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Dunkle Jahrhunderte



Als Dunkle Jahrhunderte oder Dunkle Zeitalter (engl.: dark ages) werden länger Zeiträume bezeichnet, für die die Geschichte einer bestimmten Region mangels Schriftquellen, archäologischer Funde oder ähnlichen wenig bis gar nicht erforscht ist.

In der Altertumsforschung wird der Ausdruck "Dunkle Jahrhunderte" oder "Dark Ages" vor allem für die unten beschriebenen griechischen Dunklen Jahrhunderte und für die Anatolischen Dunklen Jahrhunderte angewendet. Manchmal wird auch das Mittelalter Europas als Dunkles Zeitalter bezeichnet.


Mit den "Dunklen Jahrhunderten" oder das Dunkle Zeitalter Griechenlands ist die Zeit zwischen dem Ende der Mykenischen Kultur und dem steilen Aufschwung der orientalisierenden Zeit gemeint. Vor allem weil man aus diesem Zeitraum keine Schriftquellen und - von Keramik abgesehen - kaum archäologische Funde besaß, gilt die Zeit zwischen circa 1200 v. Chr und circa 750 v. Chr in Griechenland als "Dunkles Zeitalter". Daher war - und teilweise ist sie es noch - die Geschichte dieses Zeitabschnitts weitgehend im Dunkeln. Es war lediglich klar, dass Griechenland nach der Zerstörung der mykenischen Zentren für Jahrhunderte in die schriftlose Vorgeschichte versank und sich in dieser Zeit das "Griechentum" (gemeint die griechische Kultur ab der archaischen und klassischen Zeit) herausbildetet.

In den letzten 30 Jahren sind viele Entdeckungen gemacht worden, die Licht in die "Dunklen Jahrhunderte" gebracht haben. Besonders das 12. Jahrhundert und das frühe 8. Jahrhundert v. Chr sind nun wesentlich besser erforscht, so dass - wenn überhaupt - nur noch für die Zeit zwischen circa 1050 v. Chr und 800 v. Chr von "Dunklen Jahrhunderten" gesprochen wird.

Das 12. und frühe 11. Jahrhundert v. Chr. (SH III C)

Eine der wichtigsten Erkenntnisse nach dem 2. Weltkrieg war, dass die mykenische Kultur noch circa 150 Jahre die Umbrüche von 1200 v. Chr. überdauert. Um, beziehungsweise kurz nach 1200 v. Chr. wurden viele mykenische Siedlungen - vor allem die mykenischen Paläste - zerstört. Einher ging der Zusammenbruch der mykenischen Strukturen, in denen die Wirtschaft zentral organisiert und gelenkt war, mit einem mächtigen Herrscher (Wanax) an der Spitze. Zwar waren die Umwälzungen gravierend, sie bedeuteten jedoch nicht das Ende der mykenischen Kultur. Viele Zentren wurden wiederbesiedelt und vor allem die mykenische Keramik knüpft ohne klaren Bruch an die Keramik der Palastzeit an. Handel mit anderen Ländern wurde in dieser Phase, die als Spätmykenisch C (oder Späthelladisch III C) bezeichnet wird, weiterhin betrieben. In Tiryns wird sogar die Oberstadt teilweise wiederaufgebaut und in die Ruinen des alten Palastes ein neuer Bau gesetzt, bewohnt vermutlich von einer neuen aristokratischen Schicht, die Wände teilweise mit Fresken verziert.

Das alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das 12. Jahrhundert geprägt ist von einer Rezession im wirtschaftlichen und demographischen Bereich. Es kommt im Laufe der Spätmykenisch C- Phase lokal immer wieder zu Zerstörungen. Einige Zentren, wie Pylos, wurden nach der Zerstörung um 1200 v. Chr. nie mehr besiedelt, andernorts sinkt die Bevölkerungszahl. Schriftfunde aus dieser Phase fehlen bisher und die Forschung vermutet, dass mit dem Zusammenbruch der Palatwirtschaft auch die Kenntnis der Schrift verloren gegangen war. Überraschungen gibt es für diese Phase noch immer: Zum Beispiel sind Vasen mit Schiffsdarstellungen gefunden worden, die belegen, dass die Schifffahrt in dieser Zeit offenbar noch eine große Rolle gespielt hat.

Im Laufe des 11. Jahrhunderts verändert sich nicht nur die Keramik (Übergang zur Protogeometrischen Keramik, es treten auch Änderungen in den Bestattungsriten ein und in einigen Gebieten Griechenlands kommt es zu gewaltsamen Zerstörungen. Es wird immer mehr vermutet, dass in dieser Zeit (circa 1050 v. Chr.) die Dorische Wanderung begonnen hat.

Das späte 11. bis 9. Jahrhundert v. Chr.

