke gehen wahrscheinlich auf die italienischen Gebrüder Sangallo zurück, die zahlreiche italienische Städte mit neuartigen Befestigungsanlagen versahen. Charakteristisch waren dabei die stark zurückgezogenen Flanken der Bastionen und die Anlage von Retiratas als zweite Front nach der Erstürmung einer Bastion. Die Befestigungsanlagen wurden aus Mauerwerk oder zumindest aus mit Erde aufgefüllten Ziegelmauern errichtet. Um die völlige Ausschaltung des Toten Winkels zu gewährleisten, wurden die Befestigungsanlagen im Idealfall als regelmäßige Vielecke konstruiert. Besonders beliebt waren Quadrate, Fünf- und Sechsecke. Die Festung besaß Unterkünfte für Mannschaften sowie Lagerräume für Waffen und Munition, so genannte Kasematten. In den zurückgezogenen Flanken wurden Geschütze postiert, was einen entscheidenden Vorteil der Winkelbastion darstellte. Bei einem Sturmangriff auf die Festungsmauer konnte aus der gut gedeckten Flanke der Grabenabschnitt zwischen den Bastionen unter Feuer genommen werden. In Italien wurde die neuartige Artilleriebefestigung als alla moderna (nach moderner Art) bezeichnet, während sie in anderen Teilen Europas als italienische Befestigungsweise bekannt war.

Die wahrscheinlich im von Kriegswirren geplagten Italien entstandene Befestigungsweise mit niedrigen, massiven Mauern und fünfeckigen Winkelbastionen sollte in Grundzügen bis in das 19. Jahrhundert hinein vorherrschend bleiben. In weiten Teilen Europas setzte sich die bastionierte Befestigungsweise nur langsam durch. Bis weit in das 17. Jahrhundert hinein waren viele Orte nur durch Rondelle geschützt. Auch bei den Entwürfen eines Bollwerks, die sich in der Befestigungslehre von Dürer aus dem Jahre 1527 finden, handelt es sich lediglich um erweiterte Rondelle in Kegel- oder Hufeisenform.

Niederländische Festungen

aus dem 18. Jahrhundert]]

Auch in den im 16. Jahrhundert habsburgischen Niederlanden wurde vor dem Hintergrund kriegerischer Auseinandersetzungen die Errichtung neuartiger Befestigungen notwendig. Die Niederländer erhoben sich 1568 gegen die spanische Herrschaft, wodurch ein achtzigjähriger Krieg ausgelöst wurde. Auch die Niederländer erkannten schnell, dass ihre mittelalterlichen Stadtmauern der damaligen Artillerie nicht mehr gewachsen waren. Ähnlich wie in Italien ging man zunächst dazu über, hinter den alten Mauern Gräben und Wälle zu errichten. Bald darauf legte man nach italienischem Vorbild geformte Bastionen aus Erde vor den Mauern an. Schließlich wurden die gesamten Befestigungsanlagen aus Erde errichtet, mit Grassoden bedeckt und von einem tiefen Wassergraben umgeben. Im Gegensatz zu den Italienern achteten die Niederländer darauf, dass beim Abstand der Bastionen voneinander die Reichweite der damaligen Geschütze berücksichtigt wurde. Um gegnerischen Truppen den Einsatz von Sturmleitern unmöglich zu machen, rammte man spitze Holzpfähle in die Wälle und Bastionen, die so genannten Sturmpfosten. Zusätzlich umgab man die Wallanlagen mit zahlreichen Außenwerken, womit die Entstehung der niederländischen Befestigungsweise gegen Ende des 16. Jahrhunderts abgeschlossen war. Zu den Außenwerken zählten die so genannten Hornwerke und die mit Ravelins vergleichbaren Demi-Lunes, welche direkt vor den Bastionen errichtet wurden. Strategisch wichtige Orte wie etwa Flusskreuzungen sicherten die Niederländer durch Schanzen. Unter Moritz von Oranien wurden Städte wie Coevorden zu Festungen ausgebaut, die nach einem streng geometrischen Prinzip konzipiert waren.

