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Benedetto Marcello



Benedetto Marcello (* zwischen dem 24. Juli und dem 1. August 1686 in Venedig; † 24. oder 25. Juli 1739 in Brescia) war ein italienischer Komponist des Barock.

Die juristische Laufbahn

Benedetto Marcello entstammte einer Advokatenfamilie und so war es nur natürlich, dass auch er zunächst Jura studierte. So stand ihm eine öffentliche Laufbahn nichts im Wege. 1711 wurde er in den venezianischen "Rat der Vierzig" gewählt. Dieses Amt bekleidete er 14 Jahre lang. 1730 wurde er als Provisor (Gouverneur) der Republik Venedig nach Pola geschickt. Der jetzt schon kränkelnde Marcello vertrug aber das Klima in Pola nicht, sein Gesundheitszustand verschlechterte sich so sehr, dass er 1737 nach Venedig zurückkehren musste. Aber schon im darauffolgenden Jahr wurde er als "camalengo" (Kanzler, Schatzmeister) nach Brescia versetzt. Hier starb er am 24. oder 25. Juli 1739.

Marcello der Musiker

Trotz seiner beruflichen Verpflichtungen hat Marcello von Anfang an die Musik niemals vernachlässigt. Erst als er nach Pola gehen musste, hatte er aufgehört zu komponieren. Bereits als Jüngling hatte er Lieder und Sonette veröffentlicht. Weil das Komponieren jedoch stets nur neben seiner öffentlichen Laufbahn möglich war, bezeichnete er sich selbst immer als "nobile Veneto dilettante di contrappunto", also als dilettantischen Laien der Musik. Schließlich aber nahm er seine Kompositionsstudien auf bei Francesco Gasparini (1668-1727) und Antonio Lotti (um 1667-1740).

Die erste Vertonung italienischer Psalmenparaphrasen "L'Estro Poetico-Armonico" brachte dem inzwischen 38jährigen Marcello europaweiten Ruhm ein. Das umfangreiche Werk von 50 Solopsalmen nach Girolamo Ascanio Giustiniani war ein früher Versuch "archaisierenden Sologesanges". Insgesamt besteht dieses Werke aus 8 Bänden, 1-4stimmig mit Generalbass für Orgel oder Klavier, teilweise mit obligatem Violoncello oder zwei Violinen. In dieser Arbeit überwiegt eine eher traditionelle kontrapunktische Satztechnik. Aber auch sie wechselt oft ganz unvermutet mit kompakten, homophonen, fast folkloristischen Partien ab. Bis ins kleinste Detail folgen diese Psalmvertonungen dem Text.

Als Meister der Solokantate ist Marcello einer der letzten Vertreter des großen pathetischen Gesangsstiles, der manchmal kleine Dramen in den Rahmen der Gattung hineinstellt. Daneben schrieb Marcello auch klangprächtige Kammermusik wie Klavier-, Violoncello- und Flötensonaten sowie Instrumentalkonzerte.

Il teatro alla moda

Als Opernkomponist war Marcello weniger erfolgreich. Wollte er sich an dieser Gattung also rächen, als er im Jahre 1722 die Satire Il teatro alla moda schrieb? Darin tadelte er die Auswüchse des Theaters, seine Gewohnheiten und seinen Schematismus. Die Kritik betraf jedoch nur die Äußerlichkeiten eines zur Routine gewordenenen Opernbetriebes. Eine Reform der Oper hat diese kulturhistorisch interessante Schrift nicht eingeleitet. Diese blieb der französischen Musikästhetik und, auf Marcello basierend, Raniero di Calzibigi (1714-1795) und Christoph Willibald Gluck (1714-1787) vorbehalten. Die Gesangsdespotie, das Primadonnen- und Kastratenunwesen hatte derart überhand genommen, dass es für die Musik kaum noch Spielraum gab, und den Komponisten selbst immer mehr und engere Fesseln angelegt wurden. Natürlich wurden die Auswüchse dieses Systems in künstlerischer und sozialer Beziehung auch anderweitig angeprangert. Aber Marcellos Satire hatte die Zustände der Venezianeroper schäfstens auf den Punkt gebracht.

Das Werk

Benedetto Marcellos Gesamtwerk umfasst außer zahlreichen geistlichen Werken (alleine 10 Messen und 15 Motetten, 5 Oratorien) auch 348 weltliche Kantaten und einige Instrumentalkonzerte. Die bald notwendigen Nachdrucke seiner Psalmvertonungen wurden später von 
Giovanni Bononcini (1640-1678), Georg Philipp Telemann (1681-1767) und Johann Mattheson (1681-1764) euphorisch empfohlen. Es ist allerdings schwierig, Marcello stilistisch in die Reihe dieser Komponisten einzuordnen. Zwar scheint er in seinen Instrumentalkonzerten vom galanten Stil Antonio Vivaldis beeinflusst zu sein, doch in der sakralen Musik pflegt er einen recht eigenwilligen Personalstil.

Im Bereich der Kammermusik sind erwähnenswert die

Ferner sind erhalten und von Bedeutung:




     
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