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Ernest Henry Shackleton



Ernest Henry Shackleton (* 15. Februar 1874 in Kilkea/County Kildare, Irland; † 5. Januar 1922 in Grytviken/Südgeorgien) war ein britischer Polarforscher irischer Abstammung. Berühmt wurde er vor allem durch die 1914 bis 1916 durchgeführte Antarktis-Expedition, die unter seiner Leitung stand. Die Expedition scheiterte, als sein Expeditionsschiff, die Endurance, im Packeis zerdrückt wurde; dank Shackletons Leistung gelang es jedoch, alle Männer dieser Expedition zu retten. Er starb auf seiner vierten Expedition, die ihn gleichfalls in die Antarktis führen sollte.

Shackleton zählt bis heute zu den bedeutendsten Forschern und Entdeckern des "heroischen Zeitalters" der Polarforschung.

Table of contents
1 Seine frühen Jahre
2 Expedition Discovery (National Antarctic Expedition)
3 Expedition Nimrod (British Antarctic Expedition)
4 Expedition Endurance (Imperial Trans-Antarctic Expedition)
5 Shackletons Tod
6 Nachwirkung
7 Literatur
8 Weblinks

Seine frühen Jahre

Shackletons Familie

Shackleton wurde als zweites Kind des anglo-irischen Grundbesitzerpaares Henry und Marietta Shackleton geboren. Ab
1880 lebte die Familie in Dublin, wo sich der Vater zum Arzt ausbilden ließ. 1884 ließ sich Henry Shackleton mit seiner Familie als Arzt in London nieder. Auch wenn Shackleton überwiegend in Großbritannien aufwuchs, so wurde er doch von seinen Zeitgenossen als jemand irischer Abstammung wahrgenommen. Im England der damaligen Zeit war dies ein Karrierehemmnis.

Ausbildung

Ernest Shackleton besuchte zunächst das Dulwich College, wurde aber 1890 mit 16 Jahren Seekadett auf dem Vollschiff Houghton Tower, das der britischen Handelsflotte angehörte. Nach einigen Reisen in den Pazifischen und den Indischen Ozean war er fünf Jahre lang Zweiter Maat auf einem Trampschiff. 1896 wurde er zum Ersten Maat befördert. 1899 heuerte er bei der bedeutenden Union Castle Line an. Ähnlich wie Robert Falcon Scott, der sich in der Routine der Royal Navy eingeengt fühlte, hatte auch Shackleton nicht das Gefühl, in der Handelsmarine seinen Ehrgeiz befriedigen zu können. " Ein Mann sollte zur größtmöglichen Ehre streben, die er in seinem Leben erreichen kann" schrieb er an seine spätere Frau Emily Dorman. 1900 begann Shackletons Karriere als Entdecker, nicht zu einem geringen Teil deshalb, weil Shackleton darin die Möglichkeit sah, reich und berühmt zu werden.

Shackletons Bewerbung für die Scotts Antarktisexpedition

Robert Falcon Scott und Clements Markham suchten erfahrene Seeleute für eine für das nächste Jahr geplante Reise in die Antarktis. Shackleton war zwar erfahren, allerdings nur Offizier der in Scotts und Markhams Augen minderwertigen britischen Handelsflotte. Shackleton war jedoch in der Lage, in Llewellyn Longstaff, einem der großzügigsten Sponsoren der Expedition, einen Fürsprecher zu finden, der ihm zu einem Treffen mit Clements Markham verhalf. Und so wie Shackleton mit seinem extrovertierten Charme Longstaff für sich eingenommen hatte, konnte er auch Clements Markham überzeugen. "Er ist ein stahlharter junger Mann mit hohen Prinzipien, voller Fleiß und ein ausdauernder Arbeiter" faßte Markham seinen Eindruck von Shackleton zusammen.

