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Bill Laswell



Bill Laswell (* 12. Februar 1955 in Salem/Illinois) ist Bassist, Komponist, Arrangeur und Produzent. Er betreibt mehrere Plattenlabels und gewann einen Grammy.

Er ist verheiratet mit der Sängerin Ejigayehu GiGi Shibabaw (* 1974 in Äthiopien) , 2003 kam ihr gemeinsamer Sohn Anman William zur Welt.

Die Diskographie (siehe Weblinks) der unter seinem Namen oder dem Namen einer der Bands, mit denen er spielt, veröffentlichten Alben und jener, die er für andere Musiker produzierte, umfasst bis Mitte der 2000er Jahre bereits weit mehr als 200 Einträge. Seit den 1990ern sind rund ein Dutzend Veröffentlichungen pro Jahr mit ihm als Musiker oder Produzent - oft auch beides - eher die Regel als die Ausnahme.

Seine Rolle bei der Entwicklung insbesondere der elektronischen Musik und des Ambient macht Bill Laswell zu einem der einflussreichsten Musiker und Produzenten des ausgehenden 20 und beginnenden 21 Jahrhunderts.

Table of contents
1 Œuvre
2 Biografie und musikalische Entwicklung
3 Bands, Projekte und Pseudonyme
4 Instrumente
5 Diskographie
6 Weblinks
7 Literatur

Œuvre

Bill Laswell begann seine musikalische Laufbahn als Bassist in Funk-Bands. Nach seiner Übersiedlung nach New York war er bald auch als Produzent mit Künstlern wie Brian Eno und David Byrne an der Entwicklung des Ambient und mit Herbie Hancock an der Integration des Jazz mit Hip Hop und elektronischer Musik beteiligt. Er gründete mit Sonny Sharrock, Peter Brötzmann und Ronald Shannon Jackson eine Free Jazz Band und entwickelte seine eigene stark von indischer Musik beeinflusste Form der Worldmusic, wobei der heutzutage als der profilierteste Tabla-Spieler geltende Zakir Hussain über Jahrzehnte sein musikalischer Wegbegleiter wurde. Sein Bassspiel ist vor allem von Dub und Funk geprägt.

Charakteristika

Eine eindeutige stilistische Zuordnung von Laswells Produktionen - den unter seinem Namen veröffentlichten, den Einspielungen mit verschiedenen Bands und seinen Beiträgen bei anderen Künstlern - ist nicht möglich. Dennoch gibt es eine Reihe von verbindenden Elementen, die eine Charakterisierung ermöglichen.

Einflüsse

Musik

Magie und Spiritualität

Laswells Musik hat eine magische-spirituelle Qualität. Er ist dabei auf keine spezielle Religion oder esoterische Schule festgelegt, sondern bedient sich - wie auch in musikalischer Hinsicht - bei Traditionen aus der ganzen Welt. Es finden sich Elemente aus dem indisch-hinduistisch-buddhistischen Raum bis hin zu westlich-esoterischen Traditionen.

Hörbar ist das zum Beispiel in seinem oft hypnotischen Dub-Bass (siehe auch Trance), den Elementen aus der indischen Musik (den Tablas Zakir Hussains, der Violine Shankars), dem Saxophon Pharoah Sanders oder auch den Aufnahmen der Gnawa-Musiker aus Marokko (siehe auch Sufismus).

Am augenscheinlichsten drückt sich dieser Aspekt seiner Musik bereits in der Namensgebung von Bands, Alben und einzelnen Aufnahmen aus.
Einige Beispiele:

Musikindustrie und Unabhängigkeit

Bill Laswell ist ein scharfer Kritiker der Musikindustrie, in der Profit die höchste Maxime sei und Integrität, Visionen und künstlerischer Ausdruck - wesentliche Elemente der Kreativität - als störend empfunden würden. Das Geschäftsmodell der Musikindustrie beruhe darauf, Trends zu erkennen und darauf abgestimmte Produkte zu produzieren, die sich in kontrollierbaren Genres vermarkten lassen. Ein Konzept, das Laswells Zugang, dem beständigen Übertreten stilistischer und kultureller Grenzen, diametral entgegengesetzt ist.