Recht bald wurden derartige Befestigungsanlagen aus Erde auch außerhalb der Niederlande errichtet, zum Beispiel in Städten wie Hamburg und Danzig. Niederländische Ingenieure verbreiteten ähnlich wie ihre italienischen Kollegen die neuen Erkenntnisse im Festungsbau in weiten Teilen Europas. Die neuartigen Wallanlagen boten einen annähernd so guten Schutz wie Festungen aus Mauerwerk, zudem war ihre Errichtung deutlich weniger kostenintensiv und zeitaufwändig. Der große Nachteil der ohne Mauerwerk errichteten Wallanlagen bestand in ihrer äußerst aufwändigen Instandhaltung. Die zum Großteil aus Erde bestehenden niederländischen Festungen waren schlecht für die permanente Nutzung geeignet, so dass man sie eher als weit entwickelte Feldbefestigungen bezeichnen kann. Trotzdem prägten die niederländischen Befestigungen durch ihre zahlreichen vorgeschobenen Hornwerke und den geringen Abstand zwischen den Bastionen die weitere Entwicklung des Festungsbaus. Ein anschauliches Beispiel für diese Art der Befestigung ist die wieder aufgebaute Festung von Bourtange in der niederländischen Provinz Groningen.

Verbreitung der bastionierten Befestigungsweise

Frankreich: In großen Teilen Europas verbreitete sich die neuartige Befestigungsweise äußerst langsam. Meist waren es kriegerische Auseinandersetzungen, die zur provisorischen Errichtung von bastionierten Befestigungen führten. In Frankreich brachen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Hugenottenkriege aus, in deren Folge zahlreiche Befestigungsanlagen erbaut wurden. Die protestantischen Hugenotten sicherten ihre Städte ähnlich wie zunächst die Niederländer durch aus Erde bestehende Bastionen und Ravelins, die vor den mittelalterlichen Stadtmauern errichtet wurden. Diese Befestigungsweise wurde auch als "à la Huguenote" bezeichnet. Die wichtigste Stadt der Hugenotten, La Rochelle, wurde seit 1569 komplett durch neuartige Wälle und Bastionen geschützt. La Rochelle konnte von den königlichen französischen Truppen erst 1628 nach fünfzehnmonatiger Belagerung eingenommen werden. Insbesondere im Kampf gegen die Hugenotten erkannten die französischen Könige den Wert von bastionierten Befestigungen, und veranlassten die Errichtung derartiger Anlagen. Dabei wurden oftmals wichtige Elemente wie die zurückgezogenen Bastionsflanken falsch interpretiert. Auch der Bau von vorgeschobenen Werken wurde in Frankreich zunächst vernachlässigt.

England: Die spätmittelalterliche Befestigungsweise mit Rondellen blieb in England lange Zeit vorherrschend, bis es in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erste Versuche zur Errichtung von bastionierten Festungen gab. Dabei beanspruchten die Engländer die Hilfe von ausländischen Ingenieuren, die vor allem aus Italien kamen. Die frühen englischen Bastionen waren oftmals äußerst unregelmässig konstruiert, was von dem Mangel an Erfahrung mit dem modernen Festungsbau zeugt. Die wahrscheinlich ersten Winkelbastionen auf englischem Boden wurden 1558 in Berwick-upon-Tweed erbaut und weisen einen unregelmäßigen Grundriss auf. Wie in vielen anderen Regionen Europas wurden in England veraltete Mauern durch Bastionen aus Erde verstärkt. Eine spezifisch englische Befestigungsweise bildete sich beim Befestigen größerer Städte heraus. Städte wie London wurden durch einen Ring aus Schützengräben geschützt, der durch Forts und Schanzen ergänzt wurde. Diese Befestigungsringe erinnerten stark an die Feldbefestigungen, die auf dem europäischen Festland um belagerte Städte errichtet wurden. Erst der englische Bürgerkrieg von 1642-1649 beschleunigte die Verbreitung neuartiger Befestigungen in England. Die zahlreichen während dieses Bürgerkrieges errichteten Festungsanlagen bestanden zumeist aus Erde und wurden oftmals durch eine Holzverkleidung verstärkt. Zur Gewährleistung der Sturmfreiheit sicherte man die Wälle und Bastionen durch Sturmpfosten. Städte wie Worcester und York wurden durch weit vorgeschobene Forts geschützt, die den Gegner auf Distanz halten sollten. Bei Belagerungen errichteten die Engländer keinen Befestigungsring um den belagerten Ort, so dass sich das Eintreffen eines Entsatzheeres im Verlaufe des englischen Bürgerkrieges mehrmals für die Belagerer als fatal erwies.