Expedition Discovery (National Antarctic Expedition)

Ziel der Expedition

Robert Falcon Scotts Expedition begann im August 1901 mit dem Schiff Discovery. Offizieller Name dieser Expedition war "National Antarctic Expedition". Das offizielle Ziel der von der britischen Royal Geographical Society organisierten Expedition war die wissenschaftliche Erforschung der Antarktisregion, tatsächlich ging es jedoch darum, als erste Nation den bis dahin von niemanden beanspruchten Südpol zu erreichen.

Die erste Ballonfahrt in der Antarktis

Scotts Expedition war die erste, die das Rossmeer durchfuhr und das Ross-Schelfeis erreichte. Sie entdeckten neues Land und Shackleton Faszination an der Antarktis begann. Er schrieb: Es ist ein einzigartes Gefühl, Land zu erblicken, das noch kein menschliches Land zuvor gesehen hat. Gemeinsam mit Scott ist Shackleton die erste Person,die zu einer Ballonfahrt auf der Antarktis aufbrachen. Anfang Februar 1902 schafften sie, eine Höhe von 200 Meter zu erreichen. Ihr tiefreligiöser Expeditionskamerad Edward Wilson kommentierte jedoch kritisch "wenn einige dieser Experten da oben nicht verunglücken, so nur deswegen, weil Gott Mitleid hat mit den Verrückten". Der Ballon überstand diese erste Fahrt jedoch nicht unbeschadet und blieb für den Rest der Expedition unbrauchbar.

Der Versuch, den Südpol zu erreichen

Von der McMurdo-Bucht aus versuchten Scott, Edward Wilson und Ernest Shackleton 1902, mit Schlitten den Südpol zu erreichen. Dieser Versuch stand jedoch von Beginn an unter einem schlechten Stern. Alle drei hatten wenig Erfahrungen mit dem Überleben in antarktischen Bedingungen - Shackleton soll zu diesem Zeitpunkt weder Erfahrung mit dem Errichten eines Zeltes gehabt haben noch jemals in einem Schlafsack geschlafen haben -, keiner war ein erfahrener Skiläufer, Lebensmittel waren völlig unzureichend geplant und Scott setzte Schlittenhunde ein, ohne dass sie ausreichend Erfahrung im dem Umgang mit Schlittenhundgespannen hatten. Scott, Wilson und Shackleton erreichten am 31. Dezember 1902 den südlichsten Punkt ihrer Reise - immer noch 480 Meilen vom Pol entfernt. Während der qualvollen Rückkehr zurück zum Ausgangslager, die mehr und mehr zu einem Wettlauf um das nackte Überleben wurde, litt Wilson zeitweise an Schneeblindheit und Shackleton erkrankte so schwer an Skorbut, dass er Blut spuckte und zeitweise auf dem Schlitten transportiert werden mußte.

Shackletons Rückkehr von der Expedition Discovery

Scott schickte 1903 noch während der Fortdauer der Expedition Shackleton zurück nach England, obwohl sich Shackleton zu diesem Zeitpunkt von seiner Skorbuterkrankung nahezu vollständig erholt hatte. Diese Entscheidung hat immer wieder Anlass zu Spekulationen gegeben. Es gibt Hinweise, dass Scott Shackletons große Popularität innerhalb des Expeditionsteams neidete und dass die Skorbuterkrankung für Scott nur ein willkommener Anlass war. Andere verweisen darauf, dass Shackleton im Gegensatz zu den meisten Expeditionsteilnehmern, die zur Britischen Kriegsmarine ("Royal Navy") gehörten, ein Mitglied der wenig angesehenen Handelsmarine war und dass dies dazu beigetragen haben mag, dass Shackleton nicht zu den Expeditionsteilnehmern gehörte, die einen zweiten antarktischen Winter erleben durften.

