WEB LEXIKON: Ein Blick zurück
Hauptseite | Aktueller Wikipedia-Artikel

Barockmusik



Die Periode des Barock der abendländischen Kunstmusik (auch bezeichnet als Generalbasszeitalter) erstreckt sich vom 17 bis ins 18. Jahrhundert. Eine ungefähre Einteilung könnte so aussehen: Der Tod von Johann Sebastian Bach um 1750 wird allgemein als das Ende des musikalischen Barock angesehen. Gesamtkulturell schloss sich die Phase des Rokoko an; in der Musik hatte sich bereits ab den 1730er-Jahren der so genannte Empfindsame Stil zu etablieren begonnen.

Table of contents
1 Geistiger Hintergrund
2 Kompositorische Merkmale
3 Instrumente
4 Auswahl barocker Komponisten
5 Werke
6 Interpretation
7 Siehe auch
8 Literatur

Geistiger Hintergrund

Typisch für die Zeit ist der Absolutismus, der seinen reinsten Ausdruck in Ludwig XIV fand und in ganz Europa imitiert wurde. Die Kultur blühte unter feudalistischer Förderung auf, und in Bauwerken, Gartenanlagen und anderem wurde das Repräsentative und Monumentale bis hin zum Übertriebenen angestrebt. Die Bezeichnung dieser Zeit stammt aus dem französischen baroque, was "Auswucherung, Warze" heißt. In den Künsten der Barockzeit interessierte man sich insbesondere dafür, die verschiedenen menschlichen Stimmungen (Affekte) zum Ausdruck zu bringen und in festen Formen zu repräsentieren.

Kompositorische Merkmale

Es war Merkmal der Zeit, der Form mindestens das selbe Gewicht zuzumessen wie dem Inhalt. Wichtige musikalische Formen, die sich im Barockzeitalter ausbildeten, waren Passacaglia, Chaconne, Fuge, Suite, Kirchensonate, Kammersonate, Concerto Grosso, Solokonzert, Oper, Oratorium (Musik), Kantate und Passion.

Äußerlich kennzeichnendstes Merkmal der Barockmusik ist der Gebrauch des Generalbasses.

Der Gebrauch der Kirchentonarten reduzierte sich im Barock auf Dur und Moll.

Die musikalische Sprache und Melodienbildung beruhte auf einem reichhaltigen System von Figuren, die einer musikalischen Rhetorik entsprachen und an "Affekte" gekoppelt waren. Als nur eins unter sehr vielen möglichen Beispielen sei die chromatisch absteigende Bassline genannt, die immer wieder gerne verwendet wurde, wenn ein Klagegesang zu komponieren war.

Eine möglicherweise treffende Charakterisierung des Sachverhalts stammt von Nikolaus Harnoncourt und sei hier dem Sinn nach zitiert: "Die Musik des Barock spricht, die nachbarocke Musik malt".

Instrumente

Die barocken Formen heute noch gebräuchlicher Instrumente unterscheiden sich im Klang beträchtlich von ihren Nachfahren, da ein ganz anderes, eben "sprechendes" Klangideal vorlag.

Der große Instrumentenreichtum der Renaissance schwand im Barock. Das Lieblingsinstrument des Zeitalters war die Violine, im Spätbarock auch die Traversflöte. Das auf Streichinstrumenten aufgebaute und mit Blasinstrumenten ergänzte Orchester begann sich zu standardisieren - in schrittweiser Abkehr von den freien und wechselnden Instrumentalbesetzungen der Renaissance. Tasteninstrumente wie Cembalo und Orgel erfuhren eine Erweiterung ihres Umfangs bzw. ihrer Register.

Desweiteren wurden im Barock andere Stimmungssystemee eingesetzt als in den nachfolgenden Epochen. Die Entwicklung ging von reinen und mitteltönigen Systemen bis hin zu wohltemperierten Stimmungen.

Auswahl barocker Komponisten

Komponisten des Frühbarock

Italien:
  • Adriano Banchieri (1567 - 1634)
  • Claudio Monteverdi (1567 - 1643)
  • Salamone Rossi (1570 - ca. 1630)
  • Giovanni Paolo Cima(1570 - 1622)
  • Giovanni Battista Fontana (†1630)
  • Gregorio Allegri (1582 - 1652)
  • Girolamo Frescobaldi (1583 - 1643)
  • Francesca Caccini (1587 - ca. 1640)
  • Tarquinio Merula (ca. 1594 - 1665)
  • Giovanni Battista Buonamente (1595 - 1642)
  • Biagio Marini (ca. 1595 - 1665)
  • Luigi Rossi (1597 - 1653)
  • Giovanni Battista Fasolo (ca. 1600 - 1664)
  • Carlo Farina (1600 - 1640)
  • Pier Francesco Cavalli (1602 - 1676)
  • Giacomo Carissimi (1605 - 1674)
  • Barbara Strozzi (1619 - nach 1663)
Frankreich:
Deutschland: England:
  • John Jenkins (1592 - 1678)
  • William Lawes (1602 - 1645)
  • Matthew Locke (1630 - 1677)
Spanien:
  • Francisco Correa de Arauxo (ca. 1575 - nach 1633)
  • Matheo Romero, eigentlich Mathieu Rosmarin (ca. 1575 - 1647)
  • Juan García de Zéspedes (1619 - 1678)