Mittelmeerraum: Im Gegensatz zu den britischen Inseln verbreiteten sich bastionierte Befestigungen im Mittelmeerraum äußerst schnell, da dort die im Festungsbau erfahrenen Italiener ihre Interessen gegen die türkischen Osmanen sichern wollten. Die Venezianer befestigten bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts ihre Stützpunkte auf Kreta und Zypern. Die kretische Festungsstadt Kandia konnte erst 1669 nach zäher Belagerung von den Türken eingenommen werden. Auch die Johanniter waren nach ihrer Vertreibung von Rhodos durch die Türken im Jahre 1523 auf eine effektive Befestigung bedacht. Die von ihnen seit 1530 beherrschte Insel Malta wurde schnell mit bastionierten Wällen befestigt. Das vorgeschobene Fort St. Elmo sollte gegnerische Truppen frühzeitig binden. Als 1565 ein großes türkisches Heer in Malta an Land ging, griff es zunächst das Fort an. Bei der Erstürmung des Forts starb ungefähr jeder fünfte Soldat des türkischen Invasionsheeres, und nach dem Eintreffen eines Entsatzheeres mussten die Türken die Belagerung abbrechen. In der Folgezeit wurde Malta zu einer der stärksten Festungsinseln ausgebaut.

des 19. Jahrhunderts aus dem Festungsring Köln]]
Deutschland: Auf deutschem Boden vollzog sich der Übergang zu einer modernen Befestigungsweise je nach Finanzkraft der zahlreichen Teilstaaten und deren Verwicklung in Kriege mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. In Wien hatte bereits 1529 die Belagerung durch die Türken die Notwendigkeit stärkerer Befestigungsanlagen demonstriert, mit deren Errichtung kurz darauf begonnen wurde. Als die Türken 1683 die Stadt ein zweites Mal belagerten, ermöglichten es die massiven Mauern und Bastionen den Wienern, sich bis zum Eintreffen eines Entsatzheeres zu verteidigen. Durch italienische Baumeister fand die bastionäre Bauweise ab der Mitte des 16. Jahrhunderts breiteren Eingang in die deutschen Territorien: der Malteser Antonio Vasanni ("Fazzuni") errichtete ab 1539 die Nürnberger Burgbastionen, Alessando Pasqualini d.Ä. befestigte ab 1549 Jülich, ein "Welscher" bastionierte um 1550/54 die Plassenburg, Francesco Chiaramella plante die brandenburgischen Festungen Spandau, Peitz und Küstrin. Am Ende des 16. Jahrhunderts hatten auch deutsche Ingenieure die Technik der bastionären Baukunst erlernt. Der Straßburger Baumeister Daniel Speckle veröffentliche 1589 das erste deutschprachige Lehrbuch hierzu, die Architectura. Im 17. Jahrhundert wurden Städte wie Hamburg, Rostock und Berlin mit Wallanlagen nach niederländischem Vorbild versehen. Auch in Süddeutschland wurden Städte zu Festungen ausgebaut, wie zum Beispiel Ingolstadt. Während des Dreißigjährigen Krieges konnte Ingolstadt nicht eingenommen werden. Viele deutsche Städte waren zu dieser Zeit durch veraltete Befestigungsanlagen geschützt und konnten in den meisten Fällen ohne größere Probleme von feindlichen Truppen erobert werden.

