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Dasein (Philosophie)



Das Dasein bezeichnet eine allgemeine Bestimmung eines jeden Gegenstandes, Dinges, Prozesses u.a., durch das diese "da"sind, d.h. existieren.

Table of contents
1 Zur Existenzform des Daseins
2 Zum Unterschied von Dasein und Sein
3 Zum Unterschied von Dasein und Wesen
4 Zur Prägung des Begriffs "Dasein" durch Christian Wolff und der Verwendung bei Kant und Hegel
5 Zur Bedeutung des Begriffs "Dasein" im Existentialismus

Zur Existenzform des Daseins

Der Begriff des Daseins bedeutet, daß die Gegenstände, Dinge, Prozesse u.a. nicht deshalb existieren, weil sie vom Menschen gedacht oder sich vorgestellt werden, sondern daß sie objektiv-real, d.h. außerhalb des Bewußtseins und unabhängig von ihm existieren. Mit anderen Worten: Gegenstände, Dinge, Prozesse u.a. werden vom Menschen nicht erfunden, sondern vorgefunden. Eben diesen Sachverhalt widerspiegelt der Begriff des Daseins.

Zum Unterschied von Dasein und Sein

Das Dasein ist ein Moment der objektiven Gesetzlichkeit der bewußtseinsunabhängigen objektiven Realität. Während der Begriff des Seins nur eine abstrakte Bestimmung ausdrückt, widerspiegelt der Begriff des Daseins ein konkretes Sein, dessen konkrete (objetiv-reale) Existenz.

Zum Unterschied von Dasein und Wesen

Dem Begriff des Daseins steht der des Wesens gegenüber. Der Begriff des Wesens widerspiegelt, was ein Gegenstand, Ding, Prozess u.a. ist, d.h. als was diese existieren.

Zur Prägung des Begriffs "Dasein" durch Christian Wolff und der Verwendung bei Kant und Hegel

Der Begriff "Dasein" wurde von Christian Wolff geprägt, und zwar als Übersetzung des lateinischen "existentia", das im älteren Deutsch mit "Hiersein" umschrieben wurde. Jedoch verwendet Wolff "Dasein" seltener, dafür aber "Existenz" oder "Wirklichkeit". Ebenso verfährt Immanuel Kant. Mit Georg Wilhelm Friedrich Hegel nimmt der Begriff des Daseins einen festen Platz in der philosophischen Terminologie ein. Für Hegel ist das Dasein die dialektische Einheit des Seins und des Nichts:

"Das Dasein ist das einfache Einssein des Seins und des Nichts.... Seine Vermittlung, das Werden, liegt hinter ihm; sie hat sich aufgehoben, und das Dasein erscheint daher als ein erstes, von dem ausgegangen werde. Es ist zunächst in der einseitigen Bestimmung des Seins; die andere, die es enthält, das Nichts, wird sich gleichfalls an ihm hervortun, gegen jene"(in: Logik I)

Hegel will damit aussagen - und diese Auffassung wurde in der materialistischen Dialektik übernommen -, daß "Dasein" nur in seiner Entwicklug begriffen werden kann. Das Dasein trägt Momente des Seins und des Nichts in sich, die die Grundbestimmungen seiner dialektischen Gegensätzlichkeit ausmachen.

Zur Bedeutung des Begriffs "Dasein" im Existentialismus

Eine andere Bedeutung hat der Begriff des Daseins im Existentialismus. "Dasein" (Existenz) schreiben die Vertreter des Existentialismus nur dem Menschen zu. Alles Vormenschliche und Außermenschliche gilt ihnen als ein bloß Vorhandenes. Mit dieser Unterscheidung soll darauf hingewiesen werden, daß unter allen Lebewesen nur der Mensch sich seines Seins bewußt werden kann und die Möglichkeit der Einsicht in die Notwendigkeit des Seins habe, durch die er zur Freiheit gelange.

Dies darf jedoch nicht so verstanden werden, als übernehmen die Vertreter des Existentialismus inhaltlich den Hegel-Satz von der Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit. In der Auffassung des Existentialismus wird der Mensch über das Sein gestellt, um behaupten zu können, daß der Mensch seine Entscheidungen in subjektiver Willkür treffen könne:

"Wissenschaften haben als Verhaltungen die Seinsart dieses Seienden(Mensch). Dieses Seiende fassen wir terminologisch als Dasein....Dasein versteht sich in irgendeiner Weise und Ausdrücklichkeit in seinem Sein. Diesem Seienden eignet, daß mit und durch sein Sein dieses ihm selbst erschlossen ist. Seinsverständnis ist selbst eine Seinsbestimmtheit des Daseins....Das Dasein versteht sich selbst immer aus seiner Existenz, einer Möglichkeit seiner selbst, es selbst oder nicht es selbst zu sein.

Diese Möglichkeiten hat das Dasein entweder selbst gewählt oder es ist in sie hineingetragen oder je schon darin aufgewachsen"(Martin Heidegger, in: Sein und Zeit, S.11f).

Oder:

"Weil Dasein Bewußtsein ist und ich als Bewußtsein da bin, sind für mich die Dinge nur als Gegenstände des Bewußtseins" und "Im Dasein ist nur die Wahl zwischen spannungslosem Versinken der Existenz und spannungsreicher, nie endgültiger Verwirklichung der Existenz in Subjektivität und Objektivität" (Karl Jaspers, in: Philosophie I, 7, 349).

siehe auch Existenz, Sein




     
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