Die Labels Axiom und innerhythmic wurden als Konsequenz daraus von ihm als Plattformen gegründet, in deren Rahmen er unabhängig und ohne künstlerische Beschränkungen arbeiten kann.

Kritik

Während Laswells Stärken in seinen Fähigkeiten als Musiker - als Bassist - und profilierter Produzent liegen, wird seine Neigung sich bei einzelnen Produktionen in studiotechnischentechnischen Details zu verlieren manchmal als seine größte Schwäche kritisiert. Auf Kritik stößt bei manchen auch, dass seine Produktionen mitunter zu kopflastig und intellektuell seien. Und nicht zuletzt die "Puristen" verschiedener Stile finden oft wenig Gefallen an der Radikalität mit der er sich aus dem Repertoire unterschiedlicher Richtungen bedient und damit seine Form der "Fusion" oder "Worldmusic" kreiert.

Biografie und musikalische Entwicklung

Bill Laswells Vater reparierte Ölförderanlagen und der Arbeit folgend zog die Familie oft um. Auf den jungen Bill Laswell machte der häufige Wechsel der Umgebung, der Menschen und auch deren Musik, einen starken Eindruck. Er begriff, wie er selbst Jahre später in New York erzählte, dass es keine verschiedenen "Musiken" gibt. Die Form mag unterschiedlich sein, der Kern ist der selbe.

In den späten 1960ern lebte er in Detroit und besuchte dort erste Live-Konzerte: Jimi Hendrix, The Stooges, Archie Shepp, Pharoah Sanders und Funkadelic. Musiker die er damals, als Teenager, als irreal und beinahe mythisch wahrnahm.

Nachdem er Funk, Rock und die zu dieser Zeit aktuelle psychedelische Musik gehört hatte, erlebte er mit 14 oder 15 das, was er in einem Interview einmal als seine Initiation bezeichnete. Er hatte eine Eintrittskarte für ein Konzert des Sitar-Meisters Ravi Shankar bekommen. Auf dem Weg zum Konzert nahm er zum ersten mal in seinem Leben LSD und erlebte das Konzert in der Folge als die "großartigste psychedelische Musik" die er jemals gehört hatte. Ein prägendes Erlebnis, wie er auch selbst feststellt.

Das erste Instrument, das Laswell zu spielen lernte, war die Gitarre. Er wechselte aber bald zum Bass und spielte schließlich in verschiedenen Funk-Bands in und um Detroit. Eine andere Arbeit übte er nie aus.

1977/78 übersiedelte er nach New York City, wo er sich als Studiomusiker und bei Live-Gigs schnell in der Underground-Musikszene etablierte. Kurz darauf gründete er mit dem Keyboarder Michael Beinhorn und dem Schlagzeuger Fred Maher die Band Material. Ursprünglich als Begleitband des Gitarristen Daevid Allen geschaffen, begann die Gruppe bald auch eigene Aufnahmen zu produzieren. Stilistisch war Material damals im Spannungsfeld zwischen Industrial, Electro Funk, Funk und Jazz angesiedelt.

1979 erschien die erste Material EP, Temporary Music.

die 1980er

Neben seiner Tätigkeit bei Material begann Bill Laswell auch mit Solo-Projekten und veröffentlichte 1982 die erste Platte unter eigenem Namen, Baselines, beim Label Celluloid, dessen Mitbesitzer und Mitbetreiber er war. Seinen Status als eine der Schlüsselfiguren der Musikszene von New York sicherte er sich durch seine Mitwirkung bei Aufnahmen von Brian Eno, David Byrne, John Zorn, Fred Frith und den Golden Palominos.