Übersee : Artilleriefestungen nach italienischem Vorbild wurden auch in den Kolonien der europäischen Staaten errichtet. So wurde 1557 von den Portugiesen eine bastionierte Festung im ostafrikanischen Mombasa und 1603 im brasilianischen Natal erbaut. Auch die Spanier schützten auf diese Weise Städte wie Acapulco und Havana. Die weltbekannte Wall Street im heutigen New York wurde nach dem Wall benannt, den die Niederländer dort im Jahre 1652 zum Schutz des damaligen Neu-Amsterdam errichtet hatten. In typisch niederländischer Manier bestand der Wall komplett aus Erde, zudem wurde der Stadtkern durch eine bastionierte Zitadelle gesichert.

Ein Kennzeichen von Festungsanlagen aus dieser Zeit war deren rasches Altern, denn die Weiterentwicklung der Belagerungswaffen zwang die Festungsbauer zu einer ständigen Anpassung ihrer Bauwerke. Die Konsequenz war eine ständige Bautätigkeit an den meisten Festungen, denn eine sich selbst überlassene Festungsanlage war innerhalb kürzester Zeit hoffnungslos veraltet. Hier zeigte sich ein frühes Beispiel eines Rüstungswettlaufeses. Viele Staaten konnten mit den enormen Kosten des Festungsbaus nicht mithalten, die selbst bei nur aus Erde errichteten Befestigungsanlagen auftraten.

Der allmähliche Niedergang des Festungsbaus

als Beispiel einer Kordon-Stellung des 20. Jahrhunderts]]
Die Entwicklung von Geschützen mit immer größerer Feuerkraft und Reichweite führte im 19. Jahrhundert zur Verstärkung der Festungsbauten. Um die eigentliche Festung wurde ein großer Ring aus
Forts angelegt, die nun die Hauptlast der Verteidigung übernahmen. Die immer größere Beweglichkeit und Feuerkraft der Armeen führte dazu, das der Bau von Festungen in der Mitte des 20. Jahrhunderts nahezu überflüssig wurde da diese zu leicht umgangen oder zerstört werden können. In den meisten Ländern Europas versuchte man zwischen dem erstem und zweitem Weltkrieg, die eigenen Landesgrenzen durch parallele Festungsanlagen zu schützen. Beispiele für solche Kordon-Stellungen waren die Maginot-Linie oder der Westwall. Der Aufwand zum Bau und zur ständigen Ausstattung mit Soldaten stand allerdings in keinem Verhältnis zum militärischen Erfolg derartiger Festungsanlagen.

Zum Ende des zweiten Weltkrieges lebte das militärische Konzept der befestigten Stadt aus propagandistischen Gründen noch einmal auf. Die nationalsozialistischen Machthaber erklärten einige damals noch ostdeutsche Städte wie Breslau und Glogau zu Festungen, die ohne Rücksicht auf Verluste gehalten werden sollten, um die eigene Vernichtung noch einige Tage hinaus zögern zu können. Diese Städte waren in keiner Weise auf einen Festungskampf eingestellt und wurden in den darauf folgenden militärischen Auseinandersetzung mit der Roten Armee in weiten Teilen zerstört.

Der letzte Kampf um eine Festung im klassischen Sinne fand 1968 in Vietnam um die zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtete Zitadelle von Hué statt.

