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Aristophanes



Aristophanes war ein griechischer Satiriker und Komödiendichter. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der antiken Komödie.

Table of contents
1 Leben
2 Werke
3 Textbeispiele

Leben

Über das Leben des Aristophanes wissen wir nur sehr wenig. Er, dessen Name soviel wie "der sich als der Beste erwies" bedeutet, wurde vermutlich um 448 v. Chr als Sohn des Philippus in Kydathen, einem Stadtteil Athens, geboren. Von 430 - 428 v. Chr erhält er eine gute Ausbildung zum Dramatiker und beginnt dann, Stücke zu veröffentlichen, die ersten drei noch anonym, nicht selbst, sondern von Callistratus aufgeführt. Insgesamt verfasst er 44 Theaterstücke, von denen elf erhalten sind und man ihm vier wahrscheinlich fälschlich zugeschrieben hat. In seinen Stücken nimmt er stets Bezug zu aktuellen Ereignissen und Personen. Dabei persifliert Aristophanes teilweise Stilmittel anderer Dichter, z.B. des Euripides. Für seine Werke erhält er bei den Lenäen und Dionysien oftmals hohe Auszeichnungen. Auch seine drei Söhne Philippos, Araros und Nikostratos wurden Komödiendichter. Er stirb um 385 v. Chr in Athen, wo er den größten Teil seines Lebens verbracht hatte. Zwischenzeitlich lebte er auch in Aigina, einer Insel nahe Athen, die erst 431 v. Chr kolonisiert wurde. Nach seinem Tode macht Platon ihn zu einer Figur in seinem Stück "Das Gastmahl" (Symposium).

Werke

Alle Werke sind nach Datum geordnet, noch vollständig erhaltene kursiv gedruckt.

Die Feiernden (Thetalis): 427 v. Chr, zweiter Preis bei den Dionysien

Inhalt des Stückes ist die Beziehung zwischen einem Vater und seinen beiden Söhnen, von denen einer moralisch, der andere unsittlich ist. Als beide die gemeinsame Farm verlassen und zu einem städtischen Sophisten geschickt werden, flieht der moralische bald aufgrund der dort herrschenden Unanständigkeit, während der unmoralische bleibt, um die hinterhältigen Geschäftsgeheimnisse des Sophisten zu erfahren. Aristophanes stellt hier den Gegensatz zwischen der traditionellen Erziehung, die mehr Wert auf moralisches Verhalten bzw. Reden legt, und der "neuen" Erziehung, der es um Redekunst, Spitzfindigkeit, Prahlerei und weniger um vernünftige Argumentation geht, dar. Der unmoralische Sohn hat sich diesen neuen Werten verschrieben, während der Vater als Repräsentant der alten Ausbildung fungiert und es an dieser Stelle zu einer voraussehbaren Trennung zweier Generationen kommt. Das Publikum soll jedoch mit dem Vater und seinem sittlichen Abkömmling sympathisieren, die aufgrund ihrer Rechtschaffenheit zu den moralischen Helden des Stückes werden.

Diese erste politische Komödie des Aristophanes sorgt für handfeste Aufregung. Im Chor werden die Städte des Attischen Seebunds als hart arbeitende Sklaven an der Handmühle des Militärführers Kleon symbolisiert, vor den Augen der Gesandten aus eben diesen Orten. Diese kommen zur Zeit solcher Theateraufführungen immer nach Athen, um Tribut zu zahlen. Aristophanes kritisiert hier satirisch das Demagogentum Kleons sowie den Imperialismus Athens und macht sich über die teuren, gewählten Ratsmitglieder lustig, was ihm eine folgenlose Klage Kleons wegen Beleidigung und Verleumdung der Polis einbringt.

