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Arabische Philosophie



Arabische Philosophie nennt man die Philosophie der arabischen Welt in Nordafrika, ausgehend von der Arabischen Halbinsel.

Table of contents
1 Einleitung
2 Die Übersetzung von griechischen Schriften
3 Die Philosophie des arabischen Ostens
4 Die Philosophie des arabischen Westens
5 Die späte arabische Philosophie

Einleitung

Die arabische Philosophie steht eng im Zusammenhang mit dem Islam. In der Zeit vor Mohammed (570-632) gab es auf der Arabischen Halbinsel kaum Schrifttum, und folglich keine eigene Philosophie. Der Koran ist nicht nur das heilige Buch der Muslime, sondern auch jene Schrift, welche die arabische Welt zu einer Einheit formte und ihre geistige wie historische Identität wesentlich gestaltet. Die Muslime nennen ihre Philosophie falsafa, was die griechische Richtung im islamischen Denken ausdrückt. Anders als die mittelalterliche Philosophie des Christentums stand die arabische im Gegensatz zur islamischen Theologie. Die Blütezeit der arabische Philosophie fällt in die Zeit der größten Ausdehnung der islamischen Kultur im 9. Jahrhundert/10

Die Übersetzung von griechischen Schriften

Während der Herrschaft des in Bagdad von 813 bis 833 regierenden Kalifen al-Mamun wurden die Übersetzungen griechischer Schriften vorangetrieben. So entstanden durch Hubain Ibn Isaq und seinen Sohn Isaq Ibn Hubain eine sehr gründliche Übersetzung der antiken Mediziner Galen und Hippokrates. Von den griechischen Philosophen wurde das Werk von Aristoteles komplett übersetzt und von Platons gelangten die Dialoge Politeia, Nomoi und Timaios in die Welt der Araber.

Die Philosophie des arabischen Ostens

Der in Bagdad lebente Übersetzer al-Kindi wird oft als erster muslimischer Philosoph bezeichnet. Er verfasste angeblich über 260 Werke, von denen die meisten allerdings als verschollen gelten. Al-Kindis Denken wurde von Aristoteles und dem Neuplatonismus geprägt. Es wirft die Frage nach dem Verhältnis von Offenbarungsreligion und Rationalität auf. Um den Konflikt zu harmonisieren, wird Gott als Wahrheit verstanden. Die Lehre des Koran wird als heiliges, die Philosophie als menschliches Wissen gedeutet. Mit den Mitteln der aristotelischen Logik und Metaphysik wird die Realität und gleichzeitig die Offenbarung des Koran, interpretiert. Von Aristoteles übernimmt al-Kindi die sogenannte Vier-Ursachen-Lehre, wobei Gott als Wirkursache auftritt. Al-Kindi versteht die Seele als einfache und vom Leib getrennte Entität.

Auch der Iraner al-Razi, der ebendfalls in Bagdad lebte, verfasste geschätzte 150 Werke und galt als der strikteste Rationalist unter den muslimischen Philosophen. Al-Razi lehrte, dass Gott den Menschen die Vernunft gegeben hat und versuchte eine systematische Kritik von Bibel und Koran. In seiner Schrift Zweifel an Proklos kritisierte er den neuplatonischen Gedanken der Ewigkeit der Welt. Al-Razi lehrte einen Atomismus mit den fünf Urprinzipien der Welt (Gott, Raum, Seele, Materie, und Zeit).

Der aus Turkistan stammende al-Farabi lehrte, dass alles Bestehende in Notwendiges und Mögliches zuteilen sei, wobei das Notwendige die Ursache alles anderen seie, selbst keiner Ursache bedürfe und auch nicht bewiesen werden könne. Sein Denken war streng idealistisch: Da Gott als erste Ursache sich selbst erkennender Geist ist, wird er als formgebendes Vorbild aller Realität verstanden. Das Bestehende wird in einem Stufenmodell (Gott, acht Sphärengeister, menschliche Vernunft, Seele, Form und Materie) vorgestellt. Diese Stufen beschreiben zugleich den Prozess der menschlichen Erkenntnis. Nach diesem Stufenplan entwickelt al-Farabi in seiner Schrift Der Musterstaat eine politische Theorie des theokratischen Führerstaates.

