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Fatimiden



Die Fatimiden oder das Fatimidische Kalifat waren eine schiitische Dynastie, die von 909 bis 1171 Nordafrika beherrschten.

Table of contents
1 Herkunft
2 Fatimidisches Kalifat
3 Wirkung
4 Literatur

Herkunft

Der Name der Fatimiden leitet sich von Fatima, einer Tochter Mohammeds ab. Fatimas Ehemann, Ali, ein Cousin des Propheten, wurde 656 nach der Ermordung Uthman ibn Affans zum Kalifen proklamiert. Der sich entwickelte Konflikt mit Mu'awiya führte zur Spaltung des bis dahin geeinten Islams. Die Anhänger Alis wurden im folgenden als Schiiten (abgeleitet von Partei Alis) genannt. Ali wurde 661 von einem charidschitischen Attentäter ermordet. Seine Söhne Hassan und Hussein waren danach die letzten direkten Nachkommen Mohammeds. Hussein starb 680 in der Schlacht von Kerbela.

Die Linie wurde über die schiitischen Imame fortgesetzt. Hier kam es zur Spaltung der Schiiten in die drei Hauptzweige der Imamiten, Ismailiten, und Zaiditen. Der (vorläufig) letzte Imam der Ismailiten war Ismail ibn Dschafar.

Die Herrscherdynastie, die sich später auf die Abstammung von Mohammed über seine Tochter Fatima beriefen, nannte sich Fatimiden. Teilweise wird auch der auf Ali weisende Begriff Aliden verwendet.

Seitens ismailitischer/fatimidischer Kreise wurde immer wieder versucht, das sunnitische Kalifat zu destabilisieren. So bestanden Verbindungen zu den Karmaten, die sich von 890 bis ins 11. Jahrhundert hinein einen erbitterten Kleinkrieg mit den Abbasiden lieferten.

Fatimidisches Kalifat

Fatimiden in Nordafrika:

Die Fatimiden, wurden von Abu Abdallah Hasan, einem Missionar der Ismailiten gegründet. Hasan warb für Ubaid Allah ibn Muhammad, den wirklichen oder angeblichen Enkel Ismailss, unter den Berbern zahlreiche Anhänger und stürzte 909 mit ihrer Hilfe die in Kairuan (im heutigen Tunesien) herrschende Dynastie der Aghlabiden.

Unter Abdallah al-Mahdi (901 - 934) wurde in Nordafrika das Reich der Fatimiden begründet. Er nahm den Titel eines Kalifen an und gründete die Hauptstadt al-Mahdija südlich von Sousse. Zwar gelang die Unterwerfung von Algerien und Sizilien, doch scheiterte die Eroberung Ägyptens zunächst ebenso wie die Feldzüge nach Marokko, wo die Omajaden von Cordoba die Berber in ihrem Kampf gegen die Fatimiden unterstützten.

Unter al-Qaim (934 - 946) wurde Sizilien erneut unterworfen und die Küsten Italiens und Frankreichs durch Flottenzüge geplündert. Um Sizilien zu befrieden wurden die Kalbiten als Emire eingesetzt. Allerdings kam es durch den Aufstand der nichtschiitischen Berber unter Abu Yazid (943 - 947) zu einer schweren Krise des Reichs als die Aufständischen zeitweise die Hauptstadt al-Mahdija belagerten.

Unter al-Muizz (953 - 975) gelang den Fatimiden unter Gauhar zwar der Vorstoß bis zum Atlantik, doch konnten die Herrschaft über Marokko nicht behauptet werden, da sich der Schwerpunkt der fatimidischen Politik auf die Eroberung Ägyptens ausrichtete. Unter dem Feldherrn Dschauhar gelang 969 die Eroberung Ägyptens. Kalif al-Muizz verlegte nun 972 die Hauptstadt des Reiches nach Kairo und setzte die Ziriden als Vizekönige im Maghreb ein. Damit war dieser nur noch ein Randbereich im fatimidischen Imperium.