Komponisten des Hochbarock

Frankreich:
  • Jean-Baptiste Lully (1632 - 1687)
  • Guillaume-Gabriel Nivers (1632 - 1714)
  • Marc-Antoine Charpentier (1634 - 1704)
  • André Raison (ca. 1640 - 1719)
  • Marin Marais (1656 - 1728)
  • Michel-Richard de Lalande (1657 - 1726)
  • André Campra (1660 - 1744)
  • Jean-Féry Rebel (1666 - 1747)
  • Michel Pignolet de Montéclair (1667 - 1737)
  • François Couperin (1668 - 1733)
  • Louis Marchand (1669 - 1732)
  • Nicolas de Grigny (1672 - 1703)
Italien:
Deutschland/Österreich:
  • Dietrich Becker (1623-1680)
  • Dietrich Buxtehude (1637-1707)
  • Johann Christoph Bach (1642 - 1703)
  • Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 - 1704)
  • Christian Ritter (ca. 1645 - ca. 1725)
  • Johann Jakob Walther (1650 - 1717)
  • Johann Krieger (1651 - 1735)
  • Johann Pachelbel (1653 - 1706)
  • Georg Muffat (1653 - 1704)
  • Vincent Lübeck (1654 - 1740)
  • Johann Joseph Fux (1660 - 1741)
  • Georg Böhm (1661 - 1733)
  • Friedrich Wilhelm Zachau (1663 - 1712)
  • Johann Speth (1664 - nach 1719)
  • Nicolaus Bruhns (1665 - 1697)
  • Johann Kaspar Ferdinand Fischer (1665 - 1746)
  • Johann Nicolaus Hanff (1665 - ca. 1712)
  • Johann Heinrich Buttstedt (1666 - 1727)
England:
  • John Blow (1648 - 1708)
  • Henry Purcell (1659 - 1695)
  • Jeremiah Clarke (ca. 1660 - 1707)
  • Richard Leveridge (ca. 1670 - 1758)

Komponisten des Spätbarock

Frankreich: Italien: Deutschland, Österreich etc.: England:

Komponisten der Vor- und Frühklassik

Werke

Siehe ebenfalls:

Interpretation

Nach dem Ende des Barockzeitalters wurde Barockmusik als veraltet betrachtet und nicht mehr aufgeführt, wodurch die Aufführungstradition unterbrochen wurde. Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts begann man sich erneut für die nun "Alten Meister" zu interessieren; der Beweggrund dafür lag im wesentlichen in der
romantischen Hinwendung zu einer mythisch verklärten Vorzeit, aus der die eigene (auch nationale) Identität erklärt werden sollte.

Ein wichtiger Meilenstein zur Wiederentdeckung der Barockmusik war die Wiederaufführung von Bachs "Matthäus-Passion" 1829 durch Felix Mendelssohn-Bartholdy. Das Werk wurde allerdings einschneidenden Bearbeitungen (Instrumentierung, Kürzungen) unterzogen, da es in seiner Urgestalt als nicht zumutbar empfunden wurde. Zudem wurden einfach die aktuell üblichen Instrumente, Spieltechniken und Orchestergrößen eingesetzt. Diese "romantische" Aufführungstradition lebte bis in die 1970er-Jahre (und in Einzelfällen bis heute) fort.

Die aktuelle Interpretation von Barockmusik wird allerdings im wesentlichen von Musikern vorgenommen, die im Rahmen der so genannten Historischen Aufführungspraxis die dieser Musik eigenen Mittel und Spielweisen einzusetzen versuchen. Jeder Interpret von Barockmusik ist sich heutzutage dieser Erkenntnisse bewusst, auch wenn im Einzelfall Kompromisse bezüglich der zur Anwendung kommenden Mittel eingegangen werden oder auch bewusst anders entschieden wird.

Einige Solisten

Einige Ensembles

Siehe auch

Literatur




     
Das Web Lexikon "Ein Blick zurück" bietet die Moeglichkeit auf einfache Art und Weise in den "alten" Wikipedia-Beiträgen zu blättern. Das Lexikon spiegelt den Stand der freien Wikipedia-Enzyklopädie vom August 2004 wider. Sie finden hier in rund 120.000 Artikel aus dieser Zeit Informationen, Erklärungen, Definitionen, Empfehlungen, Beschreibungen, Auskünfte und Bilder. Ebenso kommen Begriffserklärung, Zusammenfassung, Theorie, Information, Beschreibung, Erklärung, Definition und Geschichte nicht zu kurz. Ein Lexikon das Auskunft, Bericht, Hinweis, Bedeutung, Bild, Aufklärung, Darstellung und Schilderung zu unterschiedlichsten Themen kompakt auf einer Seite bietet.
Impressum ^ nach oben ^