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Deutsche Philosophie



Als Deutsche Philosophie bezeichnet man die Philosophie des deutschen Sprachraums. Aufgrund der deutschen Geschichte begann die deutsche Philosophie naturgemäß erst relativ spät, ein genuin nationales Profil zu entwickeln - bedeutende Beiträge zur europäischen Geistesgeschichte lieferten deutsche Philosophen aber zu allen Zeiten.

Erst seit dem 18. Jahrhundert beginnt sich eine typisch deutsche Herangehensweise an die Philosophie zu entwickeln, die nicht nur den Inhalt und die Sprache, sondern auch den Habitus der Philosophen umfasst. Deutsche Philosophie bleibt über lange Zeit eine akademische Angelegenheit; die Öffentlichkeit nimmt an den Debatten und Themen keinen Anteil.

In ihrem universitären Umfeld greifen die deutschen Philosophen bevorzugt Problemstellungen auf, die aus den wissenschaftlichen Entwicklungen der Disziplinen in der jeweiligen Epoche entspringen. Auch die philosophischen Schulen und Strömungen passen sich diesem Trend an.

Siehe auch: Portal Philosophie

Table of contents
1 Das Mittelalter
2 Humanismus, Reformation und die kopernikanische Wende: das 16. Jahrhundert
3 Systemphilosophie im 17. Jahrhundert
4 Die deutsche Aufklärung im 18. Jahrhundert
5 19. Jahrhundert: das Maschinenzeitalter
6 20. Jahrhundert: Verrätselung der Wirklichkeit
7 Deutsche Philosophie nach dem 2. Weltkrieg
8 Literatur
9 Weblinks

Das Mittelalter

Die Voraussetzungen für eine Entwicklung der Geisteswissenschaften wurden mit Karl dem Großen beginnend in der karolingischen und ottonischen Renaissance geschaffen, indem Kloster- und Palastschulen eingerichtet werden, in denen die septem artes liberales, die Sieben freie Künste gelehrt werden. Dabei werden hauptsächlich antike Texte rezipiert, die ausschließlich auf Latein verfasst sind.

Die erste deutsche philosophische Terminologie wird vom Schweizer Notker Labeo geschaffen; doch findet diese keinen Eingang in die Schriftwerke (siehe 17. Jahrhundert). Diese Sprachentwicklung wird hauptsächlich im Rahmen der deutschen Mystik, deren Hauptvertreter Meister Eckhart ist, vollendet. Eine weitere Vertreterin der deutschen Mystik ist Hildegard von Bingen.

Im Hochmittelalter wird Albertus Magnus zum wichtigsten Vertreter deutscher Philosophie, die ganz unter dem gesamteuropäischen Einfluß der Scholastik stand.

Zum Beginn des 15. Jahrhunderts lebt Nikolaus von Kues, der als vornehmste Aufgabe der Philosophie das dialektische Denken des Zusammenfalles des Gegensätzlichen, coincidentia oppositorum bestimmt. Dieses Anliegen steht totalem Gegensatz zum damals herrschenden logischen Verständnis des Widerspruchsdenkens als Falschheitsdenken. Als erster verdeutlicht er seinen Denkmethode mit mathematischen Betrachtungen zum Unendlichkeitsbegriff: Im unendlich Großen fallen Kreisumfang und Gerade zusammen und werden identisch. Im infinitesimal Kleinen koinzidieren Kugeloberfläche und Punkt. Mit seiner Philosophie nimmt Kues viele Denker vorweg, unter anderem Kopernikus und Kepler, die das folgende Jahrhundert in seiner ersten Hälfte stark bestimmten.

Humanismus, Reformation und die kopernikanische Wende: das 16. Jahrhundert

Systemphilosophie im 17. Jahrhundert

Der erste universale Denker der Neuzeit war
Leibniz, der ab Mitte des 17. Jahrhunderts in Berlin wirkte. Er war der Begründer des deutschen Rationalismus. Mit seiner Monadenlehre versuchte er, eine Welterklärung zu geben, die einerseits die mechanistische Weltsicht des französischen Denkers Descartes berücksichtigen, andererseits aber auch mit den religiösen Vorstellungen der Zeit vereinbar sein sollte. Dazu entwarf er ein rationalistisch-idealistisches Denkgebäude, in dessen Zentrum die Monade, lebendige, einfache Einheiten, aus denen das Weltganze aufgebaut sein sollte. Da Gott die Urmonade repräsentiert, hat er diese Funktion benutzt, um alle Monaden zu einem harmonisch geordneten Kosmos abzustimmen und damit eine so genannte prästabilierte Harmonie zu erzeugen. Daher dachte Leibniz unsere Welt als die beste aller möglichen.

