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Artikel (Wortart)



Artikel sind eine Klasse von Wörtern, welche ein Nomen begleiten. Sie dienen zur Kennzeichnung syntaktischer Beziehungen und Funktionen.

Table of contents
1 Tabellen
2 Funktion
3 Ausblick
4 Gebrauch
5 Entwicklung des Gebrauchs

Tabellen

Der bestimmte Artikel
männlich weiblich sächlich
Nominativ der die das
Akkusativ den die das
Dativ dem der dem
Genitiv des der des
Der unbestimmte Artikel
männlich weiblich sächlich
Nominativ ein eine ein
Akkusativ einen eine ein
Dativ einem einer einem
Genitiv eines einer eines

Funktion

War die indoeuropäische Grundsprache noch artikellos, so wird der Gebrauch des Artikels im Laufe der hochdeutschen Sprachentwicklung im Regelfall verbindlich, sofern kein determinatives Pronomen vorhanden ist. Die obligatorischen Artikel werden in Abhängigkeit von Numerus und Genus gebildet und dienen als (zum Teil einziges) Kasusmerkmal.

Häufig reichen morphologische Mittel nicht aus, um den Kasus anzuzeigen, da unterschiedliche Kasus formal zusammenfallen und so der Artikel als Kasusmerkmal dienen muss.

Im Deutschen dienen Artikel weiter zur semantisch-logischen Unterscheidung von:

  1. Definitheit und Undefinitheit
  2. Generalisierung und Individualisierung
  3. Bekanntheit und Unbekanntheit
Bestimmter und unbestimmter Artikel dienen dazu, verschiedene Bedeutungsrelationen eindeutig anzuzeigen.

Ausblick

Das Neuhochdeutsche wäre ohne den verbindlichen Gebrauch von Artikeln und Personalpronomen nur schwer vorstellbar. Andere moderne Sprachen kommen dagegen ohne obligatorisches Personalpronomen aus und ersetzen es allein durch die Personalendung des Verbs. In diesem Fall - als Beispiel könnte man das Spanische anführen - wird das Personalpronomen nur bei einer betonten Verwendung (Emphase) gebraucht.

Neben dem Lateinischen lassen sich auch moderne Sprachen finden, die keine Artikel verwenden. Das betrifft die meisten slawischen Sprachen, die charakteristischer Weise Merkmale des flektierenden und synthetischen Sprachbaus aufweisen. Im Schwedischen wird der unbestimmte Artikel wie im Deutschen als vorangestellter Begleiter, der bestimmte Artikel als Suffix realisiert.

Gebrauch

Alternativ können an Stelle des Artikels so genannte Artikelwörter oder auch determinative Pronomen stehen, wie beispielsweise kein/dieser/jener/mancher/jeder usw. Vollständige Artikellosigkeit ist im Neuhochdeutschen nur noch in Ausnahmefällen möglich. So lassen bestimmte Fügungen keinen Artikel zu: "Er hat Hunger"; "Ich fahre Auto" aber demgegenüber: "Er fährt einen Mercedes". Auch Abstrakta und Stoffbezeichnungen können als Subjekt ohne Artikel gebraucht werden, ohne dass sich die Bedeutung verändert: "(Die) Schönheit vergeht"; "(Das) Geld regiert die Welt". Standesbezeichnungen und Ähnliches bleiben in prädikativer Stellung ebenfalls artikellos: "Sie ist Tischlerin". Eigennamen werden üblicherweise nur dann mit Artikel gebildet, wenn vor dem Namen ein Adjektiv steht. Im süddeutschen Raum ist es jedoch recht verbreitet, Namen, außer in der Anrede; mit bestimmten Artikeln zu verwenden. Ingerid Dal führt das darauf zurück, dass Artikel über Familiennamen eindrangen, die eigentlich Appelativa waren, wie mhd. der strickoere ("Seiler"). Ortsnamen werden bis auf wenige immer ohne Artikel benutzt. Artikellosigkeit lässt sich weiter in einer großen Zahl von Sprichwörtern und formelhaften Verbinungen finden: "Haus und Hof"; "Mann und Maus". Hier handelt es sich um Relikte des älteren artikellosen Gebrauchs. In diesem Zusammenhang fallen auch Dichtungen, die stilistisch überlieferte Volkslieder nachbilden sollten: "Knabe sprach – Röslein wehrte sich. "

Entwicklung des Gebrauchs

Bereits in Wulfilas gotischerer Bibelübersetzung lassen sich Artikel nachweisen. Ihren Gebrauch führt Ingred Dal auf den Einfluss des griechischen Ausgangstextes zurück, in dem Artikel verwendet wurden . Im Althochdeutschen setzt sich seine Verwendung immer weiter durch, wenn auch noch nicht in aller Konsequenz. Im Mittelhochdeutschen ist das Vorkommen von artikellosen Substantiven schon sehr stark eingeschränkt. In dieser Sprachperiode findet sich auch die im Neuhochdeutschen unmögliche Form der Artikelsetzung vor Possesivpronomen und Substantiv: "die iuweren schoenen tohter". Eine weitere heute ungebräuchliche Konstruktion ist die gleichzeitige Verwendung von bestimmten und unbestimmten Artikel, die sich vor allem vor einem Relativsatz oder beim Superlativ nachweisen lässt: "ein daz schoenste gras ".

Der bestimmte Artikel entwickelte sich aus den Demonstrativpronomen dër, diu, daz und wurde auch schon als Relativpronomen gebraucht. In Folge dessen entstanden die so genannten zusammengesetzen Demonstrativpronomen aus dem einfachen Demonstrativpronomen und dem unflektierbaren Demonstrativpartikel se. Daher wird zunächst auch nur der erste Teil flektiert; die Endflexion wird hier erst später die Regel.

Der unbestimmte Artikel entwickelte sich aus dem Numeral althochdeutsch und mittelhochdeutsch ein (gotisch ains), wie auch der unbekannte Artikel in den romanischen Sprachen aus dem lateinischen unus hervorgegangen ist (vergleiche französisch un, une; spanisch un, una). Auch der Gebrauch des unbestimmten Artikels wird im Mittelhochdeutschen die Regel. Allerdings erreichte die Entwicklung erst nach und nach den Stand, dass zwischen den Gebrauch von bestimmten und unbestimmten Artikel, sowie Artikellosigkeit eine konkrete Bedeutungsrelation verstanden wurde.

Das immer weitere Vordringen des Artikelgebrauchs lässt sich auf eine konstante Tendenz in der Entwicklung der Nebensilben zurückführen, die sich bis in die Gegenwartssprache fortsetzt. Aus sprachökonomischen Gründen kommt es zur Nebensilbenabschwächung und auch zur Nebensilbenvokalausstoßung. (Apokope und Synkope). Diese in erster Linie lautliche Konstante wirkt sich auch auf das Formensystem aus, da sie sich wesentlich auf die Flexionsmorpheme auswirkt. Durch die Abschwächung der volltonigen Endsilbenvokale zu e, fallen unterschiedliche Kasus formal zusammen; der Artikel wird gebraucht, um den Kasus anzuzeigen. Durch die Nebensilbenabschwächung wird folglich die Tendenz vom synthetischen zum analytischen Sprachbau verstärkt.




     
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