Auch in der ersten von ihm selbst aufgeführten Komödie wendet sich Aristophanes gegen die Politik Athens, wobei erneut Kleon zur Zielscheibe des größten Spottes wird. Jener wird als großmäuliger Obersklave "Paphlagon", der durch hinterlistige Machenschaften großen Einfluss auf seinen senilen Herrn "Demos" (das Volk) gewinnt, ins Stück eingebunden. Wieder (siehe "Die Babylonier") zeigt Aristophanes in einem seiner Werke Kleon als skrupellosen Volksverführer. Dieser verliert in der Komödie - im Gegensatz zur Realität - seinen Posten: Ein Orakel prophezeit, dass er nur von einem noch schlimmeren Demagogen gestürzt werden könne. Die für das Stück namensgebenden Ritter machen sich auf die Suche und finden ihn in Gestalt eines Wursthändlers, der den Demos überzeugen kann, zum neuen Obersklaven gewählt wird und eine interessante Lösung aller Probleme präsentiert: Der betagte Demos wird mit magischen Kräften "junggekocht" und damit eine politisch-ethische Erneuerung eingeleitet.

419/418 v. Chr erstellt Aristophanes eine zweite, überarbeitete Version, die jedoch nie erscheint. In dieser Komödie nimmt sich Aristophanes das athenische Justizwesen, das von der Prozesssucht vieler Athener wesentlich beeinflusst wird, zur Brust. Wieder einmal ist es Kleon, auf den in besonderem Maße angespielt wird, und zwar einerseits auf dessen Niederlage in einem aktuellen Unterschlagungsprozess, andererseits auf die von ihm vorgenommene Erhöhung des Richtersolds auf drei Obolen. Letzteres gereicht im Stück dem älteren Manne Philokleon ("Freund des Kleon") zum Vorteil, da er sich für diesen Lohn als Richter von den Demagogen missbrauchen lässt. Wie das Gros seiner Mitbürger ist er dem Beruf regelrecht verfallen, großtuerisch fällt er Urteile mit seinem Griffel, welcher mit einem Wespenstachel gleichgesetzt wird. Sein Sohn Bdelykleon ("Feind des Kleon") will diesem Treiben ein Ende setzen und sperrt den Vater in seinem Haus ein. Das Motiv des Generationskonflikts tritt also auch hier auf. Zwar beschwert sich der Vater beim Chor, der zum Großteil aus ihm zugeneigten Personen besteht, doch letztendlich findet sein Kind die überzeugenderen Argumente und macht allen klar, wie sehr die Gerichtsherren ausgenutzt werden. Vorerst wird Philokleon zu Hause ein Gerichtshof eingerichtet, doch auf wundersame Weise wird er später durch Dionysos komplett geheilt, worauf ein abschließendes Festmahl folgt.

Später wird eine zweite Version veröffentlicht, die jedoch nicht erhalten ist. Seit über zwei Jahrzehnten tobt nun der Peloponnesische Krieg. Getragen von der Erkenntnis, einzig die Männer wären daran schuld, verschwören sich die Frauen von Athen und Sparta, um den Frieden zu erzwingen. Sie besetzen unter Führung der Titelheldin Lysistrate die Akropolis und verweigern sich fortan sexuell gegenüber ihren Gatten. In Sparta wird durch Lampito ähnliches veranlasst. Nach einigen Verwicklungen und Rückschritten – mehrfach versuchen liebestolle Frauen, die Burg in Richtung der Männer zu verlassen, oder die erbosten Herren, selbige zu erstürmen - führt der Liebesentzug tatsächlich zum Erfolg. Dieses Werk mit seiner Idee eines besonderen "weiblichen Pazifismus" gehört zweifelsohne zu den berühmtesten Kreationen des Aristophanes und wurde später immer wieder aufgegriffen.