Fatimiden in Ägypten:

Nachdem noch al-Muizz die neue Reichshauptstadt Kairo gegründet hatte, wurde unter al-Aziz die fatimidische Herrschaft in Ägypten konsolidiert. Dabei wurden, trotz des schiitischen Bekenntnisses des Fatimiden, die sunnitischen Muslime toleriert. Gleichzeitig wurde 977 - 978 Palästina und Syrien erobert sowie die Kontrolle über Mekka und Medina gewonnen, womit die wichtigsten Heiligtümer des Islam den Fatimiden unterstanden.

Unter den Fatimiden nahm die Wirtschaft Ägyptens durch den Bau von Straßen und Kanälen und durch Förderung des Handels zwischen Indien und dem Mittelmeerraum großen Aufschwung. Im 11. Jahrhundert besaß das Reich der Fatimiden die größte Wirtschaftskraft der islamischen Reiche. Auch Kultur und Wissenschaft wurden von den Fatimiden unterstützt, wobei die Gründung der al-Azhar-Universität die größte Bedeutung hatte. Diese entwickelte sich schnell zum bedeutendsten Bildungszentrum in der islamischen Welt.

Unter al-Hakim (995 - 1021) wurde die tolerante Religionspolitik zunehmend aufgegeben. So wurden öffentliche Prozessionen und Kulthandlungen der Christen und Juden ebenso wie der Genuss von Wein und Bier untersagt. Zeitweise wurden auch christliche Kirchen und Klöster geplündert um Finanzen für das Heer und den Bau von Moscheen zu beschaffen. So kam es zur Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem 1009. Seit 1017 entstand in Ägypten eine Sekte die al-Hakim als Inkarnation Gottes ansah. Aus dieser entwickelte sich die Religionsgemeinschaft der Drusen, die sich nach Verfolgungen späterer Herrscher nur im Libanon behaupten konnte.

Unter az-Zakir (1021 - 1036) wurde das Reich wieder befriedet und einige Aufstände der Beduinenstämme in Syrien niedergeschlagen. Den Höhepunkt der Macht erreichten die Fatimiden unter al-Mustansir (1036 - 1094) als ismailitische Missionare im Jemen die Macht ergriffen und die Fatimiden sogar von den Abbassiden in Bagdad 1058-1059 kurzzeitig anerkannt wurden.

Allerdings führte diese ausgedehnte Machtpolitik zum Staatsbankrott und zum Niedergang der Dynastie. Zwar konnten die Ziriden in Tunesien durch die Abschiebung der Banu Hilal und Banu Sulaym wieder unter die Botmäßigkeit der Fatimiden gezwungen werden, doch gingen Syrien und Palästina 1076 an die Seldschuken verloren und auch im Inneren musste die Regierung zunehmend den Wesiren überlassen werden.

Auch die Eroberung von Jerusalem durch die Kreuzfahrer während des 1. Kreuzzugs und die Gründung des Königreichs Jerusalem konnten die Fatimiden nicht mehr verhindern. Nach 1130 gerieten die Fatimiden zunehmend unter den Einfluss der Kreuzfahrer von Jerusalem. Bereits 1163 führte der Herrscher von Damaskus, Nur ad-Din, einen Feldzug gegen das Fatimidenkalifat bis sein Offizier Saladin 1171 die Fatimiden in Ägypten stürzte und die Dynastie der Ayubiden begründete.

Wirkung

Die schiitischen Fatimiden gründeten Missionsanstalten und Schulen zur Verbreitung ihrer Lehren, welche anfangs nur denen der Sunniten entgegengesetzt waren. Später wurde ihre Lehren infolge der allegorischen Interpretation des Koran seitens der Sunniten verworfen, da sie, nach deren Ansicht die Grundlehren des Islam verneinten.

Literatur




     
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