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Claudius



Dieser Artikel befasst sich mit Kaiser Claudius (41-54). Weiteres siehe: Claudius (Begriffsklärung)


Tiberius Claudius Drusus Germanicus (10 v. Chr - 54 n. Chr., römischer Kaiser zwischen 41 und 54 n. Chr.) war Enkel von Augustus Frau Livia, Neffe des Tiberius und Bruder des Germanicus.

Table of contents
1 Äußeres und Lebensstil
2 Karriere
3 Herrschaft
4 Ermordung

Äußeres und Lebensstil

Claudius litt Zeit seines Lebens an diversen mehr oder minder schweren Behinderungen: Sueton schreibt, dass Claudius hinkte und stotterte. Bei Zorn tropfte seine Nase, Schaum bildete sich vor seinem Mund und sein Kopf begann zu zittern. Zusätzlich litt er oft an Magenschmerzen, die manchmal so stark waren, dass sie ihn an Selbstmord denken ließen. Darob musste Claudius oftmals Spott und Verachtung erfahren; so bezeichnete seine eigene Großmutter ihn sogar als "Ungeheuer", und selbst als Konsul trieben seine Zeitgenossen so manchen bösen Scherz mit ihm. Als Reaktion darauf flüchtete er sich in den Alkohol und das Würfelspiel. Auch von zahlreichen sexuellen Ausschweifungen wird berichtet.

Gleichzeitig aber erreichte Claudius größte Anerkennung in den Wissenschaften: Vor allem als Historiker wusste er zu glänzen. Er schrieb Bücher über etruskische und karthagische Geschichte sowie eine Autobiographie. Dies führte sogar soweit, dass anerkannte Schriftsteller wie Plinius ihn zu den 100 besten Schriftstellern zählten, und Livius lobte seine historischen Werke über alle Maßen.

Karriere

Claudius wurde am 1. August 10 v. Chr in Lugdunum, heute Lyon, als jüngster Sohn von Nero Drusus, dem Bruder des Tiberius, geboren. Obwohl er somit Mitglied der mächtigsten und vornehmsten römischen Familie war, wollten seine Eltern offenbar aufgrund seiner Behinderungen nie, dass er in die Politik ging. Erst Claudius Neffe Caligula erkannte, dass Claudius dennoch einen scharfen Verstand besaß und erhob ihn zunächst zum Senator und dann zum Konsul.

Nach dem Mord an Caligula brachen in ganz Rom allgemeine Unruhen aus; als Reaktion auf die Ausschweifungen und Tyrannei des Caligula erwog der Senat sogar, die Republik wieder einzuführen. Als diese Nachricht die Runde machte, wurden die Prätorianer von Verzweiflung gepackt, da die Abschaffung der Monarchie zweifelsohne auch die Abschaffung der Prätorianer bedeutet hätte. Als Claudius, der sich aus Furcht vor den Unruhen im kaiserlichen Palast hinter einem Vorhang versteckt hielt, von einem Soldaten entdeckt wurde, erkannten die Prätorianer die Gelegenheit und riefen Claudius zum Kaiser aus. Der Senat versuchte zwar noch, diese Entwicklung aufzuhalten, musste sich letztendlich aber doch fügen. Am 24. Januar 41 wurde er inthronisiert.

Herrschaft

Außenpolitik

Unter Claudius fanden die einzigen wirklichen Gebietserweiterungen des 1. Jahrhunderts statt. Claudius ernannte Thrakien, Noricum, Mauretanien und Lykien zu Provinzen. Den größten Erfolg fuhr Claudius jedoch mit seiner Eroberung Britanniens ein. Bereits 40 schmiedete Caligula diesbezüglich Pläne, realisierte sie jedoch nie. Erst sein Nachfolger Claudius gab 43 den Befehl zum Angriff. Nachdem Aulus Plautius, Oberbefehlshaber der eingesetzten Legionen erfolgreich übergesetzt war und einen Brückenkopf errichtet hatte, kam Claudius selbst nach Britannien und blieb dort für 16 Tage, was sein Ansehen bei den Legionären gewaltig steigerte. 44 dann konnte er einen anlässlich der fertiggestellten Eroberung Britanniens (damals Süd- und Mittelengland) einen gewaltigen Triumphzug feiern.

Innenpolitik

Ein großes Problem des Claudius war die immer wieder stockende Versorgung der Hauptstadt mit Getreide. Den Höhepunkt fand diese Entwicklung, als 51 Claudius auf dem Forum von den Prätorianern vor der hungrigen Menge abgeschirmt werden musste. Um dieses Problem zu lösen, ordenete er unter anderem die Trockenlegung des Fuciner Sees an, um Ackerland zu gewinnen. Das Projekt scheiterte jedoch. Auch errichtete er einen neuen, riesigen Getreidehafen, Portus genannt, bei Ostia.

Zeitlebens litt Claudius unter dem Problem, dass er seinen Frauen und Freigelassenen einen viel zu großen Einfluss auf seine Politik einräumte. So besetzte er so wichtige Posten wie den des Kanzleiverwalters und des Finanzministers mit Freigelassenen. Dennoch scheinen die wichtigsten Impulse weiterhin vom Kaiser selbst ausgegangen zu sein.