Es besteht offenbar kein Zusammenhang mit dem gleichnamigen Stück von 423 v. Chr Mit seinem letzten eigenhändig aufgeführten Werk läutet Aristophanes den Übergang zur mittleren Komödie ein. Im Mittelpunkt stehen nicht mehr die großen politischen Fragen der Zeit, sondern individuelle und gesellschaftliche Probleme, wobei es in "Der Reichtum" um die Verteilung von Besitz geht. Der anständige Chremylos ("Der kleine Räusperer") muss in Armut leben, während zahlreicher Verbrecher ein immer größeres Vermögen anhäufen. Er wendet sich darum an das Orakel von Delphi, um zu erfahren, ob sein Sohn auch vom Weg der Tugend abkommen soll, um später ein besseres Leben als sein Vater führen zu können. Von Apollon erhält er den Rat, dem ersten Menschen, der ihm beim Verlassen des Tempels über den Weg läuft, zu folgen und ihn in seine Herberge einzuladen. Er trifft auf einen alten, blinden Mann: Plutos, der Gott des Reichtums. Weil dieser blind ist, kann er nicht sehen, wie ungerecht er seine Gaben verteilt. Um das zu ändern, lässt ihn Chremylos im Tempel des Asklepios heilen, worauf sich die Besitzverhältnisse wunschgemäß ändern. Penia, Göttin der Armut und damit Gegenspielerin, gelingt es nicht, die Bürger mit einem Vortrag über die moralische Bedeutung der Armut zu überzeugen - sie wird verjagt, Plutos dagegen gefeiert und mit einem Altar im Parthenon geehrt. Bei dem uns bekannten Text handelt es sich um eine bearbeitete, dem Zeitgeschehen angepasste Fassung, denn die erste Version erschien 408 v. Chr und ist nicht mehr erhalten.

Das letzte Theaterstück Aristophanes' ist eine bearbeitete Version, das Datum der Erstfassung unbekannt.

Folgende weitere Werke sind nur namentlich bekannt: Daidalos, Danaiden, Das Alter (?), Das Frauenlager (?), Die Helden, Die Hühner (?), Die Inseln, Die Lemnierinnen, Die Phönizierinnen, Die Poesie (?), Die Zeiten (?), Die Zentauren, Dionysos' Schiffbruch, Niobos, Polyidos

Textbeispiele

Der Frieden - Erste Szene (Auszug)

Der Vorhof eine Gehöftes; auf der einen Seite ein Schweinestall, worin ein großer Käfter gefüttert wird; zwei Knechte, emsig beschäftigt, der eine an einem Backtrog [zweiter Knecht], in welchem er Mistkuchen knetet, der andere am Schweinestall [erster Knecht], den Käfer darin fütternd.

Erster Knecht: Schnell, reiche schnell dem Kläger einen Kuchen her!
Zweiter Knecht: Da! Gibs dem Unhold, den der Henker holen mag, und labe seinen Gaumen nie ein süßerer!
Erster Knecht: Noch einen andern reiche her - aus Eselsmist!
Zweiter Knecht: Da sieh noch einen! Wo gerieht der andre hin? Den fraß er nicht?
Erster Knecht: Bewahre, nein, er riß ihn weg, und wälzt ihn umher mit den Füßen, und verschlang ihn ganz. Drum knete hurtig ihrer viel und dick noch.
Zweiter Knecht: (gegen die Zuschauer) Helft, helft, ihr Kothaufsammler, wollt ihr anders nicht mich im Gestank gleichgültig hier ersticken seh'n!

Lysistrate - Vierte Szene (Auszug) (übersetzt von Ludwig Seeger)

Kinesias: Wie kannst du so mirs machen, Böse? Folgst den Weibern da, und marterst mich, und quälst dich selber mit? (Greift nach ihr)
Myrrhine: Die Hand weg! Laß mir Ruh'!
Kinesias: Du ziehst die Hand ab, und zuschanden geht daheim mein Gut und deines!
Myrrhine: Schiert mich wenig!
Kinesias: So? Dir ists gleich, wenn deine Weberei herab die Hühner zerren?
Myrrhine: Mir ists gleich!
Kinesias: Wie lange schon hast du Aphrodites Nachtfest nicht mitgemacht? — Sag, kommst du nicht mit heim?
Myrrhine: Niemals, bei Zeus, wenn ihr den Krieg nicht endigt und Frieden macht!




     
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