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Ernst Reuter



Prof. Dr. h.c. Ernst Rudolf Johannes Reuter (* 29. Juli 1889 in Apenrade, † 29. September 1953 in Berlin) war ein deutscher Politiker. Der Sozialdemokrat war von 1948 bis 1953 Regierender Bürgermeister von Berlin.

Reuter wurde als Sohn eines Kapitäns und Direktors einer Navigationsschule geboren. Er besuchte in Leer/Ostfriesland Volksschule und Gymnasium. Später studierte er in Marburg, München und Münster Germanistik, Geschichte, Geographie und Volkswirtschaft.

1912 trat Reuter der SPD bei.

Im 1. Weltkrieg wurde er schwer verwundet und geriet in russische Gefangenschaft. Hier schloß er sich den Bolschewisten an. Reuter wurde von Lenin von Mai bis Ende 1918 als Volkskommissar nach Saratow in die Wolga-Republik gesandt.

In den ersten Jahren der Weimarer Republik führender Politiker der KPD unter seinem Kampfnamen Friesland (vgl. dazu Ernst Reuter-Friesland). Nach einem Umweg über die USPD in die SPD zurückgekehrt, wurde er 1926 Mitglied des Berliner Magistrats und zuständig für Verkehr. In dieser Funktion setzt er den Einheitsfahrschein für die verschiedenen öffentlichen Verkehrsmittel in der Reichshauptstadt durch. Reuter gehört zu den Initiatoren der Gründung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Er fördert den Bau von U-Bahnen, weil er bereits befürchtet, dass die aufkommende Automobilisierung durch den öffentlichen Personennahverkehr auf den Straßen der Reichshauptstadt behindert wird.

1931 bis 1933 war er, als Nachfolger von Hermann Beims Oberbürgermeister von Magdeburg. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise bekämpft er Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. So entstehen unter anderem in Magdeburg-Lemsdorf Selbsthilfesiedlungen für Erwerbslose.1932 wird er in den Reichstag gewählt.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird er 1933 von diesen aller Ämter enthoben und zunächst im KZ Lichtenburg bei Torgau interniert. Auf Initiative von Fritz Baade ging er als Berater des Wirtschaftsministeriums in die Türkei. In Ankara wird er Professor für Städtebau.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs kehrte er nach Deutschland zurück und übernahm zunächst wieder das Berliner Verkehrsdezernat. Er wurde 1947 zum Oberbürgermeister von Berlin gewählt. Nachdem die Sowjetunion sich weigerte ihn anzuerkennen, wurde er 1948 Oberbürgermeister der drei Westsektoren (West-Berlin).

Während der Blockade Berlins (1948/49) wurde Reuter zur Symbolfigur und Lichtgestalt des Berliner Durchhaltewillens. Unvergessen seine Rede vor der Ruine des Reichstagsgebäudes, in welcher an die Völker der Welt appellierte, West-Berlin nicht fallen zu lassen.

Seine große Popularität schlug sich auch in einem beispiellosen Wahlsieg seiner Partei bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung 1948 nieder. Die 64,5 %, welche die SPD unter seiner Führung erzielte, waren das höchste Ergebnis, welches je eine Partei bei einer freien Wahl in Deutschland erzielt hatte. Hiernach wurde er endgültig zum Oberbürgermeister gewählt.

1949 erhält er die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin.

Auf Grund der bedrohlichen politischen Lage Berlins ging er der errungenen Drei-Fünftel-Mehrheit zum Trotz eine Koalition mit CDU und LDP ein.

Nach dem Inkrafttreten der neuen Berliner Landesverfassung wurde Reuter 1951 zum ersten Regierenden Bürgermeister Berlins gewählt.

Wenige Wochen nach dem Aufstand am 17.Juni 1953, dessen Niederschlagung er aufs Schärftse kritisierte, verstarb Reuter 64-jährig an den Folgen einer Grippeinfektion. Beim Bekanntwerden der Todesnachricht stellten unzählige Berliner spontan und ohne vorherigen Aufruf Kerzen in die Fenster. Über eine Million Menschen gaben ihm sein letztes Geleit.

Sein Sohn Edzard Reuter machte später Karriere als Vorstandsvorsitzender von Daimler-Benz.

Berlin benannte nach ihm einen zentralen Platz, die Stadt Magdeburg eine Straße (Ernst-Reuter-Allee).

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