Ein Meilenstein war 1983 der Erfolg des von ihm für Herbie Hancock (Future Shock) produzierten und mitkomponierten Stücks Rockit, wo er auch am Bass zu hören ist. In der Folge wurde Bill Laswell zu einem gefragten Studiomusiker und Produzenten auch weit über den New Yorker Underground hinaus. Er spielte unter anderem Bass bei Laurie Anderson (Mr. Heartbreak, 1984), Gil Scott-Heron (Re-Ron, 1984) und Peter Gabriel (So, 1986) und produzierte Alben für Mick Jagger (She's the Boss, 1985, Jaggers erstem Solo-Album), Yoko Ono (Starpeace, 1985), Motörhead (Orgasmotron, 1986), Iggy Pop (Instinct, 1988), The Ramones (Brain Drain, 1989) und vielen anderen.

Gleichzeitig wurde das Band-Projekt Material weitergeführt und es kam unter anderem zur Zusammenarbeit mit Künstlern wie Herbie Hancock, Afrika Bambaataa, Fela Anikulapo Kuti, Manu Dibango und Nona Hendryx. 1985 verließ Michael Beinhorn die Formation.

1986 gründete Laswell mit dem Gitarristen Sonny Sharrock und dem deutschen Saxophonisten Peter Brötzmann sowie Schlagzeuger Ronald Shannon Jackson die "Punk-Jazz" Band Last Exit. Ein weiteres Band-Projekt, das während der 1980er unter seiner Federführung entstand, ist Praxis, ein loser Zusammenschluss von Musikern aus Hip Hop und Funk mit Laswell als Bassist und Produzent.

In den späten 1980ern entstanden schließlich eine Reihe von Aufnahmen, in denen sich Laswells intensive Auseinandersetzung mit arabischen und indischen Musiktraditionen manifestierte. Einzelne Elemente, vor allem "orientalisch" geprägte Percussion und die damit einhergehende Rhythmik, hatten bereits zuvor bei einzelnen Produktionen ihre Spuren hinterlassen. Das 1988 erschienene Laswell-Album Hear No Evil war schließlich eine richtungsweisende Produktion. Laswell (Komponist, Produzent und Bass) versammelte dazu Musiker um sich, die auch in den folgenden Jahrzehnten immer wieder ganz wesentlich zum Sound vieler seiner Produktionen beitragen sollten: Shankar (Violine), Nicky Skopelitis (Gitarre und Sitar), Zakir Hussain (Tabla), Aiyb Dieng und Daniel Ponce (Percussion). Es entstand ein Album, das in seiner Art außereuropäische bzw. außeramerikanische Musik mit westlichem Ambient bis hin zu Electro Funk zu verbinden musikalisches Neuland eröffnete.

Im darauf folgenden Jahr erschien unter dem Namen Material - mittlerweile viel mehr ein Band-Projekt mit offener Besetzung als eine Band - ein Album, das dieses Konzept weiterverfolgt: Seven Souls (1989). Neben Laswell (4-, 6- und 8-saitiger Bass, akustische Gitarre, Tapes, Percussion) finden sich in der Besetzungsliste wieder Aiyb Dieng, Shankar und Nicky Skopelitis sowie Simon Shaheen (Violine), Jeff Bova (Keyboards) und Sly Dunbar (Schlagzeug). Bemerkenswert ist auch die Teilnahme des Schriftstellers William S. Burroughs der Auszüge aus seinem Buch The Western Lands spricht.

die 1990er

''Nothing is true - everything is permitted (das Axiom des Axiom-Plattenlabels)

