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Farbfotografie



Als Farbfotografie bezeichnet man fotografische Verfahren, um farbrichtige Bilder zu speichern und farbrichtig zu reproduzieren. Diese Anforderungen fasst Alexander Libermann, Herausgeber von Vogue, Glamour und House and Garden, folgendermaßen zusammen: "Der Fotograf muss konkret ein Objekt mit der gewünschten Farbe und Form vor seinem Objektiv plazieren" (Color Photography, 1951).

Die Farbfotografie wird etwa seit den 30er Jahren in der angewandten Fotografie genutzt (Werbe-, Industrie- und Modefotografie), etwa ab 1945 auch im Fotojournalismus. In der künstlerischen Fotografie ist die Farbfotografie etwa seit den 70er Jahren etabliert. Als Wendepunkt gilt hier William Eggleston's Guide im Museum of Modern Art (MoMA) von 1976.

Table of contents
1 Funktionsprinzip
2 Geschichte und Entwicklung
3 Ästhetik

Funktionsprinzip

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten der
metameren Nachbildung von Farben:

  1. Additive Farbmischung, also durch Addition von Spektralbereichen in Form farbigen Lichtes,
  2. Subtraktive Farbmischung, also durch Subtraktion von Spektralbereichen des weißen Lichtes mittels absorbierender Pigmente.

In der Fotografie domieren die Subtraktionsverfahren; der jeweilige Farbstoff absorbiert aus dem weißen Licht einen bestimmten Spektralanteil: Die Grundfarben bilden sich dabei nach dem Schema: Da bei der subtraktiven Farbmischung Gegenfarben der primären Farben entstehen, spricht man bei den subtraktiven Farben auch von Minus-Farben: Im Gegensatz zur Schwarzweißfotografie, bei der das Silber Licht relativ gleichmäßig absorbiert, besitzen die einzelnen Farbstoffe spezifische Absorptionskurven. In der Farbsensitometrie ergibt sich daher insbesondere für die Verwendung von Densitometern ein hoher Grad an Komplexität; Farbtonverschiebungen und Kontrastverfälschungen müssen beim Anfertigen von Abzügen oder Duplikaten ausgeglichen werden. Speziell bei früheren Filmemulsionen kam noch das Problem des Farbkippens hinzu.

Farbfilme sind heute in mehreren Schichten aufgebaut; seit den 30er Jahren werden überwiegend Dreischichtenfilme verwendet; eine Ausnahme bildet das Kodachrome-Material (ab 1935) mit fünf Schichten sowie das Polacolor-Material SX-70 (ab 1972) mit 16 Schichten.

Die Einzelschichten des Films können spektral unterschiedlich sensibilisiert werden; dabei wird unterschieden zwischen:

Geschichte und Entwicklung

Die Farbfotografie basiert auf Experimenten aus der Frühzeit der Fotografie. So arbeitete bereits 1860 Niépce de Saint-Victor an einem Verfahren, alle Farben auf einer einzigen lichtempfindlichen Schicht aufzuzeichnen (Heliochromie).

1861 veröffentlichte der schottische Physiker James Clerk Maxwell das erste Farbbild als Nachweis für die Theorie der additiven Farbmischung, die auf der Young-Helmholtzschen Farbtheorie basiert. Die Vorführung der additiven Farbmischung (Additionsverfahren) basierte auf drei Diapositiven, die durch drei Farbfilter (Rot, Grün und Blau) fotografiert worden waren und durch entsprechende Filter deckungsgleich projiziert wurden.

Entsprechende farbfotografische Verfahren wurden parallel von Louis Ducos du Hauron und Charles Cros seit etwa 1862 entwickelt und 1868 gleichzeitig präsentiert. Allerdings konnte nur du Hauron ein patentiertes und praktikables Verfahren vorführen. Du Haurons Verfahren basierte auf Bromsilber-Kollodiumplatten und ergab Pigment-Diapositive. Beide Verfahren basieren jedoch auf dem Prinzip der Dreifarbigkeit (Trichromie).

Die orthochromatische Sensibilisierung des Negativmaterials gelang erstmals Hermann Wilhelm Vogel 1873; hierbei wurde das Aufnahmematerial neben Blau auch für die Grün- und Gelbanteile des Lichts sensibilisiert.

Eine andere Interferenzmethode entwickelte Gabriel Lippmann, die er 1891 unter der Bezeichnung "Methode der Photographie in Farbe mittels Interferenzmethode" veröffentlichte. Für diese Entdeckung erhielt Lippman 1908 den Nobelpreis

Die Brüder Auguste und Louis Lumière stellten 1904 die Autochrom-Platten vor, die mit orangerot, grün und violett eingefärbten Stärkekörnchen aus Kartoffeln und einer Bromsilber-Gelatine-Emulsion arbeiteten; die Stärkekörnchen wirkten dabei als rasterartiger Filter.

Die ersten Dreischichtenfilme wurden 1936 von Agfa und Kodak auf den Markt gebracht. Nach diesem Verfahren funktionieren Farbfilme prinzipiell bis heute (siehe Farbfilm).

Ästhetik

Die Geschichte der Ästhetik der Farbfotografie "ist bis heute nur bruchstückhaft erfasst"; die bisherigen Untersuchungen beschränken sich überwiegend auf die Auflistung von Verfahren oder Fotografen. "Statt dessen müßte die Farbfotografie wie ein technisches Objekt behandelt werden, das innerhalb eines sozialen Kontextes verwendet wird. Die Kultur der fotografischen Farbe werde i.d.R. in Anlehnung an die Malerei oder in Bezug auf die fotografische Wahrheit untersucht. "Sie müßte [dagegen] wie ein Industrieprodukt nach Kriterien des Gebrauchs, der Aneignung, des Konsums, der Manipulierbarkeit und der Subjektivität untersucht werden"'' (Michel Frizot, 1998).

Siehe auch: Iconic turn




     
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