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Ein deutsches Requiem



Ein deutsches Requiem op. 45 von Johannes Brahms

Der festgelegte Text der lateinischen Totenmesse, des Requiems also, ist ein Bittgebet, das den Verstorbenen begleitet, ihm gilt und ihm helfen soll, zur Erlösung zu gelangen. Ganz anders geht Johannes Brahms mit der Idee seines Requiems um. Nicht die Verstorbenen brauchen Hilfe und Trost, sondern die Hiergebliebenen. Seine Textauswahl ist eine Zusammenstellung von Schriftstellen des Alten und Neuen Testamentes, deren Aussagen von der Linderung des Leids der Trauernden bis zur Mahnung reichen, die Tatsache des Todes als Konsequenz in unser Leben einzulassen.

"Seit Bachss h-Moll-Messe und Beethovenss Missa solemnis ist nichts geschrieben worden, was auf diesem Gebiete sich neben Brahms deutsches Requiem zu stellen vermag", so hymnisch urteilte der schwer zu begeisternde Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick über dieses singuläre Werk der Gattung Requiem, das dem gerade 33jährigen Komponisten den Durchbruch verschaffte, mehr noch das zum bedeutendsten und populärsten seiner Werke werden sollte.

Die Idee, eine Trauerkantate zu schreiben, entstand in Johannes Brahms unter dem Eindruck des tragischen Todes seines verehrten Freundes und Förderers Robert Schumann. Doch erst fünf Jahre nach Schumanns Tod lagen die ersten beiden Sätze vor, und erst 1865, nach dem Tod der geliebten Mutter, nahm Brahms die begonnene und liegengelassene Komposition wieder auf. Die ersten drei Sätze wurden Anfang Dezember 1867 in einem Konzert der Gesellschaft der Wiener Musikfreunde uraufgeführt mit eklatantem Misserfolg. Weitaus mehr Anklang fand die Uraufführung des (damals noch sechssätzigen) Zyklus am Karfreitag 1868 im Dom zu Bremen. Der bei diesem Konzert noch fehlende fünfte Satz wurde auf Anregung des Bremer Domkapellmeisters Karl Reinthaler eingefügt, und das vollständige Werk, wie wir es heute kennen, erlebte im Februar 1869 seine erste Aufführung im Leipziger Gewandhaus. Die Auswahl der Texte zeugt von einer enormen Bibelkenntnis Brahms' und von seiner persönlichen religiösen Überzeugung, die Zuordnung zeigt zugleich seine geistige Freiheit, mit dem Gefundenen umzugehen und es in neuen Beziehungen erscheinen zu lassen. Die subjektive Komponente der Entstehungsgeschichte ist bezeichnend für Brahms und seine Erlebniswelt. Der selbst durchlittene Schmerz setzte in ihm künstlerische Potenzen frei, das künstlerische Gestalten des Todesgedankens half ihm, selber Trost zu finden und das Leid zu überwinden.

Gewiss ist das Deutsche Requiem eine Trauermusik. Doch der zentrale Gedanke des Werks ist nicht die ewige Ruhe der Toten, sondern auch und vor allem der Trost derer,„die da Leid tragen; eine Musik also für die Toten - und für die Lebenden.




     
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