Die nun folgende Phase ist immer noch diejenige Zeit der griechischen Antike, über die wir am wenigsten wissen. Die meisten Funde sind Tongefässe (nach deren Verzierungen die Zeit bis circa 900 v. Chr. auch Protogeometrische, die Zeit zwischen circa 900 und circa 700 v. Chr. Geometrische Zeit heißt). Sie stammen fast ausschließlich aus Gräbern. Siedlungen sind nur wenige entdeckt worden. Eine typische Siedlung dieser Phase ist Nichoria in Messenien: eine kleine Siedlung mit kleinen, einstöckigen Gebäuden, rechteckig, oval oder apsidenförmig. In einem etwas größeren, aber sehr schlichten Bau wohnte die Führungsfamilie. In ihm wurden auch Versammlungen und Gemeinschaftsgelage abgehalten. Die materielle Hinterlassenschaft zeugt nicht von größerem Wohlstand. Artefakte, die auf intensiveren Fernhandel schließen lassen, fehlen. Damals wurde mehr Viehzucht und Jagd betrieben als in mykenischer Zeit, in der der Schwerpunkt auf Ackerbau lag. In dieser Zeit wurde erstmals das Eisen in nennenswertem Umfang als Werkstoff genutzt, war aber noch sehr kostbar.

Der Eindruck, dass diese Periode ein sehr niedriges Kulturniveau hatte und Griechenland isoliert war, wird auch durch andere Siedlungsfunde beatärkt. Daher waren die Entdeckungen auf Euböa ab Ende der 1970er Jahre sensationell: Dort wurde die Siedlung Lefkandi ausgegraben und sie lieferte ein ganz anderes Bild: In Nekropolen des 10. und 9. Jahrhundert v. Chr. wurden die Toten mit oft mit kostbaren Beigaben bestattet, die Wohlstand und Handelsaktivitäten bezeugen. Noch eindrucksvoller waren die Reste eines 45 Meter langen apsidenförmigen Gebäudes, in denen der Fürst von Lefkandi lebte. Unter dem Gebäude wurden er und seine Frau bestattet. Neben 4 Pferden wurden ein Messer und ein Schwert aus Eisen(!), Gegenstände und Schmuck aus Gold, Elfenbein und Fayence den Toten beigegeben. Teilweise waren sie reich verziert. Vieles stammt aus Ägypten oder dem Vorderen Orient. Die Funde von Lefkandi zeichnen ein ganz anderes Bild als die übrigen Fundstellen in Griechenland und stehen in starkem Kontrast zu Siedlungen wie Nichoria. Offensichtlich gab es auch im 10. und 9. Jahrhundert v. Chr. Gegenden in Griechenland, in denen die Bevölkerung durch intensive Handelsbeziehungen zu Wohlstand gekommen war.

Das späte 9. und frühe 8. Jahrhundert v. Chr.

Zwar besaßen die Bewohner Euböas schon im 10. Jahrhundert Handelsbeziehungen und Wohlstand, doch ein allgemeiner und steiler Aufschwung setzte in ganz Griechenland erst ab Mitte des 8. Jahrhunderts ein. Erst hier kamen in großem Umfang orientalische Einflüsse nach Griechenland. Gleichzeitig begann die Große Griechische Kolonisation, größere Tempel entstanden und Homer fasste seine Werke in Schriftform, die sich über die mittlerweile überall benutzte Schrift schnell in ganz Griechenland verbreiteten.

Die Bildung von organisierten Stadtstaaten (poleis) in Griechenland wird abgeschlossen und es entstehen für diese unterschiedliche Verfassungen. Die Saat für diesen rapiden Aufstieg der griechischen Staaten in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts wurde schon in den späteren "Dunklen Jahrhunderten" gelegt. Es gab griechische Handelsstationen auf Zypern (vor allem Kition) und Syrien (Al Mina). Dort kann intensiver Handel ab dem frühen 8. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen werden. Kontakte insbesondere zu Phöniziern hat es aber vermutlich schon im späten 9. Jahrhundert gegeben. Vermutlich noch im 9. Jahrhundert haben die Griechen das Alphabet von den Phöniziern übernommen. Durch Kontakte mit dem Nahen Osten kamen nicht nur materielle Güter, das Alphabet und künstlerische Anregungen nach Griechenland, sondern auch gesellschaftliche und mythologische Einflüsse. All das führte zu höherem Lebensstandard, einem Wachsen der Siedlungen und wirtschaftlichem und politischem Aufschwung.

Literatur:

Leider sind die Standardwerke zu den "Dunklen Jahrhunderten" aus den 1970er Jahren von Snodgrass und Desborough mittlerweile veraltet und ein neues zusammenfassendes und umfassendes Werk zu dieser Epoche ist noch nicht erschienen.

siehe auch: Griechenland, Geschichte Griechenlands



     
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