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Empfängnisverhütung



Unter Empfängnisverhütung fasst man verschiedene Methoden und Vorkehrungen zusammen, die vor und/oder während des Geschlechtsverkehrs bzw. danach genutzt werden, um eine Schwangerschaft der Frau zu verhindern. Es gibt darüberhinaus auch den weniger benutzten, aber neutraleren Begriff der Empfängnisregelung.

Table of contents
1 Arten der Empfängnisverhütung
2 Methoden der Empfängnisverhütung
3 Zur Problematik des Ungleichgewichtes der Verhütungsverantwortung zwischen Mann und Frau
4 Statistik über die Verhütungsmethoden
5 Beendigung einer Schwangerschaft
6 Siehe auch
7 Weblinks

Arten der Empfängnisverhütung

Grundsätzlich kann man zwei Methoden der Empfängnisverhütung unterscheiden:

  1. Verhinderung der Entstehung eines Embryo (also Verhinderung der Befruchtung der weiblichen Eizelle mit einen Spermium aus dem männlichen Sperma).
  2. Verhinderung der Einnistung eines entstandenen Embryo in der Gebärmutter -- der Embryo stirbt ab und wird ausgeschieden.

Aus ethischen Gründen werden Methoden der 2. Art teilweise von den christlichen Kirchen, im Islam und im Judentum abgelehnt, da für Teile dieser Gemeinschaften das menschliche Leben mit der Verschmelzung von Ei und Samenzelle beginnt und nicht erst mit der Einnistung, und unter dieser Perspektive der Einsatz die Tötung menschlichen Lebens darstellt. Einige Gruppen, wie z.B. die Katholische Kirche, lehnen auch manche der Methoden der 1. Art ab, lassen andere aber zu, unter Verweis auf das Naturrecht.

Zur ersten Gruppe gehören u.a. die unten beschriebenen Natürlichen Methoden, das Kondom, das Diaphragma und die Sterilisation. Zur zweiten Gruppe gehört u.a. die "Spirale". Die "Pille" und andere hormonelle Methoden kombinieren beide Mechanismen, sodass wenn die Verhinderung der Entstehung des Embryos einmal fehlschlägt, zumindest die Einnistung verhindert wird.

Von manchen Personen werden die Verhütungsmittel der ersten Methode akzeptiert, solche der zweiten Methode jedoch mit Abtreibung gleichgesetzt und abgelehnt.

Methoden der Empfängnisverhütung

Im folgenden werden die verschiedenen Methoden der Empfängnisverhütung aufgezählt und eingeordnet. Zur Beurteilung der Sicherheit der verschiedenen Methoden dient der Pearl-Index. Der Pearl-Index gibt als Versagerquote an, wie viele von 100 Frauen schwanger werden, wenn sie über ein Jahr hinweg mit der angegebenen Methode verhüten. Der Pearl-Index einer bestimmten Methode schwankt in den verschiedenen Untersuchungen durchaus. Dies liegt vor allem daran, welche Faktoren die Untersuchungen in ihrer Beurteilung berücksichtigen. Als eine grobe Orientierung ist der Pearl-Index sicherlich gut geeignet.

Die Sicherheit der meisten Methoden hängt ganz entscheidend von der richtigen Anwendung ab. Einige Methoden erfordern sehr viel Selbstdisziplin und einen geregelten Tagesablauf, wie etwa die Temperatur-Methode, aber auch die Minipille. Ursache des Versagens von Verhütungsmethoden sind meist Anwendungsfehler.

Natürliche Methoden

Bei den Natürlichen Methoden der Empfängnisverhütung werden die fruchtbaren bzw. unfruchtbaren Tage im Zyklus der Frau bestimmt, um so ungeschützten Geschlechtsverkehr während der unfruchtbaren Tage haben zu können bzw. während der fruchtbaren Tage auf Geschlechtsverkehr zu verzichten (oder auf andere Methoden, z.B. mechanische Methoden zurückzugreifen).

Die Bestimmung der unfruchtbaren Zeit kann mittels einer der Methoden der natürlichen Familienplanung (NFP) erfolgen.

Neben diesen traditionellen Methoden der NFP wurde inzwischen auch eine auf modernster Technologie beruhende Technik entwickelt, die auf der Messung der am Zyklus beteiligten Hormone im morgendlichen Urin der Frau basiert. Aus der Hormonkonzentration lassen sich ähnlich wie bei der Temperatur-Methode Rückschlüsse auf die fruchtbaren Tage ziehen.