Ranulph Fiennes schreibt jedoch in seiner Scott-Biographie, dass sich für den Konflikt zwischen Scott und Shackleton wenig Belege finden lassen und weist dagegen daraufhin, dass es vor allem die Autobiographie von Albert Armitage (Scotts Navigator und zweitem Offizier) gewesen sei, die als wesentlicher Beleg für den Zwist zwischen diesen beiden berühmten Polarforschern diene, dass sich Albert Armitage selber jedoch durch Scott benachteiligt fühlte. Aus Fiennes Sicht war der Grund für die frühe Rückkehr Shackletons mit dem erstens Entsatzschiff noch während der Expeditionsdauer tatsächlich nur Shackletons angegriffene Gesundheitszustand.

Die frühe Rückkehr aus der Antarktis, die Shackleton selber unangenehm war, schadete ihm jedoch nicht. Als erster zurückkehrender Expeditionsteilnehmer wurde ihm seitens der britischen Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit zuteil und er als Held gefeiert.

Expedition Nimrod (British Antarctic Expedition)

Neuer Aufbruch in die Antarktis

In seiner Expeditionserzählung "The heart of the Antarctis", die die Erlebnisse der ersten Antarktis-Expedition wiedergibt, die unter Shackletons Leitung stattfand, gibt er als Motivation für den erneuten Aufbruch nach Süden einzig die Erweiterung des Wissens um diesen noch unbekannten Kontinents an: "Ich war überzeugt, dass eine zweite Expedition die Arbeit [der Expedition Discovery] fortsetzen sollte...die südlichen Grenzen des Ross-Schelfeises waren noch unentdeckt geblieben. Die Blicke vom Deck der Discovery auf das "King Edward VII Land" waren für uns nicht ausreichend gewesen, um dessen Art noch Grenzen zu bestimmen...Im Bereich der Meteorologie war noch viel zu tun und diese Arbeit war besonders für Australien und Neuseeland von großer Bedeutung, denn bestimmte Wetterverhältnisse in diesen Ländern haben ihren Ursprung in der Antarktis. Die antarktische Zoologie, wenn auch bezüglich ihres Artenumfangs etwas begrenzt, hat viele interessante Aspekte und ich wollte Zeit nicht nur der generellen Geologie sondern auch der Mineralogie widmen...". Das heimliche Hauptziel war jedoch erneut die Erreichung des Südpols.

Die Finanzierung der Expedition war jedoch mühselig. Erst im Frühjahr 1907 hatte Shackleton auch dank der Unterstützung der neuseeländischen und australischen Regierung ausreichend Mittel für eine erneute Expedition in die Antarktis beisammen.

Die Leistungen der Expedition

Die British Antarctic Expedition, die in der Zeit von 1907 bis 1909 stattfand, wird nach dem verwendeten Schiff auch "Nimrod Expedition" genannt wird. Shackleton errichtete sein Basiscamp auf der Ross-Insel bei Kap Royds, nur 20 nördlich von Scotts Basiscamp während der Expedition Discovery.

Die Leistungen dieser Expedition umfassten die Erstbesteigung von Mount Erebus, dem aktiven Vulkan auf der Ross-Insel, die Lokalisierung des magnetischen Südpols durch Douglas Mawson, Edgeworth David und Alistair McKay am 16. Januar 1909 sowie die Entdeckung der Beardmore Gletscher Passage.

Der 2. Versuch, den Südpol zu erreichen

Wiederum versuchte Shackleton - diesmal gemeinsam mit Frank Wild, Eric Marshall und James Adams - den Südpol zu erreichen. Shackleton hatte viel durch die Teilnahme an der Expedition Discovery gelernt, trotzdem erscheinen die von ihm getroffenen Vorbereitungsmaßnahmen aus heutiger Sicht als sehr unzureichend. Erneut hatten die Mitglieder des Teams wenig Erfahrung im Umgang mit Skiern. Die mitgebrachte Bergsteigerausrüstung erwies sich als ungeeignet. Und aufgrund der schlechten Erfahrungen, die Shackleton während der Expedition Discovery mit Schlittenhunden gesammelt hatte, setzte er jetzt mandschurische Ponies ein. Sie erwiesen sich als gleichfalls wenig geeignet: nicht nur kamen die Ponies mit den Schnee- und Eisbedingungen nicht zurecht, die gekauften Tiere waren von vornherein in einem schlechten Gesundheitszustand. Sie wurden nach und nach erschossen und verzehrt.
Trotzdem gelang es den vieren, sich bis zum 88° 23' Süd vorzukämpfen. Nur 156 km vom Südpol entschied sich Shackleton mit Blick auf die Vorräte und ihre schwindenden Kräfte umzukehren: eine Entscheidung, die aufgrund ihrer Rationalität heute noch als bemerkenswert eingestuft wird. 