Avicenna (eigentlich: Ibn Sina) bezeichnete sich selbst als Schüler al-Farabis und gilt als einer der einflussreichster islamischer Philosophen. Avicenna systematisierte die Lehren seiner Vorgänger und teilte die Wissenschaften nach aristotelischem Muster in verschiedene Disziplinen ein. Sein Hauptwerk Orientalische Philosophie gild als größtenteils verloren. Es enthielt eine am neoplatonistischen Vorbild orientierte Emanationslehre, wonach alle Vernunft Ausfluss Gottes ist und die Realität als permanente Ausströmung des ewigen Gottes begriffen wird. Die Erkenntnis ist nach Graden gestuft. Er unterschied zwischen internem und externem Wahrnehmungvermögen. Im Anschluss an Avicenna versuchte Ibn Hazm die Logik zur Koranauslegung zu nutzen. Er lehrte, dass die Offenbarung unabhängig von einer besonderen Sprache sei.

Der vom Sufismus geprägte al-Gazahli bemühte sich um eine Bereinigung der Theologie von aller Philosophie. Gegen die elitäre Position des Ibn Bajjah wandte al-Gazahli ein, wenn die Philosophie nicht für die alle Menschen gut sei, dann sei sie es überhaupt nicht. Bezeichnend sind die Titel seiner Werke Der Erretter aus dem Irrtum und Die Wiederbelebung der Religionswissenschaften, in denen er 20 Thesen gegen die Philosophie (vor allem gegen al-Farabis und Avicenna) vorbringt. Sein Spätwerk Die Nische der Lichter (Eine Interpretation der 24. Koransure) vergleicht das wirkliche Wissen mit einem Lichtstrahl, den Gott als Geschenk in das Herz der Menschen sendet. Mit dem Erfolg des bis heute theologisch einflussreichen al-Gazahli endeten die rationalistischen Bestrebungen im Osten Arabiens.

Die Philosophie des arabischen Westens

Im damahligen islamischen Spanien blühte die arabische Philosophie für eine kurze Zeit noch einmal auf. In Voraussicht der Unvereinbarkeit von philosophischem Rationalismus und Offenbarungstheologie versuchte Ibn Bajjah die Philosophie als elitäre und esoterische Denkrichtung zu verteidigen, welche den Menschen besser verborgen bleibe.

Literarisch bedeutsam ist vorallem Ibn Tufail durch seine Erzählung Hayy Bin Yayzan, die Geschichte von einem auf einer einsamen Insel ausgesetzten Waisenkind, das autodidaktisch in induktiver-empirisch Methode das Studium der Natur beginnt und dann durch einen Wesir von der Nachbarinsel mit den Lehren des Propheten bekannt wird und schließlich auf eine bewohnte Insel übersiedel um dort sein Wissen zu verkünden.

Ibn Ruschd ein Richter und Leibarzt des Kalifen wurde den Christen als Anhänger und scharfsinniger Kommentator des Aristoteles bekannt, von den Muslimen aber verfolgt. In seiner Widerlegung des al-Gazahli versucht er eine Erneuerung der Philosophie.

Die späte arabische Philosophie

Der Historiker Ibn Chaldun bereicherte den Islam im 14. Jahrhundert durch eine kulturvergleichende Geschichtsphilosophie. Durch Tasköprüzade entstand im 16. Jahrhundert dem islamischen Denken eine Enzyklopädie. Suhrawardist Sirazi emtwickelte mystische Lehren. Westlich orientierte Staaten haben sich im 20. Jahrhundert um eine Wiederanknüpfung an die rationale Philosophie bemüht.




     
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