Der Coitus interruptus (Pearl-Index ca. 4 bis 18) ist, falls er überhaupt zu den Methoden der Empfängnisverhütung gezählt werden darf, eine eher mechanische Methode.

Mechanische Methoden

Die mechanischen Methoden der Empfängnisverhütung haben zum Ziel den Kontakt von männlichem Sperma und weiblicher Eizelle unabhängig von fruchtbaren oder unfruchtbaren Tagen zu verhindern.

Für den Mann

Für die Frau Kondom und Femidom sind die einzigen Verhütungsmittel, die vor AIDS und sexuell übertragbaren Krankheiten schützen und deshalb evtl. auch in Kombination mit anderen Verhütungsmitteln zum Erreichen einer hohen Sicherheit (s. Pearl-Index) verwendet werden..

Chirurgische Methoden

Die chirurgische Methode der Sterilisation macht entweder den Mann oder die Frau durch eine Unterbrechung im Samenleiter (Mann) oder der Eileiter (Frau) dauerhaft unfruchtbar.

gemischte Wirkungsweise

Die Verhütungsmethode der Spirale verändert durch freisetzen von Kupfer-Ionen in der Gebärmutter das Milieu in der Gebärmutter. So verhindert die Spirale zum einen das Durchwandern der Spermien durch die Gebärmutter und zum anderen (wenn die Spermien die Eizelle doch erreicht haben sollten) die Einnistung der Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut.

Hormonelle Verhütung durch die Frau

Hormonelle Verhütung durch die Frau verhindern zum Teil die Einnistung eines entstandenen Embryos in der Gebärmutter und/oder die Entstehung einer Eizelle (Verhinderung des Eisprunges). Die häufigsten eingesetzten Hormone sind Östrogene, Gestagene und/oder Progesteron.

Hormonelle Verhütung durch den Mann

Bisher sind keine hormonellen Verhütungsmittel zur Anwendung durch den Mann erhältlich, es gibt aber erfolgversprechende Forschungsarbeiten auf dem Gebiet.

Nachträgliche (postkoitale) hormonelle Verhütung

Chemische Verhütungsmethoden

Chemische Verhütungsmethoden werden meistens als ergänzende Methoden zum Beispiel zusätzlich zum Pessar. Als alleinige Methode sind die chemischen Methoden aufgrund ihrer Unsicherheit (Pearl-Index von 3 bis 21) nicht zu empfehlen.

Die Wirkung dieser Präparate liegt auf der zum einen auf dem Aufbau einer vor dem Muttermund liegenden mechanischen Barriere für die Spermien (ein zäher Schleim oder Schaum). Die zweite Wirkungsweise ist die chemische durch Spermizide zur Abtötung der Spermien und/oder dem Freisetzen von Säuren vor dem Muttermund zur Hemmung der Beweglichkeit der Spermien.

Zur Problematik des Ungleichgewichtes der Verhütungsverantwortung zwischen Mann und Frau

In der Diskussion um Verhütung ist ein Thema die ungleiche Verteilung der Verantwortungsübernahme für die sichere Verhütung zwischen Mann und Frau (Männer sollen mehr Verantwortung für die Verhütung übernehmen, und die Verantwortung nicht auf die Frau abwälzen. Nach dem Motto: Nimm doch die Pille...).

Auch wenn Männern manchmal eine patriarchalische Einstellung als Grund für die mangelnde Verantwortungsübernahme vorgeworfen wird, so gibt es auch medizinische Gründe weshalb Männer weniger häufig die aktive Rolle in der Verhütung übernehmen.

Diskussion einzelner Methoden

Im Folgenden werden die möglichen Varianten der Verhütung durch den Mann besprochen, um die obige Aussage verständlich zu machen.

Natürliche Methoden

Da ein gesunder, zeugungsfähiger Mann immer prinzipiell fruchtbar ist, also kontinuierlich zeugungsfähige Samenfäden produziert und diese bei einer Ejakulation ausstößt, gibt es für den Mann keine unfruchtbaren Tage. Die einzige natürliche Methode, die durch den Mann angewandt werden kann, ist die des Coitus interruptus, der nicht als sicher bezeichnet werden kann.