1990 gründete Bill Laswell das Label Axiom (axiom-records.com), wo bald eine Vielzahl von Alben produziert wurden, oft stark beeinflußt von seinem Interesse für elektronische Musikstile, von (Detroit-)Techno bis Ambient, aber auch Jazz oder Dub. 1991 produzierte er mit der belgischen Gruppe X-Legged Sally eine CD: Slow up 1992 erschien Transmutation (Mutatis Mutandis) von Praxis, das irgendwo zwischen P-Funk und Industrial eingeordnet werden könnte. Es folgten Kooperationen mit so unterschiedlichen Künstlern und Bands wie: Brian Eno, Dub Syndicate, Pharoah Sanders, Pete Namlock, F.F.F, DJ Spooky, George Clinton, Tony Williams, Nicky Skopelitis, DJ Krush, Sly Dunbar, Manu Dibango, Jaco Pastorius, Jah Wobble, dem Schriftsteller William S. Burroughs und vielen anderen.

Die 1990er waren eine außerordentlich produktive Zeit für Bill Laswell. Jahr für Jahr erschien eine Vielzahl von Alben unter seinem eigenem Namen oder unter seiner Mitwirkung.

Bemerkenswert sind die Remix-Projekte der späten 1990er. 1997 wurde Bob Marley - Dreams of Freedom (Ambient Translations of Bob Marley in Dub) veröffentlicht. 1998 folgte Panthalassa (the music of miles davis 1969 - 1974) mit teils sehr düsteren und meditativen Re-Konstruktionen von Miles Davis' Aufnahmen aus dessen Fusion- und Jazz-Rock-Phasen. Das dritte Remix-Projekt befasste sich mit Carlos Santana. Für Divine Light - Music from Illuminations & Love Devotion Surrender (2001) dekonstruierte Laswell Aufnahmen Santanas aus den späten 1960ern und rekonstruierte sie in einer Mischung aus Dub und Ambient.

die 2000er

2000 erschien das erste Album des neuen Projekts Tabla Beat Science namens Tala Matrix; eine weitere kraftvolle Neuinterpretation indischer Musik im Spiegel moderner westlicher Stile, die klassische indische Instrumentierung mit zeitgemäßer elektronischer Musik verbindet. Mit dabei Meisterperkussionisten wie Zakir Hussain und Trilok Gurtu. 2001 folgte das diesmal sehr ruhige und meditative Life Space Death mit dem japanischen Trompeter Toshinori Kondo und Sprachaufnahmen des Dalai Lama. Im selben Jahr kam es auch zu einer weiteren Zusammenarbeit mit Jah Wobble im Projekt Solaris.

Radioaxiom - A Dub Transmission (2001) entstand als Zusammenarbeit Laswells mit Jah Wobble. Laswell bezeichnet dieses Album als "alien broadcast" auf der Suche nach "Spuren einer verlorenen Zukunft". Dass diese Beschreibung auch als Charakterisierung seiner Musik am Beginn des 21 Jahrhunderts gelten kann zeigt er beispielsweise auch mit seinen Beiträgen zu Remix-Alben von Musikern wie Mari Boine (Remixed, 2001, Maid aiggot muinna eallin - Bill Laswell Mix) oder Nils Petter Molvaer (Recoloured, 2001, Merciful/Ligotage - Incunabula Mix by Bill Laswell).

2003 kam das erste Kind Laswells und seiner Ehefrau, der äthiopischen Sängerin Ejigayehu GiGi Shibabaw - Hochzeit war kurz nach Fertigstellung ihres von ihm Produzierten Albums GiGi (2001) - zur Welt, Sohn Anman William.

Bands, Projekte und Pseudonyme

Instrumente

Ein kleiner Überblick über von Bill Laswell gespielte Instrumente:

Bässe

Sampler, Synthesizer, Keyboards Daneben benutzt er mitunter auch eine ganze Reihe anderer Instrumente und Klangerzeuger wie z.B.: Tonbandgeräte (siehe auch Dubbing), Plattenspieler (siehe auch Turntablism), akustische Gitarre, Perkussion, Taschentrompete, Klaviersaiten, Radios ...

Diskographie

Einige Meilensteine:

Weblinks

Literatur


Beurteilung:
Exzellenter Artikel




     
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