In den meisten europäischen Ländern wurde in den Jahren nach dem zweitem Weltkrieg und dem kaltem Krieg der Bau und der Unterhalt von Festungen eingestellt. Nur noch Schweden und eingeschränkt die Schweiz unterhalten heute noch in Europa Festungsanlagen. Wie sehr andererseits das Leben insbesondere der städtischen Bevölkerung jahrhunderte lang durch Festungsanlagen geprägt wurde, zeigt sich heutzutage noch an diversen Redensarten. So springt man für jemanden in die Bresche oder hat sturmfreie Bude. Diverse Straßennamen in deutschen Städten deuten auf das ehemalige Vorhandensein von Befestigungsanlagen hin, zum Beispiel wenn in ihnen "Glacis", "Esplanade" oder "Schanze" vorkommt. Bei den um viele Altstädte angelegten Grünanlagen handelt es sich meist um geschleifte Befestigungen, wie es zum Beispiel bei den Hamburger Wallanlagen der Fall ist.

Kritische Würdigung der Funktion von Festungen

Von den führenden militärischen Strategen wurde der Wert von Festungen unterschiedlich beurteilt. Beispielsweise schrieb der Kriegstheoretiker Carl von Clausewitz 1830 in seinem Buch "Vom Kriege" folgende einleitende Sätze über Festungen:

Früher und bis zur Zeit der großen stehenden Heere herunter waren Festungen, d. i. Schlösser und befestigte Städte, nur zum Schutz ihrer Einwohner da. Der Edelmann, wenn er sich von allen Seiten bedrängt sah, rettete sich in sein Schloss, um Zeit zu gewinnen, einen besseren Augenblick abzuwarten; die Städte suchten durch ihre Befestigungen die vorüberziehende Wetterwolke des Krieges von sich abzuhalten. [...]

Von der anderen Seite sind die Zeiten vorüber, wo die bloße Befestigung der Mauern ohne andere Kriegsanstalten einen Ort vor der Überschwemmung des Krieges, der über das ganze Land herzieht, völlig trocken erhalten konnte, denn diese Möglichkeit gründete sich teils auf die kleinen Staaten, in welche die Völker früher geteilt waren, teils auf die periodische Natur des damaligen Angriffs, der fast wie die Jahreszeiten seine bestimmte, sehr begrenzte Dauer hatte, weil entweder die Lehnleute nach Hause eilten oder das Geld für die Condottieri (ital. "Söldnerführer") regelmäßig auszugehen pflegte. Seitdem große stehende Heere mit ihren gewaltigen Artilleriezügen den Widerstand der einzelnen Punkte maschinenartig niedermähen, hat keine Stadt und keine andere kleine Korporation mehr Lust, ihre Kräfte aufs Spiel zu setzen, um einige Wochen oder Monate später genommen und dann um so strenger behandelt zu werden.

Es hat dann leider noch über ein Jahrhundert gedauert, bis diese Erkenntnisse ihren Weg von der Theorie in die Praxis gefunden hat.

Ehemalige Festungen und der Denkmalschutz

in Koblenz als Beispiel für die Notwendigkeit für die Unterschutzstellung von Festungsanlagen]]
Nach der Aufgabe einer Festung wurden im Normalfall sämtliche Festungswerke geschleift, das heißt beseitigt und einer zivilen Nutzung zugeführt. Auf diese Art und Weise sind die meisten Festungen in Deutschland und in den europäischen Nachbarstaaten dem Erdboden gleich gemacht worden. Dies geschah vor allem im Zusammenhang mit der Entfestigung der großen Städte und nur in eher seltenen Fällen konnte eine städtische Festung der Nachwelt erhalten bleiben.
Damit ist die Erhaltung von ehemaligen Festungen die Aufgabe des Denkmalschutzes, damit sich die Menschen auch in späteren Zeiten noch eine Vorstellung über dieser vergangene Epoche und den Folgen für ihr eigenes Leben machen können.

Siehe auch:
Belagerung
Liste von Festungen,
Fachbegriffe

Literatur

Weblinks




     
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