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Alte Geschichte



Die Alte Geschichte war und ist bis heute im Fächerkanon der an Universität gelehrten Geschichtswissenschaft derjenige Teil, der zeitlich anschließend an die Vor- und Frühgeschichte die Zeit des Altertums (Antike) behandelt. Die Alte Geschiche beginnt mit den frühesten (schriftlichen) Zeugnissen historischer Zeit, also mit den Keilschriften der Sumerer, und endet mit dem Übergang der Spätantike ins Mittelalter, der verschieden datiert wird. Manche datieren das Ende der Antike auf das Jahr 476 (Absetzung des letzten weströmischen Kaisers durch Odoaker. Andere dehnen die Zeit der Spätantike über die Dunklen Jahrhunderte hinaus bis zu einer von ihnen angenommenen translatio imperii im Jahr 800 (Kaiserkrönung Karls des Großen) aus.

In geographischer Hinsicht gehören zum Kernbestand der Alten Geschichte alle Regionen, die Teil des Römischen Reichs zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung unter Kaiser Trajan waren. Die Alte Geschichte ist damit im wesentlichen Geschichte Griechenlands und Römische Geschichte. Im 19. Jahrhundert, das als das historisierende Jahrhundert schlechthin angesehen werden kann, nahmen die Geschichtswissenschaft (vor allem in Deutschland) und die Archäologie einen gewaltigen Aufschwung. Eine ganze Reihe überragender Geschichtswissenschaftler (Lepsius, Niebuhr, Curtius, Mommsen u.a.) dehnten ihre Forschungen auf immer weitere Regionen und Forschungsgebiete aus. Das führte dazu, dass die Alte Geschichte sich mehr und mehr auch mit solchen Regionen befasste, die bisher außerhalb seiner Reichweite gelegen hatten. Die Geschichte des alten Ägyptens, Mesopotamiens, Irans und Anatoliens wurden in das Fach einbezogen, so dass am Ende des 19. Jahrhunderts die Alte Geschichte neben der Geschichte des griechisch-römischen Altertums auch die Geschichte des Alten Orients umfaßte. Die umfassende Beherrschung des gewaltigen Gebiets der Geschichte der Alten Welt (also Europas, Nordafrikas sowie des Vorderen und Mittleren Orients) samt den dazu erforderlichen Hilfswissenschaften, namentlich den diversen antiken Sprachen und Schriften (Sumerisch, Akkadisch, Babylonisch, Persisch, Koptisch, Aramäisch, Griechisch, Lateinisch, diverser anatolischer Sprachen; Keilschriften, Hieroglyphen, Minoische, Phönizische und Griechische Schrift, Linear B usw.) überstieg aber denn doch die Möglichkeiten eines einzelnen Wissenschaftlers. Im 19. Jahrhundert gab es zwar einzelne Gelehrte, die die Fülle des Fachs in seiner Gesamtheit noch überblickten und auch wenigstens in Grundzügen und ansatzweise die erforderlichen Kenntnisse in den Einzeldiszipinen hatten. Bei zunehmender Spezialisierung der Orientalistik ist die Entwicklung in der Alten Geschichte aber heute wieder rückläufig. Das Fach konzentriert sich mehr und mehr wieder ausschießlich auf die Griechische und Römische Geschichte und bildet zusammen mit der Klassischen Philologie und Klassischen Archäologie das übergreifende Sachgebiet Klassische Altertumswissenschaft. Damit kehrt es zu seinen Ursprüngen zurück, die am Ende des 18. Jahrhunderts zu suchen sind.

Ausgehend von der französischen Querelle des Anciens et des Modernes (Streit der Anhänger der Alten und der Anhänger der Moderne) hatte sich das Fach Alte Geschichte auf einem Gebiet etabliert, das die Anhänger des aufgeklärten Zeitalters der Moderne (daher das heutige Schlagwort Postmoderne) bei aller Begeisterung für die aufstrebende Naturwissenschaft, Technik und Ökonomie ihrer Zeit den Bewundern der Alten (d.h. der alten Griechen und Römer) mehr oder weniger widerstrebend überlassen hatten. Auf dem Gebiet der schönen Künste und Wissenschaften wurde der beispielgebende und Maßstäbe setzende Charakter des Klassischen Altertums weiterhin anerkannt. Ein Hauptzug und wesentlicher Inhalt der Deutschen Klassik bestand gerade darin, durch Erforschung und wissende Aneignung des Klassischen Altertums - in Deutschland vornehmlich des griechischen - die eigene Kultur überhaupt erst auf das ihr erreichbare Niveau zu heben. So schrieb Wilhelm von Humboldt (1807):

Wir haben in den Griechen eine Nation vor uns, unter deren glücklichen Händen alles, was, unserem innigsten Gefühl nach, das höchste und reichste Menschendasein bewahrt, schon zu letzter Vollendung gereift war ... Ihre Kenntnis ist nicht bloß angenehm, nützlich und notwendig, nur in ihr finden wir das Ideal dessen, was wir selbst sein und hervorbringen möchten; wenn jeder andere Teil der Geschichte uns mit menschlicher Klugheit und menschlicher Erfahrung bereichert, so schöpfen wir aus der Betrachtung der Griechen etwas mehr als Irdisches, ja beinahe Göttliches.

Getragen von solcher Begeisterung und versorgt mit wissenschaftlichem Nachwuchs, der bereits auf den Gymnasien Humboldt'scher Prägung mit weitgehenden Kenntnissen der griechischen und lateinischen Sprache ausgerüstet worden war, erlebte die Klassische Altertumswissenschaft und mit ihr die Alte Geschichte in Deutschland im 19. Jahrhundert ihre höchste Blüte. Namen wie Gustav Droysen, Ernst Curtius, Eduard Meyer, Beloch, von Pöhlmann, Theodor Mommsen stehen noch heute für Geschichtswissenschaft und Geschichtsschreibung auf höchstem Niveau. Aber auch die zeitgenössische Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Alten Geschichte fördert immer wieder - nicht nur in Deutschland - bemerkenswerte Ergebnisse zu Tage. Zu erwähnen sind beispielsweise die aktuelle Troja-Forschung, neue Ansätze zum Verständnis der athenischen Demokratie (Christian Meier, Paul Veyne) oder (im Anschluss an Rostovtzeff) neue Erkenntnisse über das Funktionieren der griechischen Wirtschaft (Pierre Vidal-Naquet)..



     
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