Als Erster bediente sich der Freiherr von Wolff in seinen philosophischen Werken der deutschen Sprache, die bisher stets in Latein abgefasst worden waren.

Die deutsche Aufklärung im 18. Jahrhundert

Die deutsche Aufklärung ist Teil der letzten gemeineuropäischen Geistesepoche, die ihre Wurzeln hauptsächlich in Frankreich und England hat. Die bedeutendsten Vertreter der deutschen Aurklärung waren Lessing und Herder.

Der möglicherweise bedeutendste deutsche Philosoph, der Königsberger Immanuel Kant, faßt schließlich in seiner "Transzendentalphilosophie" alle philosophischen Strömungen und Tendenzen der Aufklärungszeit in einer einzigen Synthese zusammen.

Kants so genannte kritische Philosophie stellt sich vier zentrale Fragen:

Die Antworten auf diese Fragen sucht Kant in seinen drei wichtigsten Werken, den Kritiken. In jeder der Kritiken werden die Erkenntnismöglichkeiten für einen bestimmten Wirklichkeitsausschnitt untersucht und Kategoriensysteme zur Beschreibung derselben herausgearbeitet. 1781 erscheint die Kritik der reinen Vernunft, in der er die Mathematik, die Naturwissenschaften und die Metaphysik auf ihre Möglichkeiten untersucht. Die Kritik der praktischen Vernunft (1788) untersucht Ethik, Politik und Recht, während sich die Kritik der Urteilskraft von 1790 mit dem Herstellen von Kunstwerken und technischen Geräten und der daraus möglichen Erkenntnis beschäftigt.

Obgleich er selbst die damals wohl ausführlichste Antwort auf seine vier Grundfragen gegeben hat, hat er es doch nicht versäumt mit seinem berühmten Aufsatz Was ist Aufklärung? von 1784 auch andere zum Nachdenken über diese Fragen aufzufordern. Den darin geforderten Mut zum eigenen Denken und das Abschütteln aller Bevormundung zeigte er selbst in einer Vielzahl einzelwissenschaftlicher und an den Fragen der Zeit orientierten Aufsätzen und Artikeln.

19. Jahrhundert: das Maschinenzeitalter

Die Kant'sche Philosophie, die ein ganzes Kapitel der Philosophie, den Streit zwischen Empiristen und Rationalisten, beendete, wurde zum Ausgangspunkt neuer Debatten und Systeme.

Dabei beriefen sich die deutschen Idealisten auf die so genannte idealistische Ausarbeitung des "Ding-an-sich"-Problems in der ersten Ausgabe der Kritik der reinen Vernunft, während die Realisten sich auf die realistische Variante in der zweiten Ausgabe desselben Werkes stützten.

Mit dem deutschen Idealismus erlangte die deutsche Philosophie Weltgeltung. Dessen Hauptvertreter waren Fichte, Schelling und Hegel, wobei insbesondere Hegel in mehreren Richtungen schulbildend wirkte; sowohl der Hegelianismus als auch der Marxismus basieren unter anderem auf seinem Denken.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts stand im Zeichen der Industrialisierung und brachte dementsprechende Philosophien hervor: dieser Satz hätte wahrscheinlich die Unterstützung des Mannes gefunden, der den Satz Das Sein bestimmt das Bewusstsein prägte. Dieser Satz war einer der Leitsätze der Philosophie von Karl Marx. Die großen Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik führten auch in Marx' Denken zu einer naturgesetzlich angelegten Gesellschaftstheorie und einem deterministischen Geschichtsbild.

Die zweite wichtige Strömung des 19. Jahrhunderts war die Lebensphilosophie mit ihren Hauptvertretern Dilthey, Schopenhauer und Nietzsche.

20. Jahrhundert: Verrätselung der Wirklichkeit

Das 20. Jahrhundert brachte mit seinen neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen die in den letzten Epochen seit der Säkularisierung zurückgewonnene geistige Sicherheit wieder ins Wanken. Die Unschärferelation Heisenbergs, die Relativitätstheorien Einsteins, und die psychoanalytischen Theorien Freuds, um nur drei wichtige Beispiele zu nennen, hatten Auswirkungen auf das Lebensgefühl der Epoche und damit in Kunst (Abstrakte Kunst, Kandinsky), Wissenschaft und Philosophie. So standen am Beginn des 20. Jahrhunderts der Neukantianismus und die Phänomenologie als wichtigste neue Strömungen der Philosophie.

Deutsche Philosophie nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem 2. Weltkrieg wandte sich die deutsche Philosophie schwerpunktmäßig Themen aus Anthropologie, Soziologie, Ethik und Sprachphilosophie zu.

Literatur

Helferich, Christoph: "Geschichte der Philosophie", 1992

Weblinks

http://philo.de/Philosophie-Seiten/




     
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