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Der stille Don



Der stille Don ist das Hauptwerk des Schriftstellers Michail Scholochow und einer der bedeutendsten Romane der sowjet-russischen Literatur. Scholochow erhielt für das Werk 1965 den Nobelpreis für Literatur.

Plagiat oder nicht ?

Lange Zeit war die Autorenschaft des Romans "Der stille Don" umstritten; es wurde vielfach davon ausgegangen, dass Scholochow den Text plagiiert habe. Verstärkt wurde der Eindruck dadurch, dass Scholochow nichts oder nur wenig tat, um den Vorwürfen zu entgegnen und Fragen zu klären. Neben starken weltanschaulichen Differenzen zwischen dem streng linientreuen Kommunisten Scholochow und seinem Text sowie der relativen Belanglosigkeit seiner anderen, stilistisch stark differierenden Werke existierte kein Manuskript des Romans mehr, weigerte sich Scholochow stets Quellen für seine außergewöhnlich präzisen historischen Angaben vorzulegen und existierte nicht zuletzt ein Amateurfilm aus dem Jahr 1975, auf dem festgehalten ist, wie Scholochow, direkt mit den Plagiatsvorwürfen konfrontiert, zusammenbricht und äußert "Sagen Sie bitte Ataman Glaskow, wie sehr ich mich schäme. Ich bitte die Kosaken, mir zu verzeihen." (nach Ota Filip, "Sein Szepter reichte vom Don bis zum East River", Die Weltwoche, November 1986).

Bereits 1928, bei der Veröffentlichung des ersten Teils des "Stillen Don", begannen Gerüchte zu zirkulieren, dass es sich bei dem Werk um ein Plagiat handle. Wie es scheint, waren diese Vorwürfe zurückzuführen auf trotzkistische Funktionäre, die so der im Roman enthaltenen Darstellung der brutalen Unterdrückung der Kosaken durch Trotzki entgegenzutreten versuchten. 1929 unterbrach die Redaktion des "Oktober", in dem "Der stille Don" seit neun Jahren erschien, die Veröffentlichung bis zur Klärung der Vorwürfe. Die erfolgte noch im selben Jahr und die Pravda nannte die Gerüchte "bösartige Verleumdungen, verbreitet durch Feinde der Diktatur des Proletariats".

Die Vorwürfe waren lange vergessen, als der russische Historiker Roy Medvedev sie unter Zuhilfenahme neuer Fakten 1966 erneuerte und die Theorie einer "doppelten Autorenschaft" entwarf, nach der Scholochow nur für knapp 15 - 20 % des Textes verantwortlich war, basierend vor allem darauf, dass Scholochow als knapp über 20-jähriger "zu jung war, als dass er ein so reifes Werk hätte verfassen können". Gestärkt wurden diese Vorwürfe durch ein anonymes Pamphlet, das 1974 in Paris mit einem Vorwort von Alexander Solschenizyn erschien. Nach seiner Darstellung war der Autor des "Stillen Don" Fjodor Krjukow, ein 1920 verstorbener weißgardistischer Offizier. Da dieser politisch "persona non grata" war, sei das Manuskript, das auf ungeklärten Wegen zum Schriftstellerverband der Sowjetunion gelangt war, bis zu Scholochow als politisch opportunem Autor durchgereicht worden, der dann als Strohmann diente, um das außergewöhnliche Werk in der Sowjetunion zugänglich zu machen.

1982 erschien eine computergestützte Textanalyse von Herman Ermolaev, die jedoch zum entgegengesetzten Ergebnis kam und konstatierte, dass Scholochow als der einzige Autor des "Stillen Don" anzusehen sei, diese Ergebnisse wurden in einer ähnlichen Analyse 1984 von Geir Kjetsaa bestätigt, der zu dem Schluss kam, dass "mathematische Statistiken es uns erlauben, die Möglichkeit auszuschließen, dass Krjukow den Roman geschrieben hat, Scholochow hingegen als Autor nicht ausgeschlossen werden kann.".

Der Fund von über 2000 Manuskriptseiten des "Stillen Don" 1987 hat die Wende bestärkt, von einer Fremdautorenschaft oder auch nur einer doppelten Autorenschaft wird aktuell nicht mehr ausgegangen.

Literatur zu den Plagiatsvorwürfen




     
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