Drei Jahre lang gebürte Shackleton die Ehre, derjenige zu sein, der am weitesten nach Süden vordrungen war. Die von ihm gefällte Entscheidung, noch vor Erreichen des Südpols umzukehren, begründete er mit der Aussage:

"Better a live donkey than a dead lion." (deutsch: Besser ein lebender Esel als ein toter Löwe.)

Expedition Endurance (Imperial Trans-Antarctic Expedition)

Hauptartikel siehe
Expedition Endurance.

Nachdem der Südpol erreicht wurde, verblieb als letzte noch nicht vollbrachte Leistung die Durchquerung des antarktischen Kontinents.

Die Expedition begann am 1. August 1914, drei Tage bevor Großbritannien Deutschland den Krieg erklärte. An diesem Tag startete Shackleton mut seiner Endurance von den Docks Londons Richtung Antarktis. An Bord befanden sich neben Shackleton 27 weitere Männer. Am 10. Januar 1915 erreichte das Schiff das Weddell-Meer, wurde jedoch bereits am 19. Januar 1915 vom Packeis eingeschlossen. In kreisender Bewegung drückt im Wedell-Meer das Eis gegen die Felsenküste der antarktischen Halbinsel; die eingeschlossene Endurance verdriftete mit dieser Eisbewegung von 77°S bis 61°S und war dabei dem Druck des Eismeeres ausgesetzt: :"Die Wirkung des Druckes rundherum war furchterregend, mächtige Eisblöcke, festgehalten zwischen zusammenstoßenden Eisfeldern, erhoben sich langsam, bis sie wie Kirschkerne emporschnellten, die man zwischen Daumen und Finger preßt. Der Druck von Millionen Tonnen sich bewegenden Eises zermalmte und vernichtete alles unerbittlich." schrieb Shackleton über die Tage, in denen die Endurance im Eis gefangen war. Am 27. Oktober 1915 schließlich wurde das Schiff vom Eis zerdrückt. Drei Tag später brach die Mannschaf auf und versucht, über das Eis zu laufen und so vielleicht die Pauletinsel zu erreichen. Die Rettungsboote wurden mitgenommen, ansonsten wurde auf schweres Gepäck verzichtet.

Bis zum 8. April 1916 richten sich die Männer mehrfach Lager auf dem Eis ein, eine Flucht von der Eisscholle war jedoch nicht möglich. Als die Eisscholle merklich schmolz, wagte die Mannschaft den Versuch, mit den Rettungsbooten Elephant Island anzusteuern. Nach einer schwierigen Fahrt durch das Packeis erreichten sie die Küste dieser Insel am 15. April 1916. Da die Mannschaft hier jedoch nur durch einen sehr großen Zufall zu finden war, beschloss Ernest Shackleton gemeinsam mit fünf seiner Männer Hilfe aus Südgeorgien zu holen, 1200 Seemeilen entfernt. Er nutzte dafür das Boot "James Caird" und brach am 24. April 1916 auf. Südgeorgien erreichten sie vor allem aufgrund der Leistung des Navigators Frank Worsley nach 15 Seetagen, die Walfangstation an der anderen Seite der Insel jedoch erst am 20. Mai 1916. Shackleton charterte nacheinander mehrere Schiffe, doch erst der vierte Rettungsversuch mit der "Yelcho" gelang. Am 30. August 1916 konnten die restlichen Mannschaftsmitglieder von Elephant Island gerettet werden.

