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Eddie Mabo



Eddie Mabo (* 1936 auf der Murray-Insel; † Januar 1992) war ein eingeborener australischer Rechtsanwalt, der mit seiner erfolgreichen Landklage einen grossen juristischen Sieg für die Torre Strait-Insulaners gegen die Weissen errang. Mabo wurde damit auch zum Symbol des juristischen Widerstandes der Aborigines.

Mabo wuchs auf den Murray-Inseln auf, verbrachte aber einen grossen Teil seiner Zeit auf dem australischen Festland und betätigte sich dort als Aktivist und Lehrer. Als er seinen kranken Vater auf der Murray-Inseln besuchen wollte, wurde ihm dies verboten, weil er angeblich ein Nicht-Insulaner war und schon lange nicht mehr dort gelebt hatte.

Mabo erklärte dass Aborigines und Torres Strait-Insulaner unterschiedlich seien. Aborigines seien Jäger und Sammler, die kommunal über weite Gebiete lebten. Insulaner hingegen ernährten sich durch Gemüse und lebten in kleinen Dörfern. Die Insulaner hatten keine kommunale Landinteressen sondern individuelle.

Table of contents
1 Der Fall Mabo
2 Das Urteil
3 Auswirkungen und Reaktionen des Urteils

Der Fall Mabo

1982 reichte Mabo und andere indigene Aktivisten eine Forderung über die Murray-Inseln ein. Die Forderung betraf Wasser und Land.

Als Gegenreaktion verabschiedete die Regierung von Queensland 1985 den Queensland Coastal Islands Declaratory Act, wonach sämtliche traditionelle Landrechte der Insulaner verloren gegangen sind, als die Torres Strait-Inseln ein Teil der Kolonie von Queensland wurden.

Mabo bekämpfte das neue Gesetz mit Erfolg. Es wurde vor Gericht wegen rassistischem Inhalt nicht akzeptiert.

Der Fall Mabo - die Forderung der Murray Inseln - wurde 1991 wieder aufgegriffen. Obwohl Eddie Mabo selbst nicht mehr daran beteiligt war - er starb 1992 an Krebs - trug der Fall noch immer seinen Namen.

Das Urteil

Nach einem zehnjährigen Prozess fällte der High Court of Australia 1992 den Entscheid.

Dem Urteil zufolge können die Aborigines Rechte auf öffentliches Land wie Nationalparks haben oder auf Land, auf dem Abbau betrieben worden war. Nach wie vor keine Landrechte haben sie auf Gebiete, auf denen öffentliche Konstruktionen, wie Strassen oder Postbüros, errichtet waren.

Dieses Recht nennt sich native title. Es beinhaltet Kollektiv- oder Individualrechte an Land, die den Aborigines das eigene Rechtssystem mitsamt seinen traditionellen Sitten und Gebräuchen überträgt.

Die Aborigines erhalten ihre native title nicht einfach. Sie müssen erstens beweisen, dass ihnen die Regierung niemals das Land weggenommen oder ihre Ansprüche auf irgendeine Weise ungültig erklärt hat. Nach britischem Recht erloschen die Landrechte der Aborigines, sobald die Regierung mit dem Land gehandelt hat, es an Personen verkauft oder verpachtet hat. Die englische Krone hatte stets das Recht, das traditionelle Recht der Aborigines auf Land für ungültig zu erklären und es ohne Kompensation wegzunehmen. Zweitens mussten die indigenen Antragsteller beweisen, dass sie nach ihrem traditionellen Recht mit dem Land verbunden sind.

Die Inhaber der native title werden durch das Recht der Aborigines bestimmt. Rechtsinhaber können nur Angehörige der landbesitzenden Einheit (Clan/Stamm) oder durch das indigene Erbrecht ausgewiesene Nachkommen sein.

Die Rechte an native title wurden im Native Title Act festgehalten. Sie können Jagd-, Sammel- oder Fischrechte beinhalten.

Das Urteil lässt sich in Folgende Punkte zusammenfassen:

  1. Die Murray-Inseln in der Torres Strait sind nicht Land der Krone.
  2. Das Meriam-Volk ist berechtigt zur Nutzung der Inseln als Eigentümer.
  3. Australien war zum Zeitpunkt der britischen Kolonisierung im Jahre 1788 keine terra nullius, der Kontinent nicht praktisch unbewohnt. Vielmehr lebten und wirtschafteten die indigenen Völker mit ihrer eigenen Kultur in Australien schon seit Jahrhunderten vor der europäischen Besiedelung
  4. Das Recht der Indigenen ist durch die blosse Souveränitätserlangung der Engländer nicht erloschen.

Schadenersatz für erloschene Landrechte der Ureinwohner lehnte das Gesetz ab.

Bei Verpachtungen an Viehfarmer wurden im Mabo-Urteil zwei Kategorien unterschieden. In die erste gehören Verpachtungen, die vor 1975 ausgestellt worden waren, in die zweite, jene nach der Inkrafttretung des Racial Discrimination Act im Jahre 1975. Erstere waren nach wie vor gültig, letztere hingegen verloren ihre Gültigkeit, da sie gegen den Racial Discrimination Act verstiessen.

Auswirkungen und Reaktionen des Urteils

Das Urteil hatte auf die verschiedenen Staaten unterschiedliche Auswirkungen. Es wurden etliche Gesetze auf Staatesebene aber auch auf Bundesebene erlassen. Am 1. Januar 1994 trat der Native Title (Cth) Act in Kraft. Er soll sicherstellen, dass den Aborigines und den Torres Strait-Insulanern die Anerkennung und der Status zuteil werden, die ihnen aufgrund ihrer Geschichte, Rechte und Kultur gebührt.

Im Northern Territory können nun Landforderungen gemacht werden aufgrund traditionellem Besitz. In Queensland und New South Wales können die Forderungen aufgrund historischer Beziehungen oder Bedürfnissen erhoben werden.

Das Urteil löste, wie es zu erwarten war, eine Welle unterschiedlichster Reaktionen aus. Sie reichten von schockierter Ablehnung bis hin zu erleichterter Begeisterung.

Das Volk der Meriam wertet das Mabo-Urteil als riesigen Erfolg. Es begann sogar, ihre Geschichte in Abschnitte vor und nach Mabo einzuteilen.

Bergwerks- und Minengesellschaften hingegen befürchteten finanzielle Einbussen.

Im Dezember 1992 entschuldigte sich Premierminister Paul Keating bei den Aborigines. Es sei ihnen von seiten der Weissen unrecht getan worden.




     
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