Weiterhin zentralisierte Claudius die gesamte Verwaltung und versuchte stets, den Senat zu schwächen; so führte er das Amt des Zensors wieder ein, welches er kurzzeitig sogar selbst ausübte. Auch öffnete er den Senat verstärkt für Provinziale - bevorzugt aus Gallien - und bewirkte somit eine verstärkte Fremdenfeindlichkeit in Rom.

Auch begeisterte Claudius sich zunehmend für die Rechtsprechung. Dies wurde fast zu einer Manie bei ihm, da er bisweilen täglich mehrere Stunden selber richtete. Da seine Urteile jedoch nie berechenbar waren, trug das zu seiner Popularität nicht unbedingt bei, wenngleich er es schaffte, das Recht zu flexibilisieren.

Auch Spiele wurden von Claudius oft abgehalten. Dadurch erlangte er jedoch den zweifelhaften Ruf, von ganz besonderer Grausamkeit zu sein und sich an dem Gesichtsausdruck sterbender Gladiatoren zu erfreuen. Da er zusätzlich es nicht lassen konnte, ständig morbide Witze zu reißen, machte ihn das beinahe verhasst.

Paranoia und Intrigen

Claudius war von großer Paranoia gekennzeichnet; so ließ er jeden, der ihm begegnete, zuvor peinlichst genau auf Waffen durchsuchen. Dennoch wurden mehrere Male Anschläge auf ihn ausgeübt, wenngleich sie nie erfolgreich waren. Claudius reagierte darauf unbarmherzig, und obwohl er zu Beginn seiner Herrschaft versprochen hatte, die Hochverratsprozesse seines Vorgängers abzuschaffen, zogen seine Racheakte bald blutige Kreise. Vor allem Senatoren und andere Adlige, die verdächtigt wurden, einen Umsturz unterstützt zu haben, wurden hingerichtet. Jedoch waren diese nicht selten Opfer von Claudius Frauen und Freigelassenen, die sich auf diese Weise Gegner und andere unliebsame Personen vom Hals schafften.

Nach zwei erfolglosen Verlobungen und zwei Scheidungen schließlich heiratete Claudius 38 Messalina. Nachdem diese ihm 41 einen Thronfolger gebar, fühlte sie sich abgesichert gegen alle Angriffe von außen und begann, ihre neu erlangte Macht skrupellos auszunutzen. Durch zahlreiche Denunziationen von ihr unliebsamen Personen kamen viele ums Leben, wodurch sie sich verhasst und gefürchtet machte. Doch auch durch unzählige Affären machte sie sich bekannt, wobei ihr kaiserlicher Gemahl jedoch stets darüber hinwegsah. Erst 48 war sie zu weit gegangen, als sie während einer Opferreise des Claudius kurzerhand Silius, einen bekannten Feldherrensohn, heiratete. Claudius, der einen Staatsstreich fürchtete, flüchtete sich ins Prätorianerlager. Silius wurde hingerichtet, und Messalina wurde von den Prätorianern umgebracht, da diese einen Gnadenakt des Claudius befürchteten. 49 heiratete Claudius wieder; diesmal war es seine Nichte Agrippina, die er mit einer senatorischen Sondererlaubnis ehelichte.

Ermordung

Diese seine vierte Ehefrau entpuppte sich jedoch als genauso verschlagen und grausam wie Messalina. Sie verfolgte skrupellos das Ziel, ihren Sohn aus erster Ehe zum Kaiser zu machen. Als die Prätorianer ihren Unmut über die Bevorzugung von diesem kundtaten, ließ Agrippina die beiden Prätorianerpräfekten kurzerhand umbringen. Schließlich gab Claudius nach und adoptierte Agrippinas Sohn unter dem Namen Nero. Nun gab es für Agrippina nur noch ein einziges Hindernis, nämlich Claudius selbst. Laut Sueton verabreichte sie ihm am 12. Oktober 54 einen vergifteten Pilz. Claudius, der Feinschmecker, nahm ihn natürlich gerne zu sich. Es zeigte sich jedoch, dass die Dosierung des Giftes zu niedrig angesetzt war; anstelle zu sterben litt Claudius nur an ensetzlichem Durchfall. Panisch geworden, zwang Agrippina nun den kaiserlichen Leibarzt, Claudius noch einmal Gift zuzuführen. Diesmal war es genug; Claudius starb in der Nacht zum 13. Oktober. Nero wurde sein Nachfolger.

In seinem Werk Apocolocyntosis (lateinisch: die Kürbiswerdung) macht sich Seneca schon zu Lebzeiten in einer satirischen Form über Kaiser Claudius und dessen Selbstvergöttlichung lustig. Das Werk wird heute frei übersetzt mit "Die Verkürbissung eines Kaisers".

Robert Ranke-Graves setzte ihm mit Ich Claudius, Kaiser und Gott ein literarisches Denkmal.

Vorgänger:
Caligula (37 - 41)
römische Kaiser
Nachfolger:
Nero (54 - 68)




     
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