Shackletons Tod

Shackleton fiel die Rückkehr ins normale Leben schwer. Wie viele seiner Leute hatte auch er das Gefühl, für Großbritannien in den Krieg ziehen zu müssen. Er bekam jedoch keine Position angeboten, auf denen er seine Fähigkeiten einbringen konnte. Auf Betreiben von Sir Edward Carson, einem ehemaligen First Lord of the Admirality, wurde er immerhin auf eine Propagandamission nach Südamerika gesendet und übernahm später kleinere Aufgaben als "Stabsoffizier für den arktischen Transport". Gleichzeitig drückten ihn die durch die Expedition verursachten Schulden, er war gesundheitlich angegriffen, seine Ehe funktionierte nicht mehr und er lebte überwiegend in der Wohnung seiner Geliebten. In seiner finanziellen Notlage war es notwendig geworden, dass er sich auf Vortragstourneen begeben mußte.

1920 fand er endlich wieder einen Finanzier für eine weitere Reise in die Antarktis. Die Quest verließ am 17. September 1921 London und eine jubelnde Menschenmenge winkte ihnen von den Piers zu. An Bord waren einige der Teammitglieder der Expedition Endurance: Frank Wild, J.A. McIlroy, der Schiffsarzt, umd Tom Green, der Koch. Auch Hussey, Macklin, Mclead und Kerr sowie Worsley, der wieder als Kapitän diente, waren Shackletons Ruf gefolgt. Die Quest hatte kein konkretes Expeditionsziel, vielmehr schien es zu einer Art Erinnerungsreise für die ehemaligen Expeditionsteilnehmer zu werden. Sie legten in Südgeorgien an der Station von Grytviken an, dem Hafen, an dem sie während der Expedition Endurance einen Monat auf besseres Wetter gewartet hatten und mit ihren Schlittenhunden trainierten. In der Nacht des 5. Januar verstarb Shackleton an einem schweren Herzanfall. Er wurde in Grytviken, dem einzigen Ort in Südgeorgien, zwischen den Gräbern norwegischer Walfänger begraben.

Nachwirkung

Führungsqualitäten

Shackleton war eine extrovertierter Mensch, ein geborener Optimist und in der Lage, sehr viele Menschen für sich einzunehmen. Seine Leistung, in einer offenbar ausweglosen Situation den Kopf zu behalten, seine Männer stets zu ermutigen und durch besonnenes Handeln und hervorragende Leistung den Tod der Expeditionsmitglieder zu verhindern, beeindruckte nicht nur seine Zeitgenossen, sondern wirkt bis heute nach. Frank Wild, der nach Shackletons Tod die Leitung der "Quest-Expedition" übernahm, sagte in einer Rede vor der
Royal Geographic Society am 13. November 1922: " I am in the unique position of having served with all the British Antarctic explorers of repute since my first voyage with the Discovery and of having an intimate first-hand knowledge of their work in the field. My opinion is that for qualities of leadership, ability to organise, courage in the face of danger, and resource in the overcoming of difficulties, Shackleton stands foremost, and must be ranked as the first explorer of his age. "
(Übersetzung: "Ich bin in der einzigartigen Situation unter allen berühmten britischen Antarktisforschern seit meiner ersten Reise mit der Discovery gedient und damit einen persönlichen und detaillierten Eindruck ihrer Fähigkeiten erhalten zu haben. In punkto Führungsqualität, Organisationstalent, Mut im Angesicht großer Gefahr und der Fähigkeit, Schwierigkeiten zu überwinden, ragt Shackleton unter allen hervor und muß als bester Forscher seines Zeitalters gelten.")

Dieser Ruf Shackletons hat sich bis heute erhalten;es gibt sogar Managementratgeber, die sich mit seinen Führungsfähigkeiten und der Übertragung auf den Berufsalltag auseinandersetzen.