Mechanische Methode

Unter den Mechanischen Methoden ist für den Mann die einzig mögliche aktive Methode die Benutzung eines Kondoms. Denn nur ein Kondom verhindert - als aktiv vom Mann anwendbare Methode - wirksam, dass das Sperma des Mannes ein Ei der Frau befruchten kann. Andere mechanische Methoden stehen nicht zur Verfügung. (Nebenbei ist das Kondom der einzige wirksame Schutz vor beim Geschlechtsverkehr übertragbaren Krankheiten.)

Sterilisation

Hier liegt bei einer festen Partnerschaft klar die Verantwortung auf der Seite des Mannes. Für einen Mann ist die Sterilisation ein sehr kleiner chirurgischer Eingriff, ungefähr so, als schnitte man sich in den Finger. Es werden nur zwei kleine Hautschnitte am Hodensack gemacht, die unkompliziert verheilen.

Für eine Frau ist die Sterilisation ein größerer chirurgischer Eingriff in die Bauchhöhle. Es werden zwar äußerlich ebenfalls nur kleine Schnitte gemacht, durch die dann aber endoskopische Geräte tiefer in die Bauchhöhle eingeführt werden. Die Verletzungen sind deutlich schwerer und die Heilung kann häufiger mit schweren Komplikationen verbunden sein.

Hormonelle Verhütung

Das Problem bei der hormonellen Verhütung für den Mann ist, dass die kontinuierliche Spermienproduktion des Mannes genauso dauerhaft unterdrückt werden muss. Dies erfordert eine viel höhere Dosis an Hormonen und bewirkt dadurch auch eine wesentlich stärkere Belastung des Körpers des Mannes durch Nebenwirkungen. Bei Frauen kann die Hormonmenge je nach Zeitpunkt im Zyklus variiert werden und so die Belastung deutlich verringert werden. Im der männlichen Physiologie gibt es kein natürlichen Mechanismus, mit dem die Spermienproduktion eingestellt wird, während in der weiblichen Physiologie für die Dauer einer Schwangerschaft z.B. hormonell gesteuert keine weiteren Eizellen heranreifen.

Andere Methoden

Postkoitale Verhütung ist logischerweise durch den Mann nicht möglich, ebensowenig wie eine chemische Verhütung.

Fazit

Die Möglichkeiten für den Mann aktiv zu verhüten, sind z.Zt. auf die Verwendung von Kondomen beschränkt. Hierdurch wird der Mann nicht aus der Pflicht genommen, mit seiner Partnerin gemeinsam die Verhütung zu besprechen und gemeinsam - auch in der Anwendung von Verhütungsmethoden die aktiv von der Frau durchgeführt werden - Verantwortung für die Geburtenkontrolle zu übernehmen.

(Im Hinblick auf die Verminderung der Gefahr einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten liegt der Verantwortungsschwerpunkt deutlich auf Seiten des Mannes, da nur das Kondom beim Geschlechtsverkehr einen Schutz vor der Krankheitsübertragung bietet.)

Statistik über die Verhütungsmethoden

Laut Statistik verhüten in Deutschland 54 Prozent mit der Pille, 13,5 Prozent mit der Spirale, 19 Prozent mit dem Kondom und knapp 7 Prozent mit Sterilisation. Nur rund 6,5 Prozent wählen andere Methoden. Aufgrund der neuen Produkte wird sich dieses Verhältnis wahrscheinlich bald ändern, der Zuspruch des Nuva-Ringes ist beispielsweise sehr hoch.

Die Sicherheit der verschiedenen Methoden zur Empfängnisverhütung wird mit dem Pearl-Index angegeben.

Beendigung einer Schwangerschaft

Diese beiden Stichpunkte sind im eigentlichen Sinne keine Verhütungsmethoden, denn zum Zeitpunkt ihres Einsatzes besteht schon eine Schwangerschaft. Sie sollen hier der Vollständigkeit halber und zur Abgrenzung von der Pille danach aufgeführt sein.

Siehe auch

Überbevölkerung, Bevölkerungswachstum, Alterspyramide, Fertilität, Fertilitätsrate, Bevölkerungsrückgang, Geburtenrate

Weblinks


Bitte beachten Sie auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen.



     
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