Bezeichnend ist auch folgendes Zitat von Polarforscher Apsley Cherry-Garrard:

"Gebt mir Scott als wissenschaftlich-geographischen Expeditionsleiter..., gebt mir Amundsen für eine rasche und effiziente Polar-Expedition, aber gebt mir Shackleton, wenn sich das Schicksal gegen mich verschworen zu haben scheint und ich einen Ausweg suche."

Der 1. Weltkrieg und der Nationalheld

" We were like men arisen from the dead to a world gone mad " sind die berühmten Worte, mit denen Shackleton die Gräuel des 1. Weltkrieges kommentierte, der kurz nach Abreise der
Endurance von den Londoner Docks ausbrach und über dessen blutigen Verlauf sie erst 1916 genaueres erfuhren. Er war jedoch kein Kriegsgegner, sondern ermutigte im Gegenteil seine Landsleute zum Aushalten und Weiterkämpfen und verglich in einer Botschaft an australische Soldaten den Kampf in der Antarktis mit dem in Europa.

Den Briten daheim diente die Geschichte der heldenhaften Rettung der Endurance-Expeditionsteilnehmer zur Stärkung der Moral. " We can pass eight Dreadnoughts, if we are sure of the eight Shackletons " schrieb der britische Schriftsteller Conan Doyle. Eine englische Zeitung ging noch weiter, als sie die Rettungstat kommentierte: " As long as Englishmen are prepared to do this kind of thing, we need not lie awake dreading the boys of the dachshound breed ", wobei mit "boys of the dachshound breed" die Deutschen gemeint waren.

In diesem Geist meldete sich jeder der Expeditionsteilnehmer, die auf Elephant Island ausgeharrt hatten, nach der Rückkehr nach Großbritannien als freiwilliger Kriegsteilnehmer. Und Shackleton widmete sein Buch "South", in dem er die Tat aus seiner Sicht erzählt, " To my comrades who fell in the white warfare of the south and on the red fields of France and Flanders. "

Shackleton in der Literatur

Neben den zwei Büchern "South" und "The Heart of the Antarctic", die Shackleton über seine Erlebnisse in der Antarktis schrieb, haben seine Erlebnisse auch in der Weltliteratur Niederschlag gefunden. Der Gewaltmarsch über das Südgeorgische Gebirge hinweg nach der körperlich und seelisch zermürbenden Fahrt in dem Rettungsboot inspirierten T.S. Eliot zu einer Strophe seines Gedichtes "The Waste Land":
Who is the third who walks always beside you?
When I count, there are only you and I together
But when I look ahead up the white road
There is always another one walking beside you
Gliding wrapt in a brown mantle, hooded
I do not know whether a man or a woman
- But who is that on the other side of you?

Anlass zu diesem Gedicht war die Erzählung von Shackleton, dass sowohl er als auch seine zwei Gefährten während des brutalen Gewaltmarsches über den verschneiten Bergrücken von Südgeorgien immer wieder das Gefühl gehabt hätten, von einem vierten Wesen begleitet zu werden. T.S. Eliot, der aus erzähltechnischen Gründen in seinem Gedicht nur von zwei Personen berichtet, dürfte jedoch nicht bekannt gewesen sein, dass die gefühlte Anwesenheit einer vierten Person eine spätere Zufügung zu Shackletons Geschichte war, um dem ganzen etwas mehr Spiritualität zu verleihen.

Literatur

  • Caroline Alexander: Die Endurance. Shackletons legendäre Expedition in die Antarktis, Berlin-Verlag 2000 (ISBN 3827003962)
  • Ernest Shackleton: Südpol - 365 Tage im ewigen Eis, Lübbe : Bergisch Gladbach 2000 (ISBN 3404145097)
  • Ernest Shackleton: The Heart of the Antarctic, 1910, (ISBN 0451200462)
  • Alfred Lansing: 635 Tage im Eis, Bertelsmann : München 2002 (ISBN 3570300609)
  • Sara Wheeler: Terra incognita - Travels in Antarctica, London 1996

Weblinks


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